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Körnermais-LSV-Ergebnisse 2018 und Sortenempfehlungen

Das Jahr 2018 wird vielen Menschen in weiten Gebieten Nord- und Mitteleuropas aufgrund des außergewöhnlichen Sommers wohl eher positiv in Erinnerung bleiben. Aus dem Blickwinkel der Landwirtschaft auch in Nordwestdeutschland, überwiegt eher die Sorge, denn die Trockenheit wirkte sich nahezu auf alle Kulturen negativ aus.

Auch der Mais hat zum Teil sehr unter dem Wassermangel des Dürresommers gelitten, und dass trotz seiner hohen Wassernutzungseffizienz und des niedrigen Transpirationskoeffizienten.

Nach einem sehr nassen Winter mit ungewöhnlich hohen Niederschlägen und einer anschließenden Frostperiode gegen Ende Februar bis etwa Mitte März konnte die Frühjahrsbestellung vielfach erst verspätet beginnen. Viele Flächen wurden vor diesem Hintergrund erst Mitte April und damit kurz vor der Maisaussaat bearbeitet. Mancherorts verzögerte sich gar die Maisaussaat aufgrund der Nässe. Die schon im Herbst 2017 schwierigen Aussaatbedingungen führten letztlich zu einer Anbauausweitung des Maises, da nicht selten auch Sommergetreide nicht termingerecht gesät werden konnte.

Geringe Anbauausweitung

Laut Flächenanträgen der niedersächsischen Landwirte wurden nur rund 2.500 ha mehr Körnermais ausgesät als im Vorjahr, was nach rückläufigen Zahlen der letzten Jahre einen theoretischen Zuwachs von 4,2 % gegenüber 2017 bedeutet. Insgesamt waren im Mai 63.000 ha Körnermais geplanten worden. Jedoch durchkreuzte die Witterung in diesem Jahr viele Planungen, so dass tatsächlich wohl deutlich weniger gedroschen wurde.

Ab Anfang Mai blieben fast flächendeckend nennenswerte Niederschläge aus. Mancherorts war so gut wie gar kein Regen zu verzeichnen, während woanders immerhin noch kleinere Schauer fielen, die mitunter von entscheidender Bedeutung waren. Infolge der reichlich vorhandenen Winterfeuchte liefen die Körnermaisbestände in der Regel auch ohne Niederschläge zügig und gleichmäßig auf. Doch die Bodenfeuchte war durch die zügig ansteigenden Temperaturen ab Anfang Mai schnell verbraucht. Weitere Niederschläge gab es den gesamten Sommer über nur in großen Abständen und kleinen Mengen, nicht überall genug, um üppige Maisbestände heranwachsen zu lassen. Dennoch waren viele Maisanbauer bis zur Blüte des Maises noch optimistisch, denn die Bestände haben sich zügig entwickelt und sahen trotz Trockenheit vielfach erstaunlich gut aus. Die Hoffnung auf Regen zur Blüte wurde jedoch nicht erfüllt, so dass sich die Befruchtung der Kornanlagen nicht selten an den letzten Wasserreserven des Bodens und der Leistungsfähigkeit des Wurzelwerks entschieden. Die hieraus resultierenden Unterschiede konnten auch in den Landessortenversuchen (LSV) der Landwirtschaftskammer Niedersachsen beobachtet werden. An mehreren Standorten zeigten sich sowohl Boden- als auch Sortenunterschiede. Die Bodenunterschiede führten letztendlich dazu, dass vier von sieben LSV nicht gewertet werden konnten. In der Praxis zeigte sich in vielen Beständen ein ähnlich heterogenes Bild mit kolbenarmen bis kolbenlosen Bereichen bis hin zu normal ausgebildeten Kolben und Pflanzen.

Größere Regenmengen blieben weiterhin die Ausnahme, so dass die Körnermaisernte in diesem Jahr sehr ungewöhnlich früh begann. Grund für die frühe Ernte war neben dem Wassermangel vor allem die durch die warme Witterung schon früh erreichte Temperatursumme für die Druschreife. Bereits ab Mitte September wurde der erste Körnermais gedroschen und schon Anfang Oktober war die Ernte weitgehend beendet, da viele Bestände durch die Trockenheit zusammenzubrechen drohten. Die ungewöhnlich niedrigen Restfeuchtegehalte untermauerten den optischen Eindruck der ausgezehrten Körnermaisbestände. Die Restfeuchtegehalte lagen in der Regel deutlich unter 30 %, nicht selten gar unter 25 %. Ob bei diesen Feuchtegehalten die Berechnungsmethoden der Trocknungskosten noch passen, ist fragwürdig.

Bei aller Freude über eine außergewöhnlich gute Abreife enttäuschten die Erträge vielfach deutlich. Nur 50 – 70 % des gewohnten Ertragsniveaus wurden erreicht, wobei stark geschädigte Bestände i.d.R. nicht berücksichtigt sind, da diese häufig als Silomais gehäckselt wurden. Auch wenn die Trocknungskosten geringer ausfallen und die Winterungen pünktlich gesät werden konnten, kann nicht von einem zufriedenstellenden Ernteergebnis gesprochen werden

Robuste Sorten zeigen sich

Die für Nordwestdeutschland sehr ungewöhnliche Trockenheit dieses Sommers lies deutlich werden, welche Sorten besonders trockentolerant sind, eine Eigenschaft die auf sehr leichten, nicht beregnungsfähigen Standorten von großer Bedeutung ist. Die Trockentoleranz konnte aufgrund der außergewöhnlichen Witterung in diesem Jahr bewertet werden und ist sowohl in den Ergebnistabellen als auch in der Tabelle „Sortenempfehlung“ aufgeführt. Die Einstufung der Sorten erfolgte maßgeblich anhand des relativen Ertragsunterschieds zwischen den diesjährigen und den mehrjährigen Ergebnissen, wobei die mehrjährigen Ergebnisse die Ertragsdaten aus 2018 nicht berücksichtigen. Somit ist die Grundlage der Sortenempfehlung unbeeinflusst vom Dürrejahr 2018, denn es ist nicht davon auszugehen, dass ein solches Extrem zur Regel wird. Möglich wird diese Verrechnung durch ein statistisches Rechenprogramm, welches auch die Ergebnisse aus EU- und Wertprüfungen der Vorjahre mit einbezieht. Der Vorteil dieser Vorgehensweise zur Sortenbewertung liegt darin, dass auch für die 22 neu im LSV aufgenommenen Körnermaissorten zweijährige Daten aus den Jahre 2016 / 2017 die Grundlage bilden und somit eine realistische Sortenbeschreibung und –empfehlung für 2019 möglich ist. Welchen Einfluss die Ergebnisse der LSV, EU- und Wertprüfungen aus 2018 zukünftig haben, ist derzeit noch offen.

Sortenempfehlungen

Neu ist ab diesem Jahr, dass es auch Sorten mit einer eingeschränkten Anbauempfehlung gibt. Das bedeutet, dass eine Sorte nach aktuellen Erkenntnissen und Beobachtungen in den LSV mit agronomischen Mängeln behaftet ist. Dies kann ein erhöhtes Lagerrisiko sein oder auch häufig auftretende Stängelfäule. Letztere ist für CCM meist nicht relevant, kann sich aber für Körnermaisbestände aufgrund der späteren Ernte nachteilig auswirken. Aktuell können auch Aussagen über die Trockentoleranz gemacht werden, so dass Sorten ggf. nicht auf sehr leichten Böden angebaut werden sollten. Der Grund für eine Einschränkung kann der Tabelle „Sortenempfehlungen“ im Bereich der Bonituren entnommen werden.

 Körnermaissortenempfehlungen Niedersachsen, Nord und Süd

Für ganz Niedersachsen erhalten die Sorten Rigoletto (K 240), KWS Stabil (K 200), Amanova ((K 230), Santimo (K 210), Benedictio (K 230), ES Hubble (K 220), LG 30244 (K 230), Severeen (K 230), LG 30258 (K 240), Amaveritas (K 240) und Vitally (K 230), gestaffelt nach der bereinigten Marktleistung in der Region Süd, eine Anbauempfehlung.

Für den Probeanbau werden die Neuzulassungen KWS Stefano (K 220), Amavit (K 210), KWS Fabiano (K 230) und ES Joker (K 240) in Niedersachsen empfohlen. Für die Region Süd wird zusätzlich die Sorte Rancador (K 220) für den Probeanbau empfohlen.

 

CCM-Sortenempfehlungen

Region Süd

Für das südliche Niedersachen haben die Sorten Rigoletto (K 240), Santimo (K 210), LG 30244 (K 230), Severeen (K 230), LG 30258 (K 240), Amaveritas (K 240), Mojagger (K 240 und P 8134 (K 250) aufgrund ihrer langjährig überzeugenden Kornerträge eine Anbauempfehlung erhalten.

Region Nord

Für das nördliche Niedersachsen wird den Sorten Rigoletto (K 240), Amanova ((K 230), Santimo (K 210), Benedictio (K 230), ES Hubble (K 220), LG 30244 (K 230), Severeen (K 230), LG 30258 (K 240), Amaveritas (K 240), Vitally (K 230) und Mojagger (K 240) eine Anbauempfehlung ausgesprochen.

CCM-Probeanbau

Für die CCM-Nutzung werden für den Anbau auf Probe die neu zugelassenen Sorten KWS Stefano (K 220), Amavit (K 210), KWS Fabiano (K 230), ES Joker (K 240), ES Hemingway (K 240), Serveza (K 250) und SY Impulse (K 250) für ganz Niedersachsen empfohlen.

Trockentolerante Sorten

Der mehr oder weniger dauerhafte Wassermangel dieses Jahres führte einerseits dazu, dass sich ein niedriges Ertragsniveau selbst auf den verhältnismäßig guten LSV-Standorten einstellte. Andererseits zeigten sich durch die ungewöhnliche Witterung einige Sorten relativ unbeeindruckt und erreichten verhältnismäßig gute Erträge. So fielen unter den diesjährigen Witterungsbedingungen bei entsprechend verringertem Ertragsniveau die Sorten Farmfire (ca. K 230), Quentin (K 250), Rigoletto (K 240), Tonifi (K 240), LG 30258 (K 240) und SY Talisman (K 230) gegenüber den jeweils mehrjährig ermittelten Erträgen positiv auf. Unter den neu im LSV geprüften Sorten wurde mit den Sorten SY Impulse (K 250), LG 31276 (K 250), RGT Chromixx (K 230), sowie ES Hemingway (K 240) und LG 31256 (K 240) unter diesjährigen Prüfbedingungen ebenfalls ein gutes Ergebnis erzielt.

Das reichhaltige Sortenportfolio zeigt, dass sich die Pflanzenzüchtung intensiv mit Körnermais beschäftigt. Der Zuchtfortschritt im Bereich Ertrag, aber auch in Bezug auf Abreife und Pflanzengesundheit sorgt dafür, dass immer leistungsfähigere Sorten zugelassen, ältere überholt und verdrängt werden.

Sowohl vor diesem als auch vor dem Hintergrund des nicht zu leugnenden Klimawandels wird der norddeutsche Körnermaisanbau an Bedeutung gewinnen. Fruchtfolgeprobleme und schwieriger werdender Pflanzenschutz durch immer weniger zugelassene Mittel tun ihr Übriges und lassen den Maisanbau weiter in den Fokus rücken. Die Erträge des Körnermaises sind durchaus interessant, auch wenn nach wie vor hohe Trocknungskosten anfallen.

Somit stehen die Chancen gut, das in wenigen Jahren wieder ein Anbauumfang wie zu Beginn dieses Jahrzehnts erreicht wird.


Kontakt:
Karl-Gerd Harms
Berater Silo- und Körnermais
Telefon: 0441 801-418
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:
Dr. Christine Kalzendorf
Beraterin Grünland, mehrj. Ackerfutterbau und Futterkonservierung
Telefon: 0441 801-428
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:


Stand: 05.11.2018