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Maisreifeprüfung: Zügige Abreife und deutliche Trockenschäden

Die zweite Maisreifeprüfung zeigt eine deutlich fortgeschrittene Entwicklung der Bestände. Neben den hohen Temperaturen und der intensiven Sonneneinstrahlung hat die weiter vorherrschende Trockenheit in einigen Regionen zu schnell steigenden TS-Gehalten geführt.

 

Vielfach keine harmonische Abreife

Die physiologische Reifeentwicklung des Kolbens hängt dabei den steigenden Gesamt-TS-Gehalten im Verhältnis hinterher, so dass diese den Eindruck des Erreichens der Silierreife vermitteln, während sich die Körner jedoch noch am Ende der Milchreife befinden! In der Tabelle sieht man dies an den Ergebnissen des Standortes Poppenburg.

Bei kolbenarmen Beständen ist dies genau andersherum. Hier werden die befruchteten Kolbenanteile voraussichtlich nicht ausreichen, um auch bei abgeschlossener Stärkeeinlagerung, den Gesamt-TS-Gehalt auf den Zielbereich von 32 – 35 % zu bringen. Gerade die aktuelle Witterung, die den lang ersehnten Regen bringt, verstärkt diesen Effekt. Durch die Niederschläge nehmen die Pflanzen, insbesondere das Mark der Stängel, wieder Wasser auf, so dass die TS-Gehalte quasi „über Nacht“ deutlich sinken können. Augenscheinlich vertrocknete und kolbenarme Bestände weisen nach Niederschlagsereignissen dann plötzlich wieder erstaunlich geringe TS-Gehalte auf und können bei der Ernte deutliche Mengen Sickersaft bilden.

Wann trockengeschädigte Bestände ernten?

In beiden Fällen kann jedoch kaum mit der Ernte gewartet werden. Bei voll entwickelten Kolben ist der Gesamt-TS-Gehalt im Auge zu behalten, damit die Silage nicht zu trocken wird, da dann die notwendige Verdichtung nicht erreicht wird und Schimmelbildung die Folge sein kann.

Bei kolbenlosen Beständen bzw. Teilflächen sollte die Ernte möglichst bald erfolgen, um den Futterwert der Pflanzen nicht durch weiteres Verholzen sinken zu lassen. Gleichzeitig muss die Sickersaftproblematik gelöst werden. Hierfür bieten sich das Einmischen von Trockenschnitzeln sowie Unterlagen aus Raps- oder Getreidestroh, trockener Silage an. Ein Austreten und Ablaufen oder Versickern ist unbedingt zu vermeiden.

Im südlichen Emsland und der Grafschaft Bentheim wurde bereits mit der Ernte erster trockengeschädigter Bestände begonnen, wie auch vereinzelt überall in Niedersachsen zu beobachten ist. Doch nicht immer ist die aktuelle Witterung für eine vorzeitige Ernte verantwortlich, auch aufgrund von Futtermangel werden einzelne Flächen bereits vorzeitig gehäckselt.

Abreife besserer Bestände:

Im Vergleich zur Vorwoche haben sich die Bestände zur zweiten Beprobung am 27. August deutlich weiterentwickelt. Die Reifeprognosen wurden daraufhin überall um 5 Tage vorgezogen.

In der Region Süd sind bei Aussaatterminen vor Ostern frühe Sorten bereits erntereif. Mittelfrühe Sorten werden ab ca. 10. September entsprechend weit entwickelt sein, mittelspäte voraussichtlich Mitte des Monats. Ähnliches gilt für nicht beregnete Bestände im östlichen Niedersachsen.

Regelmäßig beregnete Bestände wie die Prüforte Soltau und Obershagen haben noch ca. eine Woche mehr Zeit nur Kolbenfüllung. Diese Bestände sind i.d.R. deutlich vitaler und versprechen bessere Erträge und Qualitäten.

Im nördlichen Niedersachsen zeigen sich die Bestände sehr unterschiedlich und sind zum Teil auch in sich sehr ungleichmäßig. Dies zeigen auch die Abreifedaten der Reifeprüfung in Borgholt. Während die frühen Sorten normal entwickelt sind und auch eine normale Abreife von Kolben und Pflanze aufweisen, präsentieren sich die mittelfrühen und mittelspäten Sorten aufgrund von kleinräumigen Bodenunterschieden auf der Versuchsfläche sehr klein und kolbenlos mit entsprechend geringen TS-Gehalten. Am Standort Ankelohe, wie auch auf vielen Praxisflächen, zeigt sich der Pflanzenwuchs recht normal. Erst beim genaueren Hinsehen sowie beim Öffnen der Kolben fällt der sehr geringe Befruchtungserfolg auf. Beide Standorte werden daher nicht mit in die Abreifegrafik und die Reifeprognose einbezogen. Sie geben allerdings für sich betrachtet Hinweise auf den TS-Gehalt kolbenarmer Bestände. Diese können je nach Witterung und Wasserangebot deutlich schwanken und nach einem Regenschauer wieder stark absinken. Bei der aktuell wechselhaften Witterung ist entsprechend ein sinkender TS-Gehalt zur nächsten Beprobung zu erwarten.

Silomaisreife in Höhenlagen

Die Abreife der Maisbestände in den Höhenlagen Südniedersachsens wird vom Standort Eversen (siehe Tabelle) in Nordrheinwestfalen abgebildet, wobei Faktoren wie absolute Höhe, Hangausrichtung und Bodengüte weitere Einflüsse ausüben können. In dieser Region kam es kaum zu Wassermangelsituationen, daher sind die Bestände entsprechend gut entwickelt. Die Kolben zeigen eine weite Reife, so dass bei frühen Sorten bereits Ende dieser Woche mit dem Erreichen der Silierreife gerechnet werden kann. Mittelfrühe Sorten lagen 5 % im Kolben-TS-Wert zurück, so dass sie kaum vor dem 10. September erntereif sein können. Mittelspäte Genetik gehört zwar nicht in diese Region, wird aber in diesem Jahr bei entsprechend günstigen Standortbedingungen bereits ab ca. 20.09. gehäckselt werden können.

Die Abreifeentwicklung werden wir mit der Maisreifeprüfung weiter begleiten und auch in der kommenden Ausgabe beschreiben.


Kontakt:
Karl-Gerd Harms
Berater Silo- und Körnermais
Telefon: 0441 801-418
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:
Meike Backes
Leiterin Fachbereich Grünland und Futterbau
Telefon: 0511 3665-4453
Telefax: 0511 3665-4508
E-Mail:


Stand: 03.09.2019



PDF: 32468 - 419.595703125 KB   Maisanbauregionen Nds. 2019   - 420 KB  
PDF: 32498 - 227.456054688 KB   Reifeprüfung Grafik 2-19   - 227 KB  
PDF: 32497 - 373.37890625 KB   Ortsübersicht 2. Termin 2019   - 373 KB