Webcode: 01033639

Grünlandpflege ist in vollem Gange

Mit geeigneten Pflegemaßnahmen können Grünlandnarben bei zeitgerechter Durchführung lange Zeit ein gutes Ertrags- und Qualitätsniveau halten. Je nach Standort und Nutzung sind die Anforderungen und Möglichkeiten der Grünlandpflege aber unterschiedlich zu bewerten.

Vor dem Hintergrund, dass Grünlandnarbenerneuerungen kostenintensiv und Einschränkungen beim Einsatz glyphosathaltiger Totalherbizide immer häufiger diskutiert werden, ist eine Verlängerung der Nutzungsdauer von Grünlandbeständen sinnvoll. Mit geeigneten Pflegemaßnahmen können Grünlandnarben bei zeitgerechter Durchführung lange Zeit ein gutes Ertrags- und Qualitätsniveau halten. Je nach Standort und Nutzung sind die Anforderungen und Möglichkeiten der Grünlandpflege aber unterschiedlich zu bewerten.

Der Pflege des Grünlandes kommt in diesem Jahr besonders dort hohe Bedeutung zu, wo die Herbstaufwüchse wegen zu feuchter Böden nicht mehr eingefahren werden konnten. Das betrifft grundsätzlich die klassischen Feuchtgrünlandstandorte, in der Regel also die Moorstandorte sowie feuchte Marschböden.

Etliche dieser Grünlandbestände mussten mit zu viel grüner Biomasse den milden Winter überdauern. Ein Schröpfschnitt wäre erforderlich, ist aber in den meisten Fällen nicht mehr durchführbar. Nach der anhaltenden Frostperiode im Februar war die saftige Blattmasse abgefroren und deckt nun, platt am Boden liegend, die Grasnarbe ab (Abbildung 1). Diese abgestorbene Biomasse muss effektiv vom Boden gelöst werden, damit sich die noch vorhandenen Gräser entwickeln können. Ein intensiv arbeitender Striegel oder eine Gliederkettenschleppe (langsame Fahrt) können für diese Arbeit genutzt werden.   Da sich unter den platt am Boden liegenden Pflanzenresten häufig offener Boden zeigt, ist eine Nachsaat hier sinnvoll. Neuansaaten im Frühjahr bergen jedoch besondere Risiken durch Frühsommertrockenheit und starke Verkrautung des ersten Aufwuchses. In der Regel werden die jetzt vorhandenen Lücken bei günstiger Witterung und häufiger Nutzung schon bald kaum noch sichtbar sein. Wenn über eine Neuansaat nachgedacht wird, etwa bei deutlich mehr als 30 % Lückigkeit des Bestandes und starker Verkrautung oder hohem Anteil unerwünschter Gräser, ist eine Erneuerung nach der dritten Nutzung meist die bessere Wahl.

Sandige und höher gelegene Grünlandflächen sind im Gegensatz zu den Feuchtgrünlandflächen oft stark von Wühlmaus- und Maulwurfshaufen geschädigt und müssen mindestens einmal im Frühjahr eingeebnet werden. Hier sind bei normaler Lückenbildung pflegende Nachsaaten in einer Aussaatstärke bis 10 kg/ha angebracht. Die Sämlinge finden, egal ob breit gesät oder gedrillt, auf den breit geschleppten Erdhaufenmaterial optimale Keim- und Wuchsbedingungen. Ein Anwalzen nach der Saat verbessert die Keimbedingungen zusätzlich.

Schäden durch zu hohe Bodenfeuchte im Herbst sind auch in Weideflächen festzustellen. Insbesondere die Trittsiegel des Viehs in feuchten Marsch- und Moorböden sind nun zu beseitigen. Die gute alte Glattwalze, zum passenden Zeitpunkt eingesetzt, ist hier das Mittel der Wahl.  Je nach Bodenfeuchte ist die Walze leer oder mit mehr oder weniger Wasser gefüllt an die verschiedenen Bodenbedingungen anzupassen. Für ein perfektes Arbeitsergebnis ist Schrittgeschwindigkeit (4-6 km/h) zu empfehlen. Auf stark humosen Standorten (Anmoore, Moore) dient das Walzen auch der Optimierung des Wasserhaushalts durch Verbesserung der Kapillarität. Die bei einigen Striegelsaatgeräten angebotenen Walzen sind reine Nachläufer. Sie können das eigentlich notwendige „Anwalzen“ der organischen Böen nicht ersetzen. Außerdem ist die Glattwalze als Standardmaßnahme bei Ansaaten, auch nach flacher Bodenbearbeitung einzusetzen (Abbildung 2).

Nachsaaten mit Bodenbearbeitung

In Verbindung mit dem Einsatz eines Schlegelmulchgerätes kann der Nachsaaterfolg in lückigen Grünlandnarben verbessert werden, indem der Mulcher (Abbildung 3) so eingestellt wird, dass er die obere Narbenschicht abrasiert und die abrasierte (kurzrasige) geringe Gras-Biomasse mit der Erde (Ablageklappen hochstellen) vermischt. Das Verfahren ist zeitaufwändig, da nur bei langsamer Fahrt ein gutes Arbeitsergebnis zu erzielen ist. Es sollte nur bei kurzrasigen Beständen und auf trockenem Boden sowie in Teilflächen ohne Wurzelunkräuter angewendet werden, um nicht eine zusätzliche Verkrautungsproblematik durch Ampfer, Kratzdistel oder gar Jakobskreuzkraut zu provozieren. Samenvorräte dieser Pflanzen werden nämlich durch plötzliches Lichtangebot in Keimstimmung gebracht.

Die Wahl der richtigen Pflegemaßnahme setzt auch Grünlandbegänge zur Kontrolle der Grünlandflächen voraus. Nur so können Fehlentwicklungen erkannt und gezielt gegengesteuert werden.

Zur Pflege des Grünlandes zählen dann auch die selektiven Pflanzenschutzmaßnahmen im Grünland. Manches vermeintliche Verkrautungsproblem, z.B. mit gewöhnlichem Löwenzahn als Platzräuber im ersten Aufwuchs, kann sich im Verlauf der Vegetation relativieren und sollte nicht überbewertet werden. Bei dringendem Bedarf kann frühestens mit dem Erreichen einer ausreichenden vegetativen Blattmasse ein Herbizideinsatz sinnvoll sein. Aufgrund der vorgegebenen Wartezeiten unterschiedlicher Wirkstoffe (7-28 Tage) ist ein Einsatz zum ersten Aufwuchs, je nach vorgesehener Nutzung, daher oftmals schwierig oder nicht mehr möglich. Wenn eine Frühjahrsbehandlung erfolgt, sind die Bestandslücken nach erfolgreicher Behandlung mit geeignetem Saatgut, z.B. einer Qualitätsstandard-Mischung GV (100 % Deutsches Weidelgras) nachzusäen.

Der Einsatz systemisch wirkender Herbizide ist während der Sommermonate meist erfolgreicher, besonders bei den wichtigsten Wurzelunkräutern Stumpfblättriger Ampfer und Ackerkratzdistel.  In Altnarben bietet sich häufig eine Teilflächen- oder sogar Einzelpflanzenbekämpfung an, da die Verkrautungsprobleme nicht gleichmäßig auftreten (vgl. Ausgabe 8: So behandeln Sie Grünland richtig).


Kontakt:
Gerd Lange
Berater Grünland und Naturschutzprogramme
Telefon: 04271 945-224
Telefax: 04271 945-222
E-Mail:
Dr. Christine Kalzendorf
Beraterin Grünland, mehrj. Ackerfutterbau und Futterkonservierung
Telefon: 0441 801-428
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:


Stand: 10.04.2018



JPG: 29768 - 2852.25683594 KB   Abbildung 2 - Glattwalze   - 2852 KB  
JPG: 29769 - 3475.80273438 KB   Abbildung 3 - Mulcher   - 3476 KB