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Das Jakobskreuzkraut in Niedersachsen - eindammen, dulden oder bekämpfen?

Das Jakobskreuzkraut (senecio jacobaea) ist in Europa und Westasien heimisch, deren Auftreten in letzter Zeit in weiten Teilen Niedersachsens allerdings deutlich zugenommen hat.

 

Das Jakobskreuzkraut wird alljährlich an Straßenrändern, Böschungen und extensiven Brache- und Grünlandflächen angetroffen, aufgrund seiner Giftigkeit für Mensch und Tier, insbesondere für Pferde und Wiederkäuer, erfährt es erhöhte Aufmerksamkeit von Tierhaltern. Nachfolgend wird über das Vorkommen des Jakobskreuzkrautes in Niedersachsen, seine Bedeutung im Naturhaushalt, seine Giftigkeit für Pferde und Wiederkäuer und die Möglichkeiten zur Eindämmung der Ausbreitung informiert.

Wie ist die Pflanze zu erkennen?

Abb.1: Blätter stark gefiedert

Im ersten Jahr bildet die Pflanze eine Rosette mit tief geschlitzten kräftigen Blättern und ist damit für das geübte Auge schon in diesem Stadium gut zu erkennen. Von ihrer Pfahlwurzel ausgehend, erstrecken sich zahlreiche Faserwurzeln im Umkreis von 30 cm und mehr.

Im zweiten Jahr wächst der aufrechte Stängel, der sich oberhalb der Mitte verzweigt. Die kräftigen Stängel sind meist rot angefärbt. Die zwei- bis mehrjährige Pflanze erreicht eine Höhe von 30-100 cm. Die mittleren Stängelblätter sind fiederteilig, mit zum Ende hin verbreiterten, unregelmäßig und ziemlich stumpf gezähnten Abschnitten. An der Blattbasis befinden sich sogenannte „Öhrchen“. Jakobskreuzkraut ist ein Körbchenblüher. Erste blühende Pflanzen findet man ab Mitte Juni, die Hauptblütezeit ist Juli - daher der Name: Jacobi am 25. Juli - bis August.

Abb.2: Bestimmung des Jakobskreuzkrauts

Die rund 15 bis 20 mm breiten goldgelben Einzelblüten werden aus den innenliegenden Röhrenblüten gebildet, die sehr charakteristisch von 10-14 gelben Zungenblütenblättern umgeben sind. Die Hüllblätter haben spezifisch schwarze Punkte und lassen sich so leicht erkennen.

Nach der Blütezeit bildet die Pflanze, ähnlich dem Löwenzahn, flugfähige Samen, die durch den Wind und Thermik mehr oder weniger über größere Entfernungen verbreitet werden.

Das Jakobskreuzkraut enthält in allen Teilen der Pflanze Pyrrolizidin-Alkaloide, die für Säugetiere toxisch sind.

Beschrieben wurden Vergiftungen bei Pferden und Wiederkäuern, ein indirektes Vergiftungsrisiko für den Menschen über die Aufnahme von Lebensmitteln (z.B. Tee und Honig) oder als Verunreinigungen in Rucola-Salat wird diskutiert. Pferde und Rinder sind nach bisherigen Erfahrungen empfindlicher als Schafe und Ziegen. Dabei wird die Pflanze in der Regel von erfahrenen Tieren aufgrund ihres bitteren Geschmackes und unangenehmen Geruchs gemieden. Die besondere Gefährlichkeit besteht in der kumulativen Wirkung des Giftes. Über den Zeitraum der Aufnahme sammeln sich die Pyrrolizidin-Alkaloide in der Leber an, was zur Schädigung der Leberzellen und damit zur Erkrankung des Tieres führen kann. Eine mögliche Gefährdung der Tiergesundheit steigt mit der zunehmenden Besatzdichte der Giftpflanze und wenn keine ausreichende Alternativnahrung vorhanden ist oder die Tiere noch unerfahren sind. In Heu und Silage verliert das Jakobskreuzkraut diese Geschmackseigenschaften, behält jedoch seine Giftigkeit. In diesem Zustand wird die Pflanze dann nicht mehr erkannt und mit dem Futter aufgenommen.

Als verwandte giftige Arten sind z. B. Fuchs-Greiskraut (Senecio ovatus), Frühlings-Kreuzkraut (Senecio vernalis), Raukenblättriges Kreuzkraut (Senecio erucifolius), Schmalblättriges Kreuzkraut (Senecio inaequidens) und das in der niedersächsischen Roten Liste als gefährdet eingestufte Wasser-Kreuzkraut (Senecio aquaticus) sowie das stark gefährdete Sumpf-Kreuzkraut (Senecio paludosus) zu nennen.

Wo ist das Jakobskreuzkraut anzutreffen?

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet des Jakobskreuzkrautes sind die Ebenen bis mittleren Gebirgslagen der gemäßigten Klimazonen Europas und Westasiens. Inzwischen kommt es aber auch in Argentinien, Neuseeland, Australien, Kanada und in den USA als invasiver Neophyt vor. Das Jakobskreuzkraut besiedelt vorrangig basenreiche Böden in offenen Bereichen von Halbtrockenrasen, trockenen Frischwiesen, Trockenwald-Säumen und Wegrainen. Als einheimische Pflanzenart ist es in verschiedenen Pflanzengesellschaften und Lebensraumtypen zu finden. In Deutschland ist die Art in allen Bundesländern verbreitet und bis auf die Silikatgebirge, das nördliche Sachsen-Anhalt, Nordwest-Brandenburg und Nordwest-Niedersachsen überall häufig. Optimale Vermehrungsbedingungen findet das Jakobskreuzkraut auf extensiv genutzten Weiden mit mangelnder Weidepflege, Trittschäden und unterlassener Nachmahd. Zunehmend ist es auf Pferdeweiden anzutreffen. Dort verbreitet es sich zurzeit deshalb so sprunghaft, weil es von den weidenden Pferden eher gemieden wird als von Rindern oder Schafen und daher auch dort viel häufiger zum Aussamen kommt als in Rinder- oder Schafweiden. In Pferdeweiden findet man außerdem viel häufiger überbeweidete Bereiche und Stellen mit unbewachsenem Boden, auf denen das Kreuzkraut optimale Keimbedingungen findet. Rinderweiden dagegen sind intensiv gedüngt und haben meistens weniger Trittschäden. Weitere Gründe für die Zunahme von Jakobskreuzkraut sind in den überregionalen und nachhaltigen Änderungen der Flächenbewirtschaftung begründet. Im Einzelnen sind dies:

  • Ausweitung von Brachflächen u. a. im Rahmen von EU-Stilllegungsprogrammen
  • Extensive Bewirtschaftung von Wiesen und Weiden
  • Überweidung durch zu hohen Weidebesatz, durch die die Konkurrenz der gewünschten Futterpflanzen abnimmt; an Kahlstellen kann das Jakobskreuzkraut vermehrt aufkommen
  • Förderung der Ansiedlung des Jakobskreuzkrauts durch zu späte Mahd bzw. ausbleibende Nachmahd (ungenügende Weidepflege).

Zunächst wenig beachtet, findet eine Ausbreitung aber auch auf öffentlichen Flächen wie z.B. Straßenrändern und Bahndämmen statt.

Wo und wie kann gegen das Jakobskreuzkraut vorgegangen werden?

Auf Weiden und Flächen zur Gras- und Heugewinnung wird das Jakobskreuzkraut auf Grund seiner Giftigkeit von den Bewirtschaftern als unerwünschte Pflanze angesehen, hier ist eine Bekämpfung erforderlich. Auf privaten Flächen liegt die Entscheidung über das Entfernen des Jakobskreuzkrautes beim Besitzer.

Eine biologische Bekämpfungsmöglichkeit ist zurzeit nur in einem sehr engen Rahmen möglich. Die Raupe der Schmetterlingsart Jakobskrautbär (oder Blut-Bär, Tyria jacobeae) ist auf das Jakobskreuzkraut angewiesen, sie nimmt durch Fraß am Jakobskreuzkraut die giftigen Pyrrolizidin-Alkaloide auf und ist damit für Fressfeinde ungenießbar. Daneben gibt es weitere Gegenspieler und auch spezialisierte Blattrandkäfer oder Saatfliegen. Auch Rostpilze sind in der Lage, die Pflanze zu schädigen. Praxisreife biologische Verfahren sind aber noch lange nicht in Sicht.

Die Entfernung des Jakobskreuzkrautes sollte vorrangig noch vor der Samenreife und möglichst mit Wurzel erfolgen, sonst wäre ein Wiederaustrieb aus den Wurzelresten möglich.

Die Entsorgung herausgerissener oder abgemähter Pflanzen muss dabei zum Ziel haben, möglichst ein erneutes Auskeimen und Wachsen zu verhindern. Als geeignete Maßnahmen für blühende Pflanzen bieten sich vorrangig an:

  • Verbrennen in einer Müllverbrennungsanlage
  • Entsorgung über den Restmüll (Vergärung oder Müllverbrennung)
  • Entsorgung als Bioabfall, sofern ein Verfahren angewandt wird, das eine vollständige Abtötung der Samen gewährleistet, z.B. Vergärung in Biogasanlagen.

Zur Verhinderung einer weiteren Ausbreitung des Jakobskreuzkrautes müssen die Mähflächen unbedingt vor der Blüte geschnitten werden. Verantwortlich für die Pflege solcher Flächen sind in jedem Fall die Bewirtschafter. Bei zu früher Nachmahd bleiben die Pflanzen zu vital. Untersuchungen aus der Schweiz belegen, dass mit mehrmaliger Schnittnutzung, also jeweiligem Schnitt vor der Blüte, das Jakobskreuzkraut zurückgedrängt werden kann. Jede weitere Mahd verhindert, dass erneut austreibende Pflanzen zur Blüte kommen, die Pflanze wird auf diese Weise geschwächst und kann nach einigen Jahren sogar ganzlich verschwinden. Dieser Effekt ist neben der Wiesennutzung auch an Strassenböschungen auszunutzen. Weiden, auf denen Rinder, Pferde, Schafe und Ziegen gehalten werden, müssen regelmäßig auf das Vorkommen der Pflanze untersucht werden. Einer sprunghaften Ausbreitung des Jakobskreuzkrautes kann besonders entgegengewirkt werden, wenn die Flächen als Mähweide genutzt werden. Das heißt, dass regelmäßig zwischen Mahd und Weide gewechselt wird.

Falls diese Maßnahmen ohne Erfolg bleiben, kann unter Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen auch der Einsatz von Herbiziden notwendig werden, der bei Bedarf im etwa 15 cm hohen Rosettenstadium erfolgen kann. Bei zu hohem Besatz und extremer Verdrängung der gewünschten Futterpflanzen empfiehlt sich ein Umbruch mit folgender Neueinsaat.

Auf öffentlichen Grünflächen kann eine örtliche Bekämpfung des Jakobskreuzkrautes im Einzelfall sinnvoll sein, wenn durch die unmittelbare Nähe zu Weideflächen eine Übertragung stattfindet oder zu befürchten ist. Eine Anordnung von geeigneten Maßnahmen gegen eine heimische Pflanzenart muss aber von den zuständigen Behörden (der Kommunen, Landkreise oder Landesbehörden) vor Ort entschieden werden und erfordert auf jeden Fall die Zustimmung der unteren Naturschutzbehörde. Da es sich um eine heimische Art handelt, gibt es im Pflanzenschutzrecht der Europäischen Union (EU) und damit auch im deutschen Pflanzenschutzrecht für die Kontrolle der Verbreitung des Jakobskreuzkrautes keine gesetzliche Regelung. Auch in den Listen der European and Mediterranean Plant Protection Organisation (EPPO), der zurzeit 50 europäische Staaten angeschlossen sind, ist das Jakobskreuzkraut nicht aufgeführt.

Eine Bekämpfung unter Anwendung von Herbiziden (z.B. Simplex 1,5-2,0 l/ha) auf landwirtschaftlich genutzten Flächen unterliegt dem Pflanzenschutzgesetz.

Wer Herbizide zur Eindämmung der Verbreitung einsetzen will, muss sachkundig sein.

Entsprechend § 12 des Pflanzenschutzgesetzes dürfen Pflanzenschutzmittel nur auf Freilandflächen angewendet werden, die landwirtschaftlich, gärtnerisch oder forstwirtschaftlich genutzt werden. Darunter werden die Flächen verstanden, auf denen Kulturpflanzen gesät, gepflanzt oder auf sonstige Weise angebaut werden. Bei der Anwendung von Simplex sind weitere wichtige Anwendungsbeschränkungen zu beachten:

  • nach Behandlung darf keine Beweidung erfolgen (Absterben und Verfaulen des Jakobskreuzkrauts abwarten), auch das Schnittgut abräumen, nicht verfüttern.
  • Futter (Gras, Silage oder Heu) nach Anwendung von Simplex sowie Gülle, Jauche, Mist von Tieren, deren Futter von mit Simplex behandelten Flächen stammt und entsprechende Komposte /Gärreste aus Biogasanlagen, dürfen nur auf Grünland, zu Getreide oder Mais ausgebracht werden und dürfen nur im eigenen Betrieb verwendet werden (keine Weitergabe dieser org. Dünger).
  • Nachbau bei Umbruch: nur Getreide, Grünland, Mais, kein Anbau von Kartoffeln, Ackerbohnen, Feldgemüsearten innerhalb 18 Monaten nach der Anwendung.
  • Auf Pferdeweiden Simplex nur als Horst- /Einzelpflanzenbehandlung oder im Dochtstreichverfahren verwenden.
    Eine Anwendung von Pflanzenschutzmitteln auf anderen Freilandflächen bedarf der Ausnahmegenehmigung durch den Pflanzenschutzdienst. Diese kann nur dann erteilt werden, wenn der angestrebte Zweck vordringlich ist und mit zumutbarem Aufwand auf andere Weise nicht erzielt werden kann und überwiegende öffentliche Interessen, insbesondere des Schutzes von Tier- und Pflanzenarten, nicht entgegenstehen.
    Auf nicht landwirtschaftlich genutzten Flächen (z. B. auch Straßenseitenräumen einschließlich Böschungen) wachsende Bestände des Jakobskreuzkrauts sind als „natürlich“ anzusehen, daher besteht aus naturschutzfachlicher Sicht grundsätzlich keinerlei Veranlassung, Jakobskreuzkraut hier zu bekämpfen. Eine behördliche Anordnung zur Bekämpfung ist daher nach geltendem Recht nicht zu begründen. Daher besteht zurzeit für die zuständigen Behörden der Kommunen und Landkreise Niedersachsens keine Verpflichtung, das Jakobskreuzkraut zu bekämpfen.

Kontakt:
Dr. Dirk Wolber
Leiter Herbologie
Telefon: 0511 4005-2169
Telefax: 0511 4005-2120
E-Mail:


Stand: 30.07.2018