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LSV Stärkekartoffel 2020 - Stärkeertrag und Nematoden im Blick

Bei der Auswahl der richtigen Sorte für den Stärkekartoffelanbau sollten nicht nur Knollenertrag und Stärkegehalt betrachtet werden. Neben der abgelieferten Qualität ist auch die Stabilität im Lager gegen Pectobakterien und Dickeya spp. zu beachten. Zwingend notwendig ist zudem die Kenntnis über die Nematodenresistenz bzw. Toleranz. Die wichtigsten Ergebnisse des Landessortenversuchs Stärkekartoffel sind hier zusammengefasst.

Die gezielte Sortenwahl ist ein zentraler Baustein für einen wirtschaftlich erfolgreichen Stärkekartoffelanbau. Zur Unterstützung bei der Wahl geeigneter Sorten dienen die an vier Standorten angelegten Landessortensortenversuche Stärkekartoffeln der Landwirtschaftskammer Niedersachen, die aufgrund der vielfältig erhobenen Parameter eine gute Entscheidungshilfe bieten.

Neben dem Knollenertrag spielt insbesondere der Stärkegehalt der einzelnen Sorten eine wesentliche Rolle, da ein hoher Stärkegehalt den Auszahlungspreis maßgeblich beeinflusst. Letztlich entscheidend ist ein hoher Stärkeertrag je Hektar.

Zusätzlich zum Stärkeertrag je Hektar stellt auch die abgelieferte Qualität ein zentrales Kriterium dar. Neben Schmutz- und Steinbesatz ist insbesondere bei Partien, die für die Lagerung vorgesehen sind, die Anfälligkeit der Kartoffelsorten gegenüber Pectobakterien und Dickeya ssp. (frühere Erwinia-Gruppe) zu beachten. Schwarzbeinigkeit sowie Stängel- und Knollennassfäule können zu erheblichen Verlusten führen. Dieses sortenspezifische Risiko wird in den LSV‘s kaum abgebildet. Umso wichtiger ist es diesbezüglich auch auf die Erfahrungen der Beratung, der Züchter und der Vermehrungsbetriebe zurückzugreifen.     

Die Bedeutung der Nematodenresistenz der einzelnen Sorten hat in den letzten Jahren erheblich zugenommen. Die bisher durchgeführten amtlichen Erhebungen auf 0,5 % der Konsumkartoffelfläche zeigen, dass in fast allen Kartoffelanbaugebieten in Niedersachsen Nematodenbefall vorhanden ist. Dabei fällt insbesondere auf, dass die weißen Kartoffelzystennematoden (Globodera pallida) zunehmend an Bedeutung gewinnen. Auf mit Nematoden befallenen Flächen kann nur mit dem Anbau einer nematodenresistenten Sorte der Befallsausweitung entgegengewirkt werden.

Diese Bedeutung spiegelt sich in den Landessortenversuchen Stärkekartoffeln wieder, da ausschließlich Sorten mit einer umfangreichen Resistenz gegenüber Globodera pallida in der Prüfung vorhanden sind.

Ist ein Anbau auf Befallsflächen vorgesehen, muss neben der Nematodenresistenz der Sorte auch die Toleranz bei Nematodenbefall beachtet werden. Während die Resistenz einer Sorte sich nur auf die Reduktion des Nematodenbefalls bezieht, beschreibt die Toleranz die Ertragsreaktion einer Sorte auf einen bestimmten Nematodenbefall. Sorten mit ausgewiesener Nematodenresistenz, aber geringer Toleranz auf Befallsflächen, reduzieren zwar den Nematodenbesatz, reagieren jedoch trotzdem empfindlich auf den Befall, was sich in einer verminderten Ertragsleistung im Vergleich zur Sortenreaktion ohne Befall niederschlägt. Hoch tolerante Sorten mit entsprechender Nematodenresistenz können dahingehend den Ertrag auch bei Befall auf einem normalen Niveau halten. Eine hohe Toleranz wird insbesondere bei mittleren bis hohen Befallsdichten benötigt. Auf Flächen mit geringem Befallsniveau können auch resistente Sorten geringerer Toleranz angebaut werden. Die Eigenschaften zur Nematodenresistenz und -toleranz einzelner Sorten wird in Tabelle 2 dargestellt.

Neben der Nematodenresistenz spielt auch die Krebsresistenz der Sorten eine wichtige Rolle bei der Anbauplanung. Derzeit gibt es in Deutschland nur wenige offiziell zugelassene Kartoffelsorten mit einer breiten Krebsresistenz, insbesondere gegen die zunehmend auftretende aggressive Rasse 8/18. Für die Sortenempfehlungen hinsichtlich der Krebsresistenz werden deshalb die Ergebnisse einer Krebsversuchsfläche aus dem Emsland sowie Ergebnisse der niederländischen Feldresistenzprüfung mitberücksichtigt.

Im Jahr 2020 wurde im Emsland der Landessortenversuch Stärkekartoffeln auf dem Standort Rupennest, ein Sandboden mit 28 Bodenpunkten, angelegt. Die Grunddüngung erfolgte regionsüblich mit Gärresten am 25.03.2020. Die fehlenden Grunddüngungsmengen wurden mineralisch vor dem Pflanzen ergänzt. Insgesamt wurden 158 kg/ha N, 61 kg/ha P2O5 und 206 kg/ha K2O gedüngt. Die Pflanzung der Sorten erfolgte am 08.04.2020 bei guten Bedingungen. Der Aufgang war zügig und gleichmäßig. Aufgrund der Trockenheit des Jahres 2020 wurde der Bestand insgesamt dreimal mit jeweils 30 mm beregnet. Krautfäule spielte im Jahr 2020 trotz der Beregnung keine Rolle.

Der Versuch wurde am 14.10.2020 bei guten Bedingungen geerntet.

Der durchschnittliche Stärkegehalt lag bei 18,2 % und damit im Durchschnitt der Vorjahre. Die Knollenerträge lagen im Durchschnitt über alle Sorten bei 613 dt/ha und damit unter dem Vorjahresniveau. Der Stärkeertrag lag im Durchschnitt bei 111 dt/ha.

Ergebnisse LSV Stärkekartoffel 2016-2020 (4 Standorte)

Sorte Knollenertrag (relativ) Stärkegehalt (%) Stärkeertrag (relativ)
  2016 2017 2018 2019 2020 2016 2017 2018 2019 2020 2016 2017 2018 2019 2020
Amado 107 101 104 103 98 19,3 19,3 17,5 18,9 17,3 101 95 95 101 91
Avatar     104 110 109     18,9 19,1 17,6     102 109 103
Axion 119 112 114 114 117 18,9 19,0 17,9 18,2 16,5 110 104 106 107 104
Euroking 104 110       19,2 18,7       98 101      
Eurotina   102 106 103     20,2 19,6 18,8     101 108 100  
Eurotonda 97 99 97     21,0 20,7 19,3     100 100 97    
Euroviva   114 115 114 112   19,9 18,6 18,1 17,2   110 111 106 105
Godzilla     97 88 91     19,5 20,7 20,4     88 94 99
Saprodi 110 111 103 97 106 21,4 21,4 19,6 19,9 18,7 116 116 105 100 108
Sarion 93* 83 81 85   27,3* 24 22,4 22   123* 98 94 96  
Scala         101         18,9         104
Sereno         96         18,3         93
Serum Star         91         19,9         99
Signum 93         21,8         99        
Simphony 91 79       20,0 19,7       89 76      
Sprinter         90         20,5         99
Supporter 79 89       22,0 22,9       86 99      
Triton   89** 93 99     20,1** 18,8 18,5     88** 91 94  
Ydun     95 87 88     21,0 20,8 20,0     104 93 96
Standard 100 % (dt/ha) 731 757 662 618 721           149 154 128 120 133
* nur ein Standort (Rupenest); ** nur drei Prüfstandorte

 

Im Gebiet der Bezirksstelle Uelzen lagen die Landessortenversuche Stärkekartoffeln 2020 auf den Standorten Kragen (Landkreis Celle) und Suderburg (Landkreis Uelzen). Ein dritter Standort war Ohrensen im Landkreis Stade, der von der Bezirksstelle Bremervörde betreut wurde. Am Standort Kragen, ein Sandboden mit 26 Bodenpunkten, erfolgte die Pflanzung am 07.04.2020. Auf der Fläche wurde viermal beregnet, die Ernte erfolgte am 13.10.2020. Der durchschnittliche Knollenertrag lag bei 887 dt/ha und 17,7 % Stärke und ergab somit einen durchschnittlichen Stärkeertrag von 156 dt/ha.

In Suderburg, ein Sandboden mit 28 Bodenpunkten, erfolgte das Auspflanzen der Kartoffeln am 15.04.2020. Diese Fläche wurde insgesamt fünfmal beregnet. Am 12.10.2020 wurde dieser Versuch geerntet. Der durchschnittliche Knollenertrag betrug 917 dt/ha bei 18,9 % Stärke und ergab somit einen durchschnittlichen Stärkeertrag von 172 dt/ha.

Die Pflanzung am Standort Ohrensen, ein Standort mit 25 Bodenpunkten, fand am 16.04.2020 statt. Auf dieser Fläche wurde nicht beregnet. Die Ernte erfolgte am 29.09.2020. Der Knollenertrag über alle Sorten lag bei 465 dt/ha mit einem durchschnittlichen Stärkegehalt von 19,9 %. Der Gesamtstärkeertrag betrug auf diesem Standort 92 dt/ha.   

Nachfolgend eine Beurteilung der empfehlenswerten und einjährig geprüften Stärkekartoffelsorten anhand der aktuellen und langjährigen Ergebnisse der Landessortenversuche (siehe auch Tabellen):

Empfehlenswerte Sorten:

Amado: Mittelspäte Sorte, Resistenz gegen Globodera rostochiensis (Ro 1-3) und Globodera pallida (Pa 2,3), hohe Nematodentoleranz, durchschnittliche Knollenerträge und Stärkegehalte, geringe Virusanfälligkeit

Avatar: Mittelspäte Sorte, Resistenz gegen Globodera rostochiensis (Ro 1-3) und Globodera pallida (Pa 2,3) vorhanden, hohe Knollenerträge, durchschnittliche Stärkegehalte, mittlere Virusanfälligkeit. Wird seitens des Züchters ab 2022 nicht mehr zur Verfügung stehen.

Axion: Mittelspäte Sorte, sehr hohe Knollenerträge bei leicht unterdurchschnittlichen Stärkegehalten, Nematodenresistenz gegen Ro 1-3 und Pa 2,3 bei gleichzeitig hoher Nematodentoleranz, virusanfällig, für trockenere Standorte geeignet, metribuzinempfindlich im Nachauflauf.

Euroviva: Mittelspäte Sorte mit Nematodenresistenz gegen Ro 1 und Pa 2,3, sehr hohe Knollenerträge, durchschnittliche Stärkegehalte, für trockenere Standorte geeignet, gering virusanfällig

Saprodi: Späte Sorte mit guten Resistenzeigenschaften bei Nematoden (Ro 1-3, Pa 2,3), hohe Nematodentoleranz, hohe Knollenerträge und überdurchschnittliche Stärkegehalte, mittlere Virusanfälligkeit

Einjährig geprüfte, späte Sorten:

Scala: Sorte mit guten Resistenzen bei Nematoden (Ro 1-3, Pa 2,3). Brachte im Jahr 2020 einen leicht überdurchschnittlichen Stärkeertrag je Hektar

Sereno: Sorte mit Resistenzen bei Nematoden gegen Ro 1-3 und Pa 2,3. Mit leicht unterdurchschnittlichen Knollenerträgen und durchschnittlichem Stärkegehalt brachte Sereno einen leicht unterdurchschnittlichen Stärkeertrag je Hektar

Serum Star: Resistenzen bei Nematoden gegen Ro 1-3 und Pa 2,3. Brachte bei unterdurchschnittlichen Knollenerträgen und einem hohen Stärkegehalt einen unterdurchschnittlichen Stärkeertrag je Hektar

Sprinter: Sorte mit guten Resistenzen bei Nematoden (Ro 1-3, Pa 2,3). Brachte im Jahr 2020 einen leicht unterdurchschnittlichen Stärkeertrag je Hektar


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Berater Pflanzenbau und Pflanzenschutz
Telefon: 05931 403-204
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Thomas Stelter
Berater Kartoffelspezialberatung
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Stand: 01.03.2021