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Mit Ackergras Ertrag und Qualität für 2019 sichern

Mit dem Anbau von Ackergras kann ggf. noch in diesem Jahr Futter produziert, was aktuell in den Silos aufgrund der lang anhaltenden Trockenheit fehlt. Zumindest verspricht das Ackergras für 2019 unter normalen Witterungsbedingungen gute Erträge. Die Wahl der Mischungen ist von der speziellen Zielsetzung abhängig. Worin weitere Unterschiede in den Mischungen bestehen, lesen Sie im Folgenden.

 

Aufgrund der unzureichenden Niederschläge wird das Grundfutter auch in Niedersachsen knapp. Es gestaltet sich mit jedem Tag ohne Regen zunehmend schwierig, genügend Futtermengen als Wintervorrat einzufahren. Ob der Anbau von Ackergras neben den Zwischenfrüchten zur Futternutzung einen gewissen Beitrag zur Entspannung der Situation erbringen kann, wird stark von der künftigen Niederschlagssituation abhängen. Für den Anbau des wuchsfreudigen Ackergrases lassen sich sehr viele positive Aspekte auflisten.

Vorzüge des mehrjährigen Ackergrases

Von Ackergräsern ist sowohl ein hoher Ertrag als auch ein entsprechender Nährstoffentzug zu erwarten. Mit den mehrschnittigen Kulturen besteht die Möglichkeit, organische Düngemittel effizient im Verlauf der Wachstumsperiode zu verwerten. Zudem sind den Ackergräsern bei optimalem Schnittzeitpunkt gute Futterqualitäten eigen. Ackergräser silieren bei Anwelkgraden oberhalb von 28 % im Allgemeinen gut. Weiterhin lassen sich mit der Mehrschnittnutzung auch ungünstige Witterungs- und Ertragssituationen kompensieren was damit den Nachteil der Vielschnittnutzung ausgleicht. Die Anbaukosten verteilen sich bei mehrjährigen Kulturen über den Nutzungszeitraum. Eine verlängerte Bodenruhe kann als zusätzlicher Aspekt für die Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit aufgeführt werden.

Prinzipielles zu Mischungen und Anbau

Für die Herbstsaat stehen verschiedene Grasmischungen zur Auswahl. Tabelle 1 gibt hierzu einen Überblick. Welche der Mischungen zu Ihrem Betrieb passt, hängt von der Zielsetzung ab, die mit dem mehr- oder überjährigen Ackerfutterbau angestrebt wird. Für die Entscheidungsfindung hier ein paar Anregungen:

  • Viel Ertrag versprechen Mischungen von Welschem und/oder Bastardweidelgras für einen Nutzungszeitraum von mindestens zwei Jahren. Wie im Allgemeinen für Ackergräser üblich, fällt die Ernte vor dem Mahdzeitpunkt der Grünlandgräser an. Das kann die Siliersaison bei hohen Anteilen der Ernteflächen durchaus entspannen.
  • Doch wo die Mahd von Ackergras strikt mit dem Grünland geplant wird, gelingt das mit Ackergrasmischungen auf Basis des Deutschen Weidelgrases aufgrund des relativ gleichen Wuchsrhythmus am besten.
  • Soll das Ackergras über drei Jahre genutzt werden, empfehlen sich Mischungen, die Deutsches und/oder Bastardweidelgras enthalten.

Der Futterwert wird, wie bei allen Grasschnitten, vom Schnittzeitpunkt beeinflusst. Gute Energiewerte können im Allgemeinen bei frühem Schnitt, d.h. zu Beginn des Ährenschiebens erwartet werden. Protein- und Zuckergehalt sind in den Aufwüchsen vorzugsweise ausgewogen. Das begünstigt die Silierfähigkeit. Die Sommeraufwüchse gehen bei unzureichenden Niederschlägen schnell in die generative Phase. Damit wird in erster Linie Struktur betontes Futter mit nur durchschnittlichen Energiegehalten zum Beispiel für Trockensteherrationen produziert.

Als ein Grundprinzip des mehrjährigen Ackerfutterbaus gilt, dass mit längerer Nutzungsdauer stets der Anbau von Mischungen zu bevorzugen ist. Grasmischungen sind nur so gut wie ihre Einzelkomponenten. Die in den Mischungen verwendeten Sorten sollten sich nicht allein durch gute Ertragsleistungen auszeichnen, sondern auch durch eine hohe Winterhärte und einer geringen Krankheitsanfälligkeit.  Die für den nordwestdeutschen Raum empfohlenen Ackerfuttersorten werden jährlich neu im Faltblatt „Qualitätsstandardmischungen für den Ackerfutterbau“ bekannt gegeben und sind auf der Homepage der Landwirtschaftskammer herunterzuladen. Vor dem Kauf von Mischungen ist anzuraten, die Deklaration auf den Saatgutsäcken mit den Sortenempfehlungen zu vergleichen. Das Siegel der Freiwilligen Mischungskontrolle auf dem Sackanhänger erspart diese zeitaufwändige Arbeit. Das rote oder magentafarbene Siegel, welches von der LWK Niedersachsen vergeben wird, weist darauf hin, dass die Sackware die Sortenempfehlung der norddeutschen Landwirtschaftskammern berücksichtigt.  

Ackergrasmischungen

Für die Spätsommer- bzw. Herbstaussaat stehen drei Ackergrasmischungen zur Verfügung. Hierzu gehören die A1-, A3- und A5-Mischung.

Die A1 ist eine Mischung aus Sorten des Welschen Weidelgrases und für die überjährige Nutzung gedacht. Die Mischung wird Mitte September ausgesät und in aller Regel nur im folgenden Jahr genutzt. Von dieser Grasmischung sind die höchsten Erträge zu erwarten, vorausgesetzt, dass auch die hohen Ansprüche an die Nährstoffversorgung erfüllt werden. Je nach Standort, Wasserverfügbarkeit und Düngungsintensität erbringt das Gras im Jahr mindestens vier bis sechs schnittreife Aufwüchse. Die Triebkraft des Ackergrases lässt bei einem weiteren Nutzungsjahr stark nach, was Ertragsrückgänge von 25% und mehr bedingt. Die A1 muss aus mindestens drei Sorten bestehen, um eine optimale Ertragsstabilität zu gewährleisten.

Neben dem Hauptfruchtanbau kann das Welsche Weidelgras auch als Winterzwischenfrucht etabliert werden. Hierfür steht die A1 WZ Grasmischung für die Aussaat ab den Spätsommer bis Mitte September zur Verfügung. Die Mischung enthält vorzugsweise Sorten mit einem hohen Ertragspotential zum ersten Aufwuchs.

Zu den Ackergrasmischungen mit mehrjähriger Nutzung gehören die A3- und die A5-Mischung.

Ackergrasmischungen mit der Bezeichnung A3 setzen sich aus drei Grasarten dem Bastard-, Welschem - und Deutschem Weidelgras zusammen. Die Mischung ist eine klassische mehrjährige Kultur für die mindestens zwei Nutzungsjahre eingeplant werden sollten und 4 bis 5 Schnitte jährlich erbringt. Durch den Anteil des Deutschen Weidelgrases in der A3 ist die Narbe dichter und trittfester, damit auch zur Beweidung geeignet.  Die Verwendung von ertragsstarken Sorten des Deutschen Weidelgrases verbessert die Massenwüchsigkeit der Mischung. Außerdem trägt das Deutsche Weidelgras zur Nutzungselastizität bei.

Die Aussaat der A3-Mischung erfolgt günstigenfalls noch im August, damit sich alle drei Grasarten gleich gut entwickeln können. Räumt die Vorfrucht allerdings erst Anfang September, sollte die Saat bis spätestens Mitte September so zügig wie möglich vorgenommen werden.

In den Grasmischungen A5 und A5 spät ist mit dem Deutschen Weidelgras nur eine Grasart enthalten. Für beide Mischungen werden nur die ertragsstärksten Sorten des Deutschen Weidelgrases verwendet. Die Ausdauerleistung der Sorten findet hierbei im Gegensatz zu den Grünlandmischungen keine so große Beachtung, da die Nutzungsdauer der Ackergrasmischungen begrenzt ist. Das unterscheidet die A5- bzw. A5- spät Mischungen auch von den Grünlandmischungen GV und GV-spät.

Die beiden Mischungen „A5“ und „A5 spät“ unterscheiden sich lediglich in Bezug auf die Reifegruppen (Tabelle 1). Sind alle drei Reifegruppen in der Mischung enthalten (A5), so liefern die frühen Sorten die erforderliche Struktur sowie die mittleren und späten Sorten die Energie. Die Futterqualität wird hierbei von den Anteilen der Sorten im Bestand beeinflusst. Eine höhere Nutzungselastizität sichern die A5 spät Mischungen, bei der auf die frühen Sorten verzichtet wird.   

Beide Deutsch Weidelgras Mischungen sind sowohl für den zwei- bis mehrjährigen Ackerfutterbau als auch für das Wechselgrünland konzipiert. Im Vergleich zu der A1 und A3 Mischung erbringen die beiden Deutsch Weidelgras Mischungen nicht gar so hohe Erträge. Dafür ist aber in aller Regel die Futterqualität etwas besser. Somit kann die A5 und A5 spät besonders für Betriebe mit hohen Anforderungen an die Energiekonzentration des Grundfutters empfohlen werden.

Fazit

Das Ackergras erbringt im Allgemeinen gute Erträge. Mit Blick auf das Jahr 2019 kann es einen anteilmäßigen Beitrag leisten, die aktuell knappen Grundfutterkonserven allmählich wieder aufzufüllen. Das Anbaurisiko lässt sich durch die Saat ab Ende August bis Mitte September vermindern, denn dann ist im Allgemeinen nicht mehr mit so drastischen Trockenheitsphasen zu rechnen.

Mit einer Saat im August könnte auch im Herbst eine Vornutzung möglich sein. Doch ist unsicher, ob für einen gleichmäßigen Aufgang und eine rasche Jugendentwicklung die Niederschläge genügen.

 


Einjähriges und Welsches Weidelgras aktuell im Fokus

Aufgrund der geringen Futtermengen im Erntejahr 2018 kann es auch sinnvoll sein, eine Mischung aus Einjährigem und Welschem Weidelgras anzubauen, sobald Niederschläge angekündigt sind.  Die eigentlich zur Frühjahressaat empfohlene A2-Mischung besteht aus zwei Dritteln des Welschen Weidelgras und einem Drittel des Einjährigen Weidelgrases. Bei einer Saat bis Mitte August kann sie jedoch auch in diesem Herbst noch einen lohnenswerten Ertrag zur Schnittnutzung erbringen. Es ist jedoch zu bedenken, dass nur das Einjährige Weidelgras in das Schossen kommt und zur Struktur im Futter beiträgt. Das Welsche Weidelgras verbleibt im jungen Blattstadium. Für die Futterqualität ist diese Zusammensetzung sicherlich als positiv zu werten, doch erschwert es zusätzlich das Anwelken im Herbst. Vorzugsweise sollte ein Siliermittelzusatz in der Wirkungsrichtung 1 für die Silierung mit geplant werden.


 

 


Kontakt:
Dr. Christine Kalzendorf
Beraterin Grünland, mehrj. Ackerfutterbau und Futterkonservierung
Telefon: 0441 801-428
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:
Dr. Matthias Benke
Leiter Fachbereich Grünland und Futterbau
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Stand: 20.07.2018