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Grünlandreifeprüfung 2018 - Grasernte rückt näher

Der Mai ist gekommen und die Grasernte rückt näher. Das Ackergras erreichte am Wochenende bereits die frühe Schnittreife und auch die ersten Grünlandbestände könnten, je nach Standort und Klimaregion bald einsiliert werden.

 

Für die Verwertung in grasbetonten Milchviehrationen wird empfohlen, die Aufwüchse in einem Bereich zwischen 21% und bis 24 % Rohfaser (XF % i.TM) sowie bei mindestens 15% Rohprotein (XP % i.TM) in der Trockenmasse möglichst schmutzfrei zu ernten, um in der Grassilage hohe Energiegehalte (> 6,3 MJ NEL/kg TM) für die Milcherzeugung zu erreichen. Wöchentliche Probeschnitte an 5 Ackergras- und 16 Dauergrünlandstandorten ermöglichen in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Wetterdienst in Braunschweig (DWD) eine Vorhersage der Ertrags- sowie der Rohfaser- und Rohproteinbildung für eine Woche im Voraus.

Start in die Erntesaison

Am 25. und 26. April wurden erstmals alle 21 Standorte in Niedersachsen beprobt. Die 5 Ackergrasstandorte und 16 weidelgrasbetonten Dauergrünlandbestände profitierten von einem sehr frühlingshaften April mit günstigen Niederschlägen bei zeitweise sommerlichen Temperaturen. Die Ergebnisse der Futterwertanalysen durch die LUFA Nord-West und die Prognose der Ertrags- und Qualitätsentwicklung bis Donnerstag 03. Mai sind in Tabelle 1 dargestellt.

Ergebnisse zum Ackergras

In der vergangenen (17. KW) Woche erreichten die Ackergrasbestände bei mittleren Aufwuchshöhen von 40 cm (32 – 54 cm) ein mittleres Ertragsniveau von knapp unter 30 dt TM/ha. Mit 32 dt TM/ha war der Standort im Emsland noch der ertragsstärkste auf einem Praxisschlag. Der höchste Ertrag wurde mit 38,7 dt TM/ha in einem Sortenversuch der Landwirtschaftskammer in Wehnen bei Oldenburg erzielt.

Die Roheiweißgehalte lagen mit 21,5 bis 24,7% (XP % i.TM) in einem aus Sicht der Konservierungseignung etwas erhöhten Bereich, während die Rohfaserwerte mit 22,3 bis 22,6% (XF%i.TM) bereits die allgemeine Silierreife anzeigten.

Siloreife bei Ackergras erreicht

Die Ackergrasbestände Welsches Weidelgras können in allen Regionen in Niedersachsen ab Anfang Mai bei Rohfasergehalten von 23-25 % (XF%i.TM) mit sehr günstigem Eiweißgehalt von ca. 18 bis 21%  (XP%i.TM) geerntet werden.

Stand der Grünlandvegetation

Für das Dauergrünland wurden in der zurückliegenden 17. Kalenderwoche alle 16 Standorte beprobt. In den Klimaregionen Nordöstliches Niedersachsen (Region III) und Weser-Leine Bergland (Region V) wurde jeweils nur ein intensiv geführter, weidelgrasreicher Grünlandbestand untersucht. In den weiteren Klimaregionen sind entsprechend der dort größeren Bedeutung des Intensivgrünlandes jeweils zwei bis fünf Standorte vertreten (vgl. Standortkarte)

Auch die Grünlandbestände sind bereits sehr weit vorangeschritten, allerdings auch sehr differenziert, je nach Einzelstandort. Die Ernte rückt bereits näher an die ersten Maiwochen heran als wir noch vor zwei Wochen gedacht haben. Es wurden im Mittel 17,7 dt TM/ha bei 19,2 % Rohfaser (XF%i.TM) und 25,6 %  Roheiweiß (XP%i.TM) erreicht. Es zeigt sich aber eine deutliche Abhängigkeit von dem Einzelstandort und dem Düngungszeitpunkt (N mineralisch und organisch). Moorstandorte sind deutlich später in der Entwicklung als Geeststandorte und leicht erwärmbare Böden. In den einzelnen Regionen war der Bestand im südlichen Niedersachsen (Weser-Leine Bergland) mit 24,8 dt TM/ im Vergelich mit anderen Regionen (<20 dt TM/ha) sehr weit entwickelt.  Geringes Ertragsniveau zeigten vor allem  die Standorte in den Klimaregionen II (nördliches Niedersachsen, 13,7 dt TM/ha) und III (nordöstliches Niedersachsen, 14,4 dt TM/ha). Die ermittelten Rohfasergehalte (XF) lagen am 26. April noch unter 20 % i.TM und die Eiweißgehalte (XP) deutlich über 25% i.TM.

Ernteprognose für das Dauergrünland

Der Deutsche Wetterdienst hat für die erste Maiwoche weiterhin Niederschläge und  mittlere Tagestemperaturen von nur 11-12°C angekündigt. Darauf basiert auch die aktuelle Prognose für das Grünland bis zum 3. Mai 2018. Zur >Einordnung der Prognose ist folgendes zu beachten: bei unseren ersten Probeschnitten ergibt sich aufgrund der geringen Stoppelhöhe bei hohem Blattmasseanteil eine tendenziell eher geringe Schnitthöhe von etwa 4 cm. Die in der Praxis anzustrebende Schnitthöhe liegt in der Regel über diesem Niveau, so dass die hier angegebenen Werte für die aktuelle Woche bei normaler Schnitthöhe (6-8 cm) auch paar Tage später als angegeben noch erreicht werden.

Bei täglichen Ertragszuwächsen von 1,2 bis 1,6 dt TM/ha in den Regionen wird nun von einer Zunahme des Rohfasergehaltes um etwa 0,2 % (XF%i.TM) und einem Rückgang des Eiweißgehaltes (XP%i.TM) von -0,4 % täglich ausgegangen.

Für das Grünland in der Region Hannover Braunschweig (2 Standorte) werden zum Termin 3. Mai bereits 22,6% Rohfaser i.TM bei sehr günstigen 20 % Rohprotein i.TM vorausgesagt. Hier kann unter sehr günstigen Bedingungen bereits am Wochenende (4. – 6. Mai) mit der Grünlandernte für eine energiereiche und eiweißbetonte Grassilage begonnen werden. Auch im westlichen Niedersachsen kann bei geringer Schnitthöhe für einzelne Standorte bereits mit Rohfasergehalten von >21% (XF%i.TM) gerechnet werden, allerdings bei erhöhten Eiweißgehalten von deutlich >20 % (XP%i.TM). Leicht erwärmbare Standorte mit rechtzeitig durchgeführter Grünlandpflege sowie organischer und mineralischer Düngung sind hier im Vorteil.

Die weiteren Regionen an der Küste sowie im nördlichen, nördöstlichen und südlichen (Weser Leine Bergland) Niedersachsen erreichen die allgemeine Siloreife wahrscheinlich erst in der zweiten oder zu Beginn dritten Maiwoche. Auch die hohen Eiweißgehalte erlauben es dort, noch in Ruhe unsere weitere Berichterstattung in der 19. Kalenderwoche mit aktuellen Ergebnissen vom 3. Mai und einer Prognose bis 11. Mai abzuwarten.


Kontakt:
Gerd Lange
Berater Grünland und Naturschutzprogramme
Telefon: 04271 945-224
Telefax: 04271 945-222
E-Mail:
Felicitas Kaemena
Beraterin Grünland
Telefon: 04401 82956-12
Telefax: 04401 82956-11
E-Mail:


Stand: 03.05.2018



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