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Maisreifeprüfung: Erste Bestände erreichen Silierreife

Früh gesäte Maisbestände mit frühen Sorten erreichen in dieser Woche vielerorts die 32% TS -Marke. Lediglich im nördlichen Niedersachsen sollte mit dem Erntebeginn noch gewartet werden.

 

In Niedersachsen haben die Reifeproben vom 14. September für das frühe Sortiment bereits an einigen Orten TS-Gehalte von über 50 % im Kolben ausgewiesen. Gleichzeitig lagen die TS-Werte in der Gesamtpflanze im Durchschnitt bei ca. 29 %. Die physiologische Reife des Kolbens eilt damit denen der Restpflanze etwas voraus, so dass eine gute Ausreife des Kolbens (min. 60 %TS-Gehalt) und damit hohe Stärkegehalte und –Erträge abgewartet werden können. Die Bestände erscheinen in der Regel noch sehr frisch und grün, da der Witterungsverlauf das Stay-Green-Verhalten des Maises begünstigt. Hieraus ergibt sich ein relativ großes Erntezeitfenster, wobei die noch recht grün erscheinenden Pflanzen leicht über die tatsächliche physiologische Reife hinwegtäuschen können. Dieser Effekt ist besonders bei den Sorten mit besonders ausgeprägtem Stay-Green zu erwarten. Daher sollten die Maisbestände spätestens ab jetzt genau beobachtet und der Kolbenzustand geprüft werden.
Zur Abreifekontrolle bietet sich die Beurteilung des Kornzustands an. Die Silierreife beginnt nach der Teigreife, wenn nur noch an der Kornbasis ein kleiner Rest milchiger Flüssigkeit aus dem Korn herausgedrückt werden kann und der Mehlkörper somit bereits weitestgehend trocken ist. Zu diesem Zeitpunkt ist der Blattapparat in der Regel noch vital und grün und zeigt kaum Abreifeerscheinungen. Das Erntegut hat dann eine TS-Gehalt von etwa 32 %, die TS-Werte des Kolbens erreichen ca. 55%. Das optimale Erntefenster erstreckt sich je nach Witterung über einen Zeitraum von einer bis maximal 2 Wochen, dann werden TS- Gehalte von ca. 35 % oder schon leicht darüber erreicht. Der TS-Gehalt des Kolbens liegt dann bei etwa 60 %. Die meisten Sorten zeigen nun die Abreife durch vergilbende Blätter an den Lieschen des Kolbens und häufig auch schon an der Pflanze. Kurz darauf erscheint an der Basis des Korns der typische schwarze Punkt, der den Abschluss der Stärkeeinlagerung anzeigt. Der TS-Gehalt der Körner liegt in dieser Phase ca. 3 – 5 % höher als der des gesamten Kolbens (ohne Lieschblätter), so dass Maisbestände, die den optimalen Silierbereich durchlaufen haben, annähernd direkt die CCM-Reife erreichen. Da nun kein Ertragszuwachs mehr stattfindet und je nach Sorte und Witterung erste Pflanzen zusammenbrechen können, sollte für diese Nutzungsrichtung nicht unnötig lange mit der Ernte gewartet werden. 
Dies gilt jedoch nicht für die Nutzung als Körnermais, denn dieser kann, solange es Bestand und Witterung erlauben, noch Restfeuchtigkeit aus den Körnern abgeben und so die Trocknungskosten reduzieren.

Abreifesituation in Niedersachsen
In dieser Woche erreichen die ersten Maisbestände die Silierreife. 
Voraussetzungen hierfür sind entsprechende Wärmesummen am jeweiligen Standort, frühreife Sorten und in der Regel ein Aussaattermin im April. Reifeprüfungen unter diesen Maßgaben erreichten in der letzten Woche mit frühen Sorten bereits TS-Gehalte von 30 % und werden in dieser Woche die 32 % TS im Siliergut überschreiten. Auch die Vollreife im Kolben (60 %TS) wird dann erreicht werden, sodass die Stärkeeinlagerung dann weitgehend abgeschlossen ist.
Die unterschiedlichen Bodenklimaräume in Niedersachsen unterscheiden sich in der Abreife früh gesäter Bestände rel. wenig. Differenzierungen in der Abreife sind eher auf die regional unterschiedlichen Aussaattermine zurückzuführen. Lediglich die küstennahen Standorte sind aufgrund der schwereren Böden und kälteren Standortbedingungen in der Entwicklung rund 10 – 14 Tage zurück. Ähnlich entwickelt sind Bestände auf Sandböden im nördlichen Niedersachsen, die erst bis Mitte Mai gesät werden konnten (siehe Tabellenbereich „Küstennähe“); die Reifeprognose für Silomais zielt hier für frühe Sorten jeweils auf Anfang Oktober. Mittelfrühe Sorten werden in allen Regionen rund eine Woche länger brauchen, um in den optimalen Erntebereich zu kommen. Eine weitere Woche benötigen mittelspäte Sorten für das Erreichen der Silierreife.


Spätsaaten im nördlichen Niedersachsen
Im ostfriesischen Wittmund wurden zusätzlich zur Reifeprüfung Proben eines Anfang Juni gesäten Bestandes mit einer mittelfrühen Sorte genommen. Die Untersuchungen ergab hier für die gut entwickelten und vitalen Bereiche des Bestandes TS-Gehalte von rund 34 % im Kolben während unter Staunässe zurückgebliebene Flächenbereiche mit deutlich aufgehellten Pflanzen bei 29 % Kolben-TS angelangt waren. Gut entwickelte Spätsaaten haben somit eine 1:1 übertragbare Reifeverzögerung gegenüber der Reifeprüfung.


Reifeprognose für die Regionen
Deutlichen Einfluss auf die Abreife der Maisbestände hat in diesem Jahr die Sorte bzw. die Reifegruppe. Zwischen den Reifegruppen gibt es eine klare Differenzierung in der Abreife von jeweils etwa einer Woche. 
Daneben hat auch der Standort Einfluss auf die Abreife, kühlere Regionen führen zu einem späteren Erreichen der für die Abreife erforderlichen Temperatursumme – dies zeigt die Reifeprüfung von Wirdum in der Krummhörn besonders deutlich.
Auch der Aussaattermin hat, wie beschrieben, einen Einfluss auf die Abreife, der jedoch deutlich geringer ausfällt als in anderen Jahren. Bestände, die in der ersten Maihälfte gesät wurden, sind nur ca. eine Woche später erntereif als Aprilsaaten. 
Somit gibt es in diesem Jahr in der Maisabreife keine gravierenden Unterschiede zwischen den nach Himmelsrichtungen benannten Regionen. Frühe Sorten erreichen die anzustrebenden TS-Gehalte in der letzten Dekade dieses Monats und können jetzt gehäckselt werden. Mittelfrühe Sorten (ab S 230) werden hierfür ca. eine Woche länger benötigen und sind ab Anfang Oktober, unter günstigen Bedingungen auch schon einige Tage früher, erntereif. Mittelspäte Sorten werden im östlichen Niedersachsen ab Anfang Oktober, in den anderen Regionen erst ab der zweiten Dekade die Erntereife erreichen. Ähnliches gilt für die Höhenlagen, für die Daten vom Standort Eversen in Nordrhein-Westfalen zur Verfügung stehen. 
Lediglich die küstennahen Maisbestände reagieren aufgrund der gegenüber dem restlichen Niedersachsen eher gemäßigten Temperaturen mit einer entsprechenden Reifeverzögerung von rund einer Woche. In dieser Region muss allerdings besonderes Augenmerk auf die Aussaattermine der Bestände gelegt werden, denn hier konnten viele Flächen erst im Juni bestellt werden. Diese Zeit benötigen die Pflanzen nun zusätzlich, um zumindest die TS-Gehalte zur sickersaftfreien Lagerung zu erreichen. Mit vergleichbaren Qualitäten und Erträgen wie bei üblichen Aussaatterminen ist bei diesen Beständen nicht zu rechnen.
 


Kontakt:
Karl-Gerd Harms
Berater Silo- und Körnermais
Telefon: 0441 801-418
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:
Meike Backes
Leiterin Fachbereich Grünland und Futterbau
Telefon: 0511 3665-4453
Telefax: 0511 3665-4508
E-Mail:


Stand: 22.09.2021



PDF: 36437 - 251.579101562 KB   Reifeprüfung Grafik 14-09-2021   - 252 KB  
PDF: 36438 - 380.975585938 KB   Ortsübersicht 14-09-2021   - 381 KB  
PDF: 36341 - 331.59375 KB   Maisanbauregionen NDS 2021   - 332 KB