Webcode: 01035787

Maisreifeprüfung: Große Unterscheide in der Bestandesentwicklung

Nach wochenlanger Trockenheit konnte sich der Mais nach den Niederschlägen in der letzten Woche wieder etwas erholen. Auf Böden mit guter Wasserführung machen die Bestände i.d.R. optisch einen guten Eindruck. Doch nicht alle Bestände haben die Trockenphase schadlos überstanden.

 

Gerade der Mais auf leichten Böden sowie Zweitfruchtbestände nach Grünroggen oder Ackergras zeigen verkürzte Stängel mit verspäteter und mangelhafter Kolbenausbildung. Der Regen konnte zwar weitere Dürreschäden aufhalten und ließ die Bestände wieder durchgrünen, doch auf den 2. Blick fällt die verzögerte Kolbenausbildung oder die lückenhafte Befruchtung des Kolbens besonders an der Spitzte auf. Dies geht zu Lasten der Qualität und des Ertrags.

Angestrebt wird bei normal entwickelten Beständen ein Erntetermin bei ca. 32- 35% TS-Gehalt im Erntegut. Dann ist einerseits die Stärkeeinlagerung weitgehend abgeschlossen und andererseits sind die Pflanzen noch nicht zu stark abgereift und somit verholzt. Unterhalb von 32 % TM ist besonders bei hohen Silomieten mit verstärkter Sickersaftbildung zu rechnen, deutlich oberhalb von 35 % TM ist eine ausreichende Verdichtung kaum noch zu erreichen, was zu Schimmel und Nacherwärmungen führen kann.

Die Kolbenabreife liegt zur Siloreife bei 50-55 % TS und trägt mit Kolbenanteilen von mehr als der Hälfte des TM-Ertrags maßgeblich zum Steigen der TS-Gehallte im Siliergut bei. Die Restpflanze erreicht bei vorhandener Wasserversorgung nur TS-Werte knapp über 20%. Sinkt jedoch durch mangelnden Befruchtungserfolg der Kolbenanteil, so werden trotz physiologisch erreichtem Erntetermin die TS-Gehalte im Häckselgut niedriger sein als die angestrebten 32 %. Sickersaftbildung kann die Folge sein.

Insbesondere sehr unterschiedlich entwickelte Bestände machen es in diesem Jahr schwierig, den richtigen Erntetermin zu finden. Der optische Eindruck eines Bestandes vom Feldrand her kann dabei täuschen. Nicht selten zeigen sich die wahren Folgen der langen Trockenheit erst beim Durchlaufen der Flächen und der genaueren Betrachtung der Kolbenentwicklung. Bei Beständen mit normalem Saattermin fiel die weibliche Blüte, z.T. auch schon das Fahnenschieben, in die Phase der sehr heißen Temperaturen im Juli. Bei Temperaturen um die 40 °C wurden die Narbenfäden häufig nicht geschoben, so dass der Pollen die Kornanlagen nicht, oder nur unvollständig befruchten konnte.

Die Folge dieser Hitzewelle in Kombination mit der Trockenheit: Die Kornanlagen auf den Kolben wurden nur unvollständig befruchtet, so dass der Kolben z.T. deutlich reduziert wurde (siehe Bild).

geschädigte Bestände genau beobachten

Die Maisbestände sollten daher zeitnah besichtigt werden, wobei insbesondere zur Trockenheit neigende (Teil-) Flächen auf die tatsächliche Kolbenausbildung hin geprüft werden sollten. Solange die Pflanzen wüchsig sind sollte, die physiologische Reife der Kolben (auch wenn dieser nur zum Teil befruchtet wurde) abgewartet werden, da bis dahin Stärke gebildet wird.

Wie sich die kommende Hochdruckwetterlage weiter auf diesen Maisflächen auswirkt, bleibt abzuwarten. Sollten die Bestände jedoch erneut stark Trockenstress zeigen, so dass nur noch wenige grüne, gerollte Blätter verbleiben, muss ggf. eine vorzeitige Ernte in Betracht gezogen werden.

Mit der sogenannten Wringprobe im unteren Stängelbereich lässt sich feststellen, ob die Pflanzen noch mit Wasser versorgt sind, oder ob das Mark der Stängel schon austrocknet. Erst wenn beim Verdrehen des Stängels kaum Saft austritt und sich nur noch ein wenig Schaum bildet, sinkt die Gefahr der Sickersaftbildung. Jedoch führen bereits wenige Millimeter Niederschlag dazu, dass sich das Mark wieder vollsaugt.

Die Maisreifeprüfung bildet die Abreife der besseren Bestände ab. Jedoch zeigen auch hier einzelne Prüforte wie Ankelohe und Borgholt sehr schlecht entwickelte Kolben, was an den niedrigen TS-Gehalten dieser erkennbar ist. Die Reifeprognose in den einzelnen Regionen berücksichtigt keine Daten aus kolbenarmen Prüfungen und geht von einem normalen Abreifeverlauf aus.

Derzeit lässt sich nur grob abschätzen, dass die Erntereife im südlichen und östlichen Niedersachsen ab ca. Mitte September erreicht sein wird. Im Norden werden die Bestände ab Ende September gehäckselt werden können. Mittelspäte Sorten benötigen jeweils ca. eine Woche länger. Erst mit weiteren Daten aus der zweiten Beprobung lässt sich erkennen, ob die Ernte witterungsbedingt auch früher beginnen kann, was angesichts der Wetterlage und Aussichten recht wahrscheinlich ist.

Somit kann nur ein kleiner Hinweis zur Reifesituation der Bestände gegeben werden. Aufgrund der sehr unterschiedlichen Niederschlagsverteilung und wechselnder Böden innerhalb der Regionen sollten alle Maisbestände unverzüglich besichtigt und weiter beobachtet werden, denn auch andere Prognosemodelle stoßen unter diesen extremen Witterungsbedingungen an ihre Grenzen.

So ist es z. B. nicht möglich, den Kolbenansatz und damit auch den Kolbenanteil mittels Satellit einzuschätzen. Auch bei der Beprobung mit mobilen NIRS-Geräten gibt der ermittelte TS-Gehalt keine abgesicherte Auskunft über die tatsächliche Kolbenabreife, wenn dieser nur unvollständig entwickelt ist. Das Auge und die Sinne des Landwirts sind bei der Beurteilung der jeweiligen Situation vor Ort sicher nach wie vor ein guter Ratgeber.


Kontakt:
Karl-Gerd Harms
Berater Silo- und Körnermais
Telefon: 0441 801-418
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:
Meike Backes
Leiterin Fachbereich Grünland und Futterbau
Telefon: 0511 3665-4453
Telefax: 0511 3665-4508
E-Mail:


Stand: 30.08.2019



PDF: 32468 - 419.595703125 KB   Maisanbauregionen Nds. 2019   - 420 KB  
PDF: 32469 - 375.739257812 KB   Ortsübersicht 1. Termin 2019   - 376 KB  
PDF: 32470 - 214.899414062 KB   Reifeprüfung Grafik 1-19   - 215 KB