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Grundwasserschutz -Anwendungsverbote für Pflanzenschutzmittel mit den Wirkstoffen Chloridazon, Bentazon, Metazachlor und Metolachlor

Für bestimmte Pflanzenschutzmittel bzw. deren Abbauprodukte besteht eine erhöhte Gefahr der Versickerung im Boden. Daher hat das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittel (BVL) Anwendungsverbote insbesondere auf leichten Böden bzw. in Wasserschutzgebieten festgesetzt. Die Nichtbeachtung dieser Auflagen kann ggf. zu einem Ordnungswidrigkeitenverfahren mit Bußgeld sowie zur Kürzung der Betriebsprämie führen.

 

I. Anwendungsverbote auf leichten Böden

1. Chloridazon

Für Pflanzenschutzmittel mit dem Wirkstoff Chloridazon gibt es seit 2015 ein Anwendungsverbot auf leichten Böden. Durch die Anwendungsbestimmung NG415 wird die Anwendung auf den Bodenarten reiner Sand, schwach schluffiger Sand, schwach lehmiger Sand, schwach toniger Sand, mittel schluffiger Sand, mittel lehmiger Sand, stark schluffiger Sand, stark lehmiger Sand und schluffig-lehmiger Sand verboten.

Die Anwendungsbestimmung NG415 lautet:

„Keine Anwendung auf folgenden Bodenarten gemäß Bodenkundlicher Kartieranleitung (5. Aufl.): reiner Sand (Ss), schwach schluffiger Sand (Su2), schwach lehmiger Sand (Sl2), schwach toniger Sand (St2), mittel schluffiger Sand (Su3), mittel lehmiger Sand (Sl3), stark schluffiger Sand (Su4), stark lehmiger Sand (Sl4) und schluffig-lehmiger Sand (Slu). Sofern kein Gutachten nach Bodenkundlicher Kartieranleitung (5. Aufl.) vorliegt, gilt das Anwendungsverbot für alle Böden der Bodenartgruppen 0 bis 3 gem. LUFA-Klassifizierung mit den Bezeichnungen flachgründiger Sand (S), Sand (S), lehmiger Sand (lS), sandiger Schluff (sU), stark sandiger Lehm (ssL) und lehmiger Schluff (lU).“

Betroffene Pflanzenschutzmittel

Die Anwendungsbestimmung NG415 gilt für die folgenden Pflanzenschutzmittel:

  • Rebell Ultra (Zul.-Nr.: 006983-00)
  • Pyroquin Ultra (Zul.-Nr.: 006983-60, als Vertriebserweiterung von Rebell Ultra)

Die Anwendungsbestimmungen gelten auch für die zugehörigen Parallelhandelsmittel.
Beide Mittel sind zur Anwendung in Futterrüben und Zuckerrüben gegen Kletten-Labkraut oder gegen einjährige zweikeimblättrige Unkräuter zugelassen.

Bodenartenbestimmung
Der Anwender muss sicherstellen, dass er kein Areal behandelt, das durch die in der Anwendungsbestimmung NG415 genannten Bodenarten charakterisiert wird.

Die Nichtbeachtung der Anwendungsbestimmung NG415 kann ggf. zu einem Ordnungswidrigkeitsverfahren mit Bußgeld sowie zu einer Kürzung der Betriebsprämie führen. Der Anwender muss daher vor einer beabsichtigten Anwendung dieser Mittel gründlich prüfen und ausschließen, dass die zu behandelnden Flächen eine der oben genannten Bodenarten aufweisen.

Zur Vororientierung geben im Feldblock-Finder Niedersachsen (http://www.feldblockfinder-niedersachsen.de/) oder im Kartenserver des Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie (http://nibis.lbeg.de/cardomap3?TH=1363) hinterlegte NG415-Karten erste Hinweise auf ein entsprechendes Chloridazon-Anwendungsverbot auf den dort rot markierten Flächen. Diese Karten stellen aber keine rechtsverbindliche Flächendeklaration dar und sind nicht in jedem Fall fehlerfrei. Somit ist es erforderlich, im Zweifelsfall für die betreffenden Betriebsflächen zusätzliche Bodenuntersuchungen heranzuziehen (siehe unsere Empfehlungen zu einer abgestuften Vorgehensweise, s. unten).

Die Anwendungsbestimmung teilt die Bodenarten nach der Bodenkundlichen Kartieranleitung (5. Aufl.) bzw. nach DIN 4022 Bodenkundliche Standortbeurteilung – Kennzeichnung, Klassifizierung und Ableitung von Bodenkennwerten (normative und nominale Skalierungen) ein und setzt damit eine Analyse der Bodenarten nach DIN ISO 11277 - Bodenbeschaffenheit; Bestimmung der Partikelgrößenverteilung in Mineralböden; Verfahren mittels Siebung und Sedimentation (Korngrößenanalyse) voraus. Die Analysen werden z. B. von der LUFA Nord-West angeboten.

Ist die Bodenart unbekannt oder nach den Angaben im Kartenviewer unsicher, so empfiehlt sich eine Korngrößenanalyse nach DIN ISO 11277.

Die Einteilung der Bodenarten bzw. Bodenartengruppen nach ihrem Ton- und Schluffgehalt kann anhand des dargestellten Bodenartendreiecks nachvollzogen werden (s. Abbildung).

Für eine Bodenarteneinstufung nach der NG415 können in der Regel die Bodenuntersuchungsbefunde aus der jährlichen Grundnährstoffuntersuchungen zur sachgerechten Düngeempfehlung („Fingerprobe“) herangezogen werden. Die Einteilung erfolgt dabei jedoch nach der vereinfachten LUFA-Klassifizierung in sechs Bodenartengruppen; die Tabelle erleichtert die Zuordnung der tatsächlichen Bodenart zu einer dieser Gruppen. Das Chloridazon-Anwendungsverbot gilt dabei für alle Böden der Bodengruppen 0 bis 3. Dabei ist zu beachten, dass die LUFA-Klassifizierung für die Bodengruppen 0 bis 3 auch Bodenarten mit über 50 % Schluff umfasst (Us, Uu, Uls, Ut2 und Ut3) und damit deutlich über die Anwendungsbestimmung hinausgeht. Zur Klärung wird eine qualifizierte „Fingerprobe“ oder eine rechtssichere Korngrößenanalyse nach DIN ISO 11277 empfohlen.

 

2. Bentazon

Für Bentazon besteht bereits seit längerem die bußgeldbewehrte und CC-relevante Anwendungsbestimmung NG407, die im Vergleich zum Chloridazonverbot für eine weitaus kleinere Anzahl leichter Bodenarten gilt, nämlich für die Bodenarten reiner Sand, schwach schluffiger Sand und schwach toniger Sand.

Auch hier können in der Regel die Bodenuntersuchungsbefunde aus der jährlichen Grundnährstoffuntersuchung zur sachgerechten Düngeempfehlung („Fingerprobe“) herangezogen werden; deren  Einteilung nach  der vereinfachten  LUFA-Klassifizierung in sechs Bodenartengruppen erfolgt.

Das Bentazon-Anwendungsverbot gilt dabei für alle Böden der Bodenartengruppen 0 bis 2. Auch hier geht die LUFA-Klassifizierung deutlich über die Anwendungsbestimmung hinaus, weil das Verbot nur für den schwach tonigen Sand aus der Bodenartengruppe 2 nach  LUFA gilt, nicht  aber für  schwach lehmigen  Sand,  lehmigen Sand,  schluffigen  Sand  und   stark schluffigen Sand (siehe Abbildung und Tabelle). Zur Klärung wird eine qualifizierte „Fingerprobe“ oder eine rechtssichere Korngrößenanalyse nach DIN ISO 11277 empfohlen.

Auch für Anwendung bentazonhaltiger Mittel können zur Vororientierung im Feldblock-Finder Niedersachsen (www.feldblockfinder-niedersachsen.de) oder im Kartenserver des Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie (http://nibis.lbeg.de/cardomap3?TH=1363) hinterlegte NG407-Karten eingesehen werden. Auch diese Karten haben keinen rechtsverbindlichen Charakter. 

Betroffene Pflanzenschutzmittel

Die Anwendungsbestimmung NG407 gilt für das folgende bentazonhaltige Pflanzenschutzmittel:

  • Artett (Zulassungsnummer 024206-00), Aufbrauchfrist bis 31.07.2019

Die Anwendungsbestimmungen gelten auch für die zugehörigen Parallelhandelsmittel.
Je nach Mittel sind Anwendungen in Mais gegen einjährige zweikeimblättrige Unkräuter oder gegen einjähriges Rispengras zugelassen.

 

Abgestufte Vorgehensweise zur Überprüfung der Bodenarten gemäß NG415 bzw. NG407 über Feldblockfinder oder LBEG-Kartenserver (Empfehlung) 

Zur Überprüfung der Bodenarten mit Hilfe des Feldblockfinders/LBEG-Kartenservers wird folgende pragmatische abgestufte Vorgehensweise empfohlen, die auch von den Prüfdiensten der LWK bei Kontrollen akzeptiert wird.

Stufe 1
Kontrolle der Fläche, auf der eine Chloridazon-/Bentazonanwendung geplant ist, in den NG415/407-Karten im Feldblock-Finder Niedersachsen (www.feldblockfinder-niedersachsen.de) oder im Kartenserver des Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie (http://nibis.lbeg.de/cardomap3?TH=1363)
Ist die betroffene Fläche grün markiert, d. h. vom Anwendungsverbot befreit und sind alle unmittelbar an die betroffene Fläche angrenzenden Nachbarflächen auch ausschließlich grün markiert, ist mit großer Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass auf der betroffenen Fläche tatsächlich kein Anwendungsverbot besteht. Weitere Maßnahmen sind nicht notwendig, bei Kontrollen wird in diesem Fall die Flächeneinstufung hinsichtlich der Bodenart akzeptiert.

Stufe 2
Ist die betroffene Fläche in den NG415/407-Karten im Feldblockfinder/LBEG-Kartenserver grün markiert und ist mindestens eine unmittelbar an die betroffene Fläche angrenzende Nachbarfläche vorhanden, die rot markiert ist, entscheiden die Bodenuntersuchungsbefunde aus den jährlichen Grundnährstoffuntersuchungen zur sachgerechten Düngeempfehlung („Fingerprobe“). Ergibt sich aus dem Analysenergebnis der „Fingerprobe“ eine Einstufung der Fläche als nicht NG415/407-relevante Bodenart, muss der Landwirt nichts weiter unternehmen, bei Kontrollen wird in diesem Fall die Flächeneinstufung hinsichtlich der Bodenart akzeptiert.

Stufe 3
Steht das Ergebnis der „Fingerprobe“ im Widerspruch zur Einstufung „Grün“ in den NG415/407-Karten im Feldblockfinder/LBEG-Kartenserver und sind in der unmittelbaren Umgebung dieser Fläche auch rot markierte Flächen vorhanden, muss für die gesamte Fläche eine genauere Bodenanalyse nach der Methode DIN ISO 11277 (Korngrößenanalyse) erfolgen, dessen Ergebnis dann verbindlich für die Bodenarteneinstufung ist.

Ist die betroffene Fläche in den NG415/407-Karten im Feldblockfinder/LBEG-Kartenserver rot markiert, kann in vergleichbarer Weise vorgegangen werden. Es wird jedoch empfohlen, im Zweifelsfalle rot markierte Flächen immer durch eine Bodenuntersuchung nach DIN zu überprüfen, um letztlich Planungssicherheit zu haben.

Eine graphische Darstellung der oben beschriebenen abgestuften Vorgehensweise zur Bodenartenüberprüfung findet man im Text weiter unten sowie als pdf-Datei herunterladbar am Ende dieses Artikels.

Besteht eine Fläche nur partiell aus den in der NG415 benannten Bodenarten (z. B. bei Sandlinsen), wird empfohlen, die gesamte Fläche als „rot“ einzustufen, d. h. für die gesamte Fläche gilt das Anwendungsverbot, es sei denn, der Landwirt kann durch flächenpartielle Analysen nach der DIN-Methode nachweisen, dass andere Flächenanteile der betroffenen Fläche nicht NG415-relevante Bodenarten aufweisen.

Alle Überprüfungen über die NG415-Karten im Feldblockfinder/LBEG-Kartenserver gemäß der oben beschriebenen Stufen 1 bis 3 sollten vom Landwirt entsprechend dokumentiert werden, ggf. mit farbigen Kartenausdrucken. Die Unterlagen sollten zusammen mit den Bodenanalysenergebnissen für evtl. Kontrollen aufbewahrt werden.

 

Hintergrund

Aktuelle Fundmeldungen von Wasserversorgern weisen darauf hin, dass die bislang erteilten Anwendungsbestimmungen und andere Managementmaßnahmen der vergangenen Jahre, wie z. B. die Empfehlung reduzierter Aufwandmengen, nicht ausreichen, um die Belastung des Grundwassers mit dem nicht relevanten Metaboliten Desphenyl-Chloridazon unterhalb des Leitwertes von 10 µg/L zu halten. Auch die seit 2007 in Niedersachsen existierende freiwillige Verzichtsvereinbarung für chloridazonhaltige Pflanzenschutzmittel in Trinkwassergewinnungsgebieten hat nicht den erhofften Effekt erzielt.
Deshalb wurde nun das Anwendungsverbot auf ein breiteres Spektrum von Bodenarten erweitert. Auch für Bentazon besteht aufgrund der erhöhten Versickerungsneigung die Gefahr des Eintrags in Grundwasser. Bentazon wurde in der Vergangenheit mehrfach in niedersächsischem Grundwasser ermittelt. Mit Artett als das letzte zurzeit anwendungsfähige bentazonhaltige Pflanzenschutzmittel läuft die Aufbrauchfrist Ende Juli 2019 aus.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

II. Anwendungsverbote in Wasserschutzgebieten und Einzugsgebieten von Trinkwasser-Gewinnungsanlagen

Aus Gründen des vorsorgenden Trinkwasserschutzes hat das BVL die Anwendung bestimmter Pflanzenschutzmittel in einigen Wasserschutzgebieten und Einzugsgebieten für die Trinkwassergewinnung verboten. In diesen Gebieten wurden Rückstände von Abbauprodukten (nicht relevante Metaboliten) verschiedener herbizider Wirkstoffe oberhalb des relevanten Leitwertes gefunden.

Anwendungsbestimmung NG301-1 und betroffene Pflanzenschutzmittel

Aktuell gilt die Beschränkung für Pflanzenschutzmittel mit dem Wirkstoff Chloridazon (Rübenanbau), Metazachlor (Rapsanbau) und S-Metolachlor (Maisanbau). Für diese Pflanzenschutzmittel erteilt das BVL für ausgewiesene Gebiete eine Anwendungsbestimmung mit folgendem Wortlaut: „Keine Anwendung in Wasserschutzgebieten oder Einzugsgebieten von Trinkwassergewinnungsanlagen, die vom BVL im Bundesanzeiger veröffentlicht wurden (Bekanntmachung BVL 18/02/02 vom 29.01.2018, BAnz AT 16.02.2018 B3, in der jeweils geltenden Fassung).“ Die Nichtbeachtung der NG301-1 kann ggf. zu einem Ordnungswidrigkeitenverfahren mit Bußgeld sowie zur Kürzung der Betriebsprämie führen.

Kriterien für die Erteilung des Anwendungsverbots
Zuständige Wasserversorgungsunternehmen können für belastete Wasserschutzgebiete und Einzugsgebiete für die Trinkwassergewinnung eine entsprechende Meldung an das BVL machen. Dazu müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein, wie z.B. die Häufigkeit des Nachweises in der letzten Zeit und die Konzentration von nicht relevanten Metaboliten in Grund- oder Rohwasser. Außerdem muss der Eintrag in das Grundwasser auf die sachgerechte und bestimmungsgemäße landwirtschaftliche Anwendung zurückzuführen sein.

Gebiete, für die das Anwendungsverbot gilt
Die Wasserschutzgebiete und Einzugsgebiete von Trinkwassergewinnungsanlagen, für das Anwendungsverbot gilt, sind in einer Bekanntmachung im Bundesanzeiger veröffentlicht. Aktuell von dem Verbot betroffene Gebiete in Niedersachsen findet man unter: www.bvl.bund.de

Handlungsempfehlungen
Prüfen Sie genau, ob Sie Flächen in aktuell mit einem Verbot belegten Schutzzonen (Wasserschutzgebiete und Einzugsgebiete für die Trinkwassergewinnung) bewirtschaften. Im Zweifel sollte Kontakt mit dem zuständigen Wasserversorger aufgenommen werden. Auf diesen Flächen dürfen generell keine Pflanzenschutzmittel angewendet werden, die für das jeweilige Gebiet verbotene Wirkstoffe enthalten.

Hintergrund zu nicht relevanten Metaboliten
Abbauprodukte von Pflanzenschutzmitteln werden auf der Grundlage einer europäischen Leitlinie als nicht relevant eingestuft, wenn sie weder eine Aktivität ähnlich der des Wirkstoffs besitzen, noch unannehmbare toxikologische oder ökotoxikologische Eigenschaften aufweisen. Während auf relevante Metaboliten genau wie auf Wirkstoffe der strenge Grenzwert von 0,1 µg/L im Grundwasser anzuwenden ist, gilt für nicht relevante Metaboliten im Pflanzenschutzrecht ein Leitwert von 10 µg/L. Überschreitungen dieses Leitwertes sind grundsätzlich als schädliche Auswirkung auf das Grundwasser zu werten. Für niedersächsische Wasserversorgungsunternehmen dienen als Bewertungsmaßstab für Nachweise von nicht relevanten Metaboliten die gesundheitlichen Orientierungswerte (GOW), die je nach Wirkstoff 1 oder µg/L betragen.   
 

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter:
www.bvl.bund.de
http://www.lwk-niedersachsen.de/, Webcode: 01029514

Den vollständigen Text können Sie mit der beiliegenden PDF-Datei herunterladen und/oder ausdrucken.


Kontakt:
Dr. Stefan Lamprecht
Sachgebietsleiter Überwachung, Sachkunde, Anwendungstechnik
Telefon: 0511 4005-2178
Telefax: 0511 4005-2120
E-Mail:


Stand: 23.07.2018