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Sommergetreidevermehrungen Deutschland 2019

Vermehrer im Sommerungsbereich stark aktiv, Vermehrungsfläche von Sommergetreide in Deutschland 2019 verringert, aber erheblich weniger als erwartet

Willi Thiel und Eric Preuß, Landwirtschaftskammer Niedersachsen für die Arbeitsgemeinschaft der Anerkennungsstellen für Saat- und Pflanzgut in Deutschland

 

Trotz erheblicher Ausdehnung der Wintergetreidevermehrung um 13,6 % auf vorläufig 110.244 ha in Deutschland für die Ernte 2019, was einer Zunahme von 13.169 ha entspricht, wurde die Sommergetreidevermehrung für dieses Jahr nur vergleichsweise moderat um 7,5 % entsprechend 1.505 ha zurückgenommen. Nachdem im letzten Jahr nach 2009 erstmalig in Deutschland wieder die 20.000-Marke annähernd erreicht war, ging diese nun wieder auf 18.428 ha zurück. Während bei Wintergetreide eine gewisse Zunahme aufgrund der zwangsverordneten Rücknahme der Vermehrungsumfänge im Herbst 2017 zu erwarten war, überraschen doch die Größenordnungen der Ausdehnungen hier und die vergleichsweise geringe Rücknahme im Sommergetreidebereich. Inwieweit das zu Unwuchten am Markt führen wird, bleibt abzuwarten, denn die historische Dürre-Periode des Jahres 2018 wird auch noch in diesem Jahr deutliche Ertragsspuren hinterlassen, selbst wenn aktuell vielerorts die Wasserversorgung vorläufig gesichert erscheint. In manchen Regionen, z. B. in der Heideregionen Niedersachsens, wurden aber auch bereits die ersten Beregnungsgänge durchgeführt, da der April häufig nur spärliche Niederschläge bereitstellte und die Bestände insbesondere etwas aus der Distanz betrachtet, oft blenden dürften. Anders als im Vorjahr wurden die Vermehrungen bei den Großkörnigen Leguminosen sowie im Gräserbereich spürbar ausgedehnt. Hierzu berichten wir gesondert. Wie immer handelt es sich bei den Flächenangaben für das Jahr 2019 um vorläufiges Datenmaterial, welches noch leichten Änderungen unterworfen sein kann. In den Sortentabellen wurden Kandidaten mit weniger als 20 ha Vermehrungsfläche nicht dargestellt, sondern unter Sonstige aufsummiert.

Bei Sommerweichweizen liegt die Vermehrungsfläche nun bei 2.097 ha, das sind 761 ha weniger als im letzten Jahr oder - 26,6 %. Besonders starke Rücknahmen erfolgten in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern mit über 60 % Reduzierung und spürbare Flächenreduzierungen wurden auch in Niedersachsen vorgenommen, letztlich alles Bundesländer in denen im Vorjahr bekanntermaßen überdurchschnittliche Ausdehnungen vorgenommen worden waren. Hauptvermehrungsregionen in Deutschland sind in diesem Jahr insbesondere Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Thüringen. Die Hauptsorten sind wie im Vorjahr die Sorten Quintus, Servus und Lennox. Während Servus im Vermehrungsumfang ausgedehnt wurde, wurde Quintus spürbar und auch Lennox etwas im Umfang zurückgefahren. Quintus, Servus und Lennox verfügen nach Züchterangaben auch über eine Eignung zum Anbau als Wechselweizen, also Aussaateignung in später Herbstaussaat.

Wie in der Vergangenheit wird Sommerhartweizen überwiegend in Sachsen-Anhalt und Thüringen vermehrt. Gegenüber dem Vorjahr wurden auch hier die Flächen in Deutschland wieder spürbar zurückgenommen und zwar um 157 ha (- 27 %). Wie im Vorjahr ist die Hauptsorte hier die EU-Sorte Duramonte, gefolgt von Anvergur.

Bei Sommertriticale wurde die Vermehrungsfläche nach einer leichten Ausdehnung im Vorjahr nun etwa in der gleichen Größenordnung wieder zurückgenommen, nämlich um 63 ha und liegt nun vorläufig bei 669 ha. Hauptvermehrungsregionen sind in diesem Jahr die Bundesländer Bayern, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Hauptsorten sind wie im Vorjahr die Sorten Dublet, Somtri und neu an dritter Stelle die Sorte Nagano.

 

Sommergerste bleibt im Sommerungsbereich wie in der Vergangenheit die wichtigste Getreideart. Nach mehreren Jahren mit deutlichen Rückgängen wurden in 2018 erstmals wieder nach dem Jahr 2012 mehr als 10.000 ha vermehrt. Trotz eines Rückgangs um 492 ha (- 4,7 %) wurde diese Marke mit 10.020 ha in diesem Jahr wiederum knapp überschritten. Wie bisher sind die Hauptvermehrungsgebiete in Deutschland die Bundesländer Bayern, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg, Sachsen und Thüringen. Die deutlichsten Einschränkungen hat es hier relativ betrachtet in Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein und absolut betrachtet in Niedersachsen gegeben, wo auch im vergangenen Jahr neben Sachsen-Anhalt und Sachsen mit die größten Zuwächse an Vermehrungsflächen realisiert worden waren.

                  

Insgesamt entfallen auf Westdeutschland rund 60 % der Vermehrungsfläche in Deutschland. Hauptsorten im Jahr 2019 sind wie im Vorjahr die Sorten RGT Planet gefolgt von Avalon, hier hat es also einen Wechsel an der Spitze gegeben. Während Avalon bekanntermaßen auch in Deutschland eine hervorragende Braueignung zuerkannt wurde, wird die Sorte RGT Planet zumindest im benachbarten EU-Ausland auch gerne zur Vermälzung herangezogen. Während RGT Planet nochmals um gut 200 ha ausgedehnt wurde, wurde Avalon um 242 ha zurückgefahren. Beide Sorten liegen nun mit über 2.400 ha fast gleich auf und nehmen damit mehr als 48 % der Gesamtvermehrung ein.

 

 

Auf Platz drei folgt nun die Sorte Leandra mit 1.288 ha und an vierter Stelle liegt nun Quench mit ebenfalls mehr als 1.000 ha Vermehrungsfläche aber einer Abnahme um knapp 196 ha gegenüber dem Vorjahr. Anschließend folgen mit Accordine und Solist zwei weitere Braugerstensorten, die jeweils knapp an 480 ha Vermehrungsfläche heranreichen. Auf Platz sieben folgt eine neue Braugerstensorte Prospect, die mit knapp 236 ha startet, gefolgt von Laureate, die um etwa 80 ha auf nun 156 ha zurückgenommen wurde. Erst dann folgen auf Platz neun und zehn mit Eunova und Vespa die ersten Futtergerstensorten, die auf gut 140 bzw. 125 ha in der Vermehrung kommen. Insgesamt verfügen wir derzeit über 180 zugelassener Sommergerstensorten, wovon 92 vermehrt werden. Alleine die ersten acht genannten Braugerstensorten, also einschl. RGT Planet, nehmen ein Anteil von 85 % ein und bereits die ersten vier Sorten erreichen knapp 72 % Anteil an der Gesamtvermehrung. Das zeigt, dass gerade bei Braugersten weiterhin eine starke Fokussierung auf einige wenige Sorten gegeben ist.

 

 

 

 

 

Einen erneuten leichten Aufschwung erfährt in diesem Jahr doch zunächst etwas überraschend die Vermehrung von Sommerhafer. Auch der Absatz von Z-Saatgut war in diesem Frühjahr in Süddeutschland sehr zufriedenstellend. Die Vermehrungsfläche wurde erneut ausgedehnt und zwar um 3,1 %, das sind 151 ha, gegenüber 2017 ist das eine Zunahme von knapp 880 ha oder 21 %. In der Angabe der Vermehrungsfläche ist auch der Rauhafer enthalten mit insgesamt 723 ha. Im Vergleich zum Vorjahr wurde die Fläche um knapp 120 ha ausgedehnt. Die Rauhafersorten haben damit einen Anteil von gut 14 % an der Hafervermehrungsfläche, 2017 lag dieser bei etwa 20 %. Hauptvermehrungsgebiete für Hafer im Westen sind die Bundesländer Bayern, Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Im Osten liegen die größten Vermehrungsflächen in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen. Hauptsorte ist wie im Vorjahr Max, der nun auf 1.732 ha (+ 178 ha) kommt, gefolgt von Delfin, Apollon und Bison, wobei Delfin mit einer Zunahme um knapp 273 ha auf nun knapp 652 ha einen deutlichen Sprung nach vorne machte. Alle vier Sorten sind Gelbhafer. Dann folgt mit Ivory die erste Weißhafersorte. Als Besonderheit spielt nach wie vor eine Schwarzhafersorte sowie zwei EU-Nackthafersorten eine gewisse Rolle. Letztere geben ähnlich wie Weizen und Roggen beim Drusch die Spelze frei.

In der Vermehrung stehen, wie erwähnt, auch eine Reihe von Rauhafersorten (Avena strigosa). Der Rauhafer, auch Sandhafer genannt, wird für einen Zwischenfruchtanbau auch im Zusammenhang mit der Erzeugung von Biogas genutzt. Bei den Sorten steht mit einer Vermehrungsfläche von 483 ha die Sorte Panache eindeutig im Vordergrund, gefolgt von der Sorte Pratex. Insgesamt kommen diese zwei Sorten auf eine Vermehrungsfläche von 602 ha von insgesamt 723 ha Rauhafervermehrungsfläche.

Der Sommerroggen liegt in diesem Jahr mit 300 ha Vermehrungsfläche spürbar unter der Vermehrungsfläche des Vorjahres (- 38 %) und erreicht damit in etwa das langjährige Niveau. Die meisten Vermehrungen stehen in Mecklenburg-Vorpommern und mit deutlichem Abstand folgen Niedersachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt, wobei die Sorte Arantes dominiert und außerdem die Sorte Ovid eine größere Rolle spielt.

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Vermehrung des Sommergetreides deutlich weniger eingeschränkt wurde, als es die vergleichsweise starke Ausweitung in der Vermehrung von Wintergetreide hätte vermuten lassen. Insgesamt sind derzeit 423 Sorten von verschiedenen Sommergetreidearten zugelassen, wovon 202 Sorten in Deutschland vermehrt werden. Davon entfallen alleine 92 Sorten auf den Bereich Sommergerste, 46 Sorten auf den Sommerweizenbereich und 32 Sorten auf Sommerhafer. Weitere Angaben zu den Vermehrungsflächen und den Sorten für den Winterungs- und den Sommerungsbereich können unter www.ag-akst.de eingesehen und heruntergeladen werden.


Kontakt:
Willi Thiel
Leiter Anerkennungsstelle für Saat- und Pflanzgut
Telefon: 0511 3665-4370
Telefax: 0511 3665-4508
E-Mail:
Eric Preuß
Anerkennung von Saat- und Pflanzgut
Telefon: 0511 3665-4353
Telefax: 0511 3665-994353
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Stand: 05.07.2019