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Siliermittel für die Maissilagebereitung

In der Praxis wird der Siliermittelzusatz in einigen Fällen als Garantie für den gesicherten Ausschluss an Nacherwärmungsprozessen betrachtet. In anderen Fällen wird behauptet, dass der Siliermitteleinsatz nicht den erwünschten Erfolg brächte. Sowohl die Glorifizierung der Produkte als auch die absolute Ablehnung haben ihre Ursachen zumeist im unzureichenden Wissen über Handhabung und Wirkungsweisen. Mit diesem Beitrag sollen wesentliche Hinweise zum richtigen Einsatz und zur gezielten Auswahl an Produktgruppen gegeben werden.

 

Als leicht silierbare Futterpflanze ist eine gute Gärqualität für den Mais nahezu mühelos zu erreichen. Doch hapert es in der Praxis oft mit der Haltbarkeit bei Siloöffnung. Wie lässt sich für Maissilagen die Nacherwärmung verhindern?

In erster Linie sind eine perfekte Silier- und Fütterungstechnik als auch eine an den Tierbestand angepasste Silogeometrie sicher zu stellen.

Der Siliermittelzusatz gehört zu einer weiteren prophylaktischen Maßnahme, um Aktivitäten unerwünschter Verderbkeime zu verzögern.

Auf DLG-Gütezeichen der Wirkungsrichtung 2 achten

Bei den Siliermitteln unterscheidet man zwei wesentliche Wirkungsrichtungen. Mit der Wirkungsrichtung 1 fasst man Siliermittel zusammen, die aufgrund ihrer Inhaltsstoffe vorzugsweise die Gärqualität verbessern. Die Wirkungsrichtung 2 hingegen umfasst alle Siliermittel zur Verbesserung der aeroben Stabilität. Mit Hilfe des DLG-Gütezeichens besteht eine einfache Möglichkeit, die Siliermittel hinsichtlich dieser beiden Primärwirkungen zu unterscheiden.

Für den Mais sind bevorzugt Siliermittel in der Wirkungsrichtung 2 einzusetzen. Innerhalb dieser Wirkungsrichtung 2 stehen biologische, chemische Produkte und biologisch-chemische Kombinationen zur Verfügung.

biologische oder chemische Siliermittel

Doch welche der drei Produktgruppen sind vorrangig zu empfehlen? Die Antwort hängt vor allem von den jeweiligen betrieblichen Gegebenheiten ab.

Im Allgemeinen kommen biologische Siliermittel in Form von heterofermentativen Milchsäurebakterien zum Einsatz, denn sie sind kostengünstiger als chemische Produkte. Da eine relativ geringe Dosiermenge genügt, fallen weniger Standzeiten bei der Ernte für das Nachfüllen des Siliermitteltanks an. Allerdings ist das Wirkungsspektrum bei alleiniger Anwendung von heterofermentativen Milchsäurebakterien nur auf Hefekeime ausgerichtet. Schimmelpilze werden nicht oder nur gering unterdrückt.

Mit chemischen Siliermitteln und biologisch-chemischen Kombinationen werden die beiden Keimgruppen erfasst:  Hefe- und Schimmelpilze. Die Produkte sind allerdings teurer und mit höheren Aufwandmengen zu applizieren. Hinzu kommt, dass bei den biologisch-chemischen Siliermitteln oft zwei Dosiergeräte erforderlich sind.

Für die Praxis kann deshalb die in Abbildung 1 dargestellte Empfehlung gegeben werden:

Bei guter Einhaltung von silier-  und fütterungstechnische Regeln ist der Einsatz von biologischen Siliermitteln vollkommen ausreichend. Anhaltswerte zur Einstufung von guter oder suboptimaler Silier- und Entnahmetechnik sind Tabelle 1 zu entnehmen. Je ungünstiger diese Gegebenheiten vor Ort sind, desto erforderlicher wird es, Siliermittel mit einem breiten Wirkungsspektrum zu nutzen. Die Anwendung chemischer Produkte ist in diesen Fällen besonders anzuraten. Das gilt auch für überreife oder geschädigte Maisbestände.

Grundlegendes zur Wirkungsweise

Im Allgemeinen zeichnen sich Siliermittel in der Wirkungsrichtung 2 durch spezielle hefehemmende Substanzen aus, wie aus Tabelle 1 ersichtlich wird. So tragen beispielsweise heterofermentative Milchsäurebakterien zu einem erhöhten Anteil an Essigsäure bei. Essigsäure unterdrückt bekanntlich die Aktivität der Hefen.

Das Wirkungsspektrum von chemischen Substanzen der Wirkungsrichtung 2 folgt zwei wesentlichen Grundregeln:

Die erste Regel besagt, dass die Bandbreite der Hemmwirkung auf Nacherwärmungskeime umso größer ist, je mehr Kohlenstoffatome das Konservierungsmittel besitzt. Vor dem Hintergrund sind in Abbildung 2 die Konservierungsstoffe sowie ihre Anzahl an C-Atomen aufgelistet, die vorzugsweise in Siliermittel der Wirkungsrichtung 2 enthalten sind. Aus der Getreidekonservierung ist der Einsatz der Propionsäure bereits als sicheres Konservierungsmittel bekannt. Noch wirksamer zur Unterdrückung von Pilzen und Hefen sind gemäß Abbildung 2 die Sorbin- und Benzoesäure. Beide Produkte finden auch in der Lebensmittelindustrie Verwendung. Im Übrigen muss bei der Silagebereitung nicht mehr zwingend eine Säure eingesetzt werden. Die korrespondierenden Salze dieser Säuren in Form von Neutralsalzlösungen oder Granulaten wirken identisch und sind im Vergleich zu Säuren weniger korrosiv und daher leichter handhabbar. Aus der Vergangenheit werden chemische Siliermittel heute leider immer noch mit Säuren gleichgesetzt. Lediglich in der Silage wirken die zugesetzten Salze als Säure.

An dieser Stelle wird auch die zweite Regel zur Wirkungsweise interessant:  Je tiefer der pH-Wert im Futterstapel ist, desto nachhaltiger werden die für Nacherwärmung verantwortlichen Verderbkeime durch das Siliermittel unterdrückt. Prinzipiell dissoziieren die Siliersalze in einem sauren pH-Milieu. Auch die Anteile der so genannten undissoziierten Säure nehmen bei tiefem pH-Wert zu. Nur diese Säurekomponente hat das Vermögen, in die Zellen von Pilzen und Hefen einzudringen. Dort blockiert die Säure bestimmte Enzymsysteme. In der Folge wird der Verderbkeim inaktiviert.

Dieses Zusammenspiel zwischen pH-Wert, Konservierungsmittel und dem Hemmeffekt auf Nachgärkeime gilt sowohl für die von heterofermentativen Milchsäurebakterien gebildete Essigsäure als auch für die anderen chemischen Siliermittel.

Aus siliertechnischer Sicht muss also alles dafür getan werden, den pH-Wert schnell und ausreichend tief zu senken. Das gelingt neben einer guten Verdichtung und Siloabdeckung durch Einhaltung des empfohlenen TM-bereich. Im TM-Bereich von 28 bis 35 % sind intensive Gärvorgänge zu erwarten. Der pH-Wert sinkt damit schnell auf ein Niveau von unter 4,0. Das Siliermittel kann deshalb gleichfalls rasch wirksam werden. Anders verhält es sich bei einer zu starken Abreife und TM-Gehalten oberhalb von 35 % TM: die Fermentation verläuft träge und der pH-Wert sinkt nur langsam. Somit verzögert sich die Wirkung des Siliermittels.

Geht auch Viehsalz?

Oft wird in Beratungsgesprächen gefragt, ob auch Viehsalz eine Alternative zu den recht preisintensiven chemischen Siliermitteln wäre. Viehsalz und Siliersalze unterscheiden sich grundlegend in ihrer chemischen Zusammensetzung. Nur die Siliersalze der Wirkungsrichtung 2 sind aufgrund ihrer Hemmsubstanzen in der Lage, die Nacherwärmungsflora weitestgehend auszuschalten bzw. die Aktivitäten dieser Keime zu verzögern.

Gut dosieren

Um die oben beschriebenen Effekte von Siliermitteln bei der Maissilierung weitest möglich zu nutzen, bedarf es sowohl einer gleichmäßigen Verteilung des Produktes im Futterstapel als auch der Einhaltung der empfohlenen Anwendungsmenge.

Je nachdem, ob vorzugsweise flüssige oder streufähige Siliermittel zur Anwendung kommen, stehen unterschiedliche Dosierungstechniken zur Verfügung.

Am Feldhäcksler kann das Siliermittel über Düsen direkt vor dem Einzug in die Häckseltrommel oder am Auswurfkrümmer appliziert werden. Da biologische Siliermittel keine hohen Temperaturen vertragen, ist darauf zu achten, dass sich die gebrauchsfertigen Siliermittelsuspensionen nicht durch maschinelle Abwärme erhitzen.

Es ist zudem vorab die Frage zu klären, ob mit dem Dosiergerät ausschließlich nur Milchsäurebakterien oder nur chemische Siliermittel oder beide Produktgruppen appliziert werden sollen.

Das Beimpfen des Futters mit Milchsäurebakterien erfolgt mit relativ geringen Aufwandmengen von 1 bis 2 Liter je Tonne. Hingegen werden für den sachgerechten Einsatz von chemischen Siliermitteln deutlich höhere Dosierungen von bis zu 6 Liter je Tonne (bzw. kg / Tonne FM) benötigt. Demzufolge muss die Pumpleistung des Dosiergerätes entsprechend variabel sein, wenn beide Produktgruppen zum Einsatz kommen sollen.

Seit einigen Jahren bieten einige Hersteller von Dosiergeräten auch technische Applikationsformen für Milchsäurebakterien an, die mit extrem geringen Aufwandmengen arbeiten. Mit so genannten“ ULTRA Low Volume (ULV) Dosiergeräten“ ist es möglich, anstatt der herkömmlichen Dosierung von 1 bis 2 Litern Bakterienlösung je Tonne Frischmaterial nur noch circa 250 ml und weniger eines Bakterienkonzentrates je Tonne einzusetzen. Um bei diesen Minimalmengen noch eine akzeptable Dosierung zu ermöglichen, bedarf es nicht nur geeigneter technischer Komponenten wie Spezialzerstäuber und Präzisions-Dosierpumpen sondern auch einer Kontrolle der erzielten Aufwandmenge. In der Praxis hat sich zur Ermittlung der exakten Aufwandmenge des Siliermittels die Wägung von mindestens drei Silierwagen und die Bemessung des Siliermittelverbrauches bewährt.

Zusammenfassung

Silomais neigt häufig zu raschem Futterverderb während des Verfütterungszeitraumes. Um der Erwärmung und Verpilzung des Gärfutters entgegenzuwirken, sind zunächst die Silier- und Entnahmebedingungen zu optimieren.

Wer darüber hinaus weitere Sicherungsmaßnahmen zur Prophylaxe gegen das Erwärmen ergreifen will, kann gezielt DLG-geprüfte Siliermittel in der Wirkungsrichtung 2 einsetzen. Hierzu können sowohl chemische, biologische oder biologisch-chemische Produkte zum Einsatz kommen. Um die nachgewiesenen Effekte des DLG-Tests auch in der Praxis wirksam zu machen, ist nicht nur für eine gleichmäßige Verteilung des Mittels im Futtergutstrom Sorge zu tragen, sondern auch für eine entsprechende Produktauswahl.

Eine komplette Auflistung über alle Siliermittel mit DLG-Gütezeichen können Sie unten herunterladen.


Kontakt:
Dr. Christine Kalzendorf
Beraterin Grünland, mehrj. Ackerfutterbau und Futterkonservierung
Telefon: 0441 801-428
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:


Stand: 31.07.2018