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Perfekter Siliermitteleinsatz zur Grassilagebereitung

Auch unter der gegenwärtigen wirtschaftlich schwierigen Situation in Futterbaubetrieben sollte auf den Einsatz wichtiger Betriebsmittel zur Grundfutterproduktion nicht verzichtet werden. Es kommt jetzt insbesondere darauf an, gutes Grundfutter mit hoher Qualität und geringen Verlusten zu produzieren. Der Zusatz an Siliermitteln darf als lohnenswerte Möglichkeit zur Verbesserung der Silagequalität, der Schmackhaftigkeit und damit auch der Futteraufnahme betrachtet werden. Lesen Sie im Folgenden, was für die Anwendung zu beachten ist, damit Siliermittel optimal wirken können.

 

Jetzt den Siliermitteleinsatz planen

Mit den ersten warmen Tagen kam das Wachstum sichtbar in Gang. Die ersten Pflegearbeiten auf dem Grünland sind abgeschlossen. Noch ist Zeit, die Siliersaison vorzubereiten. Lassen Sie Revue passieren, ob im letzten Jahr alles nach Plan gelaufen ist und ob Sie mit der Silagequalität zufrieden sind. Kalkulieren Sie für dieses Jahr die unbekannten Größen ein. Bedenken Sie in ihrer Planungsarbeit zudem den Siliermitteleinsatz ein. Dies gilt auch, wenn für Sie Siliermittel nur für Schlechtwetterphasen in Frage kämen. Welches Mittel soll mit welcher Aufwandmenge eingesetzt werden? Wie ist es zu applizieren? Gibt es spezielle Hinweise für das Siliermittel, welche die Verschlusszeit des Silos, die Verfütterung oder die Handhabungsweise bei der Anwendung betreffen? Werden Siliermittel richtig angewandt, kann auch mit der zugesicherten Wirksamkeit eines DLG-geprüften Produktes gerechnet werden.

Zu häufigen Fragen aus der Praxis soll im Folgenden eingegangen werden.

Ob sich der Einsatz wirklich lohnt, ist in eine oft gestellte Frage. Die Antwort muss etwas differenzierter ausfallen. Prinzipiell wird ein DLG- Gütezeichen für Siliermittel nur dann vergeben, wenn nachweislich deutliche Verbesserungen im Vergleich zur unbehandelten Silage nachweisbar waren. Die Verbesserungen können sowohl die Gärqualität als auch die aerobe Stabilität betreffen. Mehr Details dazu lesen Sie auf unserer Internetseite im Beitrag „Siliermittel für Grassilagen – Wirkungsweise und Einsatzempfehlungen“. Tabelle 1 gibt einen Überblick über die von der DLG vergebenen Gütezeichen inklusiv der Wirkungsrichtungen von Siliermitteln.

Derartige DLG-Prüfungen werden vorrangig im Labormaßstab vorgenommen. Dass die Übertragbarkeit für die Praxis durchaus gegeben ist, belegen alljährlich die Bestplatzierten des Silagewettbewerbes. Die Mehrzahl der Preisträger des Silagewettbewerbes integrieren Siliermittel als festen Bestandteil in ihrem Produktionsverfahren. Die guten Gärqualitäten dieser Silagen sind daher kein Zufall. Der Silierzusatz erfolgt in den Betrieben hinsichtlich der Produktauswahl und der Applikation als eine gut geplante und durchdachte Maßnahme.

Der Silagewettbewerb ist damit auch Beleg, dass die Wirkungen nicht nur im Labormaßstab sondern auch in der Praxis nachweisbar sind. Die Wirtschaftlichkeit des Siliermitteleinsatzes kann gleichfalls anhand von Kalkulationen nachgewiesen werden. Hierbei gelten zwei allgemeine Regeln:

  1. Je ungünstiger die Siliersituation ist, desto lohnenswerter ist die Siliermittelanwendung.
  2. Die Wirtschaftlichkeit des Siliermittelzusatzes steigt aber auch unter guten Silierbedingungen, wenn neben der Verbesserung der Gärqualität oder der aeroben Stabilität zusätzlich eine Leistungssteigerung im Stall hinzukommt (Milch- oder Mastleistung).

Auch die erhöhte Grundfutteraufnahme der Silage durch eine bessere Schmackhaftigkeit einerseits und den geringeren Nährstoff- und Trockenmasseverlusten andererseits tragen zur Wirtschaftlichkeit bei. Mehr Milch aus dem Grundfutter kommt auch der Düngeverordnung im Allgemeinen und der Stoffstrombilanz im Speziellen zugute, denn es kann der Zukauf an Ergänzungsfutter reduziert werden.

Wetter schlecht – was einsetzen?

Wird der Anwelkgrad nicht erreicht und ein Trockenmassegehalt von 25 % für den überwiegenden Teil des Siliergutes unterschritten, kann die Silierung durch chemische Silierzusätze mit dem DLG-Gütezeichen in der Wirkungsrichtung 1a noch in die richtigen Bahnen gelenkt und Fehlgärungsprozesse verhindert oder zumindest das Ausmaß der unerwünschten Buttersäuregärung reduziert werden. Bei den chemischen Produkten handelt es sich um Siliersalze in flüssiger oder granulierter Form. Mit der speziellen Wirkstoffzusammensetzung werden in der Anfangsgärphase unerwünschte Gärorganismen wie den Buttersäurebakterien unterdrückt. Damit bekommen die Milchsäurebakterien im Gärprozess einen zeitlichen Vorsprung. Wenn diese den pH-Wert durch die Milchsäurebildung weit genug absenken, bleiben unerwünschte Gärkeime nachhaltig inaktiv.

Entscheidend ist bei der wirkungsvollen Anwendung, dass die Aufwandmenge homogen in den Gutstrom gelangt. Mehr Informationen lesen Sie im Textkasten. Im Allgemeinen sind Aufwandmengen von 3 bis 4 Litern je Tonne Frischmasse einzubringen. Es bedarf also Dosiergeräte mit leistungsfähigen Pumpen. Vor dem Hintergrund ist auch die Planung und Absprache mit den Lohnunternehmern im Voraus wichtig.

Wird bereits ein Anwelkgrad erreicht, der zwischen 25 bis etwa 30 % TM liegt, dann können spezielle homofermentative Impfkulturen zur Anwendung kommen. Das DLG-Gütezeichen in der Wirkungsrichtung 1b ist ein Hinweis dafür, dass es sich um geeignete biologische Siliermittel handelt. In diesem skizzierten Anwendungsfall liegt der Trockenmassegehalt immer noch im Grenzbereich zwischen schwer und mittelschwer vergärbarem Siliergut. Hierbei kommt es bei der Silierung darauf an, den Pflanzenzucker rasch und effizient zu einer bevorzugten Milchsäuregärung umzuwandeln. Deshalb sollten für diesen Einsatzbereich noch keine heterofermentativen Milchsäurebakterien integriert sein. Fragen Sie bei dem Verkäufer Ihres Vertrauens speziell nach Milchsäurebakterienpräparaten nach, die nur homofermentative Kulturen enthalten.

Welches Produkt bei guten Witterungsbedingungen?

Die Wirkungsrichtung 2 steht für die Verbesserung der aeroben Stabilität. Die Erwärmung der Silagen ist ein vorrangiges Problem für gut angewelkte Silagen. Hier ist bei der Produktwahl nachfolgende Vorgehensweise zu empfehlen: Siliermittel mit DLG Gütezeichen in den Wirkungsrichtungen 1b oder 1c und 2 sind bevorzugt bei optimalen Anwelkgrad anzuwenden. Das können chemisch-biologische Kombinationen sein oder auch ein reines biologisches Produkt. Wird aber der gewünschte Anwelkgrad schon weit überschritten (>45 % TM) dann sind Siliermittel auf der Basis von ausschließlich heterofermentativen Milchsäurebakterien oder einem geeigneten chemischen Zusatz mit dem DLG Gütezeichen der Wirkungsrichtung 2 bevorzugt anzuwenden. 

Fazit

Gute Planungsarbeit im Vorfeld gehört prinzipiell zu einem allgemeinen Grundsatz für die wirkungsvolle Anwendung von Siliermitteln. Achten Sie bei dem Kauf auf das DLG Gütezeichen, denn es ist Beleg für den Einsatzbereich. Die oben aufgeführten Einsatzempfehlungen machen deutlich, dass die Produktauswahl des Siliermittels je nach Witterungssituation zu treffen ist. Sprechen Sie demzufolge im Voraus mit dem Händler Ihres Vertrauens und klären Sie, welche Mittelpalette zur Verfügung steht und ob für spezielle, nicht geplante Siliersituationen noch ein Umtausch des Produktes möglich ist. Kündigen Sie Ihrem Lohnunternehmer den Siliermitteleinsatz an, weisen Sie ihn auf die Notwendigkeit eines passenden Dosiergerätes hin und machen Sie ihn auf die zu applizierenden Aufwandmengen aufmerksam. Neben dem Siliermittelzusatz sind gut gepflegte und vor allem Weidelgras betonte Grasbestände von Vorteil für eine gute Silierung. Die zuckerreichen Weidelgräser sind die Basis dafür, dass hinreichende Milchsäuremengen gebildet werden und damit ein konservierend wirkender pH-Wert im Futterstapel entstehen kann. Eine Übersicht über alle Siliermittel mit DLG-Gütezeichen finden Sie gleichfalls auf unserer Homepage. Der tabellarischen Übersicht sind neben den Siliermitteln und ihren Wirkungen auch die Preise sowie die Anwendungsform (Granulat- oder Flüssigapplikation) zu entnehmen.

 

Mit Dosiergeräten die gleichmäßige Dosierung im Futterstrom sichern

Neben der richtigen Mittelwahl sind für den optimalen Wirkungseffekt von Siliermitteln eine gleichmäßige Verteilung des Produktes im Futterstapel und die Beachtung der vom Hersteller empfohlenen Anwendungsmenge von hoher Bedeutung.

Für die Applikation von Siliermitteln in flüssiger oder in granulierter Form steht eine entsprechende Auswahl von Dosiergeräten zur Verfügung.

Am Feldhäcksler kann das Siliermittel über Düsen direkt vor dem Einzug in die Häckseltrommel oder am Auswurfkrümmer appliziert werden. Da biologische Siliermittel keine hohen Temperaturen vertragen, ist darauf zu achten, dass sich die gebrauchsfertigen Siliermittelsuspensionen nicht durch maschinelle Abwärme erhitzen. Am Ladewagen oder bei Rundballenpressen erfolgt die Beimengung des Siliermittels zumeist oberhalb der Pick- up.

Je nachdem, ob vorzugsweise flüssige oder streufähige Siliermittel zur Anwendung kommen, bedarf dies einer unterschiedlichen Dosierungstechnik.

Zum Beimpfen des Futters mit Milchsäurebakterien sind nur geringe Aufwandmengen zwischen 1 bis 2 Liter je Tonne erforderlich. Hingegen werden für den richtigen Einsatz von chemischen Siliermitteln deutlich höhere Dosierungen von bis zu 6 Liter je Tonne (bzw. kg / Tonne FM) benötigt. Demzufolge muss die Pumpleistung des Dosiergerätes entsprechend variabel sein, wenn beide Produktgruppen zum Einsatz kommen sollen. Auch das gilt es bei der Auswahl von Dosiergeräten zu bedenken.

Seit einigen Jahren bieten einige Hersteller von Dosiergeräten auch technische Applikationsformen für Milchsäurebakterien an, die mit extrem geringen Aufwandmengen arbeiten. Mit so genannten“ ULTRA Low Volume (ULV) Dosiergeräten“ ist es möglich, anstatt der herkömmlichen Dosierung von 1 bis 2 Litern Bakterienlösung je Tonne Frischmaterial nur noch circa 250 ml und weniger eines Bakterienkonzentrates je Tonne einzusetzen. Um bei diesen Minimalmengen noch eine akzeptable Dosierung zu ermöglichen, bedarf es nicht nur geeigneter technischer Komponenten wie Spezialzerstäuber und Präzisions-Dosierpumpen sondern auch einer Kontrolle der erzielten Aufwandmenge. In der Praxis hat sich zur Ermittlung der exakten Aufwandmenge des Siliermittels die Wägung von mindestens drei Silierwagen und die Bemessung des Siliermittelverbrauches bewährt. Unterdosierungen können den Effekt des Siliermittels einschränken. Aber auch Überdosierungen sind zu vermeiden, denn es ist kein zusätzlicher Wirkungseffekt zu erwarten. Beide Fälle, Unter- und Überdosierungen sind wirtschaftlich nicht sinnvoll.

 


Kontakt:
Dr. Christine Kalzendorf
Beraterin Grünland, mehrj. Ackerfutterbau und Futterkonservierung
Telefon: 0441 801-428
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:
Dr. Matthias Benke
Leiter Fachbereich Grünland und Futterbau
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Telefax: 0441 801-432
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Stand: 25.04.2018