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Ackergras und Grünland warten auf den Mai

Mit dem vorliegenden ersten Bericht zur Entwicklung der Feldgrasbestände sowie ersten Ergebnissen von ausgewählten Grünlandstandorten starten wir in die Gras-Erntesaison 2018.

 

Für die Verwertung in grasbetonten Milchviehrationen wird empfohlen, die Aufwüchse in einem Bereich zwischen 21% und bis 24 % Rohfaser (XF % i.TM) sowie bei mindestens 15% Rohprotein (XP % i.TM) in der Trockenmasse möglichst schmutzfrei zu ernten, um in der Grassilage hohe Energiegehalte (> 6,3 MJ NEL/kg TM) für die Milcherzeugung zu erreichen. Mit der Reifeprüfung für die Silierreife des ersten Aufwuchses von Ackergras- und Grünlandbeständen bietet die Landwirtschaftskammer Niedersachsen ihren Milchviehbetrieben eine Orientierunghilfe für die Terminwahl der Grassilageernte.

Da der Witterungsverlauf ab dem Vegetationsbeginn (200 °C Temperatursumme) entscheidenden Einfluss auf die Ertragsbildung und die Rohfasereinlagerung hat, nutzen wir ein Prognosemodell des Deutschen Wetterdienstes (DWD) zur Abschätzung dieser Entwicklung. Wöchentliche Probeschnitte an 5 Ackergras- und 16 Dauergrünlandstandorten ermöglichen in Zusammenarbeit mit dem DWD eine Vorhersage der Ertragsbildung sowie der Rohfaser- und Rohproteinbildung für eine Woche im Voraus. Die Standorte und Klimaregionen sind in Abbildung 1 grafisch übersichtlich dargestellt.

Start in die Erntesaison

Am 18. April wurden insgesamt 5 Feldgrasbestände in den Regionen Küste (1), Hannover-Braunschweig (1) und westliches Niedersachsen (2) beprobt. Die Ergebnisse der Futterwertanalysen durch die LUFA Nord-West und die Prognose der Ertrags- und Qualitätsentwicklung bis Freitag 27. April sind in Tabelle 2 dargestellt. Neben den Praxisschlägen wurde auf dem Versuchsfeld in Wehnen bei Oldenburg ein Feldgrasbestand im Landessortenversuch beprobt. Die sehr günstigen Bedingungen und die Sortenwahl ermöglichten hier mit 27,7 dt TM/ha eine deutlich stärkere Ertragsentwicklung. Der Standort wird daher nicht in die allgemeine Mittelwertprognose übernommen, soll aber stellvertretend für sehr früh entwickelte Feldgrasbestände mit berichtet werden.

Ergebnisse zum Ackergras

Nach einem verhaltenen Frühlingsstart hat die Vegetation ab Mitte April bei sommerlichem Wetter stark aufgeholt. In der vergangenen (16. KW) Woche konnten insbesondere die Ackergrasbestände bei Temperaturen >20 °C bereits Ertrag bilden. Bei Aufwuchshöhen unter 30 cm (23 – 29 cm) erreichten die Feldgrasbestände 10,6 dt (Küste) bis 17,7 dt (westliches Niedersachsen) Trockenmasseertrag. Eine Reifeentwicklung ist bei Rohfasergehalten von 18-19 % ebenfalls erkennbar. Die Rohproteingehalte sind mit 28-34,4 % XP i.TM noch sehr hoch und lassen für die weitere Entwicklung noch eine deutliche Abnahme bei hohen Energiegehalten zu.

Wachstumsprognose

Aufgrund der weiterhin günstigen Niederschlags- und Temperaturverhältnisse ist mit einem raschen Wachstum in der 17. Kalenderwoche (23. – 29. April) zu rechnen. Der Ertragszuwachs beträgt nach der Prognose des DWD in den drei Klimaregionen täglich etwa 1,0 dt TM (Küstenregion) bzw. bis 1,3 dt TM (Westliches Niedersachsen) je Hektar. Erntereif sind diese Bestände dann noch nicht, denn die Rohfasergehalte werden am Ende der Woche erst bei knapp 20% in der Trockenmasse liegen. Auch die vorhersehbaren Rohproteingehalte sind mit 24,3% (westliches Niedersachsen) bis 30,7 % (Hannover-Braunschweig) zu hoch, die Zuckeranteile (Z/PK-Quotient) dementsprechend zu niedrig für einen guten Gärverlauf. Der Anteil von NPN-Verbindungen wie dem Nitrat ist bei diesen Gehalten vermutlich auch sehr hoch. Im Verlauf der ersten Maiwoche wird dann, wenn die Witterung weiterhin günstig bleibt und kein erneuter Kälteeinbruch folgt, mit der Feldgrasernte begonnen werden. Genaueres wird nach dem erneuten Probeschnitt und der darauf basierenden Prognose des DWD am kommenden Montag berichtet.

Geringe Entwicklung der Grünlandvegetation

Für das Dauergrünland wurden am 18. April zwei Standorte stellvertretend für ihre Klimaregion beprobt: für die Klimaregion Küste in Butjadingen (Wesermarsch, toniger Lehm) und für das nördliche Niedersachsen ein Praxisstandort bei Bremervörde (Rockstedt, humoser Sand). Die Ergebnisse sind in der Tabelle 3 dokumentiert: bei Aufwuchshöhen von 5-17 cm sind die Grünlandbestände noch sehr unterschiedlich in ihrer Entwicklung. Auch die Ertragsentwicklung ist sehr differenziert und schwankt von 3,4 dt/ha in der Wesermarsch bis 7,5 dt/ha Trockenmasse im nördlichen Niedersachsen.

Die ermittelten Rohfasergehalte lagen am 18. April allgemein noch bei 15 % (14,0 bis 17,1 XF % i.TM) und die Eiweißgehalte deutlich über 25% (XP % i.TM 30,3 bis 27,4). Die Entwicklung der Grünlandbestände wird voraussichtlich erst im Mai deutlicher zulegen. Ergebnisse zum Dauergrünland von 16 Standorten aus 6 Klimaregionen sowie eine Prognose der weiteren Entwicklung für die erste Maiwoche veröffentlichen wir in der kommenden Woche.

 


Kontakt:
Gerd Lange
Berater Grünland und Naturschutzprogramme
Telefon: 04271 945-224
Telefax: 04271 945-222
E-Mail:
Dr. Matthias Benke
Leiter Fachbereich Grünland und Futterbau
Telefon: 0441 801-420
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:


Stand: 25.04.2018



PDF: 29853 - 281.48828125 KB   Standortkarte 2018   - 281 KB  
PDF: 29854 - 33.7373046875 KB   Ackergras Tabelle 1 - 3   - 34 KB