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Die Weidesaison ist eröffnet – worauf ist zu achten?

Die sehr nassen Witterungsbedingungen des vergangenen Herbstes und Winters sind nach wie vor zu beobachten. Grünlandbestände brauchen nun Pflege, um trotz der schwierigen Bedingungen in diesem Jahr genügend Futter in guter Qualität liefern zu können. Die hohen Niederschläge im letzten Jahr haben dazu geführt, dass auf vielen Flächen im Herbst kein Pflegeschnitt mehr möglich war oder sogar auf den letzten Schnitt verzichtet werden musste. Auch die erhoffte „Notlösung“, mit dem Pflegeschnitt auf den ersten Frost zu warten, war häufig erst sehr spät möglich.

Wo Fahrspuren oder starke Trittschäden entstanden sein sollten, gilt es, diese Fehlstellen zeitig zu ebnen und die Lücken durch eine Nachsaat zu schließen, da es innerhalb des Bestandes sonst zu einer Verschlechterung der Grasartenzusammensetzung durch unerwünschte Gräser und Kräuter kommen kann. Neuansaaten sollten auf die Fälle beschränkt bleiben, bei denen entartete Grünlandnarben oder leistungsschwache Bestände nicht mehr durch Nachsaaten verbessert werden können oder Bodenunebenheiten eine Einebnung erforderlich machen.

Ein frühes Beweiden zu Vegetationsbeginn ist hinsichtlich Bestandessteuerung von entscheidender Bedeutung. Neben der Berücksichtigung vorherrschender Boden- und Witterungsverhältnisse sowie dem optimalen Nutzungszeitpunkt des Aufwuchses ist eine gute Planung hinsichtlich der Flächenzuteilung für eine erfolgreiche Weidesaison ausschlaggebend. Ebenso wichtig ist eine gleitende Futterumstellung von einer in der Regel konstanten Winterration auf eine Fütterung mit Gras bei Weidehaltung.          

 

Gleitende Futterumstellung

Der Weideaustrieb und der damit zusammenhängende Futterwechsel bedeutet aus ernährungsphysiologischer Sicht Stress für die Tiere. Problematisch sind im Vergleich zur konstanten Winterration die sich ständig ändernde Nährstoffzusammensetzung des Grases und die nicht vorhersagbaren Verzehrsmengen. Ein abrupter Futterwechsel hin zu ausschließlich jungem strukturarmem Weidegras führt, aufgrund der hohen Verdaulichkeit, der hohen Zucker- und Proteingehalte und des geringen Rohfasergehaltes im Gras, nicht selten zu Verdauungs- und Stoffwechselstörungen. Je nach Witterung und Pflanzenbestand verändern sich Verdaulichkeit, Energie-, Rohprotein- und Rohfasergehalt. Da die Gehalte der Inhaltsstoffe im Weidegras neben Witterung und Bestandeszusammensetzung auch vom Standort und der Düngung abhängig sind, wird eine regelmäßige Analyse des Weideaufwuchses empfohlen, um darauf basierend die Zufutterrationen optimal anpassen zu können.

Die Darmflora der Pferde muss in den ersten vier Wochen sehr vorsichtig auf die Futterumstellung  vorbereitet werden. Eine hohe Rauhfutteraufnahme ist bei Pferden in den ersten Wochen des Anweidens von entscheidener Bedeutung für einen erfolgreichen Start in die Weidesaison. Pferde reagieren sehr empfindlich auf Futterumstellungen. Neben einer hohen Raufutteraufnahme sollte die Kraftfutterzufuhr bei Weidegang reduziert werden. Der Futteraufwuchs typischer Rinderweiden mit hohen Energiegehalten ist für die meisten Pferde zu gehaltvoll.

Ähnlich empfindlich wie Pferde reagieren Rinder und Kühe auf einen zu schnellen Futterwechsel. Junges Weidegras führt nicht selten zu Fermentationsstörungen und zur Pansenübersäuerung. Daher ist auch hier unbedingt ein Ausgleich mit gut strukturiertem Grundfutter, wie zum Beispiel Anwelksilage, Heu oder Futterstroh zu schaffen. Um Pansenfunktionsstörungen und Milchleistungsverluste zu vermeiden, sollten die Kühe zudem für eine Zeit von 2 bis 3 Wochen nur stundenweise geweidet werden. In dieser Zeit müssen sich das Pansenmilieu und insbesondere die Pansenmikroben auf die neue Fütterungssituation einstellen. Nach dieser Umstellungszeit könnte dann die  Stallration schrittweise mit zunehmendem Graswachstum und damit steigendem Anteil an der Gesamtration reduziert werden. Für konstant hohe Milchleistungen füttert dennoch ein Großteil der Betriebe mit Weidehaltung während der Vegetationsperiode Silagen aus Gras und Mais sowie Kraftfutter im Stall zu.

Steuerung der Weideführung

Pferde weiden durch einen deutlich tieferen und selektiveren Verbiss anders als Rinder. Die Anforderungen an Pferdeweiden unterscheiden sich durch die Art der Futteraufnahme ebenso wie durch die unterschiedlichen Ansprüche der Inhaltsstoffe des Grünlandaufwuchses: Pferdeweiden müssen qualitativ hochwertiges und vor allem rohfaserreiches Futter liefern und dem Bewegungsdrang der Pferde genügen. Pferde legen bis zu 20 km pro Weidetag zurück. Dennoch gilt für Pferde- und Rinderweiden der Grundsatz: der Futteraufwuchs muss zum Tierbesatz passen. Gerade auf Pferdebetrieben ist oftmals eine Überbelegung der Flächen zu beobachten, da Weidefläche knapp ist. 

Die Art des Weidesystems und die Intensität der Weidenutzung beeinflussen die Zusammensetzung des Pflanzenbestandes, das Ertragspotential, die Höhe der Weideverluste sowie die Futterqualität- und aufnahme und damit die Leistung der Tiere unterschiedlich stark. Eine Überweidung durch zu hohen Tierbesatz wirkt sich folglich nachteilig auf die Narbenqualität, die Futteraufnahme und damit auf die Leistung der Tiere aus. Eine zu geringe Besatzdichte (Zahl der gleichzeitig auf einer Fläche aufgetriebenen Tiere) führt andersherum zu überständigen Weideresten und dem Verlust der Futterqualität sowie zur Verschlechterung der Narbe durch Verunkrautung.

Futterflächenbedarf

Pferden sollte eine Fläche von etwa 0,25 ha je Pferd (bei Tagesweide) bis 0,5 ha/Pferd (bei Vollweide) zur Verfügung stehen. Als Faustzahl für die Flächenbemessung gilt: mindestens 100 m2 pro Pferd und Weidetag, an Regentagen zur Minimierung von Trittschäden auch bis zu 150  m2 pro Tier und Tag. Der tatsächliche Flächenbedarf unterliegt allerdings je nach Bestandeshöhe und Futterqualität, der Grase­zeit sowie dem Futterbedarf (Gewicht der Tiere) starken Schwankungen (vgl. Tabelle 1). Die Aufwuchshöhe bei Auftrieb sollte 10 bis 15 cm betragen.

Weidehygiene

Die Einhaltung weidehygienischer Aspekte spielt im Rahmen der Parasitenprophylaxe eine entscheidende Rolle. Weideparasiten beeinträchtigen Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Weidetiere, die besonders in nassen Jahren auftreten können. Feuchtbiotope, als beliebte Brutstätte für Weideparasiten, sind konsequent, auch wegen des vermehrten Auftretens schädlicher Pflanzen, auszuzäunen. Eine regelmäßige Schnittnutzung mindert die Ansteckung mit parasitären Larven.

Der Wechsel von Weide- und Schnittnutzung (Mähweide) wirkt sich zudem vorteilhaft auf den Pflanzenbestand, den Ertrag und die Qualität des Weidefutters aus. Weideverluste werden reduziert.

Wasserversorgung

Weiterhin ist auf eine qualitativ und quantitativ ausreichende Wasserversorgung auf den beweideten Flächen zu achten. Wasser ist das preiswerteste Futtermittel und muss auf jeder Weide für jedes Tier frei zugänglich sein. Der Wasserbedarf kann pro Kuh je nach Temperatur und Milchleistung im Sommer bis zu 150 Liter und mehr betragen. Pferde trinken im Durchschnitt, in Abhängigkeit von Lebendmasse, Klima, Leistung und physiologischen Zustand, zwischen 30 bis 60 Liter Wasser pro Tag. Hygienisch einwandfreies Tränkewasser findet man kaum in Gewässern oder Gräben, sondern vielmehr im Brunnen-oder Leitungswasser. Die Aufnahme des Tränkewassers aus Gräben erhöht das Infektionsrisiko der Tiere mit Parasiten und anderen Krankheitskeimen um ein Vielfaches.

Zusammengefasst:

  • In diesem Frühjahr brauchen die Grünland- bzw. Weideflächen besondere Pflege nach dem nassen Winter. Pflegemaßnahmen und regelmäßige Nachsaaten sind für hohe Futterqualitäten entscheidend.
  • Ein früher Start in die Weidesasion mit Beginn der Vegetationsperiode bietet viele Vorteile bei Einhaltung ernährungsphysiologischer, tiergerechter und pflanzenbestandsregulierender Aspekte im Rahmen einer guten Weidewirtschaft.
  • Ein langsames Anweiden über 3 bis 4 Wochen sollte bei ausreichendem Strukturausgleich durch hochwertiges Heu oder Futterstroh und bedarfsangepasster Zufütterung durch Kraftfutter, insbesondere in der Phase des Anweidens, beachtet werden.
  • Der Tierbesatz muss zur Weidefläche passen. Die Weideflächen dürfen nicht überstrapaziert werden.
  • Der Zugang zu sauberem Tränkewasser in ausreichender Menge und guter Qualität sollte selbstverständlich sein.

 

Anweiden im Frühjahr: Vorsicht bei Hufrehe

Neben der Gefahr von Koliken wegen zu geringer Rohfasergehalte bei zu schnellem Anweiden, beeinflussen Menge und Zusammensetzung des Weidefutters auch deren Gehalt an Eiweiß und leicht löslichen Kohlenhydraten. Zu den Kohlehydraten zählen auch die Fruktane, welche zu den Mehrfachzuckern gehören. Fruktane können für die häufig auf Frühjahrsweiden auftretende, fütterungsbedingte Hufrehe beim Pferd verantwortlich sein.

Folgende Zusammenhänge sollten in diesem Zusammenhang berücksichtigt werden:

  • Der erste Aufwuchs, bei Weidenutzung auch mehrere hintereinander folgende  Frühjahrsaufwüchse, enthalten mehr Fruktan als die späteren Sommer- und Herbstaufwüchse.
  • Der Fruktangehalt ist umso höher, je intensiver die Globalstrahlung und je tiefer die  Nachttemperaturen sind.
  • Abgeweidete Pferdeweiden und Mahdflächen weisen in den verbliebenen Restaufwüchsen höhere Fruktangehalte auf als blattreicheres Futter. Fruktan reichert sich vorwiegend in der Stängelbasis an. Zwischen Schnittnutzung bzw. Mahd und Wiederauftrieb der Pferde sollte so lange gewartet werden, bis das Gras eine Wuchshöhe von ca. 10 cm erreicht hat, da der Fruktangehalt aufgrund des Verdünnungseffektes im Mittel innerhalb des Halmes abnimmt. Folglich steigt die Gefahr der Hufreheerkrankung bei Weidegang auf frisch abgemähten Flächen.
  • Artspezifische Unterschiede im Fruktangehalt der Gräser sind vorhanden. Weidelgräser enthalten in der Regel höhere Fruktangehalte als andere Grasarten. Der Weidelgrasanteil in Ansaatmischungen sollte eher gering sein und 30 % nicht übersteigen. Weidelgräser vertragen hohe Trittbelastungen und einen tiefen Verbiss sehr gut und sind dadurch für Weideflächen anteilig sehr geeignet.
  • Durch entsprechende Formulierung der Ansaatmischung für Pferdeweiden kann der Hufreheerkrankung bei gesunden Pferden vorgebeugt werden, aber:
  • Hufreheprophylaxe, bei bereits an Hufrehe erkrankten Tieren, kann nur mit einem strengen Fütterungs- und Weidereglement bis hin zum totalen Weideverbot einhergehen.

 


Kontakt:
Felicitas Kaemena
Beraterin Grünland
Telefon: 04401 82956-12
Telefax: 04401 82956-11
E-Mail:
Dr. Matthias Benke
Leiter Fachbereich Grünland und Futterbau
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Stand: 25.04.2018