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LSV-Silomais: Ergebnisse und Empfehlungen mittelfrühes Sortiment

Das mittelfrühe Reifesegment hat in Niedersachsen, bundesweit und in weiten Teilen Mitteleuropas die größte Bedeutung im Maisanbau. Dementsprechend intensiv wird dieses Sortiment züchterisch bearbeitet.

In den Landessortenversuchen (LSV) Silomais spiegelt sich dies anhand vieler Prüfsorten wider. In 2020 umfasste das mittelfrühe Sortiment (S 230 – S 250) 37 Prüf- sowie zwei Vergleichssorten aus dem angrenzenden mittelspäten Sortiment (ab S 260). Neun Sorten wurden neu in den LSV aufgenommen. Die Ergebnisse werden jeweils für die unterschiedlichen Bodenklimaräume miteinander ausgewertet; dies geschieht sowohl ein- als auch mehrjährig, wobei Daten der letzten sechs Jahre Berücksichtigung finden. Das mittelfrühe Sortiment wird allein in Niedersachsen an 10 Standorten in Exaktversuchen geprüft. Diese hohe Anzahl ist notwendig, da Niedersachsen in vier klimatische Anbauregionen unterteilt ist (siehe Karte). Ergänzt werden die regionalen Auswertungen durch Standorte aus den angrenzenden Bundesländern, in denen sich die jeweiligen Anbauregionen fortsetzen. Viele Sorten zeigen einheitlich über die Regionen ihre Stärken und Schwächen. Es gibt aber immer wieder auch Sorten, die regional unterschiedlich reagieren. Daher fallen die Sortenempfehlungen zum Teil sehr differenziert aus.

Die Anbauempfehlungen für Silomais werden nach dem Betriebs- bzw Rationstyp definiert. Für die Milchviehbetriebe wird nach den Maisanteilen in der Grundfutterration entschieden. Zur energetischen Aufwertung grasbetonter Rationen mit wenig Maissilage werden Sorten mit hoher Energiedichte empfohlen. Auch Sorten, die aufgrund hoher Stärkeerträge bei guter Energiekonzentration eine Empfehlung erhalten, werden hier eingeordnet.

Für Rationen mit hohem Maisanteil (ca. 55 % und mehr) darf die Energiedichte etwas niedriger sein, hier ist es entscheidend, dass ein überdurchschnittlicher Energie- und/oder Stärke ertrag erreicht wird. Sorten mit hohen Trockenmasse- und Biogaserträgen werden für die Energieproduktion empfohlen.

Standorteignung

Im nördlichen Niedersachsen hat das mittelfrühe Sortiment zwar nicht die herausragende Bedeutung wie in den anderen Regionen, gut abreifende Sorten erreichen jedoch durchaus an vielen Standorten gute Qualitäten und Erträge. Ein Blick auf die tatsächlich erreichte Abreife zeigt, dass die meisten S 230er Sorten deutlich früher abreifen als der Durchschnitt dieses Sortiments. Mit einer relativ dargestellten Abreife von ca. 105 % (siehe Regionstabellen) erreichen sie im Norden bei i.d.R. langsamer Abreife die angestrebten TS-Gehalte von mindestens 32 % ein bis zwei Wochen früher, als Sorten mit der Reifezahl S 250. Dies macht nicht selten den entscheidenden Unterschied für die Standorteignung aus, denn die Silierreife sollte Ende September erreicht sein. Sollen 35 % TS sicher erreicht werden, benötigt das wenigstens eine weitere Woche bei guten Abreifebedingungen.

Sorten für grasbetonte Fütterung

Region Nord

In der Region Nord werden die Sorten KWS Bernardino (S 240), Benedictio KWS (S 230), LG 31256 (S 250), Rigoletto (S 250), ES Amulet (S 250), Vitally (S 250), Santimo (S 240) und LG 30244 (S 230) als mehrjährig im LSV geprüft empfohlen. Für den Probeanbau auf grasbetont fütternden Betrieben werden nach einjähriger LSV-Prüfung die Sorten KWS Otto (S 240), DKC 3204 (S 230) und Struana (S 250) empfohlen.

Region Ost

Für das östliche Niedersachsen werden die Sorten Benedictio KWS (S 230), LG 31256 (S 250), Feuerstein (S 250), ES Amulet (S 250), Vitally (S 250), Santimo (S 240) und LG 30244 (S 230) aufgrund ihrer hohen Qualitäten bei guten Ertragsleistungen empfohlen. Ausprobiert werden sollten die Sorten KWS Otto (S 240), DKC 3204 (S 230) und Struana (S 250) und sind daher für den Probeanbau empfohlen.

Region Süd

Für die südlichen Landesteile mit in der Regel besseren Böden haben bei Fütterung mit vorwiegend Grasprodukten die Sorten ES Bond (S 240), ES Joker (S 250), Benedictio KWS (S 230), LG 31256 (S 250), LG 31238 (S 230), ES Palladium (S 250), Rigoletto (S 250) und Feuerstein (S 250) eine Anbauempfehlung erhalten. Zum Testen werden die Neuzulassungen KWS Otto (S 240), DKC 3204 (S 230) und Struana (S 250) empfohlen.

Höhenlagen

Ergänzend zu den in der Ausgabe 46 der Land und Forst veröffentlichten frühen Sorten wird die Sorte Benedictio KWS (S 230) für den Anbau bei entsprechenden Gunstlagen und bei geringen Maisanteilen in der Fütterung empfohlen.

Region West

Im westlichen und südwestlichen Niedersachsen haben aufgrund überdurchschnittlicher Qualitätseigenschaften die Sorten Benedictio KWS (S 230), LG 31256 (S 250), LG 31238 (S 230), Farmfire (S 230), LG 30258 (S 240), Rigoletto (S 250), Feuerstein (S 250), Vitally (S 250) und LG 30244 (S 230) eine Anbauempfehlung erhalten.

Für den Probeanbau bei diesem Nutzungsschwerpunkt empfehlen sich die Sorten KWS Otto (S 240) und DKC 3204 (S 230).

Sorten für maisbetonte Fütterung

Region Nord

Für das nördliche Niedersachsen haben ES Bond (S 240), ES Joker (S 250), KWS Bernardino (S 240), LG 31245 (S 240), KWS Fabiano (S 230), Benedictio KWS (S 230), Amaroc (S 230), LG 31238, Feuerstein (S 250) und ES Amulet (S 250) als Topsorten des mittelfrühen Sortiments eine Anbauempfehlung erlangt. Für die Empfehlung für den Probeanbau haben sich KWS Otto (S 240) und KWS Jaro (S 230) qualifiziert.

Region Ost

Für die leichten Böden der östlichen Landesteile haben bei maisbetonter Fütterung die Sorten ES Bond (S 240), LG 31245 (S 240), KWS Fabiano (S 230), Benedictio KWS (S 230), Amaroc (S 230), LG 31256 (S 250), LG 31238 und Rigoletto (S 250) eine Anbauempfehlung bekommen.

Um neue leistungsfähige Sorten zu testen eignen sich besonders die Sorten KWS Otto (S 240) und Struana (S 250) und haben dafür eine Empfehlung erhalten.

Region Süd

 Im Süden Niedersachsens werden für maisbetonte fütternde Betriebe die Sorten ES Bond (S 240), ES Joker (S 250), KWS Bernardino (S 240), LG 31245 (S 240), Benedictio KWS (S 230), Amaroc (S 230), LG 31238 und ES Palladium (S 250) für den Anbau empfohlen. Für den Probeanbau hat die Sorte KWS Otto (S 240) eine Empfehlung erhalten.

Höhenlagen

Zu den bereits vorgestellten frühen Sorten werden für die Höhenlagen Südniedersachsens die mittelfrühen Sorten Benedictio KWS (S 230), LG 31238 (S 230), Severeen (S 230) und Leguan (S 230) für günstige Lagen empfohlen.

Region West

Für die westlichen und südwestlichen Landesteile werden bei hohen Maisanteilen in der Milchviehration die Sorten ES Bond (S 240), ES Joker (S 250), KWS Bernardino (S 240), LG 31245 (S 240), Fabiano (S 230), Benedictio KWS (S 230), Amaroc (S 230), LG 31 256 (S 250) und LG 31238 für die Fütterung empfohlen.

Für den Probeanbau haben die Sorten KWS Otto (S 240) und KWS Jaro (S 230) eine Anbauempfehlung erhalten.

Sortenempfehlung für die Biogasnutzung

Eine gute Biogassorte sollte insgesamt einen möglichst hohen Biogasertrag erreichen. Dieser ist das Produkt aus sortenspezifischer Biogasausbeute und dem TM-Ertrag. Dabei ist der TM-Ertrag einer Sorte eine variablere Größe als die Biogasausbeute, die durch die genetischen Eigenschaften weitestgehend festgelegt ist. Sehr gut geeignete Biogas-Sortentypen, die per se eine hohe Biogasausbeute aufweisen, können züchterisch auf verschiedenen Wegen erreicht werden. Entscheidend für eine gute Biogasausbeute sind die Parameter Rohfett, Hemicellulose (hochverdauliche Faser), Lignin (unverdauliche Faser) sowie der Stärkegehalt.

So lassen zum Beispiel Maissorten mit einem hohen Kornansatz (Anzahl Körner je Kolben), der einen hohen Rohfettgehalt und einen hohen Anteil an fermentierbarer Zellwand bedingt, eine hohe, sortenindividuelle Biogasausbeute erwarten. Besonders im mittelfrühen Reifebereich finden sich Sorten mit einer hohen Biogasausbeute.

Natürlich ist die Trockenmasseertragsleistung einer Sorte für die meisten Biogasanlagenbetreiber und Maisanbauer die zentrale Kenn- und Abrechnungsgröße. Nicht nur infolge der verschärften Düngeverordnung, sondern auch aufgrund hoher Flächenpreise bleibt sie auch immer das Maß der Dinge.

Eine Anbauempfehlung für die Biogasnutzung erhält demnach eine Sorte, wenn zusätzlich zu einem hohen TM-Ertrag ein bestimmter Mindest - Biogasertrag oder umgekehrt erreicht wird.

Der TM-Ertrag als in beiden Parametern enthaltener Faktor ist damit die maßgebliche Einflussgröße für die Sortenempfehlung im Bereich Biogas.

Oberste Priorität gilt aber auch bei der Wahl einer Biogassorte immer dem Erreichen ausreichender Trockensubstanzgehalte am jeweiligen Standort.

Auch weitere Sorteneigenschaften wie z.B. die Standfestigkeit können die Ertragssicherheit einer Sorte beeinflussen. Hierzu finden sich weiterführende Informationen sowohl in unserem Sortenratgeber als auch in der aktuellen „Beschreibenden Sortenliste 2020“ des Bundessortenamtes.

In 2020 erhalten die folgenden mittelfrühen Sorten eine Anbauempfehlung für die Nutzungsrichtung Biogas.

Region Nord

Für die Biogasnutzung werden die mehrjährig geprüften mittelfrühen Sorten KWS Bernardino (S 240), RGT Haruka (S 250), KWS Fabiano (S 230), Amaroc (S 230), LG 31238 (S 230) und LG 31245 (S 240) aufgrund sehr guter Leistungen in Biogasertrag und Trockenmasseertrag empfohlen. Unter diesen weist besonders die Sorte KWS Bernardino eine hohe sortenspezifische Biogasausbeute auf. Ebenfalls eine Anbauempfehlung erhalten die Sorten ES Bond (S 240), Amaveritas (S 240), Charleen (S 240), ES Joker (S 250), Neutrino (S 240) sowie KWS Vitalico (S 240).

Region Ost

Für das östliche Niedersachsen empfehlen wir die mittelfrühen Sorten KWS Bernardino (S 240), LG 31238 (S 230), LG 31245 (S 240), RGT Haruka (S 250), Benedictio KWS (S 230), ES Bond (S 240), Amaroc (S 230), KWS Vitalico (S 240), KWS Fabiano (S 230) und Neutrino (S 240) für den Anbau 2021 zur Biogasnutzung. Von den genannten Sorten weisen KWS Bernardino sowie LG 31238 eine sehr gute sortenspezifische Biogasausbeute auf. Für den Probenanbau aufgrund einjährig sehr guter Leistungen in Biogas- und Trockenmasseertrag erhält die Sorte KWS Otto (S 240) eine Anbauempfehlung. Auch diese Sorte sticht besonders durch ihre sehr hohe sortenspezifische Gasausbeute hervor.

Region Süd

Für diese Region erhalten die mittelfrühen Sorten ES Bond (S 240), KWS Bernardino (S 240), ES Joker (S 250), Benedictio KWS (S 230), Amaroc (S 230), RGT Haruka (S 250), LG 31245 (S 240), KWS Vitalico (S 240), Charleen (S 240) und Neutrino (S 240) eine Anbauempfehlung nach mehrjährig sehr guter Ertragsleistung in den Merkmalen Biogas- und Trockenmasseertrag. Durch eine sehr gute sortenspezifische Biogasausbeute machen von den genannten Sorten besonders KWS Bernardino und Benedictio KWS auf sich aufmerksam.

Für den Probeanbau aufgrund einjährig sehr guter Leistungen im LSV empfehlen wir die Sorte KWS Otto (S 240), die ebenfalls durch eine sehr hohe sortenspezifische Biogasausbeute auffällt.

Region West

Im westlichen Niedersachsen werden für die kommende Saison die Sorten KWS Bernardino (S 240), ES Bond (S 240), LG 31238 (S 230), Amaroc (S 230), RGT Haruka (S 250), ES Joker (S 250), KWS Fabiano (S 230), Neutrino (S 240), KWS Vitalico (S 240), LG 31245 (S 240), Amaveritas (S 240) sowie Charleen (S 240) aufgrund herausragender und mehrjährig stabiler Leistungen im Biogas- und Trockenmasseertrag empfohlen.

Höhenlagen

Für die Höhenlagen-Standorte werden aus dem mittelfrühen Sortiment die mehrjährig in diesen Regionen geprüften Sorten Leguan (S 230), Benedictio KWS (S 230) sowie LG 31238 (S 230) und Amaroc (S 230) empfohlen. Unter diesen weist die Sorte Benedictio KWS die höchste sortenspezifische Biogasausbeute auf.

Nach zwei Jahren mit äußerst angespannter Grundfutterversogung haben in diesem Jahr zumindest die Maisbestände überwiegend sehr zufriedenstellende Erträge geliefert. Dies ist und bleibt auch dringend nötig, denn auf vielen Betrieben müssen erst einmal neue Futterreserven aufgebaut werden. Für die Sortenwahl sollten neben den hier dargestellten Ergebnissen und Anbauempfehlungen auch die eigenen Erfahrungen und Eindrücke berücksichtigt werden. Es sollten nie alle angebauten Sorten gleichzeitig ausgetauscht werden. Gleichwohl gilt es die vom Zuchtfortschritt überholten oder nicht optimal an den Standort angepassten Sorten durch neuere Züchtungen zu ersetzen.


Kontakt:
Karl-Gerd Harms
Berater Silo- und Körnermais
Telefon: 0441 801-418
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:
Thekla-Karina Niehoff
Beraterin Energiepflanzen
Telefon: 0511 3665-4207
Telefax: 0511 4005-3207
E-Mail:


Stand: 20.11.2020



PDF: 34887 - 28.6162109375 KB   Maisanbauregionen NDS ab 2020   - 29 KB