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Vermehrungen von Wintergetreide in Deutschland leicht reduziert

Vermehrungen von Wintergetreide in Deutschland leicht reduziert

Willi Thiel und Eric Preuß, Landwirtschaftskammer Niedersachsen, für die Arbeitsgemeinschaft der Anerkennungsstellen für landwirtschaftliches Saat- und Pflanzgut in Deutschland

Die Anmeldung der Wintergetreide-Vermehrungsflächen erfolgt alljährlich zum 31. März, so dass nun das Zahlenmaterial für das gesamte Bundesgebiet in zusammengefasster Form vorliegt. Wie immer zum jetzigen Zeitpunkt eines Jahres sind die Zahlen noch mit einer gewissen Unsicherheit behaftet und als vorläufig zu betrachten. Auch deshalb, da in aller Regel bis zum Beginn der Feldbesichtigungen noch mit einem gewissen Anteil an Zurückziehungen zu rechnen ist; andererseits sind Nachmeldungen natürlich ebenfalls noch möglich. Anders als im Jahr 2016 haben Verluste durch Auswinterung keine nennenswerte Rolle gespielt.

Ein Rückblick auf die zurückliegende Ernte und die Witterung macht die Entwicklung der Vermehrungsflächen teilweise besser verständlich. Die Ernte der Wintergerste 2017erfolgte noch im üblichen Zeitrahmen und meist ohne Probleme. Bei allen anderen Getreidearten einschließlich der Sommerungen verzögerte sich der Drusch durch zahlreiche, mitunter massive Regenunterbrechungen. Dies blieb nicht ohne Folgen für die Saatgutqualitäten insbesondere die Keimfähigkeitswerte betreffend. Mit regionalen Unterschieden kam es insbesondere bei Wintertriticale zu Problemen, sodass bei dieser Fruchtart auch Überlegungen zur Herabsetzung der Keimfähigkeitsmindestnorm im Raume standen. Schließlich zum Zuge kamen derartige Überlegungen dann bei den Sommergetreidearten. Maßgebend war hier, dass neben erhöhten Aberkennungsraten bei den Sommergetreidearten, die oben geschilderten Witterungsverhältnisse mit zuviel Nässe insbesondere in Norddeutschland und hier insbesondere in den Marschen vielfach die Winterweizenaussaat unmöglich machten. Bereits im Spätherbst entwickelte sich ein großer Run auf Sommergetreidesaatgut. Dies spiegeln auch die Vermehrungszahlen wider. Insbesondere in Schleswig-Holstein und in Niedersachsen führte die Witterung zu einer erheblich reduzierten Vermehrungsfläche bei Winterweizen.

Nach einem langanhaltenden Winter, in Mecklenburg-Vorpommern fielen an Karfreitag noch 20-30 cm Schnee, kam die Vegetation zunächst nur langsam in Gang, bis dann Mitte April teilweise hochsommerliche Temperaturen einen erheblichen Wachstumsschub herbeiführten. Insgesamt haben die Pflanzenbestände diese Witterungsverläufe gut überstanden und befinden sich für diese Jahreszeit in dem üblichen Vegetationsstadium.

 

Weniger Vermehrungen bei Wintergetreide

In Deutschland wurde die Vermehrung von Wintergetreide in diesem Jahr wieder leicht verringert, und zwar um 1.434 ha, so dass die Gesamtvermehrungsfläche für Wintergetreide nun bei vorläufig 96.106 ha liegt. Das entspricht einer Abnahme gegenüber dem Vorjahr um 1,4 %. Als wesentliche Ursache kann der oben geschilderte Witterungsverlauf gesehen werden.

Dies spiegelt sich teilweise auch in den vorläufigen Anbauzahlen für Wintergetreide wider. Danach wurde die Gesamtanbaufläche von Wintergetreide erneut leicht (- 2,3 %) auf 5.159.700 ha verringert. Der stärkste Rückgang war bei Winterweizen mit - 4,7% auf erstmals nach vielen Jahren wieder unter 3 Mio. Hektar (2.982.200 ha) und Wintertriticale (- 2,7 %) auf 378.300 ha zu verzeichnen. Dagegen sind bei Winterroggen jetzt 543.200 ha (+ 1,2 %) und Wintergerste jetzt 1.256.100 ha (+ 2,5 %) in der vorläufigen Statistik verbucht.

Ähnlich ist die Situation in den Vermehrungen. Spürbare Zunahmen verzeichnet, relativ betrachtet, die Vermehrung von Winterroggen (+ 7,9 %) und leichte Zunahmen sind bei Wintergerste (+ 0,6 %) gemeldet worden. Erschwerte bzw. nicht gegebene Aussaatbedingungen lagen bei Wintertriticale (- 4,4 %) und Winterweizen (- 2,6 %) vor. Besonders starke Rückgänge traten in erster Linie witterungsbedingt in den Bundesländern Brandenburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein mit einem Minus von 987 ha bis 1684 ha auf.

 

 

 

Wintergerste leicht ausgedehnt

Im zweiten Jahr hintereinander wurden die Vermehrungsflächen bei Wintergerste ganz leicht ausgedehnt und liegen nun bei 22.278 ha. Überwiegend witterungsbedingt wurden in Schleswig-Holstein fast 500 ha weniger Wintergerstenvermehrungen ausgesät. Aber auch in Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Baden-Württemberg wurden weniger Vermehrungen angelegt. Mit jeweils fast 3.000 ha Fläche stehen die meisten Vermehrungen in Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt, gefolgt von Nordrhein-Westfalen und Bayern.

Hauptsorte in der Vermehrung ist nun die mehrzeilige Sorte KWS Kosmos mit 2.866 ha, welche die bisher führende Sorte KWS Meridian auf den zweiten Platz verwiesen hat. Auch noch über 2.000 ha weisen die Sorten Quadriga und die meist vermehrte zweizeilige Sorte California auf. Mit 1.535 ha folgt dann Sandra, eine weitere zweizeilige Sorte. Auf deutlich über 1.000 ha kommen mit KWS Higgins, Lomerit und SU Ellen drei weitere mehrzeilige Sorten. Schließlich folgt mit 530 ha Toreroo die erste Hybridsorte und an zehnter Stelle die gleichfalls mehrzeilige Sorte Anja. Besonders starke Zunahmen weisen dabei die Sorten KWS Kosmos, Quadriga, KWS Higgins und Toreroo auf.

Der Anteil an mehrzeiligen Sorten ist mit 66 % weiterhin sehr hoch (Vorjahr: 71,1 %). Mit 1.064 ha erreichen die Hybridsorten einen Anteil von 4,8 % (2017: 8,1 %). Nach Züchterangaben haben die hohen Erträge der Vorjahre immer noch einen recht hohen Lagerbestand zur Folge. Im Jahr 2015 lag die Vermehrungsfläche in Deutschland für Hybridgerste noch bei 4.173 ha.

 

 

 

A-Sorte jetzt mit über 8.200 ha

Bei Winterweizen wurde mit -1.372 ha absolut betrachtet die Vermehrung unfreiwillig am stärksten eingeschränkt. Besonders Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Brandenburg waren witterungsbedingt betroffen. Alleine in diesen Bundesländern lag die Vermehrungsfläche um mehr als 2.600 ha unter derjenigen des Vorjahres. Hier sind auch häufig auf Konsumflächen Fenstersaaten zu sehen, wo Sommergerste zur Reparatur in Teilen von Winterweizenflächen ausgesät wurde. Auch deutliche Zuwächse besonders in Sachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Bayern konnten dies nicht kompensieren. Hauptvermehrungsregionen in Deutschland mit mehr als 7.000 ha Vermehrungsfläche sind weiterhin Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen, gefolgt von Sachsen-Anhalt mit 6.758 ha.

Mit 8.234 ha hat die A-Sorte RGT Reform erneut um 1.125 ha zugelegt und kommt nun auf einen Anteil von gut 16 %. Mit 2.425 ha bzw. 2.115 ha folgen mit deutlichem Abstand die A-Sorte Patras und die B-Sorte Benchmark und dann der Vorjahreszweite Elixer, eine C-Sorte mit ebenfalls über 2.000 ha Vermehrungsfläche. Die A-Sorte Julius wurde in der Vermehrung zurückgenommen und liegt jetzt bei 1.736 ha und gleichermaßen wurde die B-Sorte Tobak spürbar reduziert und liegt nun bei 1.672 ha. Deutlich ausgedehnt wurden die Vermehrungen bei der E-Sorte Ponticus sowie bei den beiden A-Sorten Chiron und Apostel. Schließlich folgt auf Patz 10 die A-Sorte Nordkap, deren Fläche um rund 300 ha auf jetzt 1.353 ha verringert wurde. Besonders starke Zunahmen verzeichneten im übrigen Sortiment die B-Sorten KWS-Talent, Kamerad, Boss und RGT Sacramento.

Der Umfang an Hybriden bzw. Erbkomponenten liegt mit 4,8 ha etwa doppelt so hoch wie im Vorjahr.Hinsichtlich der Qualitätsgruppen hat der Anteil an A-Sorten mit 51,7 % (Vorjahr: 48,4 %) leicht zugenommen und derjenige von B-Sorten mit 24,5 % (2017: 26,3 %) und C-Sorten mit 7,6 % (2017:11.3 %) erkennbar abgenommen. E-Sorten liegen nun mit 10,2 % Anteil über dem Vorjahresniveau (8,5 %); insgesamt also ein Plus von 5 % in Richtung höhere Qualitäten.

Die Vermehrung von Spelzweizen wurde um 244 ha auf 1.460 ha zurückgenommen. Bereits in den Vorjahren waren die starken Ausdehnungen im Jahr 2015 durch starke Reduzierungen nahezu egalisiert worden. Hauptvermehrungsregionen sind hier weiterhin vor allem Baden-Württemberg und Bayern. Hauptsorten in der Vermehrung sind wie bisher Zollernspelz, Franckenkorn und Oberkulmer Rotkorn, wobei letztere beiden die Plätze in der Rangfolge getauscht haben.

Die Nischenfruchtart Winterhartweizen wird im Umfang von 723 ha (2017: 943 ha)vermehrt. Schwerpunkte sind hier Sachsen-Anhalt, Thüringen, Baden-Württemberg, Sachsen und Bayern.

Deutliche Zunahme bei Winterroggen

Nach zwei Jahren mit weniger als 10.000 ha Vermehrungsfläche in Deutschland wird mit 10.321 ha deutlich mehr Winterroggen vermehrt. Besonders starke Zunahmen erfolgten in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern, wohingegen in Baden-Württemberg, Brandenburg und Niedersachsen doch erkennbare Einschränkungen vorgenommen wurden. Im dritten Jahr hintereinander werden in Deutschland mehr Populationssorten als Hybriden vermehrt. Letztere kommen auf einen Anteil von 47,3 % (Vorjahr: 44,6 %), zeigen also einen leichten Aufwärtstrend.

Auch im achten Jahr in Folge wird die Sortenrangliste von der Populationssorte Dukato angeführt mit 1.581 ha (Vorjahr: 1.563 ha). Mit dem Vermehrungsumfang wie etwa im Vorjahr folgt an zweiter Stelle mit der Grünroggensorte Protector, die speziell für den Winterzwischenfruchtanbau geprüft wurde, eine weitere freiabblühende Sorte, diese erreicht nun 1.131 ha. Schließlich folgt mit SU Performer die erste Hybride mit einer Fläche von 804 ha und dann mit Inspector eine weitere konventionelle Sorte. Anschließend kommen dann mit KWS Binntto, KWS Daniello, KWS Serafino, KWS Eterno und SU Cossani fünf Hybridsorten mit Vermehrungsumfängen zwischen etwa 700 ha und 500 ha. Auf Platz 10 rangiert dann mit Turbogreen eine weitere Populationssorte, die auf 306 ha vermehrt wird.

Besonders stark ausgedehnt in der Vermehrung im Vergleich zum Vorjahr wurden die Sorten KWS Daniello und KWS Serafino und stärker zurück genommen wurden SU Cossani und KWS Binntto.

Wintertriticale reduziert

Wie geschildert wurden insgesamt weniger Wintertriticale-Vermehrungen angelegt und hier wiederum besonders in Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Spürbare Vermehrungszuwächse erfolgten in Mecklenburg-Vorpommern und Bayern. Die Vermehrungsfläche erreicht insgesamt 10.385 ha, das sind 481 ha weniger als in 2017.

Bei den Sorten hat Lombardo seine dominierende Rolle mit einem Plus von 464 ha auf nun 3.925 ha weiter ausgebaut, gefolgt von Barolo, der mit 1.092 ha erneut an zweiter Stelle rangiert. Erheblich zugelegt hat mit 824 ha die Sorte Cedrico (Vorjahr: 205 ha). Tulus wurde etwas zurückgefahren und liegt bei 615 ha. Mit Temuco, Agostino, Tantris und Tender PZO folgen Sorten mit 444 ha bis 394 ha, wobei Temuco besonders stark ausgedehnt wurde. Besonders starke Einschnitte wurden bei den Sorten Tantris und Adverdo vorgenommen, deren Vermehrungsfläche jeweils um etwa 400 ha zurückgenommen wurde. Die Vermehrung von Hybridsorten ist ähnlich überschaubar wie bei Winterweizen und liegt derzeit bei 50 ha.

Als Randnotiz ist zu vermerken, dass in Deutschland auch 51 ha an Winterhafer vermehrt werden.

Abschließend wird darauf hingewiesen, dass aus Platzgründen von den angesprochenen Fruchtarten nicht alle Sorten dargestellt werden können. In der Regel werden Sorten mit weniger als 20 ha Vermehrungsfläche in Deutschland nicht aufgeführt, bei Winterweizen ist die Grenze aufgrund des besonders großen Sortenspektrums bereits bei 100 ha gezogen. Alle Sorten und die dazugehörigen Flächen können ab sofort auch unter www.ag-akst.de, der Internetplattform der Arbeitsgemeinschaft der Anerkennungsstellen in Deutschland, abgerufen werden.


Kontakt:
Willi Thiel
Leiter Anerkennungsstelle für Saat- und Pflanzgut
Telefon: 0511 3665-4370
Telefax: 0511 3665-4508
E-Mail:
Eric Preuß
Anerkennung von Saat- und Pflanzgut
Telefon: 0511 3665-4353
Telefax: 0511 3665-994353
E-Mail:


Stand: 25.06.2018