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2. Maisreifeprüfung

Die LWK Niedersachsen führt, wie in jedem Jahr, eine Maisreifeprüfung für Silomais durch. Daten werden hierzu in den verschiedenen niedersächsischen Bodenklimaräumen an insgesamt 12 Standorten erhoben.

Die Reifeentwicklung des Maises verläuft in diesem Jahr trotz des sehr kalten Frühjahrs und der relativ moderaten Sommertemperaturen erfreulich. Die Ernteprognosen lassen nur ein geringfügig späteres Erreichen der Siloreife der Maisbestände als im langjährigen Mittel erkennen. Gleichzeitig rechnen viele Landwirte mit sehr guten Erträgen.

Die aktuellen Ermittlungen der TS-Gehalte in den Reifeprüfungsversuchen der LWK Niedersachsen vom 07. September zeigen besonders in den nördlichen Gebieten eine gute Abreife, so dass die Reifeprognosen um einige Tage vorgezogen werden konnten. So ist bei frühen Sorten (bis S 220) mit dem erreichender Silierreife in küstennahen Gebieten ab Ende September zu rechnen, in der restlichen Region Nord sowie im westlichen und südlichen Niedersachsen bereits ab ca. 25. September. In der Region Ost können frühe Maissorten bereits ab ca. 20. September die 32 % TS erreichen. 

Mittelfrühe Sorten sind in allen Regionen gegenüber frühen Sorten ca. 5 Tage später erntereif. Das Erreichen der Silierreife kann jedoch, je nach Sorte und Sortentyp, auch innerhalb dieser Reifegruppe noch später erfolgen, erfahrungsgemäß gilt dies besonders für zahnmaisbetonte S 250er Sorten, die nicht selten wie das mittelspäte Sortiment abreifen.

Sorten ab der Reifezahl S 260 erreichen in Niedersachsen in der Region Ost am frühesten die Erntereife, allerdings sollten diese rel. späten Sorten auch nicht vor Anfang Oktober gehäckselt werden. Der Blick auf die Tabelle zeigt auch für diese Region den relativ geringen Einfluss des Saatzeitpunktes in diesem Jahr: Am drei Wochen früher gesäten Standort bei Soltau ist der Mais nur gut eine Woche näher am Erntetermin als in Obershagen wo erst Mitte Mai ausgesät werden konnte.

In den Regionen Nord, Süd und West zeigen mittelspäte Sorten eine ähnlich deutliche Reifeverzögerung, so dass hier erst ab etwa der zweiten Oktoberdekade mit dem Erreichen der Silierreife gerechnet werden kann. Die Einzelstandorte zeigen hierbei kaum regionale Unterschiede.

In Küstennähe zeigt sich bei den mittelspäten Sorten eine deutliche Reifeverzögerung, weshalb diese hier auch nicht für den Anbau empfohlen werden. Ein Erreichen der Erntereife zeichnet sich für diese hier erst im Laufe der zweite Oktoberhälfte ab. 
Grundsätzlich gilt der Zusammenhang: Wird die Erntereife erst ab ca. 05.10. erreicht, ist zu erwarten, dass die angebauten Sorten ihr Leistungspotential nicht mehr ausspielen können und frühere Sorten das gleiche Ertragsniveau bei besseren Qualitätseigenschaften erreichen. Hinzu kommt, dass die Befahrbarkeit im Oktober auf vielen Flächen deutlich schwieriger wird und somit das Ernterisiko zu stark steigt.

Die Witterung zeigt in diesem Jahr relativ klar die Grenzen bei der Sortenwahl auf. Die Reifezahl der angebauten Sorten sollte unbedingt zu den jeweiligen Standortbedingungen passen. Sicherheitsabschläge können bei dem Leistungspotential moderner früher und mittelfrüher Sorten problemlos in Kauf genommen werden, zumal eine frühere Sorte in der Regel höhere Qualitäten erreicht, als eine spätere.
 
In den meisten Landesteilen stehen die Maisbestände infolge ausreichender Niederschläge gut und lassen hohe Erträge erwarten. Daher planen bereits jetzt viele Maisanbauer, einen Teil ihrer Maisflächen als Körnermais oder CCM zu ernten. Die derzeitigen Preisaussichten für Körnermais sind sehr gut. Die Trocknungsmöglichkeiten und –kapazitäten sind in jedoch nicht in allen Regionen Niedersachsens gegeben. 

Hier könnte eine Vermarktungsmöglichkeit im Direktverkauf von CCM oder LKS, vornehmlich an Milchviehbetriebe, aber auch an Biogasbetrieber bestehen. Gerade Betriebe in den Grünlandregionen haben in diesem Jahr einen hohen Bedarf an energiereichen Kraftfuttermitteln, da der erste Grasschnitt häufig zwar sehr hohe Erträge aber eher mindere Qualitäten gebracht hat. 
Hier bietet sich für Milchviehhalter die Möglichkeit, die Futterration kostengünstig über CCM oder LKS energetisch aufzuwerten und so den Zukauf von Kraftfutter zu reduzieren. Gleichzeitig entstehen für den maisanbauenden Betrieb keine Trocknungskosten und die Ernte kann früher stattfinden als bei der Nutzung als Körnermais. Das Erntegut, egal ob CCM oder LKS, muss allerdings unverzüglich verladen und zum Abnehmer gefahren werden, um dort einsiliert zu werden. 

Bei der Auswahl der Maisflächen für eine mögliche Körner-/Kolbennutzung sollte darauf geachtet werden, dass die Bestände nicht zu viele unbefruchtete Zweitkolben oder Fingerkolben haben. Letztere treten bedingt durch Witterungsstress in diesem Jahr häufiger auf. Unbefruchtete oder auch spät befruchtete Kolbenanlagen führen bei Körnermais zu erhöhten Restfeuchtegehalten, die die Trocknungskosten in die Höhe treiben, sowie zu unerwünschtem Besatz. Daher sollten solche Bestände möglichst der Silonutzung zugeführt werden.

Für den klassischen Futterbaubetrieb mit Gras- und Maisproduktion bieten hohe Ertragserwartungen noch eine deutlich einfachere Möglichkeit, die Energiedichte der Futterration positiv zu beeinflussen. Über den Hochschnitt beim Silomais können höhere Energiedichten in der Silage erzielt werden, da der Kolbenanteil steigt und die eher minderwertigen unteren Stängelabschnitte auf dem Feld verbleiben. Als Faustregel gilt eine Steigerung der Energiedichte pro 10 cm längerer Stoppel um 0,1 MJ NEL/kg. Gleichzeitig muss mit einem Ertragsrückgang von ca. 5 – 15 % je nach Stoppelhöhe und Sortentyp gerechnet werden. Der TS-Gehalt der Silage steigt durch den höheren Kolbenanteil bei Hochschnitt leicht an, so dass auf eine angepasste Häcksellänge geachtet werden sollte, um unter anderem auch die Verdichtbarkeit des Siliergutes zu gewährleisten.
 


Kontakt:
Karl-Gerd Harms
Berater Silo- und Körnermais
Telefon: 0441 801-418
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:
Meike Backes
Leiterin Fachbereich Grünland und Futterbau
Telefon: 0511 3665-4453
Telefax: 0511 3665-4508
E-Mail:


Stand: 15.09.2021



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