Webcode: 01039019

Düngungsempfehlungen zu Zuckerrüben

Rote Gebiete ja oder nein, gilt doch die Auffangregelung - und wann kommt die rechtskräftige Ausweisung der Roten Gebiete? All dies sind Fragen, die die aktuelle Düngeplanung beeinflussen. Insbesondere die Tatsache, dass in großen Teilen Niedersachsens die sogenannte Auffangregelung gilt und auf diesen Flächen zusätzlich neben den als „rot“ ausgewiesenen Flächen aus der aktuell gültigen NDüngGewNPVO (2019) der N-Düngebedarf um 20% reduziert werden muss, ist eine große Herausforderung. Zwar darf die Einzelfläche bis in Höhe des berechneten N-Düngebedarfs gedüngt werden, die um 20 % reduzierte N-Menge für alle Flächen in den roten Gebieten darf dabei aber nicht überschritten werden. Weitere Informationen und Strategien lesen Sie hier.

N-Düngung nur nach Bedarfsermittlung

An den Grundsätzen der Düngebedarfsermittlung, die vor jeder N-Düngung vorliegen muss, hat sich aber wenig geändert. Nach Düngeverordnung liegt der N-Bedarfswert bei einem Durchschnittsertrag von 650 dt/ha bei 170 kg N/ha. Je 100 dt/ha Mehrertrag dürfen 10 kg N/ha mehr ausgebracht werden, je 100 dt/ha Minderertrag muss der Bedarfswert um 15 kg N/ha reduziert werden. Der Durchschnittsertrag ist jetzt allerdings im Schnitt der letzten 5 Jahre zu ermitteln. In den roten Gebieten ist dieser Zeitraum auf die Jahre 2015 bis 2019 festgelegt. Nach der Anpassung des ertragsabhängigen N-Bedarfswertes muss der Nmin-Wert in Abzug gebracht werden. Daneben muss noch die N-Nachlieferung aus organischer Düngung des Vorjahres (10 % vom Gesamt-N der organischen Düngemittel, bei Kompost im 1. Jahr nach der Ausbringung 4 % und im 2. und 3. Jahr je 3 %), die N-Nachlieferung stark humoser Böden (> 4 % Humus = Abschlag von 20 kg N/ha) und die Vor- bzw. Zwischenfrucht in Abzug gebracht werden.

Bei der Rübe handelt es sich aber um eine Kultur, die aufgrund ihrer tiefgehenden Wurzel und der langen Vegetation gut den im Boden vorhandenen und mineralisierten Stickstoff nutzen kann. Des Weiteren zeigen viele Versuche aus den letzten Jahren, dass die Rübe, verglichen mit anderen Kulturen, eher gering auf ein reduziertes N-Niveau reagiert. Insofern stellt sich die Frage, ob der Bedarfswert in jedem Fall ausgenutzt werden muss. Bei der Bemessung der tatsächlichen N-Düngung müssen also viele Punkte berücksichtigt werden. Einige Beispiele hierzu finden Sie in Tabelle 1.

Tabelle 1: Berechnungen zur N-Düngung
Boden

Bearbeitung/

Zwischenfrucht

N-Bedarfswert

bei 650 dt/ha

Ertrag

(5-jähriges Mittel dt/ha)

Zu- bzw. Abschläge

aufgrund abweichender Erträge 

Bedarfs-

wert

Nmin-

Wert*

org. Düngung

Vorjahr**

Zwischen-

frucht***

Dünge-

bedarf

empfohlene

N-Düngungshöhe****

Sand

Strohmulch/Pflug; ohne Zwischenfrucht

170 700 5 175 20     155 140
Zwischenfrucht, abgefroren 170 700 5 175 20 6 0 149 120
Zwischenfrucht, nicht abgefroren 170 700 5 175 20 6 20 129 120
Lehm Stohmulch/Pflug; ohne Zwischenfrucht 170 800 10 180 50     130 110
Zwischenfrucht, im Herbst eingearbeitet 170 800 10 180 40 6 0 134 100
Zwischenfrucht, im Februar eingearbeitet 170 800 10 180 30 6 0 144 110
Zwischenfrucht nicht abgefroren, im Februar eingearbeitet 170 800 10 180 30 6 20 124 110

* angenommene N-Min-Werte längst des mehrjährigen Mittewertes

**10 % der organischen Düngung des Vorjahres

***alle Zwischenfrüchte mit einem Leguminosenanteil <75% und damit als Nichtleguminose zu werten

****Einschränkungen der Düngung in den roten Gebieten berücksichtigt

Ersichtlich ist, dass in allen Beispielen der N-Bedarfswert nicht ausgenutzt werden muss. Würde der Düngebedarf in den Beispielen auf Schlagebene um 20 % gekürzt, liegt die mögliche N-Düngung jedoch in einigen Fällen unter der empfohlenen N-Düngungshöhe. Liegt der Düngebedarf aber weiterhin über der empfohlenen N-Düngungshöhe, werden Stickstoffmengen im Betrieb freigesetzt, die innerhalb der roten Gebiete auf andere Kulturen bis zu deren max. N-Düngebedarf eingesetzt werden können, so lange die um 20% reduzierte N-Menge für alle roten Flächen des Betriebes nicht überschritten wird.

Der Nmin-Wert kann je nach Region, Boden, Vor- oder Zwischenfrucht stark schwanken, so dass die genaueren Werte über eigene Nmin-Untersuchungen erreicht werden. Alternativ kann auf die Nmin-Richtwerte zurückgegriffen werden. Im Schnitt der letzten Jahre lag der Nmin-Wert häufig im Bereich zwischen 50 und 70 kg/ha. Eher hohe Nmin-Werte sind in der Regel unter Strohmulch vorzufinden, wobei dieser Werte oft mit steigender Bearbeitungsintensität und geringen Winterniederschlägen eher höher liegen. Durch den Anbau von Zwischenfrüchten kann Stickstoff konserviert und vor Verlagerung geschützt werden. Frieren die Zwischenfrüchte jedoch nicht oder nicht ausreichend ab, sind deutlich niedrigere Nmin-Werte zu finden. Gleichzeitig erfolgt unter Umständen auch eine spätere Mineralisation des gebundenen Stickstoffs. Um diesem Faktor entgegenzuwirken kann auf verlagerungsunanfälligen Böden schon ein frühzeitiger Umbruch der Zwischenfrucht im Spätherbst erfolgen. Dies bedingt aber einen Anbau ohne Greening-Verpflichtung.

Düngestrategien

Die folgende Tabelle 2 gibt beispielhaft einen Überblick über mögliche N-Düngungsstrategien.

Tabelle 2: N-Düngungsstrategien Zuckerrübe
Boden   Sand Lehm
Strategie   mineralisch organisch org + min mineralisch organisch org + min
Geplante N-Düngungshöhe   120 120 120 100 100 100
org. Düngung Gärrest (m³/ha]   28 20   23,5 15
N aus Gärrest (Gärrest mit 6 kg Gesamt-N/m³)   168 120   141 90
N aus Gärrest (70 % Anrechenbarkeit)   118 84   99 63
Gabe vor der Saat, Einarbeitung   70     100    
Zweite mineralische Gabe ab BBCH 14   50   36     37

Mineralische Dünger können sowohl vor, als auch nach der Saat zur Rübe ausgebracht werden. Um eine mögliche N-Verlagerung und damit einen Verlust des gedüngten Stickstoffs zu vermeiden, sollte auf leichten Böden die erste N-Gabe nicht zu hoch ausfallen. Die noch fehlende N-Menge kann dann aber ab dem 4-Blatt-Stadium der Rübe ergänzt werden. Auf schwereren Böden kann die mineralische N-Düngung hingegen vollständig vor der Saat erfolgen.

Da die Rübe organische Dünger gut ausnutzen kann, können diese, wenn es die Bodenbedingungen zulassen, ebenfalls gut eingesetzt werden. Des Weiteren können aufgrund der langen Vegetation und der damit guten N-Ausnutzung aus organischen Düngern zumindest auf langjährig organisch gedüngten Flächen Anrechenbarkeiten über der Mindestanrechenbarkeit geplant werden (im Bsp. Tabelle 2 70 % Anrechenbarkeit statt 60 % Mindestanrechenbarkeit für flüssigen Gärrest). Soll nicht die gesamte geplante N-Düngung über die organischen Dünger erfolgen, kann die organische Düngung durch den Mineraldüngereinsatz ergänzt werden. Diese kann sowohl vor der Saat, als auch ab dem 4-Blatt-Stadium erfolgen. Durch einen späteren Ausbringungstermin ergibt sich weiteres Einsparpotential. Es können dann Ende Mai ermittelte Nmin-Werte eine Hilfestellung geben: Sollte der Nmin-Wert zu diesem Zeitpunkt über dem N-Bedarfswert liegen, muss keine weitere Düngung erfolgen.

Grundnährstoffe nicht vergessen

Zwar ist Stickstoff der Motor des Wachstums, ohne eine ausreichende Grundnährstoffversorgung kann der zur Verfügung stehende Stickstoff jedoch nicht genutzt werden. Daher ist auf eine ausreichende Versorgung von vor allem Kalium, Phosphor und Magnesium zu achten und der pH-Wert des Bodens im Auge zu behalten. Durch die Begrenzung der Herbstdüngung zu Zwischenfrüchten auf max. 60 kg/ha Gesamt-N bzw. 30 kg/ha NH4-N sind die Grundnährstofffrachten aus organischen Düngern deutlich geringer geworden und reichen oftmals nicht mehr aus um den Bedarf der Rübe bzw. der Fruchtfolge zu decken. Grundsätzlich sind P und K aus organischen Düngern aber vollständig für die Versorgung der Pflanze anrechenbar.

Den höchsten Bedarf an Grundnährstoffen weist die Rübe für Kalium auf. Über die Vegetationsperiode können große Mengen Kalium aufgenommen werden (ca. 65 kg/ha K2O je 100 dt/ha Zuckerrübe). Hiervon verbleibt aber über das Rübenblatt ein großer Teil auf dem Feld, so dass die Rübe einen K-Düngebedarf in Bodengehaltsklasse C von ca. 290 bis 380 kg/ha K2O aufweist. Von diesem Düngebedarf sind dann noch die Rücklieferungen aus Ernterückständen der Vorfrüchte abzuziehen, so dass ca. 240 kg/ha K2O ein gutes Maß für die Kalidüngung darstellen. Neben der Bodenanalyse kann nach der Ernte anhand der Rübenanalysen nachvollzogen werden, ob die Kaliversorgung ausreichend war. Auswertungen zeigten, dass bei K-Gehalten der Rübe zwischen 35 und 40 mmol/kg Rübe die höchsten Zuckergehalte erreicht werden. Liegen diese Werte mehrjährig darunter, sollte die Kalidüngung erhöht werden. Die Düngung mit Kalium kann bereits vor der Saat erfolgen. Bei hohen erforderlichen Kaliummengen ist dann auf eine ausreichend tiefe und gleichmäßige Einarbeitung zu achten, um so hohe Salzkonzentrationen in der Krume zu verhindern. Während sich auf schweren Standorten eine Ausbringung im Herbst bewährt hat, empfiehlt sich leichteren Böden eine Aufteilung auf zwei Gaben. Hierbei sollte die erste Gabe vor der Saat und die zweite Gabe ab dem 6. Blattstadium der Rübe erfolgen.

Für Phosphor liegt der Düngebedarf in Bodengehaltsklasse C zwischen 70 und 100 kg/ha P2O5. Phosphorhaltige Düngemittel sollten für eine bessere Pflanzenverfügbarkeit nur flach eingearbeitet werden, um der Pflanze möglichst gut zur Verfügung zu stehen. Beachten Sie, dass Sie vor der Ausbringung von P-haltigen Düngemitteln ebenfalls eine Düngebedarfsermittlung durchführen müssen. Hierfür bietet sich die Düngeempfehlung anhand der Bodenuntersuchung an, wobei für eine Fruchtfolgedüngung bis zu drei Jahre berücksichtigt werden dürfen. 

Der Magnesiumbedarf wird in der Regel ausreichend durch die Verwendung von magnesiumhaltigen Kalken oder Korn-Kali, der als Nebenbestandteil 6 % MgO enthält, abgedeckt. Die Beachtung des pH-Wertes und die daraus resultierende Ableitung des Kalkbedarfs ist ebenfalls zu berücksichtigen, da Kalk neben der pH-Wert Regulation die Bodenstruktur verbessert, die Verschlämmungsgefahr mindert und damit u.a. auch den Gasaustausch fördert.

Fazit:

  • Vor der N- und P-Düngung Düngebedarfsermittlung durchführen
  • Zuckerrübe reagiert vergleichsweise gering auf eine N-Reduktion
  • Schlagspezifische Situation bei Düngungshöhe berücksichtigen
  • Organische Dünger werden gut verwertet
  • Ausreichende Grundnährstoffversorgung sicherstellen

 

 


Kontakt:
Dr. Christoph Wedde
Berater Pflanzenbau und Planzenschutz
Telefon: 0531 28997-322
Telefax: 0531 28997-311
E-Mail:


Stand: 31.03.2021