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Ackergras- und Kleegrasmischungen für das Frühjahr

Der Anbau von Einjährigem oder Welschem Weidelgras als Ackergras oder von einjährigem Kleegras war in den letzten Jahren eher selten. Für 2018 kann der Anbau einjähriger Futterpflanzen allerdings eine sinnvolle Maßnahme zur Sanierung von nässegeschädigten und bislang noch nicht bestellten Feldern sein.

In diesen Beitrag wird der Fokus auf den Anbau von Ackergras- und Kleegrasmischungen gelegt, die vorzugsweise im Frühjahr ausgesät werden.

 

Für 2018 kann der Anbau einjähriger Futterpflanzen allerdings eine sinnvolle Maßnahme aufgrund der nachfolgend genannten Gründe sein:

  1. Vielerorts konnten die nassen Flächen im letzten Jahr nicht bestellt werden.
  2. Die Beerntung von Mais gelang auf einigen Flächen nur mit schwerer Spezialtechnik, was zu argen Fahrspuren führte. Deshalb sind Bodenverdichtungen zu erwarten.
  3. Das als Alternative geplante Sommergetreide konnte –wiederum aufgrund der Nässe-  nicht rechtzeitig gedrillt werden.   

Nicht nur Ackerland, sondern auch Grünlandbestände sind infolge der Schädigungen aus dem nassen Vorjahr zu sanieren. Müssen Neuansaaten auf dem Grünland durchgeführt werden, ist das mit Ertragseinbußen verbunden, da mindestens auf einen Schnitt verzichtet werden muss.

Mit einer Umstellung der Fruchtfolge auf den Anbau von einjährigem Acker- oder Kleegras kann nicht nur viel Ertrag produziert werden, sondern auch die Bodenfruchtbarkeit belebt werden. Als positive Aspekte sind hierbei neben der phytosanitären Wirkung auch die Auflockerung der Bodenstrukturen durch die tiefer wurzelnden Leguminosen zu benennen.

Je nach Region und Betriebszweig wird das Ackergras nicht in jedem Fall als Futtergrundlage benötigt. Kurzfristig bietet sich in diesen Fällen sowohl der Verkauf an Biogasbetriebe an. Auch die Saatgutvermehrung kann in Betracht gezogen werden. Vor allem das Welsche Weidelgras würde für diese Nutzung geeignet sein: in 2018 ausschließlich als Futtergrundlage im vegetativen Stadium genutzt, kann es zur Vermehrung in 2019 noch einen Beitrag leisten.

Speziell zur Frühjahrsaussaat werden im Allgemeinen aber das Einjährige Weidelgras, die Ackergrasmischung A2 und die Kleegrasmischung A6 empfohlen. Das Einjährige Weidelgras kann sowohl in Reinsaat mit nur einer Sorte als auch in Mischung mit zwei bis drei weiteren Genotypen angebaut werden. Wichtig ist, dass die Sortenmischung so zusammengesetzt ist, dass sie in ihrem Entwicklungsverlauf zusammen passen.

Je nach Reifegruppe ist bei Anbau von Einjährigem Weidelgras bereits nach etwa 45 bis 60 Vegetationstagen ein akzeptabler Futteraufwuchs erzielbar. Grundlage für eine optimale Anfangsentwicklung des Bestandes ist neben einer guten Saatbettbereitung auch eine hinreichende Grundnährstoffversorgung des Bodens und eine Stickstoffstartgabe nach Aufgang der Saat von 80 bis 100 kg N/ha. Insgesamt können durch das Feldgras im Ansaatjahr etwa 250 bis 300 kg N/ha aufgenommen werden, je nach Standort und Schnitthäufigkeit.

Die Ackergrasmischung mit der Bezeichnung A2 besteht zu zwei Dritteln aus Welschem Weidelgras und zu einem Drittel aus Einjährigem Weidelgras. Aus Sicht des Futterwertes ergänzen sich beide Grasarten und liefern ein hochwertiges Grundfutter für Milchkühe. Bei Frühjahrsaussaat verbleibt das Welsche Weidelgras im vegetativen Stadium. Das blattreiche Futter ist nährstoffreich und schnell verdaulich. Die für die Rinder notwendige Strukturgrundlage wird vom Einjährigen Weidelgras abgedeckt.

Bedingt durch die Frühjahrsaussaat kann die A2-Mischung nicht so wie Herbstsaaten von der Winterfeuchtigkeit profitieren. Daher sind die Erträge der A2-Mischung stark von den Niederschlägen abhängig.

Gleichfalls eignet sich die Kleegrasmischung A6 speziell für die Frühjahresaussaat. In dieser Mischung wird die A2-Mischung mit entweder 50 % Alexandriner oder 40 % Perserklee ergänzt. Beide Kleearten sind frostanfällig und nur zur Schnittnutzung geeignet. Das bedeutet zum einen, dass diese Mischung nur einjährig genutzt werden kann. Zum anderen darf die Saat wegen der Frostempfindlichkeit beider Kleearten nicht zu früh erfolgen. Die Mischung kann demzufolge auch noch nach einer Winterzwischenfrucht wie Grünroggen oder Welschem Weidelgras angebaut werden.

Der N-Düngebedarf von Klee- oder Leguminosengras richtet sich nach den Leguminosenanteilen im Bestand. Ausgehend von einem Mischbestand mit 50 % Leguminosenanteil in der Mischung und einer 3- bis 4-Schnittnutzung wird ein theoretischer N-Düngebedarf von 200 kg N/ha errechnet, wenn kein zusätzlicher N-Abzug aus der Vorjahresdüngung erfolgen muss. Als Startgabe zur Saat empfiehlt sich eine N-Gabe bis 60 kg N/ha (30 % des Gesamtbedarfes). In dem Zeitraum sind die Knöllchenbakterien noch nicht hinreichend aktiv. So trägt der applizierte Stickstoff anfänglich zur Bestandesentwicklung bei. In den weiteren Aufwüchsen ist eine N-Düngung in Kleegrasbeständen immer von der Bestandsentwicklung selbst abhängig zu machen. Bei einem Klee-Ertragsanteil von 10-30 % sollte die vorgesehene N-Düngung um 50 % gegenüber reinen Grasbeständen reduziert, bei >30 % ganz darauf verzichtet werden.

Der Futterwert des Kleegrases ist vergleichbar gut, wie für die A2-Mischung beschrieben. Zusätzlich wird sich das Futter durch mehr Protein auszeichnen, wenn bei gemäßigter N-Düngung die Kleeanteile hoch sind und die Leguminose noch nicht zur Blüte gekommen ist. Damit lässt sich der Zukauf von Proteinfutter mindern, was sich günstig auf die N-Bilanz auswirkt.

Sortenbewusstsein schärfen

Die Wahl der oben aufgeführten Ackergras- und Kleegrasmischungen ist  einzelbetrieblich zu treffen nach den Gesichtspunkten des Futterbedarfes, der Futterqualität sowie dem Düngungsgeschehen. Neben der Mischung ist zudem auf die Sortenzusammensetzung zu achten. In Niedersachsen sind die Sortenempfehlungen anhand eines Faltblattes kompakt zusammengefasst. Hierbei werden verschiedene Eigenschaften für die Bewertung berücksichtigt, zu denen im Allgemeinen der Ertrag, das Narbenbild und das Auswinterungsverhalten gehören. Da die Rostresistenz für die Futterqualität bedeutsam ist und sich die Sorten hierin zum Teil sehr unterschiedlich darstellen, fließt das Kriterium zusätzlich in die Sortenbewertung ein. Es lohnt sich daher auch aus dieser Sicht, die Zusammensetzung der auf dem Markt angebotenen Mischungen mit der regionalen Sortenempfehlung zu vergleichen.

In Tabelle 2 sind die regional empfohlenen Sorten beispielhaft für das Einjährige Weidelgras zusammengestellt. Weitere Informationen zur regionalen Sortenempfehlung finden Sie im Faltblatt „Qualitätsstandardmischungen für den Ackerfutterbau 2017 / 2018. Dieses, im Oktober 2017 neu aufgelegte Faltblatt können Sie gleichfalls auf dieser Internetseite herunterladen.

Wesentliche Hersteller von Grasmischungen in Niedersachsen lassen ihre Saatgutware im Rahmen der Freiwilligen Mischungskontrolle Niedersachsen kontrollieren, was an dem roten oder magentafarbenen Siegel auf der Sackware zu erkennen ist. Das  Siegel garantiert die Verwendung empfohlener Sorten und die Übereinstimmung von Inhalt und Deklaration.

Fazit

Ackergras- und Kleegrasmischungen sind ertragreich und beleben die Fruchtfolge. Gerade aus dem Blickwinkel der durch die im Vorjahr aufgrund der Nässe geschädigten Ackerflächen ist ein Fruchtartenwechsel zu empfehlen. Zur Frühjahrsansaat stehen insgesamt drei Mischungen zur Verfügung, hiervon zwei Ackergras- und eine spezielle Kleegrasmischung (A6). Bei gleichmäßiger Wasserversorgung über das Vegetationsjahr sind akzeptable Erträge möglich, die trotz Frühjahressaat an das Niveau gut gepflegter Grünlandflächen herankommen können. Die Feinsämereien bedürfen eines feinkrümeligen Saatbettes, um den Aufgang und die Anfangsentwicklung optimal zu gestalten.

 


Achten Sie auf Qualität beim Kauf von Saatgutmischungen

Sowohl für Nach- als auch für Neuansaaten stehen für das Grünland verschiedene Mischungen zur Verfügung. Bei den Qualitätsstandardmischungen handelt es sich um eine bewährte Zusammensetzung der Grasarten. Hier wurden Konkurrenzvermögen und Saatgutanteile genauso berücksichtigt wie die Ansprüche der Tiere für gute Futterqualitäten. Das Siegel der Freiwilligen Mischungskontrolle wird dann vergeben, wenn auch die in den Mischungen enthaltenen Sorten den Empfehlungen des nordwestdeutschen Raumes entsprechen. Wir empfehlen dringend darauf zu achten. Vermehrt sind aktuell andere Angebote auf dem Markt zu bekommen, wo in den Mischungen Sorten enthalten sind, die weder regional noch in Deutschland geprüft wurden.


Kontakt:
Dr. Christine Kalzendorf
Beraterin Grünland, mehrj. Ackerfutterbau und Futterkonservierung
Telefon: 0441 801-428
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:
Dr. Matthias Benke
Leiter Fachbereich Grünland und Futterbau
Telefon: 0441 801-420
Telefax: 0441 801-432
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Stand: 03.04.2018