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Vermehrungsfläche von Sommergetreide in Deutschland 2018 erheblich ausgeweitet, großkörnige Leguminosen weiter spürbar reduziert

Vermehrungsfläche von Sommergetreide in Deutschland 2018 erheblich ausgeweitet, großkörnige Leguminosen weiter spürbar reduziert

Willi Thiel und Eric Preuß, Landwirtschaftskammer Niedersachsen für die Arbeitsgemeinschaft der Anerkennungsstellen für Saat- und Pflanzgut in Deutschland

Während die Wintergetreidevermehrung nach den vorläufigen Zahlen spürbar um rund 1.434 ha auf nun 96.106 ha reduziert wurde, was einer Abnahme gegenüber dem Vorjahr von 1,5 % entspricht, wurde die Sommergetreidevermehrung um fast 25 % oder 3.977 ha ausgeweitet und liegt nun bei 20.020 ha. Inwieweit diese Reaktion, ausgehend von schwierigen Aussaatbedingungen im Herbst besonders im Norden und im Brandenburg, überzogen ist oder nicht, muss sich noch zeigen. Vermutlich war die sehr angespannte und teilweise unerquickliche Engpasssituation bei Sommergetreidesaatgut in diesem Frühjahr noch in vielen Züchterhäusern und VO-Firmen zu präsent, als dass man hier etwas mehr Zurückhaltung an den Tag gelegt hätte. Zuletzt lag der Vermehrungsumfang in Deutschland im Jahr 2009 oberhalb von 20.000 ha. Dagegen wurde die Vermehrung von großkörnigen Leguminosen nach starken Zunahmen in 2015 und moderaten Zunahmen im Jahr 2016 nun nach 2017 erneut wieder spürbar zurückgenommen. Hierzu berichten wir separat. Wie immer handelt es sich bei den Flächenangaben für das Jahr 2018 um vorläufiges Datenmaterial, welches noch leichten Änderungen unterworfen sein kann. In den Sortentabellen wurden Kandidaten mit weniger als 20 ha Vermehrungsfläche nicht dargestellt, sondern unter Sonstige aufsummiert.

Bei Sommerweichweizen liegt die Vermehrungsfläche nun bei 3.003 ha, das sind 882 ha mehr als im letzten Jahr oder plus 41,6 %. Besonders starke Zunahmen erfolgten in Brandenburg, Schleswig-Holstein, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Niedersachsen. Hauptvermehrungsregionen in Deutschland sind in diesem Jahr insbesondere Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Sachsen-Anhalt. Die Hauptsorte ist nun die Sorte Quintus, die nochmals kräftig in der Vermehrungsfläche zulegte, gefolgt von Servus, der von 35 auf 340 ha ausgedehnt wurde, und Lennox, dessen Vermehrungsumfang gleichblieb. Quintus, Servus und Lennox verfügen nach Züchterangaben auch über eine Eignung zum Anbau als Wechselweizen, also Aussaateignung in später Herbstaussaat.

Wie in der Vergangenheit wird Sommerhartweizen überwiegend in Sachsen-Anhalt und Thüringen vermehrt. Gegenüber dem Vorjahr wurden auch hier die Flächen in Deutschland leicht erhöht und zwar um 52 ha (plus 13,8 %). Wie im Vorjahr ist die Hauptsorte hier die EU-Sorte Duramonte, gefolgt von Anvergur und Durasol.

 

 

Bei Sommertriticale wurde die Vermehrungsfläche nach einer Rücknahme im Vorjahr im Frühjahr 2018 um knapp 50 ha ausgedehnt und liegt nun bei 724 ha (Bild 1). Hauptvermehrungsregionen sind in diesem Jahr die Bundesländer Bayern, Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Hauptsorte ist in diesem Jahr die Sorte Dublet, welche Somtri auf den zweiten Platz verdrängt hat, sowie die Sorte Team PZO, die nach einem Rückgang in 2017 in diesem Jahr in der Vermehrung wieder ausgeweitet wurde. Hier handelt es sich um eine Sorte, die speziell für die Eignung im Zweitfruchtanbau beim Bundessortenamt geprüft wurde. Es handelt sich hierbei um Sortentypen, die auch noch vergleichsweise spät im Juni bis Anfang Juli ausgesät werden können und dann immer noch vergleichsweise hohe Frischmasse- bzw. Trockenmasseerträge liefern können.

 

 

 

 

 

Im Sommerungsbereich bleibt die Sommergerste wie in der Vergangenheit die wichtigste Getreideart. Nach mehreren Jahren mit deutlichen Rückgängen wurde im Frühjahr 2017 bereits erkennbar mehr Sommergerste zur Vermehrung ausgesät. In diesem Jahr kamen nochmals 1.990 ha oder plus 23,5 % hinzu. Die aktuelle Vermehrungsfläche liegt nun vorläufig derzeit bei 10.452 ha und demzufolge erstmals wieder nach dem Jahr 2012 oberhalb von 10.000 ha. Wie bisher sind die Hauptvermehrungsgebiete in Deutschland die Bundesländer Bayern, Niedersachsen, Baden-Württemberg, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Die deutlichsten Zuwächse an Vermehrungsflächen waren dabei in Brandenburg zu verzeichnen, wo auch die Aussaatsituation im vergangenen Herbst besonders prekär war.

 

 

 

Insgesamt entfallen auf Westdeutschland 71,8 % der Vermehrungsfläche in Deutschland. Hauptsorten im Jahr 2018 sind wie im Vorjahr die Braugerstensorte Avalon gefolgt von RGT Planet, die zumindest in benachbarten EU-Ausland auch gerne zur Vermälzung herangezogen wird. Beide Sorten erfuhren erneut eine deutliche Zunahme.

 

 

Auf Platz drei folgt die Sorte Quench, die ebenfalls erkennbar ausgedehnt wurde (Bilder 2 – 4).

 

 

 

 

 

 

 

 

Auf dem vierten Platz rangiert nun die Sorte Accordine, die von 98 ha nun auf 622 ha in Vermehrung gestellt wurde, gefolgt von der Sorte Leandra, die im vergangenen Jahr als Stamm schon eine gewisse Vermehrungsfläche hatte. Diese liegt nun bei 537 ha. Spürbar ausgedehnt wurden auch die Braugerstensorte Solist und die EU-Sorte Ellinor. Erst dann folgt mit der Sorte Eunova die erste Futtergerstensorte, die im Vermehrungsumfang konstant gehalten wurde. Rückgänge dagegen wurden bei Marthe und Grace in der Vermehrung vollzogen. Insgesamt entfallen auf die ersten zehn genannten Braugerstensorten rund 82 % der gesamten Vermehrungsfläche und davon wiederrum fast 71 % auf die drei Sorten Avalon, RGT Planet und Quench. In der Summe wurden in diesem Jahr, ohne Hinzurechnung der Stämme, 75 Sorten in Deutschland zur Vermehrung angemeldet. Das zeigt, dass gerade bei Braugersten weiterhin eine starke Fokussierung auf einige wenige Sorten gegeben ist.

Einen weiteren deutlichen Aufschwung erfuhr in diesem Jahr die Vermehrung von Sommerhafer. Die Vermehrungsfläche wurde erneut ausgedehnt und zwar um 18,1 %, das sind 760 ha. In der Angabe der Vermehrungsfläche ist auch der Rauhafer enthalten, der seinerseits mit einigen Sorten vertreten ist. Im Vergleich zum Vorjahr wurde die Fläche allerdings um 319 ha zurückgenommen. Die Rauhafersorten haben damit immer noch einen Anteil an der Hafervermehrungsfläche von knapp 9 % (Vorjahr: 20 %). Hauptvermehrungsgebiete im Westen sind die Bundesländer Schleswig-Holstein, Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen. Im Osten liegen die größten Vermehrungsflächen in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Brandenburg. Hauptsorte mit 1.554 ha ist wie im Vorjahr Max, gefolgt von Apollon, Bison und Delfin. Alle vier Sorten sind Gelbhafer. Dann folgt mit Ivory die erste Weißhafersorte. Als Besonderheit spielt nach wie vor der Schwarzhafer Zorro eine gewisse Rolle.

 

 

Gerade in Sommergetreidevermehrungen kann das Antreten von Flughafer schnelle zu Aberkennungen führen. Bei Hafer gilt gar der gesetzliche Grenzwert Null (Bilder 5 – 6).

 

 

 

 

 

 

 

In der Vermehrung stehen, wie erwähnt, auch eine Reihe von Rauhafersorten (Avena strigosa). Der Rauhafer, auch Sandhafer genannt, wird für einen Zwischenfruchtanbau auch im Zusammenhang mit der Erzeugung von Biogas genutzt. Bei den Sorten steht mit einer Vermehrungsfläche von 379 ha die Sorte Panache eindeutig im Vordergrund, gefolgt von der Sorte Pratex. Insbesondere Panache wurde allerdings im Vermehrungsumfang erheblich reduziert. Insgesamt kommen diese zwei Sorten auf eine Vermehrungsfläche von 478 ha von insgesamt 554 ha Rauhafervermehrungsfläche.

Der Sommerroggen liegt in diesem Jahr mit 482 ha Vermehrungsfläche spürbar über der Vermehrungsfläche des Vorjahres. Die Zunahme von + 149 ha entspricht einem Plus von annährend 45 %. Die meisten Vermehrungen stehen in Brandenburg und Niedersachsen, wobei die Sorte Arantes dominiert und außerdem spielt die Sorte Ovid eine größere Rolle.

Eine Abschätzung der Saatgutversorgungssituation bei den Sommerungen für das kommende Frühjahr ist natürlich zum jetzigen Zeitpunkt trotz der hohen Flächenzuwächse noch nicht seriös möglich. Überwiegend kam das Sommergetreide zwar zeitgerecht und unter günstigen Bedingungen in die Erde und zeigte eine gute Entwicklung, da aber ausgeprägte Trockenphasen in vielen Regionen sowohl dem Winter- als auch dem Sommergetreide stark zugesetzt haben, existieren bereits seit einiger Zeit Prognosen, die erhebliche Ertragseinbußen vorhersagen. Weitere Angaben zu den Vermehrungsflächen und den Sorten für den Winterungs- und den Sommerungsbereich können unter www.ag-akst.de eingesehen und heruntergeladen werden.


Kontakt:
Willi Thiel
Leiter Anerkennungsstelle für Saat- und Pflanzgut
Telefon: 0511 3665-4370
Telefax: 0511 3665-4508
E-Mail:
Eric Preuß
Anerkennung von Saat- und Pflanzgut
Telefon: 0511 3665-4353
Telefax: 0511 3665-994353
E-Mail:


Stand: 25.06.2018