Webcode: 01034090

Eine frühe Maisernte steht bevor

Erste Beprobungen zeigt deutlichen Reifevorsprung durch hohe Temperaturen, kolbenarme Bestände müssen früher gehäckselt werden.

 

Der anhaltende Hochsommer zeigt mittlerweile seine negativen Seiten; auch viele Maisbestände leiden deutlich sichtbar. Jedoch sollte hierbei nicht vergessen werden, dass die Tropenpflanze Mais mit dieser extremen Witterung vergleichsweise gut zurechtkommt. Natürlich gibt es auch stark geschädigte Maisbestände, so dass erste (Teil-) Flächen bereits notbeerntet werden mussten, insbesondere dann, wenn die Befruchtung der Körner unzureichend war. Doch gibt es auch viele noch gutaussehende Bestände, die das extreme Wetter der letzten Monate gut nutzen konnten und nun entsprechend der bereits hohen Temperatursumme weit in ihrer Entwicklung fortgeschritten sind. Bei weiterhin guten Wetteraussichten muss damit gerechnet werden, dass die Ernte 3-4 Wochen früher als normal stattfinden wird.

Maisreifeprüfung hat begonnen

Aus diesem Grund hat die Landwirtschaftskammer Niedersachsen bereits Anfang August mit der Silomais-Reifeprüfung begonnen. Für die Regionen Süd und Ost (siehe Anbauregionenkarte) liegen erste Trockensubstanzergebnisse vor. Hierbei muss in diesem Jahr beachtet werden, dass die TS-Gehalte zum Teil deutlich von der Trockenheit beeinflusst sind. Um den physiologischen Reifezustand richtig einschätzen zu können, sollte daher insbesondere der TS-Gehalt in den Kolben betrachtet werden. Dieser reagiert deutlich weniger auf Wassermangel, als der Gesamt-TS-Gehalt und ist daher besser für die Beurteilung der Reife geeignet. Der TS-Gehalt des Kolbens liegt zur optimalen Siloreife bei 55 %. Da die Gesamt-TS-Gehalte durch die relativ trockenen Restpflanzen unter den aktuellen Witterungsbedingungen vielfach schon relativ hoch sind, ist damit zu rechnen, dass die anzustrebenden Kolbenwerte nicht erreicht werden können, ohne zu hohe TS-Gehalte in der Silage zu erreichen. Hier können bei entsprechend guter Verdichtung im Silo, kurzer Häcksellänge und ggf. dem Einsatz von Siliermitteln zwar etwas höhere TS-Gehalte toleriert werden, jedoch sollten diese nicht über 40 % steigen. Vor dem Hintergrund dieser Zusammenhänge kann vermutlich nicht überall auf die optimale Kolbenreife gewartet werden. Ein größeres Problem dürfte die innerbetriebliche Differenzierung der Abreife aufgrund der unterschiedlichen Wasserverfügbarkeiten sein. Dies führt in einigen Regionen soweit, dass innerhalb einzelner Flächen deutliche Unterschiede im Kolbenansatz infolge von Trockenheit und Hitze durch unvollständige Befruchtung der Kolben zu beobachten sind. Der hierdurch verringerte Kolbenanteil am Erntematerial sorgt dafür, dass die TS-Gehalte in der Silage sinken. Kolbenarme Bestände oder Teilbestände erreichen häufig nicht die angestrebten TS-Gehalte, so dass trotz Trockenschäden mit Sickersaft gerechnet werden muss.

Die Maisreifeprüfung versucht insbesondere die Abreife der besseren Bestände abzubilden. Ein Blick auf die Ergebnisse der Einzelstandorte zeigt zum Teil deutlich unterschiedliche Verhältnisse zwischen den Kolben- und Gesamt-TS-Gehalten. Liegt der TS-Wert der Gesamtpflanze bereits relativ hoch, bedeutet dies, dass der beprobte Bestand unter Wassermangel leidet. In der Tabelle „Ortsübersicht“ ist dies an den Werten der Prüforte Wehnen, Rockstedt und Belm besonders deutlich zu sehen. Mit Ausnahme des Standortes Obershagen zeigen auch die anderen Orte im Vergleich zum Kolben-TS-Wert zu hohe Gesamt-TS-Werte, so dass auch hier leichtere Trockenheitseinflüsse zu erkennen sind. Der Versuchsstandort Obershagen steht unter Beregnung und zeigt dementsprechend gut zusammenpassende TS-Gehalte. Somit wird die Ernte bei weiterhin warmer und sonniger Witterung im östlichen Niedersachsen auf Beregnungsstandorten voraussichtlich gegen Ende August beginnen können.

Siloreife wird ca. drei Wochen früher erreicht als normal

Die Reifegrafik zeigt für die erste Mitteilung für die Region Ost den Mittelwert der Standorte Rockstedt, Bassum, Poppenburg und Obershagen, da ansonsten nur ein Beprobungsort zur Verfügung gestanden hätte. In der Region Süd werden durch die hohe Temperatursumme und die Trockenheit frühe Sorten (bis S 220) bereits ab dem 20.08. erntereif werden, mittelfrühe (S 230 – S 250) und mittelspäte (ab S 260) jeweils ca. fünf Tage später.

Stark von Trockenheit betroffene Flächen werden früher gehäckselt werden müssen, um noch einen akzeptablen Futterwert zu sichern und eine gute Verdichtung zu gewährleisten.

Sollte der für diese Woche angekündigte Niederschlag tatsächlich fallen, ist damit zu rechnen, dass die TS-Gehalte wieder fallen und Sickersaft verstärkt auftreten kann, da sich die Pflanzen mit Wasser vollsaugen. Die Notbeerntung von vertrocknenden Maisbeständen sollte dann für einige Tage ausgesetzt und die Bestände beobachtet oder beprobt werden. Nach wie vor gilt es, nur die sehr stark geschädigten Bereiche aus den Flächen herauszuhäckseln, um einerseits eine Sickersaftbildung aus den noch grüneren Bereichen zu vermeiden und andererseits diesen Bereichen eine weitere Ertragsbildung zu ermöglichen.

Körnermais häckseln?

Das Futterdefizit in den Milchviehregionen Niedersachsens wächst derzeit von Tag zu Tag. Gleichzeitig haben die Körnermaisbestände vielfach so sehr gelitten, dass eine Ernte als Silomais betriebswirtschaftlich sinnvoller wäre. Hier gilt es nun, Angebot und Bedarf zügig zusammenzubringen. Da regionale Grundfutterbörsen hierfür vom Einzugsgebiet nicht ausreichen, gibt es neben den bekannten Kleinanzeigenplattformen auch einen neuen, überregionalen Grundfuttermarktplatz unter www.grundfutter-nord.net, auf dem Grundfuttermittel und Stroh gesucht und angeboten werden können. Auch das Landvolk Niedersachsen plant eine solche Plattform, ebenso agrarheute. Auf den allseits bekannten Kleinanzeigen-Seiten im Internet werden bereits verstärkt Maisbestände ab Feld angeboten. In der Regel helfen die Anbieter einen Lohnunternehmer und auch autobahntaugliche Transportlogistik zu organisieren. Wer seinen geplanten Körnermais selbst einsilieren und lagern kann, hat die Möglichkeit der logistischen Herausforderung des Transports während der Ernte zu entgehen und kann in ruhigeren Zeiten die Vermarktung angehen, auch um mögliche Rückfrachten für die LKW zu bekommen.

Energiemais als Rinderfutter?

Da die niedersächsische Körnermaisfläche nicht ausreichen wird, um den Minderertrag beim Silomais auszugleichen und gleichzeitig die Situation bei den Graserträgen noch dramatischer ist, sollten Biogasbetreiber darüber nachdenken, einen Teil ihrer Silage an Viehhalter zu veräußern. Gleichzeitig wäre z.B. der Einsatz separierter Rindergülle als Ersatz in den Fermentern denkbar. Bei der derzeitigen Preisentwicklung im Grundfutterbereich kann es durchaus sinnvoll sein, die Stromgeneratoren nicht auf Volllast laufen zu lassen.  


Kontakt:
Karl-Gerd Harms
Berater Silo- und Körnermais
Telefon: 0441 801-418
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:
Dr. Christine Kalzendorf
Beraterin Grünland, mehrj. Ackerfutterbau und Futterkonservierung
Telefon: 0441 801-428
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:


Stand: 13.08.2018



PDF: 30375 - 57.26171875 KB   Reifeprüfung Grafik 1-18   - 57 KB  
PDF: 30391 - 65.18359375 KB   Reifeprüfung Mais Grafik 2-18   - 65 KB