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Düngung Mais 2018

Mit der neuen Düngeverordnung (DüV) wurde ein umfangreiches Regelwerk zur Düngebedarfsermittlung, Düngeplanung und Bilanzierung geschaffen, welches bei Landwirten und Beratern nicht selten Unsicherheit verursacht.

 

Für den Mais stellt sich die Düngung wie folgt dar:

Für Stickstoff und Phosphat muss eine Düngebedarfsermittlung auf Schlag- oder Bewirtschaftungseinheit erstellt und dokumentiert werden. Hierzu macht die DüV entsprechende Vorgaben (siehe Tabelle Bedarfsermittlung). Dieser ermittelte Düngebedarf darf gemäß DüV nicht überschritten werden.

P-Bedarfsermittlung

Beim Phosphorbedarf ist die Berechnung relativ einfach. Hier darf der Phosphatentzug der Kultur bzw. der Fruchtfolge gedüngt werden, wobei im Betriebsdurchschnitt ein Saldo von +10 kg/ha P2O5 (im 6-jährigen Durchschnitt) nicht überschritten werden darf. Auf Flächen mit mehr als 20 mg P2O5 /100g Boden (9 mg P) darf der zu erwartende Entzug nicht überschritten werden. Für Silomais bedeutet dies einen Phosphatbedarf von 81 kg/ha bei 450 dt/ha Ertrag. Pro 50 dt abweichendem Ertragsniveau steigt bzw. sinkt der P-Bedarf um 9 kg P2O5 entsprechend. Beim Körnermais wird ein Phosphatbedarf von 72 kg/ha bei 90 dt/ha Körnermaisertrag angesetzt. Pro 10 dt steigendem Ertragsniveau steigt der P-Bedarf um 8 kg. P aus organischer Düngung wird dabei grundsätzlich voll angerechnet.

N-Bedarfsermittlung

Die Düngebedarfsermittlung für Stickstoff ist ähnlich wie im bisherigen Sollwertsystem. Der Bedarfswert ist ab jetzt ertragsabhängig. Als Grundwert dient ein Niveau von 450 dt/ha Frischmasse. Pro 50 dt/ha Abweichung hiervon gibt es 10 kg Zuschlag bzw. 15 kg Abschlag. Ausgehend vom Bedarfswert der Kultur wird dann der Nmin-Gehalt des Bodens im Frühjahr abgezogen. Weitere Mindestabschläge sind für Zwischenfrüchte, Vorfrüchte und hohe Humusgehalte aufgrund der damit verbundenen N-Nachlieferung dieser Böden festgelegt. Für die Freisetzung von Stickstoff aus organischer Düngung im Vorjahr werden 10 % des Gesamtstickstoffs organischer Herkunft des Vorjahres angesetzt. Die zum Teil recht niedrig veranschlagten Mindestabschläge sollten ggf. nach eigenen Erfahrungen und Standortkenntnissen entsprechend höher angesetzt werden.

Die Düngebedarfsermittlung, für die es verschiedene EDV-Anwendungen gibt, muss aufbewahrt werden. Die darauf basierende Düngeplanung muss jedoch nicht dokumentiert werden. Hierfür gibt die DüV jedoch Mindestanrechenbarkeiten für Stickstoff aus Wirtschaftsdüngern vor. Für Rinder- und Biogasgülle sind dies 50 %, für Schweinegülle 60 % der Nettostickstoffmenge, also der Stickstoff, der tatsächlich zum Feld gefahren wird. In der Bilanzierung für den Nährstoffvergleich werden allerdings 70 % vom Brutto-N gerechnet, das heißt, die Berechnungsbasis enthält auch die Stall- und Lagerungsverluste, die für die Netto-N-Menge (= Berechnung der 170 kg N-Grenze) bereits in Abzug gebracht worden sind. Die Folge dieser unterschiedlichen Anrechenbarkeiten und Berechnungsgrundlagen ist, dass auf dieser Rechenbasis bei den meisten Kulturen unweigerlich ein Bilanzüberschuss entsteht. Im Zuge der Düngeplanung sollte auch ein Saldencheck gerechnet werden, um zu überprüfen, ob die Nährstoffbilanz am Ende die Kontrollwerte einhält. Somit ist es sinnvoll von vornherein mit einer höheren Anrechenbarkeit der organischen Düngung zu rechnen und diese dann auch durch entsprechende Umsetzung in der Düngung zu erreichen.

Für die Düngung von Mais sollten höhere Anrechenbarkeiten angesetzt werden. Insbesondere bei hohen NH4-Anteilen am Gesamtstickstoffgehalt und sofortiger Einarbeitung können mindestens 70 % Mineraldüngeräquivalent erreicht werden. Für eine möglichst hohe Nährstoffeffizienz reicht es nicht aus, die Gülle unverzüglich einzuarbeiten, auch andere Nährstoffe, wie beispielsweise Kali und Schwefel, müssen ausreichend vorhanden sein, damit der Stickstoff aufgenommen und optimal in Ertrag umgesetzt werden kann.

Bei vollständiger Ausnutzung der 170 kg N-Grenze werden so zwischen 120 und 140 kg/ha N aus Gülle anrechenbar. Hinzu kommen im Regelfall noch rund 20 kg Stickstoff aus der Unterfußdüngung, so dass sich dann in der Summe kein weiterer N-Düngebedarf mehr ergibt.

Gülledüngung nicht nur mit gesetzlicher N-Mindestanrechenbarkeit planen

Würde nur mit der Mindestanrechenbarkeit laut DüV in der Düngeplanung gerechnet werden, entstünde der Eindruck, es müsste zusätzlich Stickstoff mineralisch ergänzt werden. Dies ist insbesondere bei Mais häufig nicht der Fall. Die Stickstoffbilanz von Silomais sollte ein deutlich negatives N-Saldo aufweisen. Ansonsten muss davon ausgegangen werden, dass die Rest-Nmin-Gehalte nach der Ernte negativ beeinflusst werden. An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass eine ausbleibende Verbesserung der Wasserqualität im oberflächennahen Grundwasser unweigerlich zu einer Verschärfung der Düngeverordnung führen wird.

Die plausibilisierte Feld-Stall-Bilanz, die ab kommenden Winter anzuwenden ist, wird in der N-Bilanz von Futterbaubetrieben weniger Spielraum lassen, auch daher macht es Sinn, einen hohen Wirkungsgrad des eigenen Wirtschaftsdüngers zu erreichen.

Alle wichtigen Nährstoffe berücksichtigen

Neben den in der Düngeverordnung geregelten Nährstoffen sollte jedoch auch die Düngung der weiteren Nährstoffe nicht außer Acht gelassen werden. Der Kalibedarf bei 450 dt/ha Frischmasseertrag liegt bei 230 kg. Dieser wird i.d.R. nicht über eine Gülledüngung abgedeckt, denn kaum eine Gülle hat entsprechend hohe Kaliumgehalte. Häufig besteht ein Defizit von ca. 40 – 60 kg/ha K2O, welches je nach Bodennährstoffgehalten ausgeglichen werden sollte. Insbesondere bei Kaliumgehalten in den Versorgungsstufen A oder B sollte auch entsprechend den LUFA-Düngungsempfehlungen mehr gedüngt werden.

Unterfußdüngung zu Mais

Die Unterfußdüngung mit P-haltigen Düngern gilt als Ertragsabsicherung im Maisanbau gegen kühle Witterung während der Jugendentwicklung. Vor dem Hintergrund der Verschärfungen der DüV bezüglich der Phosphatdüngung wird es durch den Zukauf von Phosphordüngern in vielen maisanbauenden Betrieben bei den P-Bilanzen eng werden. Wenn der Zukauf selbst kleiner Mengen Phosphat direkt zusätzliche Gülleexporte verursacht, stellt sich die Frage nach Alternativen oder der Notwendigkeit einer Unterfußdüngung. Derzeit gilt als Minimum einer Unterfußdüngergabe 20 kg/ha P2O5. Einige Betriebe geben bei allgemein guter Phosphatversorgung aus Boden und organischer Düngung bereits heute weniger, verzichten aber nicht vollständig auf diese Absicherung. In Exaktversuchen der Landwirtschaftskammer Niedersachsen wird diese bilanzschonende Düngungspraxis mit der Anwendung von Mikrogranulatdüngern und anderen noch nicht praxisreifen Verfahren vergleichend untersucht werden. Generell sollte nicht leichtfertig auf die Unterfußdüngung verzichtet werden, sondern nur dann, wenn die P-Bilanzen dies wirklich erfordern.

Bisherige Versuchsergebnisse zum Einsatz von NP-haltigen Mikrogranulaten haben keine ausreichende Zuverlässigkeit und Wirkung gezeigt (siehe Grafik). Auch die als Alternative zur Unterfußdüngung angepriesenen Beizungen mit NP-Düngern oder Mykorrhiza zeigen kaum eine Wirkung als Unterfußdüngerersatz.

Auf der Suche nach einem Ersatz für die mineralische Unterfußdüngung ist bislang nur eine pflanzenbaulich wirksame und gleichwertige Alternative aus den vielen geprüften Produkten hervorgetreten. Diese ist in den Betrieben, die einen P-Überschuss haben, ohnehin vorhanden. Die Applikation und Ablage von (mit Nitrifikationshemmer) stabilisierter Gülle in einem Band wenige Zentimeter unter der Saat bringt den gewünschten Effekt der Ertragsabsicherung und führt regelmäßig zu leichten Ertragszuwächsen (siehe Grafik). Die Nährstoffbilanzen werden durch den fehlenden mineralischen NP-Dünger entlastet. In der Folge können diese Betriebe mehr wirtschaftseigenen Dünger sinnvoll verwerten und müssen weniger Kapital für Gülleexporte aufwenden. Nebenbei wird auf diese Weise die Nährstoffeffizienz der Maisdüngung weiter erhöht, ganz im Sinne nachhaltiger, geschlossener Nährstoffkreisläufe und der Düngeverordnung.


Kontakt:
Karl-Gerd Harms
Berater Silo- und Körnermais
Telefon: 0441 801-418
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:
Dr. Matthias Benke
Leiter Fachbereich Grünland und Futterbau
Telefon: 0441 801-420
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:


Stand: 29.03.2018



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