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Wie weit runter mit Phosphor?

Die neue Düngeverordnung schreibt neben neuen Werten für die Nährstoffausscheidungen auch niedrigere N- und P-Salden vor. Und ab 2018 fordert die Stoffstrombilanz den Vergleich von Nährstoffzu- und -abfuhr eines Betriebes. Der Druck steigt also, den Nährstoffanfall noch weiter zu senken. Insbesondere in den Veredlungsregionen müssen Schweinebetriebe ihre Phosphorüberschüsse abbauen. Aber nicht nur aus düngerechtlicher und ökonomischer Sicht, sondern auch unter dem Aspekt der Ressourcenschonung rückt die Phosphorversorgung in den Blickpunkt von Verbrauchern und Landwirten. Da in Niedersachsen N-/P-reduzierte Futter und der Einsatz von Phytase seit langem zum Standard gehören, sollte ein Versuch der LWK Niedersachsen klären, welche Reserven in der Phosphorversorgung von Mastschweinen noch ausgeschöpft werden können. Dazu wurde komplett auf den Zusatz von anorganischem Phosphor verzichten.

Versuchsdurchführung in der LPA Quakenbrück

In der Leistungsprüfungsanstalt Quakenbrück wurden 115 Ferkel (Pi x Danzucht) nach Gewicht und Geschlecht auf zwei Futtergruppen verteilt, in Einzelbuchten gehalten und trocken ad libitum gefüttert. Die Kontrollgruppe und die phosphorreduzierte Versuchsgruppe erhielten das Anfangsmastfutter RAM 2.1 bis 70 kg LG und danach das Endmastfutter RAM 2.2. Allen Futtern wurde Phytase („Phyzyme“) zugesetzt, wobei die Phytasemenge im Versuchsfutter gegenüber dem Kontrollfutter um zwei Drittel bzw. drei Viertel erhöht war.

Tabelle 1: RAM-Futter in beiden Gruppen (Planungsdaten)

 

 

Kontrollgruppe

Versuchsgruppe
P-reduziert

 

 

RAM

RAM

Mastabschnitt

 

kg

2.1

29-70

2.2

70-122

2.1

29-70

2.2

70-122

Rohprotein

Lysin

ME

Phosphor

verd. Phosphor

Phytase

%

%

MJ/kg

%

%

FTU/kg

17,0

1,10

13,4

0,50

0,32

375

14,0

0,90

13,0

0,45

0,25

250

17,0

1,10

13,4

0,42

0,31

625

14,0

0,90

13,0

0,37

0,25

438

Während den Kontrollfuttern anorganischer Phosphor in Form von Monocalciumphosphat zugesetzt war, enthielten die Versuchsfutter dieses nicht. Der Anteil der Phosphorquelle Rapsextraktionsschrot unterschied sich nicht zwischen den Gruppen, hingegen enthielt das Endmastfutter der P-reduzierten Gruppe keine Weizenkleie mehr.

Tabelle 2: Futteranalysen

 

 

Kontrollgruppe

Versuchsgruppe
P-reduziert

 

 

RAM

RAM

 

 

2.1

2.2

2.1

2.2

Rohprotein

Lysin

Methionin + Cystin

Threonin

ME

Lysin/ME

Phosphor                         

%

%

%

%

MJ/kg

g/MJ

%

16,6

1,07

0,59

0,69

13,3

0,80

0,48

14,0

0,85

0,51

0,57

13,2

0,64

0,46

16,5

1,04

0,59

0,68

13,5

0,77

0,42

13,8

0,86

0,60

0,57

13,3

0,65

0,39

Versuchsergebnisse

Die Schweine erreichten durchschnittliche Tageszunahmen von 989 g, der Futteraufwand je kg Zuwachs lag bei 2,62 kg. Die Kontrollgruppe erzielte 1011 g und die Gruppe ohne mineralische Phosphorergänzung 967 g Tageszunahmen, der Futteraufwand je kg Zuwachs lag bei 2,56 bzw. 2,67 kg. Die Tiere beider Gruppen fraßen pro Tag 2,58 kg. Die Unterschiede in den Tageszunahmen und im Futteraufwand waren statistisch abzusichern. Die Tiere der Kontrollgruppe wiesen in der Endmast ab 70 kg Tageszunahmen von 1065 g und einen Futteraufwand von 2,92 je kg Zuwachs auf. Die Tiere der Versuchsgruppe nahmen in dieser Zeit 1009 g je Tag zu und benötigten 3,07 kg Futter je kg Zuwachs. Fundamentprobleme traten nicht auf.

Die Klassifizierung der Schlachtkörper erfolgte nach AutoFOM. Im Mittel wurden 0,981 Indexpunkte je kg Schlachtkörpergewicht erzielt. Es gab keine signifikanten Unterschiede in der Schlachtkörperbewertung.

Tabelle 3: Mastleistung und Schlachtkörperbewertung

 

 

Kontrollgruppe

 

Versuchsgruppe

P-reduziert

Anzahl Tiere

Anfangsgewicht

Endgewicht

Tageszunahmen

Futteraufwand/kg Zuwachs

Futterverbrauch/Tag

 

kg

kg

g

kg

kg

58

28,9

122,8

1011a

2,56a

2,58

57

28,8

122,1

967b

2,67b

2,58

Schlachtkörpergewicht

Schlachtausbeute

Schinken

Lachs

Schulter

Bauch

MFA Bauch

Indexpunkte/kg SG

kg

%

kg

kg

kg

kg

%

95,9

78,1

18,0

7,0

8,8

14,2

55,4

0,983

95,6

78,3

17,9

7,0

8,8

14,2

55,0

0,978

a,b: Unterschiedliche Buchstaben kennzeichnen signifikante Differenzen (p< 0,05).

Futterkosten

Die Berechnung der Futterkosten beruhte auf den Nettopreisen im Versuchszeitraum. Die Futterkosten je 100 kg Zuwachs liegen in der Kontrollgruppe bei 64,67 € und in der Versuchsgruppe bei 67,06 €.

Nährstoffausscheidungen

Je Tier wurden folgende Stickstoff- und Phosphat-Ausscheidungen ermittelt:

Kontrollgruppe:                                     3,38 kg N und 1,47 kg P2O5
Versuchsgruppe (stark P-reduziert):        3,60 kg N und 1,12 kg P2O5

Somit schieden die Tiere der stark P-reduzierten Gruppe 24 % weniger P2O5, aber knapp 7 % mehr N als die Schweine der Kontrollgruppe aus.

Fazit

In einem Fütterungsversuch wurde überprüft, wie sich eine stark phosphorreduzierte Fütterung auf die Leistung von Mastschweinen auswirkt. Indem auf den Zusatz von anorganischem Phosphor in der Versuchsgruppe verzichtet wurde, konnte der P-Gehalt auf 0,42 % im Anfangsmast- und 0,37 % im Endmastfutter reduziert werden. Die Kontrollgruppe erzielte mit 1011 g Tageszunahmen und einem Futteraufwand von 2,56 kg je Zuwachs signifikant bessere Werte als die stark P-reduzierte Gruppe mit 967 g Tageszunahmen und 2,67 kg Futter/kg Zuwachs. In der Schlachtkörperbewertung wurden gleiche Leistungen erzielt. Die Futterkosten je 100 kg Zuwachs betrugen 64,67 € (Kontrolle) und 67,06 € (Versuch). Da in älteren Versuchen keine Leistungsminderungen durch die Reduzierung des P-Gehaltes auftraten, sollten weitere Untersuchungen zu dieser Thematik durchgeführt werden.


Kontakt:
Andrea Meyer
Fütterung von Rindern und Schweinen, Futterberatungsdienst e.V.
Telefon: 0511 3665-4479
Telefax: 0511 3665-4525
E-Mail:
Wolfgang Vogt
Leiter LPA Quakenbrück, Koordination Versuche Schwein
Telefon: 05431 90309-12
Telefax: 05431 90309-16
E-Mail:


Stand: 14.09.2017