Webcode: 01033710

Viel Roggen für Mastschweine

Das Düngerecht erhöht den Druck auf die Mastbetriebe, den Nährstoffanfall weiter zu senken. Für N-reduzierte Rationen bietet sich der Roggen wegen seines geringen Eiweißgehalts geradezu an. Preislich gesehen ist er häufig eine interessante Futterkom­ponente, allerdings begegnen immer noch viele Betriebe hohen Roggen­anteilen im Schweinefutter mit einer gewissen Skepsis. Wie andere Getreidearten enthält auch der Roggen Kohlenhydrate, sogenannte Nicht-Stärke-Polysaccharide (NSP), die das Schwein mangels körpereigener Enzyme kaum verdauen kann. Größtenteils beste­hen die NSP des Roggens aus Pentosanen. Diese wirken nachteilig, da sie die Energiekonzentration des Futters senken und hochverdauliche Nährstoffe umhüllen (Käfigeffekt). Als ungünstig ist auch die Steigerung der Viskosität im Verdauungstrakt zu beurteilen, da sich dadurch die Passagerate des Futters verringert. Bei jüngeren Tieren sind diese Effekte ausgeprägter als bei älteren Schweinen. Mikrobiell erzeugte Enzyme können diese Nachteile mindern oder sogar beseitigen, indem sie die Pentosane spalten und dadurch die Nährstoffverdauung verbessern. Da in einem kürzlich abgeschlossenen Versuch der LWK Niedersachsen die mit Roggen gefütterten Schweine eine geringere Schlachtausbeute aufwiesen, sollte ein weiterer Versuch zeigen, ob sich dieser Effekt bestätigt.

Versuchsdurchführung in der LPA Quakenbrück

In der Leistungsprüfungsanstalt Quakenbrück wurden je 40 Ferkel (Pi x Topigs TN 70) nach Gewicht und Geschlecht auf zwei Futtergruppen verteilt und in Einzelbuchten gehalten. In beiden Gruppen wurde das Anfangsmastfutter RAM 2.1 bis 70 kg Lebendgewicht und anschließend das RAM 2.2 gefüttert. Das Kontrollfutter enthielt keinen Roggen, im Versuchsfutter stellte Roggen die einzige Getreidekomponente dar. Im RAM 2.1 betrug der Roggenanteil 55 % und im RAM 2.2 knapp 67 %. Den Roggenfuttern waren NSP-spaltenden Enzyme zugesetzt, und zwar 152 U Glucanase und 1220 U Xylanase. Die Trockenfütterung erfolgte ad libitum. In der Ferkelkaufzucht wurde kein Roggen eingesetzt. Die Prüfung umfasste den Gewichtsbereich von 29 bis 123 kg.

Tabelle 1: Zwei Futtergruppen

Kontrollgruppe
ohne Roggen

Versuchsgruppe
mit Roggen

RAM 2.1
RAM 2.2

RAM 2.1 mit 55 % Roggen
RAM 2.2 mit 67 % Roggen

Die Futter sollten folgende Gehalte aufweisen:

Tabelle 2: Nährstoffgehalte der beiden Mischfutter (Planungsdaten)

 

 

 RAM

 

 

2.1
29 – 70 kg

2.2
70 – 123 kg

Rohprotein
Lysin
Phosphor
ME

%
%
%
MJ/kg

17,0
1,10
0,47
13,4

14,0
0,90
0,43
13,0

Die Analysenbefunde stimmten mit den Sollwerten gut überein.

Tabelle 3: Futteranalysen

 

 

Kontrollgruppe

Roggengruppe

 

 

RAM 2.1

RAM 2.2

RAM 2.1

RAM 2.2

Rohprotein
Lysin
Met+ Cys
Threonin
Phosphor
ME
Lysin/ME                 

 %
%
%
%
%
MJ/kg
MJ/kg

16,9
1,12
0,57
0,70
0,45
13,4
0,84

14,3
0,88
0,52
0,59
0,45
13,0
0,68

16,5
1,06
0,58
0,69
0,48
13,4
0,79

14,1
0,91
0,54
0,61
0,47
13,1
0,69

Ergebnisse

Die Schweine erzielten im Mittel 988 g Tageszunahmen, der Futteraufwand je kg Zuwachs lag bei 2,53 kg und der tägliche Futterverbrauch bei 2,50 kg. Während die höheren Tageszunahmen der Kontrollgruppe in der Anfangs- und Endmast nicht signifikant waren, konnte über die gesamte Mastperiode betrachtet der Unterschied von 35 g abgesichert werden. Die Differenz von 1.050 g (Kontrollgruppe) zu 1.005 g (Roggengruppe) bei den Zunahmen in der Endmast lag nur knapp über der Signifikanzgrenze. Der Futteraufwand je kg Zuwachs unterschied sich mit 2,51 kg (Kontrollgruppe) und 2,55 kg (Roggengruppe) nicht, auch beim täglichen Futterverbrauch gab es keine gesicherten Differenzen. Die geringeren Tageszunahmen der Roggengruppe wurden überwiegend durch die Kastraten verursacht.

Die Klassifizierung der Schlachtkörper erfolgte nach AutoFOM. Während die Indexpunkte je kg Schlachtkörpergewicht gleich waren, wiesen die Kontrolltiere ein gesichert höheres Fleischmaß als die mit Roggen gefütterten Tiere auf. In der Roggengruppe fiel ein Tier wegen Entwicklungsstörungen vorzeitig aus.

Tabelle 4: Mastleistung und Schlachtkörperbewertung

 

 

Kontrollgruppe

Roggengruppe

Anzahl Tiere

Anfangsgewicht

Endgewicht

Mastleistung 29-70 kg

Tageszunahmen

Futteraufwand/kg Zuwachs

Futterverbrauch/Tag

Mastleistung 70-123 kg

Tageszunahmen

Futteraufwand/kg Zuwachs

Futterverbrauch/Tag

Mastleistung gesamt

Tageszunahmen

Futteraufwand/kg Zuwachs

Futterverbrauch/Tag

 

kg

kg

 

g

kg

kg

 

g

kg

kg

 

g

kg

kg

40

28,8

123,4

 

957

2,05

1,96

 

1.050

2,87

2,99

 

1.005 a

2,51

2,52

39

28,9

123,4

 

933

2,08

1,93

 

1.005

2,92

2,93

 

970 b

2,55

2,47

Schlachtkörpergewicht

Schlachtausbeute

Schinken

Lachs

Schulter

Bauch

MFA Bauch

Speckmaß

Fleischmaß

Indexpunkte/kg

kg

%

kg

kg

kg

kg

%

mm

mm

96,5

78,1

18,7

7,3

9,3

13,6

58,6

13,9

64,5 a

0,992

96,3

78,1

18,5

7,2

9,3

13,8

58,5

13,5

62,9 b

0,988

 a,b: Unterschiedliche Buchstaben kennzeichnen signifikante Differenzen (p< 0,05).

Die Berechnung der Futterkosten beruhte auf den Nettopreisen im Versuchszeitraum. Die Futterkosten je 100 kg Zuwachs lagen in der Kontrollgruppe bei 62,86 € und in der Roggengruppe bei 62,37 €.

Fazit

In einem weiteren Mastversuch wurde überprüft, welche Leistungen mit roggenreichen Rationen erzielt werden können. Das Anfangsmastfutter der Versuchsgruppe enthielt 55 %, das Endmastfutter 67 % Roggen. Im Versuchsfutter war kein anderes Getreide enthalten, das Kontrollfutter war roggenfrei. Die Kontrollgruppe erzielt um 35 g höhere Tageszunahmen. Die Indexgewichte je kg Schlachtkörpergewicht waren gleich, hingegen wiesen die Kontrolltiere ein höheres Fleischmaß auf. Die Roggengruppe senkte die Futterkosten um 0,50 € je 100 kg Zuwachs. In einem kürzlich abgeschlossenen Versuch mit Topigs x Danzucht-Schweinen traten bei gleichen Roggenanteilen keine Unterschiede in der Mastleistung auf, hingegen war die Schlachtausbeute geringer.


Kontakt:
Andrea Meyer
Fütterung von Rindern und Schweinen, Futterberatungsdienst e.V.
Telefon: 0511 3665-4479
Telefax: 0511 3665-4525
E-Mail:
Wolfgang Vogt
Leiter LPA Quakenbrück, Koordination Versuche Schwein
Telefon: 05431 90309-12
Telefax: 05431 90309-16
E-Mail:


Stand: 03.05.2018