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Die Vermehrung von Pflanzkartoffeln in ökologisch wirtschaftenden Betrieben nimmt Fahrt auf!

Wie bereits für den Getreidebereich berichtet, waren in diesem Jahr erstmals mit dieser Anmeldung von Vermehrungsvorhaben die Antragssteller (Vertriebsfirmen bzw. Züchter) gehalten, anzugeben, ob das Vermehrungsvorhaben unter ökologischen oder konventionellen Wirtschaftsbedingungen durchgeführt wird.

 

Da die Angabe für das Anerkennungsverfahren nicht gesetzlich verpflichtend ist und die Anerkennungsstellen diese Angabe weder auf Vollständigkeit noch auf sachliche Richtigkeit überprüfen können, ist das Zahlenmaterial mit einer gewissen Unsicherheit behaftet, dürfte aber dennoch einen guten Überblick vermitteln. Zukünftig wird diese Angabe auch insofern bedeutsam werden, weil alle Öko-Betriebe ab dem 01.01.2021 die neue EU-Ökoverordnung anwenden müssen. Die einzelnen EU-Mitgliedsstaaten sind nach dieser Verordnung aufgefordert, einen Überblick über die vermehrten Sorten und deren Umfänge zur Verfügung zu stellen.

 

Insgesamt werden auf rund 306 ha Vermehrungsfläche Pflanzkartoffeln in ökologisch wirtschaftenden Betrieben erzeugt. Das sind zwar nur etwa 4% bezogen auf die Gesamtvermehrungsfläche an Pflanzkartoffeln in Niedersachsen, aber das entspricht in etwa jeweils den Gesamtvermehrungsflächen in den Bundesländern Thüringen, Hessen und Baden-Württemberg bzw. ist doppelt so viel wie in Nordrhein-Westfalen an Pflanzkartoffeln vermehrt werden.

 

Vermehrt werden fast ausschließlich Speisesorten aus allen Reifegruppen, wobei der Schwerpunkt im mittelfrühren Bereich liegt. Besonders beliebte Sorten für den Öko-Anbau sind, wie die Tabelle zeigt, Sorten wir Belana (Bild 1), Agria (Bild 2), Princess, Bellinda, Ditta (Bild 3), Nicola, Almonda, Anuschka (Bild 4) und Montana. Diese zehn Sorten erreichen Vermehrungsflächen im zweistelligen ha-Bereich. Beispiele für phänotypische Unterschiede für die Sortenansprache werden in den Bildern gezeigt.

 

 

Insgesamt werden in Niedersachsen 248 Sorten (ohne Stämme) vermehrt. 49 Sorten stehen in ökologisch wirtschaftenden Betrieben. Alleine die eben genannten zehn Sorten haben einen Anteil an der Gesamtvermehrungsfläche von 60 %.

 

Im Deutschland weiten Vergleich liegt Niedersachsen damit bei Pflanzkartoffeln noch unter dem Trend: 5,1% der Pflanzkartoffeln werden in Deutschland ökologisch vermehrt; hierbei handelt es sich um 985 ha ökologischer Vermehrung von insgesamt 19.255 ha Vermehrung.

 

 

Fazit

Die Vermehrung von Pflanzkartoffeln in ökologisch wirtschaftenden Betrieben in Niedersachsen und Deutschland nimmt zu. Alleine in Niedersachsen stehen in 2020 mehr als 300 ha in Vermehrung. Unter Berücksichtigung dessen, dass der Anbau von Biokartoffeln in Deutschland nach AMI-Angaben für 2018 mit 9.300 ha (EU: 31.400 ha) beziffert wird, ist dies schon eine bemerkungswerte Größenordnung. Vor dem Hintergrund der notwendigen Umsetzung der EU-Ökoverordnung in den Betrieben zum 01.01.2021 wird die Bedeutung der ökologischen Pflanzkartoffelvermehrung noch zunehmen.


Kontakt:
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Leiter Sachgebiet Anerkennungsstelle für Saat- und Pflanzgut und Sachgebiet Kartoffeln: Qualitätskontrolle
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Telefax: 0511 3665-4508
E-Mail:
Eric Preuß
Anerkennung von Saat- und Pflanzgut
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Stand: 22.07.2020