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Anhaltende Trockenheit schädigt zunehmend die Maisbestände

Viele Bestände leiden, nur einzelne Flächen sollten bereits jetzt gehäckselt werden.

 

Die anhaltende Trockenheit und die aktuell sehr hohen Temperaturen hinterlassen mittlerweile deutliche Spuren in den Maisbeständen. Es ist aber gut zu überlegen, ob und ab wann eine Noternte durchgeführt werden sollte, um den entstandenen Schaden nicht noch größer zu machen.

Hohes Kompensationsvermögen

Mais ist in der Lage, bei Trockenheit lange am Leben zu bleiben. Solange noch grüne Pflanzenteile vorhanden sind, kann bei einsetzendem Regen noch weiter Ertrag gebildet werden. Den Beständen sollte so lange wie möglich die Chance auf weiteren Masse- und Stärkezuwachs gegeben werden. Dies gilt auch für die bereits vor und in der Blüte in ihrer Entwicklung stehengebliebenen Bestände, denn auch, wenn hier mit kolbenarmem oder gar kolbenlosem Mais gerechnet werden muss, können durch einsetzende Niederschläge noch Ertragssteigerungen erreicht werden.

Ab wann häckseln?

Das alleinige Auftreten gerollter Blätter ist kein Grund für eine vorzeitige Ernte. Diese ist frühestens sinnvoll, wenn erhebliche Anteile des Blattapparates abgestorben sind.

Erst wenn es aussichtslos wird, dass die Bestände die Trockenheit überstehen könnten, sollte über eine frühzeitige Ernte nachgedacht werden.

Gehäckselt werden sollten die Bestände, wenn zu dem Blattsterben der unteren Blattetagen auch ein Blattsterben (braune Blätter) von oben einsetzt und nur noch wenige Blätter zwischen Kolbenansatz und Spitze grün sind. Doch selbst dann ist davon auszugehen, dass größere Mengen Sickersaft aus der Silage austreten werden, da der Stängel i.d.R. noch viel Saft enthält. Der Saftgehalt kann mittels Wringprobe am Stängel überprüft und grob eingeschätzt werden. Erst wenn hierbei fast kein Saft mehr aus dem Stängel austritt, kommt es zu wenig bis keinem Sickersaft mehr.

Zu erwartende TS-Gehalte

Die LWK Niedersachsen hat in verschiedenen Regionen Proben aus geschädigten Maisbeständen entnommen und auf den TS-Gehalt untersucht.

Grob kann gesagt werden, dass Pflanzen mit gerollten Blättern (ohne abgestorbene Blätter) TS-Gehalte von knapp unter 20 % bis ca. 24 % erreichen. Kommen bereits abgestorbene Blätter im unteren Bereich hinzu, steigen die Werte auf ca. 23 – 26 % TS. Aber auch hier treten auch noch deutlich geringerer Werte auf.

Erst wenn auch an den obersten Blättern Verbräunungen auftreten und nur noch wenige Blätter im mittleren Bereich grün und gerollt sind, sind Werte in der Größenordnung um 28 % zu erwartet. Die TS-Gehalte unterliegen jedoch starken Schwankungen. Einflüsse treten durch die kleinräumig häufig sehr unterschiedliche Wasserversorgung auf. Auch die physiologische Entwicklung hat einen Einfluss, so dürften die TS-Gehalte von Beständen ohne Blüte und Kolben eher am unteren Ende der angegebenen Bereiche liegen. Durch eine optische Beurteilung kann keine genaue Aussage über den TS-Gehalt getroffen werden, weshalb generell mit größeren Sickersaftmengen gerechnet werden sollte.

Nicht zu unterschätzt ist der Einfluss kleinerer Niederschlagsereignisse auf den TS-Gehalt. Eine geplante Noternte sollte daher nicht nach einem Regenschauer durchgeführt werden. Es ist damit zu rechnen, dass die Pflanzen das Wasser relativ schnell aufnehmen und somit das Sickersaftaufkommen bei anschließender Ernte deutlich steigen würde. Darüber hinaus nutzen die Pflanzen auch kleinere Wassermengen wieder für Wachstum, so dass es Sinn macht, nach einem Regenschauer die Bestände erstmal wieder zu beobachten und ihnen einige Tage Zeit für eine Weiterentwicklung und Ertragszuwachs zu geben.

Wie die Ernte organisieren?

Ist die Entscheidung für den Erntebeginn gefallen, stellt sich die Frage, welche Flächen gehäckselt werden sollten, und welche noch nicht. Diese Entscheidung sollte jedoch nicht schlagweise getroffen werden. Vielmehr sollte die Devise lauten, nur dort zu häckseln, wo kein Ertragszuwachs mehr möglich erscheint. Dies bedeutet in vielen Fällen eine ganz gezielte Teilflächenbeerntung. Dieses Vorgehen verhindert unnötige Ertragsverluste, da die besseren Teilflächen sich weiterentwickeln können und vermeidet ein starkes Auftreten von Sickersaft.

Silierung kolbenloser/ -armer Bestände

Bei der Silierung gelten die üblichen Grundsätze: gute Verdichtung und zügiger Luftabschluss. Hierfür sollte neben einem entsprechenden Walzfahrzeug auch auf eine kurze Häcksellänge geachtet werden, insbesondere dann, wenn schon viele abgestorbene Blätter vorhanden sind. Das Silo sollte unbedingt so angelegt werden, dass ein hoher Vorschub bei der Fütterung gewährleistet ist. Grünmais zählt in aller Regel zu den leicht vergärbaren Futterpflanzen.

Für das aktuelle Silieren ist vor allem auf die Sickersaftbildung und die Gärgashaube zu achten. Beides kann sehr ausgeprägt bei geringen TM-Gehalten ausfallen.

Viel Sickersaft ist für die noch grünen und kolbenlosen Bestände zu erwarten. Es gilt, diesen ordnungsgemäß in Sickersaftgruben oder durch eine hinreichende absorbierende Häckselstrohmatte oder dergleichen aufzufangen. Eine weitere Möglichkeit besteht in der Vermischung des Maises mit Trockenschnitzeln oder der Mais wird auf einer Schicht rel. trockener Gras- oder Maissilage siliert. Sind die Blätter schon zu einem großen Anteil vergilbt oder braun, empfiehlt sich eine Siliermittelbehandlung mit DLG-geprüften Zusätzen der Wirkungsrichtung 2 durchzuführen, um Problemen mit Nacherwärmung entgegenzuwirken.

Der Siliermittelzusatz ist für die noch grünen Bestände nicht zwingend. Allerdings werden hohe Restzuckergehalte in den Silagen erwartet. Vor dem Hintergrund kann der Zusatz mit DLG-geprüften Produkten der Wirkungsrichtung 2 eine sinnvolle Ergänzung sein. Das gilt insbesondere, wenn der wöchentliche Futtervorschub bei der Futterentnahme eher gering ist.

Die Silokanten sind nach der Siloabdeckung mit einer engmaschigen Kette an Kiessäcken oder ausreichend Sand zu beschweren, damit trotz einer kräftigen Gärgashaube alles fest verzurrt bleibt.

Bei den aktuell sehr hohen Temperaturen kann es passieren, dass sich die zur Beschwerung aufgebrachten Reifen auf über 100 Grad erwärmen, was dann zu brüchigen Stellen der Silofolie führen kann. Daher sollten bevorzugt Kiessäcke zur Beschwerung genutzt und vorerst auf Reifen verzichtet werden; dann das Siloschutznetz direkt auf die Silofolie legen.

In vielen Betrieben kündigt sich bereits jetzt ein deutlicher Grundfuttermangel an. Möglichkeiten diesem zu begegnen bestehen in der Aussaat von einjährigem Weidelgras oder Sommergetreide wie Hafer oder Sommergerste. Hier kann bei rechtzeitig einsetzenden Niederschlägen noch im Herbst eine Nutzung erfolgen. Es bietet sich an, das Sommergetreide als Deckfrucht für eine Grasuntersaat mit Welschem Weidelgras zu nutzen, um das Herbstfutter aufzuwerten und im kommenden Frühjahr das Gras nochmals zu schneiden. Diese Möglichkeit bietet sich sowohl nach Raps- und Getreidevorfrucht an, als auch nach sehr früh geerntetem, trockengeschädigtem Mais. Es sollte in dieser großräumigen Futtermangelsituation auch über Kooperationen mit Ackerbaubetrieben, auch überregional, nachgedacht werden, um das Futterdefizit zu decken. Die Greeningvorschriften wurden hierzu bereits in einem ersten Schritt gelockert, es bleibt zu hoffen, dass diese in Gänze bzgl. des Zwischenfruchtanbaus aufgehoben werden.

Abschließend bleibt zu hoffen, dass die angekündigten Niederschläge auch tatsächlich kommen und sich viele Bestände so noch erholen können. Für einige wird es wohl zu spät sein, doch nach wie vor gilt es, in dieser Situation Ruhe zu bewahren und wohlüberlegt zu handeln.

Die LWK Niedersachsen wird in der kommenden Woche mit der ersten Probenahme für die alljährliche Maisreifeprüfung beginnen, um auch die Entwicklungssituation in den nicht geschädigten Beständen zu beobachten. Informationen zu diesen Themen werden über die Land & FORST sowie das Internet unter www.lwk-niedersachsen.de bereitgestellt.


Kontakt:
Karl-Gerd Harms
Berater Silo- und Körnermais
Telefon: 0441 801-418
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:
Thekla-Karina Niehoff
Beraterin Energiepflanzen
Telefon: 0511 3665-4207
Telefax: 0511 4005-3207
E-Mail:


Stand: 31.07.2018



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