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Futtersituation in Niedersachen

Das Sommerwetter hatte in den zurückliegenden Tagen zwar eine kurze Pause, doch fielen in dem Zeitraum wiederum nicht ausreichend Niederschläge. Aktuell kündigt sich wiederum ein Hoch an. Wie die Futtersituation auf dem Grünland zu beurteilen ist, wird im Folgenden kurz skizziert.

 

Die letzten Jahre waren für die Futterbauern stets mit besonderen Herausforderungen für die Grassilagebereitung verbunden. Drei Jahre in Folge gab es  im Zeitraum des optimalen Schnittzeitpunktes immer wieder Niederschläge, die zur Verzögerung der Mahd führten. In diesem Jahr stellte sich die Situation nun ganz anders dar. Zum ersten Schnitt war schon Heuwetter zu verzeichnen. Leider mangelte es anschließend für den zweiten Aufwuchs weiterhin an Niederschlägen.  Nachfolgend wird die aktuelle Situation skizziert.

Kann beim ersten Schnitt mit besseren Futterqualitäten in diesem Jahr im Vergleich zum Vorjahr gerechnet werden?

Im letzten Jahr erfolgte der erste Schnitt aufgrund der zahlreichen Niederschläge und der Unbefahrbarkeit der Flächen in aller Regel zu spät. Vor diesem Hintergrund unterscheidet sich der erste Aufwuchs in 2018 sehr deutlich von dem Vorjahr, denn es herrschten über einen dreiwöchigen Zeitraum sehr gute Anwelkbedingungen. Darüber hinaus wurde teilweise sehr früh gemäht. Daher wird für den ersten Aufwuchs im Durchschnitt ein guter Futterwert erwartet. Wie im Vorjahr wird aber auch in 2018 die Streubreite des Nährstoffwertes groß sein, denn es gab ja noch eine Vielzahl an Flächen, die überständig in den Winter gegangen sind und erst im Frühjahr bereinigt werden mussten.

Was die Gärqualität anbelangt, so waren die Bedingungen für ein rasches Anwelken des Siliergutes im Frühjahr ideal. Doch auch hier muss sind Einschränkungen zu machen, denn mit dem Wind und den hohen Temperaturen trocknete das Futter fast schon zu schnell. Einige Futterpartien hatten schon Heucharakter. Derartig trockenes Futter lässt sich schlecht verdichten. Es besteht damit die Gefahr für Nacherwärmungen, die während der Verfütterungszeitraumes vor allem bei zu geringem Futtervorschub auftreten können. Zudem könnte in das Silo auch so genanntes Altgras gelangt sein. Damit ist das überständige Futter aus dem Herbst des Vorjahres gemeint. Es wurde zwar im Frühjahr noch gemulcht oder gemäht, doch Rückstände davon verblieben nicht zu knapp auf der Fläche. Mit diesen Futterresten gelangen auch unerwünschte Keime in das Silo. Somit erhöht sich auch das Risikopotential für Nacherwärmungen.

Vor allem der zweite Aufwuchs litt sichtbar unter der Trockenheit. Wie sind die Erntemengen in Niedersachsen einzuschätzen?

Bereits der erste Aufwuchs erbrachte unterschiedliche Mengen. Zum einen wirkte sich aus, dass das Altgras aus dem Vorjahr erst von der Fläche zu bringen war. Der  Nachwuchs entwickelte sich damit schon verzögert. Zum anderen waren die Niederschlagsmengen im Frühjahr lokal sehr unterschiedlich. Vor allem auf den leichten Standorten führte das zu Mindererträgen.

Der zweite Aufwuchs fiel in diesem Jahr im Allgemeinen mager aus. Es waren aus Ertragssicht  sehr große Unterschiede zu beobachten, je nachdem, wo und in welchen Mengen Niederschläge gefallen sind. Für den zweiten Aufwuchs ist deshalb mit einem geringen Futterwert zu rechnen. Diese Silagen dienen im Winter wohl vorzugsweise als Strukturfutter. Lediglich die Standorte mit besserem Wasserhaltevermögen erbrachten in diesem Zeitraum noch die gewünschte Quantität und Qualität.

Bislang konnte noch nicht ausreichend Futter für die Winterperiode eingefahren werden.

Lässt sich die Futterlücke mit guten Erträgen des dritten und vierten Aufwuchses noch schließen?

Bereits der erste und zweite Aufwuchs erbringen 50 Prozent des Gesamtertrages. Auch bei einem guten Ertragsergebnis der Sommer- und Herbstaufwüchse lässt sich die Futterlücke nicht schließen.

Was ist anzuraten?

Wir empfehlen für die Gemischtbetriebe mit Ackerkulturen in erster Linie den Zwischenfruchtbau zur Futternutzung in diesem Jahr besonders. Bei guter Witterungssituation sind mit Einjährigem oder Welschen Weidelgras aber auch mit Kleegrasmischungen noch Erträge von etwa 30 dt TM/ha möglich. Der kostspielige Futterzukauf kommt für die reinen Grünlandbetriebe mehr in den Fokus, denn die Futterreserven aus dem Vorjahr werden gleichfalls knapp. Durch die Nässe im letzten Jahr war es ja vielerorts nicht mehr möglich, den letzten Herbstaufwuchs zu ernten. Futterzukauf kann aber auch für die Betriebe mit Ackerbau ein Thema werden, wenn auch die Zwischenfrüchte ertraglich unterdurchschnittlich ausfallen. Aktuell lässt sich noch nicht beurteilen, mit welchen Silomaiserträgen gerechnet werden kann. Auf den leichten Standorten zeichnen sich bereits Trockenheitsschäden ab.

 


Kontakt:
Dr. Christine Kalzendorf
Beraterin Grünland, mehrj. Ackerfutterbau und Futterkonservierung
Telefon: 0441 801-428
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:
Dr. Matthias Benke
Leiter Fachbereich Grünland und Futterbau
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Telefax: 0441 801-432
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Stand: 29.06.2018