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4. Maisreifeprüfung - Jetzt schon Maishäckseln, oder noch warten?

Die 4. Maisreifeprüfung bestätigt die letzte Reifeprognose, während die Wetteraussichten kaum besser sein könnten. In weiten Teilen Niedersachsens sind Maisbestände, die in der zweiten Aprildekade gesät wurden, nun erntereif.

Die Niederschläge der letzten Wochen kamen für viele Maisbestände gerade noch früh genug und sollten für die Kolbenfüllung gereicht haben. Pünktlich zur Maisernte stellt sich nun offenbar eine Schönwetterphase ein. Ideal, um die Maisernte zügig und ohne Befahrbarkeitsprobleme zu erledigen. Die stabilen Aussichten, bis Monatsende ist kein Regen in Sicht, geben auch die Möglichkeit, auf eher feuchten Standorten im nördlichen Niedersachsen die optimale Reife der Bestände abzuwarten. Auch Zweitfruchtbestände nach Grünroggen, Ackergras oder GPS brauchen vielfach noch etwas Zeit und vor allem Sonne und hohen Temperaturen, um die Silierreife zu erreichen.

Abreife in der Region Nord

Im Norden ist die Abreife gegenüber den anderen Anbauregionen etwa eine Woche verzögert, da hier die Tagesdurchschnittstemperaturen im Sommer regelmäßig etwas moderater ausfallen. Dadurch wird die zum Erreichen der Silierreife erforderliche Temperatursumme entsprechend später erreicht werden. Gezählt wird diese ab Aussaattermin des Maises abzüglich täglich 6 Grad. Für frühe Sorten ist eine Summe von ca. 1430 °C erforderlich, mittelfrühe benötigen 1500 °C und mittelspäte rund 1570 °C. Frühe Sorten werden in dieser Region ab ca. 20.09. die Silierreife erreicht haben, mittelfrühe Genetik braucht dafür bis mindestens zum 25. September. Mittelspäter Mais sollte bis in den Oktober hinein noch auf dem Feld bleiben. Die Angaben beziehen sich auf das Erreichen des Erntefensters, also auf 32 % TS-Gehalt im Siliergut (bzw. 55 % Kolben-TS). Um die Stärkeeinlagerung möglichst auszuschöpfen muss dann noch, je nach Witterung, eine gute Woche gewartet werden, dann ist der obere Zielbereich um 35 % TS-Gehalt erreicht. Um die Verdaulichkeit und die Silierfähigkeit nicht zu beeinträchtigen sollte der Mais dann nicht länger stehen bleiben.

Abreife im Süden und Westen

In Südniedersachsen sind früh gesäte Bestände früher und mittelfrüher Sorten bereits jetzt erntereif und sollten möglichst zeitnah gehäckselt werden. Mittelspäte Sorten ab der Reifezahl S 260 erreichen in dieser Woche ihr Erntefenster. Häckseltermine ab Ende September können in dieser Region nur für später (ab Anfang Mai) gesäte Bestände passen. Die Tabelle zeigt für den Standort Poppenburg deutlich, dass nicht nur die physiologische Reife zum Silieren erreicht ist (Kolben-TS); an den ungewöhnlich hohen TS-Gehalten in der Gesamtpflanze ist zu erkennen, dass die Restpflanze deutlich an Wassermangel leidet. Bei annähernd gleicher Reifeentwicklung der Kolben sind die Gesamt-TS-Werte am Standort Werlte deutlich geringer, da die Restpflanzen hier noch wesentlich vitaler und somit grüner sind. Dementsprechend wird in der Region West die Silierreife erst in dieser Woche erreicht werden, mittelspäte Sorten werden dies frühestens ab dem 25.09. schaffen. Durch sehr frühe Aussaat kann eine frühere Abreife erfolgen.

Der rund zwei Wochen später gesäte Standort Borwede zeigt hingegen eine dementsprechende Reifeverzögerung. Hier wurden in der vergangenen Woche TS-Werte im Häckselgut von nur 25 % gemessen. Dies bedeutet für vergleichbar gut mit Wasser versorgte Böden und rel. späte Saattermine, dass die Abreife analog zu Region Nord verläuft und die Silierreife min. eine Woche später erreicht werden wird, als es die Grafik für die Region Süd voraussagt.

Abreife Region Ost

Im östliche Niedersachsen wird Mais häufig beregnet. Dies gilt auch für die Versuchsstandorte der LWK Niedersachsen. Auch hier sind frühe Maissorten bei pünktlicher Aussaat bereits erntereif. Mittelfrühe Sorten ziehen nach und werden in der kommenden Woche soweit sein. Bei Mais ab der Reifezahl S 260 und höher ist je nach Aussaatzeitpunkt, noch etwas Geduld nötig, um den optimalen Erntetermin zu erreichen. Abgeleitet vom Standort Soltau wird es noch bis ca. Ende September dauern, je nach Wetterlage. Bei späterer Aussaat, wie am Standort Obershagen, ist nochmal jeweils eine Woche mehr Standzeit auf dem Feld einzuplanen.

Weiterer Verlauf

Die angekündigte sonnige Witterung mit hohen Temperaturen können insbesondere die vielfach noch recht frischen und nach dem Regen durchgegrünten Bestände für die Stärkeeinlagerung nutzen. Es sollte jedoch darauf geachtet werden, dass der Mais nicht plötzlich zu reif wird und TS-Gehalte von deutlich über 25 % aufweist. Durch das schöne Spätsommerwetter kann dies für einige Bestände sehr schnell der Fall sein.

Die Maisreifeprüfung zeigt nicht nur den Fortgang der Reife in den einzelnen Regionen, Sie zeigt auch, wie unterschiedlich es in Bezug auf Saatzeitpunkt und Wasserversorgung um die Bestände gestellt sein kann.

Daher sollten die Maisanbauer in diesen Tagen ihre Bestände genau beobachten und sowohl die Kolben im Bestand in Augenschein nehmen, als auch eine Wringprobe im unteren Stängelbereich durchführen. Ist hier noch viel Feuchtigkeit, ist dies zusammen mit grünen Pflanzen ein Indikator für noch hohe Vitalität und Zuwachs am Kolben. Haben jedoch die Körner schon den schwarzen Punkt an ihrer Basis gesetzt, wird es auf jeden Fall Zeit für die Ernte.


Kontakt:
Karl-Gerd Harms
Berater Silo- und Körnermais
Telefon: 0441 801-418
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:
Meike Backes
Leiterin Fachbereich Grünland und Futterbau
Telefon: 0511 3665-4453
Telefax: 0511 3665-4508
E-Mail:


Stand: 15.09.2020



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