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Maisaussaat planen und Futterlücken schließen

Der extrem trockene Sommer 2018 wirkt besonders bei den Futterbaubetrieben noch deutlich nach, denn die Futtervorräte sind fast überall sehr knapp – Zukaufmöglichkeiten bestehen nur zu sehr hohen Kosten. Jetzt gilt es, neue Futterreserven aufzubauen, und das möglichst schnell.

 

Bedingt durch die zu geringen Grundfuttererträge bei gleichzeitig sehr früher Silomaisernte und nachfolgend guten Aussaatbedingungen haben viele Betriebe bereits im Spätsommer und Herbst letzten Jahres auf diese Situation reagiert. Vielfach wurde sowohl nach Getreide als auch nach Silomais Weidelgras als Futterzwischenfrucht ausgesät. Auch wurden vermehrt Flächen mit Wintergetreide bestellt, welches zum Teil als Grünschnittroggen oder Getreide-GPS zur Fütterung von Rindern oder Biogasanlagen diesen soll. Als Zwischenfrucht oder Untersaat gesäte Weidelgrasbestände sowie Grünroggen und Getreide-GPS bilden die ersten Futterquellen des neuen Jahres.

Gras bildet erste neue Futterquelle

Früheste Nutzungsmöglichkeiten bilden dabei die Weidelgrasbestände, welche bereits jetzt beweidet werden können bzw. z.T. schon im Herbst und im milden Winter gemäht oder beweidet wurden. Eine Schnittnutzung ist, je nach Witterungsverlauf, ab der letzten Aprildekade möglich. Bei ausreichendem Wasserangebot ist bei frühem ersten Schnitt auch ein zweiter Schnitt nach 4 – 5 Wochen mit anschließender Maisaussaat (mit sehr früher Sorte) denkbar und würde schnell Grundfutter liefern. Bei Einsatz von Welschem Weidelgras sind Erträge von 30 – 60 dt/ha Trockenmasse zum ersten Schnitt durchaus realistisch.

Untersaaten nutzen

Als Greening angelegte Grasuntersaaten aus dem Vorjahr dürfen mit dem Ziel einer Beerntung bereits ab Mitte Februar (nach Düngebedarfsermittlung) gedüngt werden und sind bei guter Etablierung ähnlich leistungsfähig. Noch vorhandene Stoppelreste sollten ggf. gewalzt werden. Auf Standorten mit guter Wasserversorgung kann es auch eine Option sein, einen Teil der derzeit mit Welschem Weidelgras bestellten Flächen ganzjährig als Ackergras zu nutzen und erst nach einer Grasvornutzung im kommenden Jahr wieder Mais auszusäen.

Grünroggen und GPS

Der Anbau von Grünschnittroggen vor Mais oder ein Zweikultursystem mit Getreide-GPS und sehr frühen Maissorten bietet sich ebenfalls als zusätzliche Futterquelle an. Diese Möglichkeiten sind allgemein bekannt und werden von vielen Biogasbetrieben ohnehin häufig praktiziert. Diese Futterquelle kann durchaus auch für die Rinderfütterung interessant sein. Grünschnittroggen bietet dabei eine gute Möglichkeit für eine zusätzliche Futtergewinnung ohne großes Ertragsrisiko beim nachfolgenden Silomaisanbau. Der Maisanbau nach Getreide-GPS ist hingegen immer mit deutlich niedrigeren Erträgen beim Mais verbunden als bei einem Solo-Maisanbau, welche auch nicht ausreichend vom GPS-Ertrag kompensiert werden können. Nach Getreide-GPS bietet sich daher eher der Anbau von Sommergetreide, ebenfalls zur GPS-Nutzung, oder einer anderen Sommerzwischenfrucht wie Kleegras, Ackergras, etc., an.

Somit ist ein Zweitfruchtsystem mit Getreide-GPS und Silomais nur selten sinnvoll, hingegen die Vornutzung von Grünschnittroggen, insbesondere in diesem Jahr, eine gute Möglichkeit, den Gesamtertrag zu steigern!

Frühe Maissorten für frühere Ernte

Besteht die Futterlücke insbesondere beim Silomais, so kann durch die gezielte Wahl sehr früher Sorten auf einem Teil der Anbaufläche bei gleichzeitig möglichst früher Aussaat auch die Ernte dieser Bestände früher erfolgen.

Ein Beispiel für ein Futterdefizit von 4 - 5 Wochen (ca. 10 % des Jahresbedarfs):

Durch den Einsatz sehr früher Maissorten auf 10 – 15 % der Anbaufläche kann die Ernte dieser Bestände deutlich früher erfolgen. Vergleicht man die Ergebnisse der Landessortenversuche (LSV Mittelfrüh) und Daten aus Versuchen mit sehr frühen Sorten im Bereich S 180 – S 200 vom gleichen Standort, zeigt sich ein Reifevorteil der sehr frühen Sorten von 2 – 4 Wochen. Die zu erwartenden Erträge der sehr frühen Sorten liegen allerdings ca. 5 – 15% unter denen ausgereifter üblicher Sorten (ca. S 240). Außerdem erreichen sie bereits 4 Wochen früher einen TS-Gehalt von mindestens 30 % bei guten Qualitätseigenschaften. In der beschriebenen Situation müssten diese Sorten folglich trotzdem noch vor Erreichen des optimalen Erntetermins (32 – 35 % TS) gehäckselt werden. Um diesen Mais einen Monat früher reif zu bekommen ist daher eine möglichst zeitige Aussaat der frühreifen Sorten besonders wichtig. Der zusätzliche Flächenbedarf durch den geringeren Ertrag dieser frühreifer Maissorten liegt in dem Beispiel bei nur rund ein bis zwei Prozent der Gesamtfläche. Insgesamt müssten jedoch rund 10 -12 % mehr Mais angebaut werden als üblich, um auch das entstandene Futterdefizit des Vorjahres wieder aufzufüllen.

Untersaaten mit Herbstschnittnutzung

Sollte auf diese Weise ein früher erster Erntetermin bei Silomais angestrebt werden, ist die Kombination mit Grasuntersaaten besonders interessant. Die Untersaat kann nach der Maisernte Ende August noch gedüngt und im Herbst geerntet werden, was ebenfalls eine weitere Futterquelle bedeutet. Die Maisstoppeln sollten hierfür entweder gemulcht oder in späterer Mahdrichtung gewalzt werden, um diese möglichst nicht mitzuerfassen und keine unnötige Keimbelastung zu riskieren. Zusätzlich kann eine Grasvornutzung im kommenden Frühjahr vor der Maisaussaat durchgeführt werden.

Fazit

Unter günstigen Standortbedingungen sind die aufgezeigten Zweitfruchtsysteme alle in der Lage höhere Erträge pro Hektar zu liefern als ein Solo-Maisanbau. Allerdings ist auch der Aufwand höher.

Auf den sich aus der Vornutzung ergebenden späteren Aussattermin des Maises muss mit der Wahl entsprechend frühreiferen Sorten reagiert werden. Hierbei gilt in etwa, dass pro Woche späterer Aussaat die Reifezahl der Maissorte min. 20 Reifegrade sinken sollte, um eine sichere Ausreife zu gewährleisten.

Andererseits ist es auch möglich, durch sehr frühe Maissorten die neue Ernte früher verfügbar zu machen. Eine Grasuntersaat kann dann zusätzlich im Herbst und im Frühjahr geschnitten werden.


Kontakt:
Karl-Gerd Harms
Berater Silo- und Körnermais
Telefon: 0441 801-418
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:
Meike Backes
Leiterin Fachbereich Grünland und Futterbau
Telefon: 0511 3665-4453
Telefax: 0511 3665 4508
E-Mail:


Stand: 12.04.2019