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Grünlanderneuerung nach der Trockenheit – Wie sieht es aktuell aus?

 

Die Auswirkungen der anhaltenden Trockenheit der letzten Monate sind mehr als deutlich zu spüren: kaum eine Grünlandfläche ist nicht von Trockenschäden und Hitzestress betroffen. Vertrocknete, offene braune Narben, bleiben zurück. Die Jahresgrünlanderträge werden regional stark differieren. Je nach Betroffenheit der Region wird die Ertragsreduzierung in Ackergras- und Grünlandbeständen in Niedersachsen im Mittel, im Vergleich zum Vorjahr, auf 40 % geschätzt. Bereits der erste Schnitt fiel nicht zu üppig aus, da es zum Teil noch galt, die Flächen von den durch Nässe des Vorjahres überständigen Beständen zu bereinigen. Nur einige Betriebe berichteten von guten Erträgen und Qualitäten für den ersten Aufwuchs. Die beiden Folgeschnitte waren vielmehr Reinigungsschnitte, immer verbunden mit der Hoffnung, dass im Anschluss ausreichend Niederschläge fallen werden. Futterbaubetriebe sind besonders von den Auswirkungen der Trockenheit betroffen. Die Trockenheit hat vor allem die wertvollen grasnarbenbildenden Gräser ausgebrannt, tiefwurzelnde unerwünschte Gräser, wie die Gemeine Quecke und Kräuter, profitieren derzeit von den geschwächten, zerstörten Narben und breiten sich vielerorts in den Beständen aus. Mit angekündigtem Regen ist nun der ideale Zeitpunkt erreicht, diese Bestände zu sanieren und Narbenlücken schnell zu schließen. Die regional stark schwankenden, aber bisher gefallenen Niederschläge, lassen auf einen zufriedenstellenden vierten Schnitt hoffen.

 

Nachsaat oder Neuansaat?

Bei starker Verkrautung ist eine vorgeschaltete chemische Bekämpfung sinnvoll. Nimmt die Quecke Ertragsanteile von rund 15 % ein, sollte eine Pflanzenschutzmaßnahme zeitnah durchgeführt werden. Hat sich auch das Untergras Gemeine Rispe in diesen Beständen ausgebreitet, sollte mit einem scharf eingestellten Striegel dieser Filz herausgekämmt und, je nach Menge, abgefahren werden oder auf der Fläche vertrocknen. Wichtig für eine erfolgreiche Etablierung der Nachsaat in der Altnarbe ist eine anschließende Wasserversorgung in Verbindung mit ausreichend Licht und Luft. Ein Walzgang ist nach einer Nachsaat ebenso vorteilhaft zu bewerten, um einen guten Kontakt zwischen Saatgut und Boden herzustellen.

Grünlandflächen, die nur geringe Schäden durch die Trockenheit aufweisen, sollten bei einer Lückigkeit von bis zu 30 % 10 bis 15 kg/ha nachgesät werden. Für Nachsaaten empfiehlt sich aufgrund seiner Konkurrenzstärke, nach wie vor das Deutsche Weidelgras.  Die Nachsaatmischung kann auch Kleeanteile enthalten, wie es für die GV mit Klee der Fall ist. Weißklee wertet mit vielen positiven Eigenschaften den Bestand auf. Er ist schmackhaft, protein- und mineralstoffreich, nutzungselastisch und durch sein tiefes Wurzelsystem auch gegenüber Trockenheitsphasen unempfindlicher als Gräser. Mit seinen Kriechausläufern leistet der Klee zudem einen Beitrag zur Narbendichte.

Wann ist eine Neuansaat sinnvoll?

Der schnellste Weg zur Narbenverbesserung ist die Neuansaat. Diese ist im Vergleich zur Nachsaat bei der Anlage aber auch risikoreicher und  kostenintensiver. Neuansaaten sollten daher auf die Fälle beschränkt bleiben, bei denen entartete, leistungsschwache Bestände oder durch die Trockenheit geschädigte Grünlandnarben nicht mehr durch Nachsaaten verbessert werden können. Das ist ab einer Verkrautung und einem Anteil minderwertiger Gräser (z. B. Quecke, Gemeine Rispe, Wolliges Honiggras, Rasenschmiele etc.) von über 50 % der Fall. Bodenunebenheiten, die eine Einebnung erforderlich machen, können ebenfalls bei einer Neuansaat berücksichtigt werden.

Für Neuansaaten empfehlen sich Mischungen mit verschiedenen Grasarten. Gerade die letzten Jahre haben infolge der Wetterextreme deutlich gemacht, dass es wichtig ist, nicht nur auf eine Grasart wie das Deutsche Weidelgras allein zu setzen. Aus dem Reigen der  Qualitätsstandardmischungen stehen vier Grasmischungen von der GI bis zur Knaulgras betonten „GIV“ für Neuansaaten zur Auswahl. Im Allgemeinen trifft man die Auswahl unter Berücksichtigung der Nutzungsintensität und des Standortes. Künftig muss man wohl zusätzlich die Wetterextreme, mehr als bislang, im Fokus haben, was in Fachkreisen aktuell zur Weiterentwicklung der Qualitätsstandardmischungen diskutiert wird. Vor diesem Hintergrund könnten künftig ertragssichernde Mischungspartner wie das Knaulgras, das Lieschgras, der Wiesenschweidel oder der Rohrschwingel neben dem Deutschen Weidelgras mehr Bedeutung erlangen. Beispielsweise verträgt der Rohrschwingel durch das ausgeprägte Wurzelwerk trockene, aber auch kalte und nasse Bedingungen sehr gut. Aufgrund seiner langsamen Jugendentwicklung ist jedoch eine frühe Aussaat Mitte August erforderlich. Hat sich der Rohrschwingel etabliert, sind hohe, stabile Ertragsniveaus über mehrere Jahre zu erwarten. Diese und weitere Vorteile von robusten Gräsern werden künftig mehr in den Mischungsanteilen Berücksichtigung finden.

 

Bei Neuansaaten kommt in der Regel das Totalherbizid Glyphosat zum Einsatz, die Neuansaat wird nachfolgend entweder als Direktsaat oder mit Umbruch durchgeführt. Seitens der Feldversuchsstation für Grünlandwirtschaft und Rinderhaltung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen wird hierzu gerade auf einem Praxisbetrieb ein Versuch geplant, der die Frage beantworten soll, wie unerwünschte, minderwertige Gräser, wie die Gemeine Quecke, auch ohne den Einsatz des stark umstrittenen Pflanzenschutzmittels Glyphosat im Rahmen einer Grünlanderneuerung aus dem Bestand verdrängt werden können. Hier werden verschiedene bodenbearbeitende Varianten (bodenwendend bis umbruchslos) und Saatverfahren (Nachsaat, Blanksaat, Direktsaat) einander gegenüber gestellt und bewertet. Erste Ergebnisse hierzu wird es Ende dieses Jahres geben.


Kontakt:
Felicitas Kaemena
Beraterin Grünland
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Dr. Christine Kalzendorf
Beraterin Grünland, mehrj. Ackerfutterbau und Futterkonservierung
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Stand: 10.09.2018