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Was darf noch zu Mais gedüngt werden?

Mit den in der letzten Woche beschlossenen Verschärfungen der Düngeverordnung, insbesondere mit der Reduzierung des Düngebedarfs um 20 %, hat der Maisanbau Dank der hohen Nährstoffeffizienz dieser Kultur relativ wenig Schwierigkeiten. Die „grauen“ Gebiete (P-Kulisse) stellen Landwirte jedoch vor große Probleme.

 

Die am 27.03.2020 beschlossenen Änderungen der Bundesdüngeverordnung gelten ab dem 01.01.2021 und somit noch nicht für die diesjährige Maisbestellung und Düngung. Gleiches gilt in den sog. grauen Gebieten für die bereits mit der niedersächsischen Landesdüngeverordnung beschlossenen Maßnahme der reduzierten Phosphatdüngung auf hoch versorgten Flächen.

Gültige Gesetzeslage

Somit gelten derzeit noch die Regelungen der BundesDüV von 2017. Für den Mais bedeutet dies bei üblicher, vorwiegend organischer Düngung (170 kg/ha Norg), dass besonders der berechnete P-Düngebedarf beachtet werden muss und nicht überschritten werden darf. Der N-Bedarfswert wird dann i.d.R. nicht überschritten, solange kein mineralischer Stickstoff (außer ca. 20 kg/ha über UFD) ergänzt wird. Bei Stickstoff ist dann Obacht geboten, wenn hohe Nmin-Werte und/oder viele Abschläge (Zwischenfrucht, Vorfrucht, 10 % Norg d. Vorjahres, Humus > 8 %) zusammenkommen. Zuschläge zum vom Standardertrag (nach DüV 450dt/ha) deutlich abweichende Erträge dürfen angesetzt werden, sollten aber nachgewiesen werden können. Eine mineralische Stickstoffergänzungsdüngung ist pflanzenbaulich i.d.R. nicht notwendig, auch wenn die Düngeplanung nach Mindestanrechenbarkeiten dies ergibt. Die organische Düngewirkung zu Mais erreicht bei direkter bis zügiger Einarbeitung Werte von min. 70 – 80 %; bei 170 kg Norg entspräche dies ca. 120 – 135 kg zzgl. mineralischem UFD-Stickstoff.

In der Gebietskulisse Grundwasser und Oberflächengewässer („rote“ und „graue“ Gebiete) müssen in diesem Jahr für alle auszubringenden flüssigen Wirtschaftsdünger Analyseergebnisse vorliegen.

Auswirkungen in „roten“ Gebieten

Die in der letzten Woche beschlossenen Änderungen der Düngeverordnung bzgl. der sog. „roten“, also nitratsensiblen, Gebiete stellen Landwirte ab 2021 vor unterschiedliche Herausforderungen. Für den Mais sind kaum Ertrags- oder Qualitätseinbußen zu befürchten, da Mais bei zunehmender N-Düngung eine flach verlaufende Ertragskurve aufweist. Für Betriebe, die dicht an der 170 kg Grenze für N aus Wirtschaftsdüngern wirtschaften, stellen die Maßnahmen jedoch trotzdem einen engen Rahmen dar. Hintergrund ist neben der 20-prozenzigen Kürzung des Düngebedarfs die Erhöhung der Mindestanrechenbarkeit organischer Dünger ab 2021 (70 % bei Schweinegülle und 60% bei Rindergülle und Gärrest).

Bei Einsatz von Schweinegülle ergibt sich bei Ausnutzung der 170er Grenze ein N-Angebot von 119 kg/ha N. Demgegenüber steht ein häufig kaum höherer Bedarf, so dass für eine mineralische Unterfußdüngung nur wenig Spielraum bleibt.

Wird beispielsweise ein Ertragsniveau von 50 t und ein Nmin-Wert von ca. 30 kg angenommen, ergibt sich ein Düngebedarf von gut 160 kg/ha N (Bedarfswert: 210 – 30 – 17 Norg-Vorjahr). Von diesem Wert müssen in roten Gebieten 20 %, also 32 kg, abgezogen werden. Damit bleiben rund 130 kg/ha N-Düngebedarf, so dass eine Unterfußdüngung mit z.B. einem NP 20/20 von max. 55 kg/ha gegeben werden darf. Diese kleine Menge kann längst nicht jedes Maislegegerät dosieren. Beim Phosphat ist der Spielraum ähnlich eng, da der P-Entzug für 50 t laut DüV bei 90 kg liegt. Die Schweinegülle mit 170 kg/ha Norg kommt auch bei RAM –Fütterung auf rund 80 kg/ha P2O5, somit lässt auch P-seitig nur wenig Spielraum für eine Unterfußdüngung. Erst bei 55 t Ertragsniveau ergibt sich ein Düngebedarf von rund 140 kg/ha N und 99 P2O5, und somit die Möglichkeit für eine UFD, die auch von allen Maislegegeräten dosiert werden kann. Die P-Problematik gilt hierbei bereits jetzt, da sie Bestandteil der DüV 2017 ist.

Für Futterbaubetriebe mit Milchviehhaltung oder Biogaserzeugung sieht es kaum besser aus. Hier sind zukünftig (ab 2021) 60 % Mindestanrechenbarkeit für Gülle und Gärrest auf Ackerland vorgegeben. Bei Ausnutzung der 170er-Grenze entspricht das einer mindestens anzurechnenden Stickstoffmenge von 102 kg/ha und einer P-Düngung von rund 70 kg P2O5. Werden 45 t Maisertrag angenommen, bedeutet dies bei einem P-Bedarf von 81 kg/ha auch in diesen Betrieben eine UFD von nur rund 50 kg/ha NP 20/20. Eine häufig vorkommende Kombination aus Mist- und Gülledüngung verengt den Spielraum bei Phosphor noch weiter während beim Stickstoff durch die niedrigere Anrechenbarkeit bei Mist noch ein theoretischer mineralischer Ergänzungsbedarf entstehen kann. Ein höheres Ertragsniveau ermöglicht hier auch eine moderate min. UFD, ohne dass hieraus eine Gülleabgabe resultiert.

Neben den in diesem Beispiel getätigten Abschlägen können je nach Standort noch weitere Abschläge in Betracht kommen. Die BundesDüV schreibt ab 2021 vor, dass in roten Gebieten zur Düngung von Sommerungen die Ackerfläche über Winter nicht brachgelegen haben darf, wenn die Ernte im Herbst vor dem 01.10. stattgefunden hat. Dies kommt einem Zwischenfruchtanbaugebot gleich. Der Anbau einer winterharten Zwischenfrucht zieht dann aber einen weiteren Abschlag in der Düngebedarfsermittlung von 20 kg nach sich, da eine Nachlieferung in dieser Höhe zu erwarten ist. Diese Regelung gilt es bereits in diesem Jahr nach der Ernte zu beachten, da bei Nichtbeachtung ansonsten in roten Gebieten in 2021 nicht gedüngt werden darf.

Auswirkungen in "grauen" Gebiete

In phosphatsensiblen, den sog. „grauen“, Gebieten sind ab 2021 die Auswirkungen für Futterbau- und Biogasbetriebe mit i.d.R. organisch betonter Düngung gravierend. Hier regelt Niedersachsen mit einer sog. Landesdüngeverordnung, dass bei hohen Phosphatgehalten (>25 mg/kg P2O5) nur noch 75 % des P-Entzugs gedüngt werden darf, ab 2023 weitere Reduzierung auf 50 % des Entzugs.

Bei sehr hohen P-Gehalten von > 40 mg/kg P2O5 ist eine Einschränkung von 50 des % des Entzugs vorgeschrieben. Ab 2023 dann ein vollständiges Verbot der P-Düngung.

Diese Maßnahmen bedeuten eine drastische Einschränkung der organischen Düngung bis hin zum Verbot der organischen Düngung ab 2023 bei sehr hoher P-Versorgung innerhalb der Phosphatkulisse, welche nach aktuellen Informationen noch ausgeweitet werden wird.

UFD-Alternativen

In den letzten Jahren ist das Angebot an Alternativprodukten zu mineralischen NP-Unterfußdüngern stark gestiegen. Vielfach handelt es sich um Mikrogranulate für die Saatbanddüngung. Diese sollen eine UFD mit 20 kg Phosphat und mehr ersetzen können. Bislang haben die Versuche der LWK Niedersachsen dies nicht belegen können. Zwar haben viele P-haltige Mikrogranulatdünger durchaus eine Düngewirkung, jedoch reicht diese kaum an die etablierten Unterfußdünger heran. Auch der monetäre Aufwand ist verhältnismäßig hoch, während gleichzeitig noch immer durch zugekauftes Phosphat Gülle/Gärreste aus den Betrieben gedrängt werden. Auch viele andere Produkte wurden in den vergangenen Jahren getestet, jedoch ohne wirklichen Nutzen für die Landwirtschaft.

Aus pflanzenbaulicher Sicht ist ein Verzicht auf eine UFD nicht zu empfehlen, da das Risiko von Ertrags- und Qualitätsverlusten bleibt. Ein besserer Weg die zu verwertende Wirtschaftsdüngermenge zu optimieren ist es, diesen als UFD zu platzieren, auch wenn dieses Verfahren in der Umsetzung anspruchsvoll ist. Die Versuche der Landwirtschaftskammern in Nordwestdeutschland belegen eindeutig die Ertrags- und Bilanzvorteile dieses Düngeverfahrens gegenüber einer üblichen organischen Düngung plus mineralische UFD (1 dt/ha NP 20/20).

Alle Nährstoffe im Blick behalten

Doch nicht nur Stickstoff und Phosphor sind ertragsbestimmend. Auch die Kaliumdüngung sollte nicht außer Acht gelassen werden, da die Gehalte der Wirtschaftsdünger häufig nicht ausreichen, um den Düngebedarf des Maises zu decken. Mais benötigt ca. 230 – 260 kg/ha K2O (bei Ertragsniveau 45 – 50 t). Der Düngebedarf lässt sich aus den den Bodenuntersuchungsergebnissen beiliegenden Düngeempfehlungen der LUFA ersehen. Das Vorgehen für Magnesium ist analog zu Kalium, wobei der Entzug um 50 kg/ha liegt.

Mais ist eine der Kulturen die kaum auf eine Schwefelunterversorgung reagiert. Bei langjähriger organischer Düngung ist eine annähernd ausreichende Schwefelmineralisation gegeben, da der fast vollständig organisch gebundene Schwefel der Wirtschaftsdünger langfristig wirkt. Der Bedarf des Maises liegt bei ca. 20 kg/ha.

Der pH-Wert des Bodens spielt dagegen eine relativ große und ertragswirksame Rolle. Er bestimmt nicht nur die Verfügbarkeit vieler Nährstoffe, sondern wirkt auch direkt auf das Bodengefüge und die Aggregatstabilität des Bodens. Von den Hauptkulturen reagieren nur Gerste und Rüben stärker auf einen nicht optimal eingestellten pH-Wert.

Bei den Spurenelementen ist besonders Bor zu nennen, welcher nicht ausreichend über die übliche organische Düngung zugeführt wird. Die Versorgung wird häufig über den Zusatz von 1 – 2 % Bor in gezielten Unterfußdüngern für Mais gewährleistet. Auch eine Spritzung ist möglich, allerdings wird bei früher Anwendung rel. wenig Blattmasse tatsächlich getroffen.

Die Zinkverfügbarkeit wird durch hohe P-Bodengehalte eingeschränkt. Auch hier kann eine Ergänzung über die Unterfußdüngung vorgenommen werden.

Bei optimalem pH-Wert und guter, verdichtungsfreier Bodenstruktur ist außerhalb von Witterungsextremen kaum mit Spurenelementmangel zu rechnen. Die Sicherstellung der Versorgung in der Jugendentwicklung über Nährstoffbeizen oder Startdünger hilft dem Mais insbesondere bei ungünstigen Standort- und Witterungsverhältnissen.

Die Düngeverordnung hat als oberstes Ziel eine hohe Nährstoffeffizienz, das heißt möglichst viel Ertrag pro gedüngter Nährstoffeinheit. Hierfür ist ein optimales Verhältnis aller benötigten Nährstoffe essentiell, auch um Antagonismen zu verhindern. Vor dem Hintergrund der Reglementierungen durch die DüV sollten besonders alle hier aufgeführten Nährstoffe in den Blickpunkt gerückt und deren Verfügbarkeit für die Pflanzen optimiert werden. So ist ein weiterhin erfolgreicher Maisanbau zu gewährleisten.


Kontakt:
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Berater Silo- und Körnermais
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Leiterin Fachbereich Grünland und Futterbau
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Stand: 03.04.2020