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Mais-Mischkulturen erfolgreich anbauen

 

Mais-Mischkulturen erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Besonders in den klassischen Maisanbauregionen mit hoher Veredlungsdichte nimmt die Nachfrage zu. Im letzten Jahr standen im Elbe/Weser Dreieck bereits auf über 1000 Hektar Mais-Mischanbaukulturen.

 

Der steigende Anbauumfang hat mehrere Gründe. Der Mais dient der Bohne als Rankhilfe, die Bohne liefert zusätzlich Protein. Aus heutiger Sicht sehen wir die Hauptvorteile in einer möglicherweise ausgewogeneren Nährstoffzusammensetzung durch mehr Protein, einer Erhöhung des Anteils an Blühpflanzen sowie der Anbaudiversität. Gerade im blütenarmen Sommer bereichern zusätzliche Blühpflanzen die Landschaft, wovon viele Insekten profitieren können.

Aber schon die Aussaat der Mischung ist eine besondere Herausforderung. Die unterschiedlichen Kornfraktionen der Kulturen – Größe und Tausendkorngewicht – erschweren die Ablagegenauigkeit. Als Mischkulturen werden nach Sinn und Zweck der Agrarreform nur praxisübliche Saatgutmischungen verschiedener Kulturpflanzen anerkannt. In Mischkulturen mit Saatgutmischungen (Kulturcode 050) muss jeweils ein maßgeblicher Anteil an Pflanzen enthalten sein, wobei dieser ab einem prozentualen Anteil von 25 % vorliegt. Um den Anforderungen der Codierung im Agrarantrag gerecht zu werden, ist es zwingend erforderlich, dass die Mischkultur zeitgleich und in einer Reihe ausgesät wird. Auch wenn die Anforderungen an eine Mischkultur mit der Aussaat zunächst einmal theoretisch erfüllt sind, muss der Anbauer sicherstellen, dass sich die Mischkulturen im Mais auch ordentlich entwickeln. Bei einer Vorortkontrolle muss der geforderte Pflanzenanteil vorhanden sein. Theoretisch ist auch eine Eigenmischung erlaubt, sie muss nur entsprechend dokumentiert und die Belege aufbewahrt werden.

Um die Ablagegenauigkeit der Mischung zu verbessern, könnten zwei Überfahrten helfen, jeweils mit der für das Saatgut optimalen Säscheibe. Eine weitere Möglichkeit wäre eine umgerüstete Doppelsaatreihentechnik. Die zueinander versetzt angeordneten Teilreihen könnten dann die einzelnen Saaten jeweils getrennt ausbringen. Leider entsprechen beide Systeme nicht den Anforderungen der Agrarreform. Zwei Überfahrten sind nicht „zeitgleich“ und die Doppelreihe wird nicht als eine Saatreihe anerkannt. Die einheitliche Fraktionierung der Saaten nach Korngröße führte leider noch zu keinem durchschlagenden Erfolg in der Ablagegenauigkeit.

Mittlerweile sind sehr viele Saatgutmischungen verschiedenster Anbieter am Markt verfügbar. Dabei reicht die Palette fertig angebotener Mischungen über Mais mit Stangenbohnen bzw. Ackerbohnen oder Sonnenblumen.

Anbauempfehlung

Voraussetzung sind Standorte mit halbwegs gesicherter Wasserversorgung oder die Möglichkeit der Beregnung. Flächen mit extremer Verunkrautung oder z.B. Durchwuchskartoffeln sollten für den Anbau von Mais-Mischkulturen gemieden werden. Die sehr begrenzte Herbizidpalette erschwert den Anbau. Die Aussaat sollte nur nach einer sauberen Pflugfurche erfolgen. Für den erfolgreichen Anbau ist es wichtig, den Aussaattermin nicht zu früh zu wählen. Da Bohnen im Vergleich zum Mais geringere Ansprüche an die Keimtemperatur haben, sollte die Aussaat erst Anfang Mai erfolgen, damit Mais und Bohnen gleichzeitig zügig auflaufen können. Der Mischanbau ist vorzugsweise als Hauptfruchtanbau durchzuführen - Vornutzungen, z.B. mit Ackergras oder Grünroggen führen zu ertragsschwächeren Mischanbau-Beständen. Da die Saatgutkosten auch meist mit mindestens 150 % von normalem Maissaatgut zu Buche schlagen, sollte man dieses Anbaurisiko nicht eingehen.

Vorrangig sind bisher Mischungen mit Stangenbohnen oder Ackerbohnen zum Einsatz gekommen. Bei der gemeinsamen Aussaat von Mais und Stangenbohne ist das Verhältnis von 8:4 mittlerweile mehrjährig mit Erfolg erprobt. Hierfür ist eine standfeste Maissorte von Vorteil. Erfahrungen aus früheren Anbauversuchen mit höheren Bohnenanteilen zeigten Probleme durch lagernde Bestände mit z.T. erheblichen Ernteerschwernissen. Mischungen mit Ackerbohnen werden im Verhältnis 8:8 angeboten. Bei Mischungen mit Sonnenblumen wird ein Verhältnis von 8:3 angestrebt.

 

Pflanzenschutz – chemisch und mechanisch

Die Möglichkeiten des chemischen Pflanzenschutzmitteleinsatzes sind ein sehr begrenzter Faktor in dem System der Mais- Mischkulturen. Entsprechend der Indikationszulassung der Präparate sind kulturspezifische Auflagen zu beachten. Eine Übersicht der zugelassenen Präparate und Kombinationen zeigt die Tabelle „Mais – Mischanbau, Herbizide“. Zur Anwendung gelangen vorrangig nur Bodenherbizide. Spectrum Plus, eine Fertigmischung aus Stomp Aqua und Spectrum, ist z.B. nur in Ackerbohnen und Sonnenblumen zulässig. Die Mischung aus Stomp Aqua und Spectrum im Aufwandmengen-Verhältnis von 2 – 2,5 : 1 ist somit die stärkste Bodenherbizidvorlage in allen Kulturkombinationen. Bei Stomp Aqua und Spectrum Plus sind jeweils 5 m Mindestabstand (90% Abdriftminderungsklasse) zu Oberflächengewässern einzuhalten. Die zusätzlichen Anwendungsbestimmungen – Wasseraufwandmenge >300 l/ha, Fahrgeschwindigkeit <7,5 km/ha und Anwendung nur bei Windgeschwindigkeiten <3 m/s – sind unbedingt zu beachten. Spectrum kann bis auf 1m an die Böschungsoberkante appliziert werden. Die genannten Kombinationen müssen zwingend im Vorauflauf, bis maximal 5 Tage nach der Saat ausgebracht werden, um Kulturschäden an der jeweiligen Mischkultur zu vermeiden. Selbst gegenüber minimaler Abdrift anderer üblicher Maisherbizide sind besonders die Bohnen sehr empfindlich. Weitere Maßnahmen können nur durch mechanische Unkrautbekämpfung im Nachauflauf erfolgen. Dabei ist unbedingt auf die abgestimmte Arbeitsbreite der Drill- und Hacktechnik zu achten. Die Abfolge aus Bodenherbizid-Vorlage und einer nachfolgenden Hackmaßnahme hat bisher in der Praxis meist zu einer ausreichenden Unkrautregulierung geführt.

Die einzige im Nachauflauf gegen Gräser und Schadhirsen einsetzbare Alternative wäre noch das Graminizid Focus Ultra, welches allerdings nur in Cycloxydim-resistenten Maissorten (DUO Sorten) zur Anwendung kommen darf. Solche Sorten werden momentan leider nur von einem Züchter angeboten und sind damit nur in begrenztem Umfang verfügbar. Focus Ultra kann bis auf 1m an die Böschungsoberkante appliziert werden.

Düngung

Bezüglich des N- Düngebedarfs gelten für Niedersachsen folgende Regelungen:

Gemenge aus Silomais (> 50 % Maisanteil) und Leguminosen, wie Stangenbohnen und Ackerbohnen haben bei einem Basisertrag von 450 dt /ha einen (gegenüber Mais alleine) etwas reduzierten Düngebedarf von 180 kg / ha. Die Versuche zum Mischanbau von Mais und Stangenbohne belegen, dass u.a. durch die Stickstofffixierungsleistung der Bohne in N-Mangelsituationen das Gemenge toleranter gegenüber niedriger N-Düngung ist. Bei normalem N-Düngungsniveau bzw. ausreichender Versorgung betreibt die Bohne hingegen keinerlei Eigenfixierung, sondern entzieht ebenfalls Stickstoff wie eine Nichtleguminose. In Versuchen konnten an Acker- und Stangenbohne, sowie Soja keine Knöllchenbakterien festgestellt werden- lediglich bei vollständig unterlassener N-Düngung. Mischungen aus Silomais (mit > 50 % Maisanteil) und Nichtleguminosen, also z.B. Sonnenblumen, haben bei einem Basisertrag von 450 dt / ha Frischmasse einen Düngebedarfswert von max. 200 kg N /ha. Allgemein sind die angegebenen Bedarfswerte als Höchstwerte zu betrachten und müssen keinesfalls ausgeschöpft werden.

Details und nähere Hinweise zur Maisdüngung allgemein, auch zu den Beschränkungen durch die verschärften Regeln zur Düngeverordnung, entnehmen Sie bitte dem Beitrag „Was darf noch zu Mais gedüngt werden?“.

 

Entwicklung, Ernte, Qualität

In der Jugendphase hat der Mais einen deutlichen Wachstumsvorsprung. In einem Parzellenversuch am Standort Stapel in 2019 wurden verschiedene Mischungspartner getestet (siehe Grafik 1), hierbei bildete eine einheitliche Maissorte die Basis. Die jeweiligen Mischkulturen sind in artspezifischer Bestandesdichte per Hand ausgebracht worden, um eine möglichst gleichmäßige Pflanzenverteilung zu gewährleisten. Ab etwa 80 cm Wuchshöhe des Maises beginnt die Stangenbohne zu ranken und wächst zusammen mit dem Mais hoch. Ackerbohne und Sonnenblume wachsen als Solitärpflanze in der Maisreihe. Die rankende Erbse meidet den Mais und legt sich zwischen die Maisreihen. Die Sojapflanzen wurden in allen Versuchsparzellen intensiv vom Feldhasen verbissen und konnten sich nicht mehr entwickeln. Der Versuch zeigte eindrucksvoll, dass der Mischanbau ein Baustein ist, um die Biodiversität in der Agrarlandschaft zu erhöhen. Die zusätzlichen Blühpflanzen mit einem langen Blühfenster begünstigen die Insektenvielfalt (siehe Grafik 2). Je nach Stangenbohnensorte zeigte sich ein unterschiedliches Blühfenster. Durch Mischung von Sorten, eventuell auch von Arten kann ein längeres Blühfenster realisiert werden. Diese Versuchsfragen werden zukünftig noch geklärt.

Zur Ernte verhalten sich die einzelnen Kulturmischungen extrem unterschiedlich. Die spät blühende Stangenbohne hat gerade die ersten noch grünen Hülsen ausgebildet. In dem System von Mais und Stangenbohne ist auf eine gute Ausreife beim Mais ist zu achten, da die Stangenbohne mit einem niedrigen TS-Gehalt von ca. 15 - 20 % den Gesamt-TS-Gehalt der Mischung reduziert. Bei gut entwickelten Beständen kann die Flächenleistung des Maishäckslers zurückgehen. Die Ackerbohne und auch die Erbse sind zur Ernte vollständig abgestorben, der optimale Erntetermin ist überschritten. Bei trockener Erntewitterung können so 95% der Bohnen ausfallen. Im Versuch haben wir bei leichtem Nieselregen bis zu 95% der Bohnen ernten können. Die Sonnenblume hatte die Vollreife erreicht, keine pilzlichen Erkrankungen im Blütenkopf, aber Vögel hatten bereits sämtliche Samen geplündert.

Versuchsergebnisse aus 2019 (Grafik 1) belegen signifikante Mindererträge besonders bei der Sonnenblume und Erbse. Dagegen waren die Mischungen mit Stangen- und Ackerbohnen ertragsneutral. Besonders die Ackerbohne reagiert empfindlich auf Fußkrankheiten. Pflanzenverluste konnten auf Praxisschlägen und Versuchsflächen beobachtet werden. Bei der Stangenbohne zeigten sich bisher keine Krankheiten.

Somit ist die Stangenbohne aus unserer Sicht eine sehr empfehlenswerte „Partnerpflanze“ zum Mais.

Die Silierbarkeit des Mais-Stangenbohnen Gemisches ist vergleichbar mit reinem Mais. Abhängig vom Bohnenanteil in der Mischsilage können die Proteingehalte im Vergleich zu reiner Maissilage um bis zu 2 % ansteigen. Die Stärkegehalte liegen 2 – 3 % unter denen von reiner Maissilage, so dass die Energiedichte im Gemenge etwas geringer ausfällt.

Für den Einsatz in der Fütterung können nach derzeitigem Stand der Wissenschaft nur Stangenbohnen-Sorten mit niedrigen Phasin-Gehalten empfohlen werden. Praktiker berichten von einer guten Futteraufnahme der Tiere, weitere Untersuchungen sind aber noch nötig.

Weitere potentielle Mischkulturen sind in der Erprobung, neben weiteren Erbsensorten werden auch Lupinenarten in die Testung aufgenommen. Es gibt noch viele offene Fragen.

Fazit und Ausblick

Aus den bisherigen Versuchserfahrungen kann abgeleitet werden, dass das System der Mais-Mischkultur in vielerlei Hinsicht sehr interessante Perspektiven bietet. Die Verbesserung der Futterqualität und die Erhöhung der Biodiversität sind dabei wesentliche Zielstellungen.

Der Mais-Mischanbau kann gleichzeitig ökologische Vorteile bringen. Wünschenswert wäre eine Anpassung der politischen Vorgaben, um den Anbau in der Praxis noch zu erleichtern. Wir empfehlen das System zunächst erstmal probeweise auf Teilflächen des Betriebes zu testen.

 


Kontakt:
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Beraterin Energiepflanzen
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Heinrich Romundt
Berater Pflanzenschutz
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Stand: 20.04.2020