Webcode: 01037002

Anbau von Zweitfrüchten 2020

Die Zeit nach dem Anbau von Wintergetreide-GPS oder Wintergerste kann für die erfolgreiche Etablierung einer ordentlichen Zwischenfrucht genutzt werden. Allerdings stellt sich gerade in diesem Jahr vielen Landwirten und Biogasanlagenbetreibern die Frage, ob nicht auch noch eine Ernte von produktivem Aufwuchs im aktuellen Jahr möglich ist.

Ergebnisse früherer Versuchsserien haben gezeigt, dass auch unter unseren Bedingungen nach dem Anbau von Wintergetreide-GPS theoretisch noch ausreichend Vegetationszeit für den Anbau einer weiteren Biomasse-Kultur bzw. Futterzweitfrucht bleibt. Die wichtigste Voraussetzung, mit der allerdings der Erfolg des ganzen Systems steht und fällt, ist dabei die Wasserversorgung des Standortes! In den letzten beiden Jahren aber auch im Jahr 2016 gab es sehr trockene und niederschlagsarme Sommer, in denen die Etablierung eines ordentlichen Zweitfruchtbestandes auf vielen Standorten unmöglich war. Dieses Risiko muss jeder Landwirt für seinen Standort selbst bewerten, der Anbau birgt aber auch gute Chancen, um Futterlücken im eigenen oder auch anderen Betrieben zu schießen.

Eine Möglichkeit besteht im Anbau einer Getreide-Zweitfrucht, die wiederum als GPS geerntet werden kann. Hierbei haben sich in langjährigen Versuchsserien besonders die Getreidearten Sommertriticale und Sommerhafer bewährt. Züchterische Fortschritte im Bereich dieser Spezialsorten sind in den letzten Jahren in Bezug auf Gesundheit und Ertragspotential erkennbar und vielversprechend.  Neue Triticale- und Hafersorten, speziell für die Nutzungsrichtung GPS, zeigen höhere Erträge als klassische Druschsorten (Sommergetreidesorten für die Kornnutzung). Empfohlene und bewährte Sorten für Sommerhafer-GPS sind z.B. Mephisto PZO und Pinnacle und für Sommertriticale –GPS die Sorten Team PZO und Somtri.

Als optimales Aussaatzeitfenster haben sich langjährig Termine in der ersten Juli-Woche erwiesen. Bei zeitgerechter Ansaat und optimalen Witterungsbedingungen können ausreichende TS-Gehalte von 28 % erreicht werden. Erträge von 60 dt TM / ha sind durchaus realistisch, wenn die Wasserversorgung gewährleistet ist.

Die größte Herausforderung bleiben langandauernde Phasen der Sommertrockenheit, die genau in die Entwicklungsphase mit dem höchsten Wasserbedarf der Pflanzen fallen.

In Versuchen benachbarter Bundesländer hat gerade unter den Extrembedingungen der Versuchsjahre 2018 und 2019 der Hafer mit wasserärmeren und insgesamt schlechteren Wachstumsbedingungen bessere Resultate geliefert als die Sommertriticale. Allerdings zeigte sich in Jahren wie 2017 mit einem vergleichsweise kühlen und nassen Herbst, dass einige Hafersorten auch die zur Silierung erforderlichen TS-Gehalte nicht erreichen konnten, wie das Versuchsergebnis aus Werlte in Grafik 1 belegt. Deshalb kann gerade beim Hafer evtl. ein Anwelken nach der Ernte erforderlich werden.

Aus ökonomischer Sicht sind Saatstärken von 250 – 300 Körner / m² als optimal anzusehen.

Bezüglich des Pflanzenschutzes ist beim Hafer die Anfälligkeit gegenüber der durch Blattläusen übertragenen Haferröte und BYDV zu erwähnen, die u.U. Insektizidmaßnahmen erforderlich machen. Rauhhafer ist prinzipiell auch ansaatwürdig, zu beachten ist allerdings die höhere Lageranfälligkeit.

Außer Getreide – Zweitfrüchten ist auch der Anbau einer Sudangras-Hybride möglich. Hier ist eine sichere Abreife, z.B. bei der sehr frühen Sorte Lussi, gewährleistet.

Auch die in den Versuchen stets mitgeprüften Körnerhirsen erzielten meist ansprechende Erträge, allerdings war es oftmals schwierig, für die Silierung ausreichende TS-Gehalte zu erreichen. Sudangräser und Körnerhirsen lassen sich aufgrund ihres Blausäuregehaltes, der sich beim Silieren nur zum Teil abbaut, allerdings ausschließlich als Biogassubstrat verwenden.

Die Aussaat sehr frühreifer Maissorten bis Anfang Juli ist ebenfalls zur Futtergewinnung möglich. Eine Energiedichte wie bei Mais-Hauptfruchtbeständen ist zwar nicht zu erwarten, jedoch durchaus vergleichbar bis besser als bei anderen Futterzweitfrüchten. Der Erfolg hängt stark von der Wasserversorgung ab, wobei Mais, Sudangras und Körnerhirse gegenüber anderen Kulturen eine sehr hohe Wassernutzungseffizienz aufweisen.

Grünmais wird in der Regel als Frischfutter verwendet und täglich geerntet und direkt gefüttert. Soll Mais bei so späten Aussaatterminen einsiliert werden, muss auch bei spätest möglicher Ernte noch mit nennenswerten Sickersaftmengen gerechnet werden. Ausreichend saugfähige Unterlagen aus rel. trockener Gras- oder Maissilage oder Mischungspartner wie Trockenschnitzel sollten eingeplant werden. Stroh, Heu oder Rapsstroh sind prinzipiell auch geeignet.

Ob sich der monetäre Aufwand lohnt, ist individuell zu prüfen. Bei Aussaatstärken um die 10 Pfl./m² entstehen ähnliche Kosten wie im Hauptfruchtanbau. Auch der Pflanzenschutz kann nicht unterbleiben. Lediglich die Unterfußdüngung kann aufgrund der höheren Temperaturen eingespart werden.

Die Ertragserwartungen sind sehr abhängig von den jeweiligen Witterungs- und Standortbedingungen des Jahres. Erwartet werden können bis zu 30 Tonnen Frischmasse (bei 28 % TS).

Die Zweitfrucht darf nach vorangegangener DBE nach Bedarf gedüngt werden, wobei im Bundesland Niedersachsen kein N-min Wert oder sonstige Korrekturwerte mehr zum Abzug gebracht werden müssen. Dies ist in anderen Bundesländern durchaus anders geregelt.

Pauschal dürfen zur Getreide-Zweitfrucht 80 kg N / ha gedüngt werden, zu Sudangrashybride, Mais und Körnerhirse 100 kg N / ha, bei den jeweils in der Tabelle abzulesenden Standarderträgen.

Die Stickstoffbedarfswerte für die Zweitfrüchte Mais, Hirse und Sudangras wurden in 2020, geltend für das kommende Jahr, angepasst.


Kontakt:
Thekla-Karina Niehoff
Beraterin Energiepflanzen
Telefon: 0511 3665-4207
Telefax: 0511 4005-3207
E-Mail:
Karl-Gerd Harms
Berater Silo- und Körnermais
Telefon: 0441 801-418
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:


Stand: 03.07.2020



PDF: 34162 - 309.8671875 KB   Grafik Zweitfrucht-Getreide   - 310 KB