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Anhaltende Trockenheit schädigt zunehmend die Maisbestände

Das Futter bleibt in 2019 ein sehr knapper Faktor. Während im letzten Jahr noch Futtervorräte vorhanden waren, kann mit derartigen Reserven in 2019 nicht gerechnet werden. Umso sorgenvoller wird daher die Entwicklung der Maisbestände beobachtet, die zunehmend unter der Trockenheit leiden. Wie, je nach Schädigungsgrad, reagiert werden soll, lesen Sie nachfolgend.

 

Die anhaltende Trockenheit und die sehr hohen Temperaturen der vergangenen Tage hinterlassen mittlerweile deutliche Spuren in den Maisbeständen. Besonders dort, wo aufgrund der Futterknappheit des letzten Jahres in diesem Frühjahr eine Vornutzung von Gras oder Grüngetreide erfolgt ist, zeigen die sog. Zweitfrucht-Maisbestände häufig deutliche Trockenschäden. Gerade auf den leichten Standorten ist der Mais deutlich im Wuchs zurückgeblieben und noch weit vom Fahnenschieben entfernt, nicht selten sind die Blätter gerollt und erste auch schon abgestorben. Nennenswerte Niederschläge können hier jedoch noch viel bewirken, auch wenn die Abreife weit verzögert werden könnte.

Viele Bestände leiden, doch in der Regel sollte noch keine vorzeitige Ernte eingeleitet werden.

Es ist gut zu überlegen, ob und ab wann eine Noternte durchgeführt werden sollte, um den entstandenen Schaden nicht noch größer zu machen.

Hohes Kompensationsvermögen

Mais ist in der Lage, bei Trockenheit lange am Leben zu bleiben. Solange noch grüne Pflanzenteile vorhanden sind, kann bei einsetzendem Regen noch weiter Ertrag gebildet werden. Den Beständen sollte so lange wie möglich die Chance auf weiteren Masse- und Stärkezuwachs gegeben werden. Dies gilt auch für die bereits vor und in der Blüte in ihrer Entwicklung stehengebliebenen Bestände, denn auch, wenn hier mit kolbenarmem oder gar kolbenlosem Mais gerechnet werden muss, können durch einsetzende Niederschläge noch Ertragssteigerungen erreicht werden.

Ab wann häckseln?

Das alleinige Auftreten gerollter Blätter ist kein Grund für eine vorzeitige Ernte. Diese ist frühestens sinnvoll, wenn erhebliche Anteile des Blattapparates abgestorben sind.

  • Erst wenn es aussichtslos wird, dass die Bestände die Trockenheit überstehen könnten, sollte über eine frühzeitige Ernte nachgedacht werden.
  • Gehäckselt werden sollten die Bestände, wenn zu dem Blattsterben der unteren Blattetagen auch ein Blattsterben (braune Blätter) von oben einsetzt und nur noch wenige Blätter zwischen Kolbenansatz und Spitze grün sind. Doch selbst dann ist davon auszugehen, dass größere Mengen Sickersaft aus der Silage austreten werden, da der Stängel i.d.R. noch viel Saft enthält. Der Saftgehalt kann mittels Wringprobe am Stängel überprüft und grob eingeschätzt werden. Erst wenn hierbei fast kein Saft mehr aus dem Stängel austritt, kommt es zu wenig bis keinem Sickersaft mehr.

Zu erwartende TS-Gehalte

Durch eine rein optische Beurteilung kann keine genaue Aussage über den TS-Gehalt getroffen werden, weshalb generell mit größeren Sickersaftmengen gerechnet werden sollte. Die LWK Niedersachsen hat Im vergangenen Jahr in verschiedenen Regionen Proben aus geschädigten Maisbeständen entnommen und mit folgendem Ergebnis auf den TS-Gehalt untersucht:  

Pflanzen mit gerollten Blättern,

  • ohne abgestorbene Blätter: ca. 20-24 % TS
  • zusätzlich abgestorbene Blätter im unteren Bereich: ca. 23-26 % TS, teils auch deutlich geringer
  • zusätzlich Verbräunungen auch an den obersten Blättern und nur noch wenige Blätter im mittleren Bereich grün und gerollt: ca. 28 % TS
  • Auch die physiologische Entwicklung hat einen Einfluss, so dürften die TS-Gehalte von Beständen ohne Blüte und Kolben eher am unteren Ende der angegebenen Bereiche liegen.

Für eine genaue TS-Bestimmung werden 5 - 6 repräsentative Pflanzen (Abschneiden in Stoppelhöhe) aus dem Bestand benötigt. Wichtig ist, dass die Pflanzen nach der Feldentnahme möglichst bald verarbeitet werden, um ungewollte TM-Zunahmen während der Lagerung zu vermeiden. Die Feststellung des TM-Gehaltes kann bspw. bei der LUFA Nord-West (Tel.: 0441 801-850) für ca. 13,00 € in Auftrag gegeben werden. Für das Häckseln von 5 Pflanzen sind weitere 10,00 € zu veranschlagen. Hierbei sollten die Pflanzen beim Transport eingeknickt in einen Plastiksack eingeschlagen werden, um Feuchtigkeitsverluste zu vermindern. Die TS-Gehalte unterliegen jedoch generell starken Schwankungen. Einflüsse treten durch die kleinräumig häufig sehr unterschiedliche Wasserversorgung auf.

Nicht zu unterschätzen ist der Einfluss kleinerer Niederschlagsereignisse auf den TS-Gehalt. Eine geplante Noternte sollte daher nicht nach einem Regenschauer durchgeführt werden. Es ist damit zu rechnen, dass die Pflanzen das Wasser relativ schnell aufnehmen und somit das Sickersaftaufkommen bei anschließender Ernte deutlich steigen würde. Darüber hinaus nutzen die Pflanzen auch kleinere Wassermengen wieder für Wachstum, so dass es Sinn macht, nach einem Regenschauer die Bestände erstmal wieder zu beobachten und ihnen einige Tage Zeit für eine Weiterentwicklung und Ertragszuwachs zu geben.

Wie die Ernte organisieren?

Ist die Entscheidung für den Erntebeginn gefallen, stellt sich die Frage, welche Flächen gehäckselt werden sollten, und welche noch nicht. Diese Entscheidung sollte jedoch nicht schlagweise getroffen werden. Vielmehr sollte die Devise lauten, nur dort zu häckseln, wo kein Ertragszuwachs mehr möglich erscheint. Dies bedeutet in vielen Fällen eine ganz gezielte Teilflächenbeerntung. Dieses Vorgehen verhindert unnötige Ertragsverluste, da die besseren Teilflächen sich weiterentwickeln können und vermeidet ein starkes Auftreten von Sickersaft.

Silierung kolbenloser/ -armer Bestände

Bei der Silierung gelten die üblichen Grundsätze: gute Verdichtung und zügiger Luftabschluss. Hierfür sollte neben einem entsprechenden Walzfahrzeug auch auf eine kurze Häcksellänge geachtet werden, insbesondere dann, wenn schon viele abgestorbene Blätter vorhanden sind. Das Silo sollte unbedingt so angelegt werden, dass ein hoher Vorschub bei der Fütterung gewährleistet ist. Grünmais zählt in aller Regel zu den leicht vergärbaren Futterpflanzen.

Für das aktuelle Silieren ist vor allem auf die Sickersaftbildung und die Gärgashaube zu achten. Beides kann sehr ausgeprägt bei geringen TM-Gehalten ausfallen.

  • Viel Sickersaft ist für die noch grünen und kolbenlosen Bestände zu erwarten. Es gilt, diesen ordnungsgemäß in Sickersaftgruben oder durch eine hinreichende absorbierende Häckselstrohmatte oder dergleichen aufzufangen. Eine weitere Möglichkeit besteht in der Vermischung des Maises mit Trockenschnitzeln oder der Mais wird auf einer Schicht rel. trockener Gras- oder Maissilage siliert.
  • Sind die Blätter schon zu einem großen Anteil vergilbt oder braun, empfiehlt sich eine Siliermittelbehandlung mit DLG-geprüften Zusätzen der Wirkungsrichtung 2 durchzuführen, um Problemen mit Nacherwärmung entgegenzuwirken.

Der Siliermittelzusatz ist für die noch grünen Bestände nicht zwingend. Allerdings werden hohe Restzuckergehalte in den Silagen erwartet. Vor dem Hintergrund kann der Zusatz mit DLG-geprüften Produkten der Wirkungsrichtung 2 eine sinnvolle Ergänzung sein. Das gilt insbesondere, wenn der wöchentliche Futtervorschub bei der Futterentnahme eher gering ist.

  • Die Silokanten sind nach der Siloabdeckung mit einer engmaschigen Kette an Kiessäcken oder ausreichend Sand zu beschweren, damit trotz einer kräftigen Gärgashaube alles fest verzurrt bleibt.

Bei den aktuell sehr hohen Temperaturen kann es passieren, dass sich die zur Beschwerung aufgebrachten Reifen auf über 100 Grad erwärmen, was dann zu brüchigen Stellen der Silofolie führen kann. Daher sollten bevorzugt Kiessäcke zur Beschwerung genutzt und vorerst auf Reifen verzichtet werden; dann das Siloschutznetz direkt auf die Silofolie legen.

In vielen Betrieben kündigt sich auch in diesem Jahr ein deutlicher Grundfuttermangel an. Möglichkeiten diesem zu begegnen bestehen in der Aussaat von einjährigem Weidelgras oder Sommergetreide wie Hafer oder Sommergerste. Hier kann bei rechtzeitig einsetzenden Niederschlägen noch im Herbst eine Nutzung erfolgen. Es bietet sich an, das Sommergetreide als Deckfrucht für eine Grasuntersaat mit Welschem Weidelgras zu nutzen, um das Herbstfutter aufzuwerten und im kommenden Frühjahr das Gras nochmals zu schneiden. Diese Möglichkeit bietet sich sowohl nach Raps- und Getreidevorfrucht an, als auch nach sehr früh geerntetem, trockengeschädigtem Mais. Es sollte in dieser großräumigen Futtermangelsituation auch über Kooperationen mit Ackerbaubetrieben, auch überregional, nachgedacht werden, um das Futterdefizit zu decken.

Abschließend bleibt zu hoffen, dass es noch zu Niederschlagsereignissen kommt und sich viele Bestände so noch erholen können. Für einige wird es wohl zu spät sein, doch nach wie vor gilt es, in dieser Situation Ruhe zu bewahren und wohlüberlegt zu handeln.

Die LWK Niedersachsen beginnt in der 33. Woche mit der ersten Probenahme für die alljährliche Maisreifeprüfung, um auch die Entwicklungssituation in den nicht geschädigten Beständen zu beobachten. Informationen zu diesen Themen werden an dieser Stelle, über die Land & Forst sowie im Internet bereitgestellt.

Karl Gerd Harms, Sachbearbeiter Silomais


Kontakt:
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Beraterin Grünland, mehrj. Ackerfutterbau und Futterkonservierung
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Dr. Jürgen Fisahn
Leiter Fachgruppe Pflanze
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Stand: 06.08.2019