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Steht eine Noternte des Silomaises bevor?

Es mehren sich die Anfragen von Landwirten, ab wann es notwendig wird, vertrocknende Maisbestände vorzeitig zu häckseln. Doch derzeit ist noch Ruhe zu bewahren und die richtige Entscheidung gilt es abzuwägen.

 

Nach dem vielerorts deutlich zu niederschlagsreichen Herbst und Winter folgte ein häufig sehr trockenes Frühjahr. Nicht selten hält diese Trockenheit bis heute an und wurde nur von wenigen Gewitterschauern unterbrochen. Die Niederschlagsmengen seit April sind jedoch viel zu niedrig, um den Wasserbedarf auf landwirtschaftlichen Flächen zu decken. Mittlerweile zeigen alle Kulturen Wassermangel. Selbst der Mais, der bekannt für seinen niedrigen Wassernutzungskoeffizienten ist und gerade in der Jugendentwicklung noch relativ wenig Wasser braucht, zeigt auf einigen Standorten trotz hoher Wurzelsaugspannung deutliche Trockenschäden. Vor allem auf leichten Böden steht das Wachstum des Maises still, und das bei zum Teil gerade erst erreichtem Reihenschluss. Bis Anfang Mai gesäte und gut aufgelaufene Bestände haben in der Regel ein gutes Wurzelwerk ausbilden können und stehen kurz vor der Blüte, bzw. fangen jetzt an zu blühen. Später gesäte Bestände haben sich meist weniger homogen entwickeln können und zeigen jetzt entsprechend unterschiedlich Trockenstress. Die Wachstumssituation des Maises ist somit nicht nur regional, sondern auch innerbetrieblich sehr unterschiedlich und zum Teil auch innerhalb einzelner Schläge sehr differenziert.

Doch was tun, wenn es trocken bleibt?

Die C4-Pflanze Mais schließt bei Trocken­stress wesentlich früher die Stomata als die hier heimischen C3-Pflanzen und rollt erst bei anhaltender Trockenheit die Blätter ein. Solange diese nicht vollständig vertrocknen, leidet vor dem Fahnenschieben vor allem das Massen- und Längenwachstum. Vereinzelt sind daher Bestände oder auch Teilflächen mit 1,5 m hohem Mais mit geschobener Fahne zu sehen. Eine weitere Reaktion der Pflanzen ist das Abwerfen von Bestockungstrieben, sofern vorhanden, und von älteren Blättern im unteren Stängelbereich. Abgeworfene Blätter bis hinauf zum Kolbenansatz sind dabei zunächst kein größeres Problem, denn der Kolben kann trotzdem geschoben und auch gefüllt werden.

Voraussetzungen dafür sind, dass Niederschläge einsetzen und auch die Befruchtung der Kornanlagen gelingt. Solange noch Leben in der Pflanze steckt, kann sie mit einsetzenden Niederschlägen auch weiterwachsen. Da Mais über 50 % seines Ertrages über den Kolben bildet, ist jetzt unbedingt abzuwarten, ob die Blüte normal verläuft und die Befruchtung der Körner gelingt. Erst wenn klar wird, dass dies nicht der Fall ist und ein kolbenloser Mais entsteht, sollte über eine Notbeerntung nachgedacht werden. Die derzeitigen Wetteraussichten versprechen im ganzen Land Niederschläge im zweistelligen Bereich, was für kurzfristige Entspannung sorgen könnte und hoffentlich die Blüte absichert und gelingen lässt.

Eine Möglichkeit, die Vitalität unter Trockenheit leidender Bestände zu prüfen, besteht darin, im Bestand mehrere Pflanzen (3 – 6) mit einem kleinen Ringgraben zu umschließen und diesen händisch mit Wasser zu füllen. An den folgenden 1 – 3 Tagen wird dann erkennbar, ob der Bestand sich noch erholen und weiter Ertrag bilden kann, oder ob eine Regeneration unwahrscheinlich wird. Erst dann sollte über ein vorzeitiges Häckseln nachgedacht werden.

Bei der Wahl des richtigen Erntetermins für die von Trockenschäden betroffenen Flächen bzw. Teilflächen ist besonders das mögliche Auftreten von Sickersaft zu berücksichtigen, sodass nicht zu früh die Entscheidung getroffen werden sollte. Darüber hinaus sollten Vorkehrungen gegen eine Sickersaftbildung getroffen werden und/oder Auffangmöglichkeiten bestehen. Durch eine entsprechende Schicht trockener Mais- oder auch Grassilage unter dem zu silierenden Futter kann dies geschehen, aber auch durch Durchmischung, zum Beispiel mit Trockenschnitzeln.

Beim Silieren der durch Trockenheit geschädigten Bestände ist Folgendes zu beachten: Durch die hohen Temperaturen und den Trockenstress ist mit einem ungünstigen Keimbesatz zu Lasten der gewünschten Milchsäurebakterien zu rechnen. Gleichzeitig sind hohe Gehalte an Zucker im Siliergut zu erwarten.

Je nach Feuchtegrad des Siliergutes kann die Ansäuerung und damit die Gärgasbildung recht kräftig ausfallen, was beim Siloverschluss zu berücksichtigen ist.  Der Einsatz eines Siliermittels zur anaeroben Stabilisierung und zur Vermeidung einer Nacherwärmung (DLG Wirkungsrichtungen 1c und 2) wird angeraten. Bei Trockenmasse-Gehalten über 40 Prozent sollte die Häcksellänge auf weniger als 6 mm eingestellt werden, um eine entsprechende Verdichtung der Silage zu erreichen.

Derzeit sollte nicht überhastet zum Häckseln übergegangen werden, weil dadurch möglicherweise der größte Schaden entsteht, da der Mais, abhängig vom weiteren Witterungsverlauf, noch Ertrag bilden kann. Erst bei noch länger anhaltender Trockenheit werden stark geschädigte und absterbende Bestände geerntet werden müssen.

Bleibt zu hoffen, dass der Juli mehr Niederschläge als die letzten zwei Monate bringt.


Kontakt:
Karl-Gerd Harms
Berater Silo- und Körnermais
Telefon: 0441 801-418
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:
Dr. Matthias Benke
Leiter Fachbereich Grünland und Futterbau
Telefon: 0441 801-420
Telefax: 0441 801-432
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Stand: 09.07.2018