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Pflanzkartoffelanmeldung 2020

In Niedersachsen sind in diesem Jahr insgesamt 7.725 ha Pflanzkartoffeln zur Vermehrung angemeldet. Damit hat die Vermehrungsfläche abermals zugenommen, um 696 ha bzw. 9,9% gegenüber dem Vorjahr mit 7.029 ha.

Die Anmeldungen zur Pflanzkartoffel-Vermehrung mussten bis zum 15. Mai bei der Anerkennungsstelle vorliegen. Von den in Deutschland insgesamt 517 zugelassenen Sorten werden demnach in Niedersachsen 242 Sorten vermehrt, wobei allein auf die 15 größten Sorten ziemlich genau ein Drittel der Vermehrungsfläche entfällt. 67 Sorten dagegen werden in nur sehr geringem Umfang vermehrt: 43 Sorten mit nur einem einzigen sowie weitere 24 Sorten mit nur 2 Vermehrungsvorhaben. Dieses insgesamt breit gefächerte Sortenspektrum stellt für alle Beteiligten, die anbauenden – und teils die geernteten Pflanzkartoffeln selbst einlagernden - Vermehrer, die aufbereitenden Vertriebsfirmen und die Züchter sowie die Anerkennungsstelle fachlich, logistisch und administrativ eine große Herausforderung dar. Nunmehr im 12. Jahr in Folge bedeutendste Sorte ist die frühe Speisesorte Belana mit 435 ha bzw. einem Anteil von 5,6 % an der Fläche. Es folgen die mittelfrühe Verarbeitungssorte Agria mit 322 ha bzw. 4,2 % und die mittelfrühe Chipssorte Verdi mit 319 ha bzw. 4,1 % sowie die mittelspäte Speisesorte Jelly mit 232 ha bzw. 3,0 %. In der Tabelle sind die 127 Sorten mit einer (in 2020 vorläufigen) Vermehrungsfläche von 10 ha oder mehr namentlich genannt; zum Vergleich sind die Flächen dieser Sorten der beiden Vorjahre dargestellt. Auf diese 127 Sorten entfallen 7.316 ha bzw. 94,7 % der Vermehrungsfläche. Alle anderen Sorten sind bei jeder Reife- und Sortengruppe jeweils unter „Andere Sorten“ zusammengefasst. Die Vermehrungen von noch nicht zugelassenen Sorten („Stämme“) in kleinen Einheiten in Gewächshäusern bzw. Tunneln oder in Freilandparzellen kommen noch hinzu. Bei den in Niedersachsen vermehrten 242 Sorten handelt es sich nur noch bei 138 Sorten um national geprüfte Sorten; hier existiert noch die klassische Einteilung in Reife- und Sortengruppen. Die anderen 104 Sorten sind so genannte EU-Sorten, auf die 3.205 ha bzw. 41,5 % der Vermehrungsfläche entfallen. EU-Sorten wurden ursprünglich in irgendeinem anderen Staat der Union zugelassen und dann darauf hin wurden sie ohne weitere Prüfung auch in Deutschland zugelassen.

Pflanzkartoffeln der vermehrten Sorten werden in den einzelnen Kategorien (Vorstufen-, Basis- und Zertifiziertes Pflanzgut) und Klassen (V/PB und V/PBTC bzw. B/S, B/SE und B/E bzw. Z/A und Z/B) in verschiedenen Anteilen zur Anerkennung angemeldet. Die 3.408 in Niedersachsen angemeldeten Vermehrungsvorhaben (zum Vergleich im Vorjahr: 3.126 Vorhaben) teilen sich folgendermaßen auf. Zur Produktion von Basispflanzgut sind 1.653 Schläge entsprechend 3.533 ha bzw. 45,7 % der Gesamtfläche angemeldet (Vorjahr: 1.343 Schläge entsprechend 2.759 ha bzw. 39,3 %). Damit hat der Anteil der Produktion von Basispflanzgut noch weiter zugenommen. Des Weiteren sind mehr als 400 Vermehrungsvorhaben vorgesehen zur Erzeugung von Vorstufenpflanzgut (Klassen PBTC und PB). Zertifiziertes Pflanzgut wird mit 3.870 ha auf genau der Hälfte der Fläche auf 1.352 Schlägen erzeugt (Vorjahr: 1.396 Schläge entsprechend 4.058 ha bzw. 57,7 %). Der Anteil der Vermehrungen von Zertifiziertem Pflanzgut zu abermals Zertifiziertem Pflanzgut findet auf 140 Schlägen entsprechend 391 ha von 53 Sorten statt. Die Vermehrung innerhalb der Kategorie Z (bis 2015 die ehemalige „Z2-Vermehrung“) ist bei Kartoffeln nur möglich, wenn sie in demselben Betrieb erfolgt, der im Vorjahr das Z-Ausgangsmaterial erzeugt hat; sie ist von Produktion und Ökonomie her aber nur bedingt sinnvoll.

Die Durchschnittsgröße der Schläge beträgt im Bereich der Z-Vermehrung 2,86 ha. Bei der Basis-Pflanzgut-Vermehrung ist die durchschnittliche Flächengröße angestiegen auf 2,14 ha. Vermehrung von Pflanzkartoffeln findet in hochspezialisierten landwirtschaftlichen Betrieben statt. In diesem Jahr vermehren 363 Betriebe Pflanzkartoffeln; 345 Betriebe waren es in 2019 und 332 Betriebe in 2018. Damit sind in diesem Jahr 60 Vermehrer neu hinzugekommen, wohingegen 42 Betriebe die Vermehrung eingestellt haben. Betreut werden die Vermehrer durch die Vertriebsfirmen wie z.B. Genossenschaften oder Landhandelsfirmen; insgesamt handelt es sich um 35 kleine und große Firmen, die Pflanzkartoffeln erzeugen lassen, um sie später zu handeln.

Dieselbe Kartoffelsorte in zwei verschiedenen Kategorien bzw. Klassen kann ein Vermehrer produzieren, wenn er die saubere Trennung der Stufen gewährleisten kann - vom Pflanzen übers Roden und Lagern bis zur Aufbereitung und Verladung. Konsumkartoffeln von derselben Sorte, die auch in einem Betrieb vermehrt wird, existieren in 456 Fällen und damit bei knapp 6% der Vermehrungsvorhaben. In der Pflanzkartoffelproduktion dürfen auf dem Vorgewende Kartoffeln nur ausnahmsweise angebaut werden: auf einem Teil der zur Vermehrung angemeldeten Flächen existieren so genannte vorgelagerte Schlagteile, die jeweils Bestandteil des betreffenden Vermehrungsvorhabens sind. Hier ist ein mindestens 3 m breiter, von Streubewuchs freier Trennstreifen unbedingt einzuhalten. Auf 724 Vorhaben (rund 9%) existieren derartige vorgelagerte Schlagteile.

 

Der Feldbesichtiger kontrolliert während der Wachstumsphase der Kartoffeln auch, ob Kartoffeldämme auf Vermehrungsschlägen überfahren worden sind. Wurde ein Damm überfahren, müssen die betroffenen Kartoffeln aus dem Boden entfernt werden. Zur Erleichterung des Einfahrens in die Fahrspuren hat sich die Anlage von „Einfahr-Trichtern“ bewährt: hier werden die Stauden links und rechts neben der Fahrspur auf einigen Metern entfernt.

 

 

Seit 2016 gelten andere Anforderungen an den Feldbestand und die Beschaffenheitsprüfung bei Pflanzkartoffeln. Beispielsweise wird das Auftreten von Virus nur noch als solches bewertet; die Unterscheidung der Virussymptome in leichte und schwere Ausprägung ist aufgehoben. Beispielsweise beträgt die maximal zulässige Virusnorm für die Stufe Z/A 1% und die für Z/B 2%. Im Hinblick auf die einzelnen Anforderungen an den Feldbestand wird auf die aktuell gültigen „Richtlinien für die Feldbesichtigung“ der LWK Niedersachsen verwiesen.

Willi Thiel und Eric Preuß, Anerkennungsstelle für Saat- und Pflanzgut


Kontakt:
Willi Thiel
Leiter Sachgebiet Anerkennungsstelle für Saat- und Pflanzgut und Sachgebiet Kartoffeln: Qualitätskontrolle
Telefon: 0511 3665-4370
Telefax: 0511 3665-4508
E-Mail:
Eric Preuß
Anerkennung von Saat- und Pflanzgut
Telefon: 0511 3665-4353
Telefax: 0511 3665-994353
E-Mail:


Stand: 22.06.2020