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Altgras bei der Silierung beachten

Die Grünlandflächen haben vielerorts durch die Nässe in 2017 gelitten. Sowohl der Anteil des gemulchten Altgrases als auch die Fahr- und Trittschäden können sich auf den Schmutzanteil des Siliergutes auswirken. Es muss daher besonderer Stellenwert auf die richtige Geräteeinstellung von der Mahd bis zur Futterwerbung geachtet werden.

Lesen Sie jetzt, was es besonders zu beachten gilt.  

 

Viele Flächen konnten im Herbst aufgrund von Nässe nicht mehr geerntet werden. Die überständigen und hohen Grasbestände verwelkten auf der Fläche. Hin und wieder wurden die Frostphase und damit die Befahrbarkeit der Fläche genutzt, um das Futter entweder zu mulchen oder zu mähen. Letzteres hatte den Vorteil, dass die Grasnarbe von dem alten Futter befreit wurde und die jungen Gräser damit wieder Zugang zu Licht und Luft bekamen. Wo gemulcht wurde, liegt das Häckselgut, je nach Bestandeslänge, auf der Grasnarbe. Ob das abgestorbene Material auf den Boden bröseln kann, hängt aktuell sowohl von den Pflegearbeiten wie dem Striegeln oder Schleppen ab, aber auch von der Schichtdicke der Pflanzendecke. Für die bevorstehende Silierung des ersten Grasaufwuchses sollte diese Situation besondere Beachtung finden, denn das alte Gras ist stark keimbelastet. Das zeigen aktuelle Ergebnisse, die von der Feldversuchsstation für Grünlandwirtschaft und Rinderhaltung in Zusammenarbeit mit der Fa. Meiners Saaten gemacht worden sind. Speziell von überständigen Grasbeständen wurden auf Praxisflächen Proben genommen und auf ihren hygienischen Status untersucht. Das Ergebnis ist in Abbildung 1 aufgeführt. Daraus geht hervor, dass abgestorbenes Grasmaterial eine hohe Pilzkeimzahl aufweist, die im Allgemeinen den Orientierungswert überschreitet oder diesen knapp erreicht. Besondere Beachtung sollte aber neben den Schimmelpilzen insbesondere den Hefekeimen geschenkt werden. In den Untersuchungen wurden nahezu in allen Proben sehr hohe Hefegehalte ermittelt. Gelangen Anteile dieses Altgrases bei der Ernte des ersten Grasschnittes in das Silo, sind Fehlgärungen und vor allem das Verpilzen und Erwärmen des Futters vorprogrammiert.

Auch auf den staunassen Flächen sind die Gräser arg in Mitleidenschaft geraten. Abgestorbenes Material ist hier gleichfalls zu erwarten mit der Folge einer sehr ungünstigen Keimsituation.

Pflegearbeiten auf dem Grünland können diesen Zustand zwar verbessern, aber nicht gänzlich wettmachen.

Nach dem Striegeln oder Schleppen werden vermehrt Fehlstellen zu registrieren sein, die erst allmählich durch Nachsaaten geschlossen werden.

Bedingt durch die Nässe des Vorjahres sind einige Grünlandflächen auch durch Fahr- oder Trittschäden strapaziert und uneben geworden.

Bei der Ernte ist diese Ausgangssituation zu berücksichtigen. Ein zu tiefer Schnitt führt zwangsläufig zum Eintrag von Anteilen des Altgrases sowie von Erdanteilen. Zudem beeinträchtigt eine zu tiefe Mahd den Wiederaustrieb der Gräser. Eine Stoppelhöhe von mindestens 7 cm sollte für derartige Grünlandflächen deshalb nicht unterschritten werden.

Achten Sie bei allen nachfolgenden Arbeitsschritten wie dem Zetten, Wenden und Schwaden darauf, dass nur auf der Grasnarbe gearbeitet wird und Bodenkontakt so selten wie möglich ist.  

Fahren Sie auf unebenen Flächen nur so schnell, wie es für das jeweilige Arbeitsverfahren gerade erforderlich ist. Sprechen Sie die Geräteeinstellung eindeutig mit den für die jeweiligen Aufgaben verantwortlichen Personen ab. Kontrollieren Sie das Ergebnis nicht erst zum Schluss, sondern verschaffen Sie sich im Verlauf des jeweiligen Arbeitsverfahrens einen Überblick über die Güte der Tätigkeiten und stehen Sie hier beratend zur Verfügung. 

Wir fassen zusammen

Die für die Silierung erforderlichen Milchsäurebakterien liegen meistens in der Minderzahl gegenüber den anderen Keimgruppen vor. Dies gilt bereits bei einer sauberen Ernte. Ihre Population erhöht sich erst durch gute Gärbedingungen im Silo. Das Ungleichgewicht von unerwünschten Gärkeimen zu den Milchsäurebakterien verstärkt sich in diesem Jahr durch die Nässe geschädigten und teilweise im Herbst nicht geernteten Grasflächen. Soweit noch möglich, sollte durch Grünlandpflegemaßnahmen auf gesunde Pflanzenbestände Einfluss genommen und auf eine schmutzarme Ernte besonderer Wert gelegt werden. Doch nicht immer lässt sich das in diesem Frühjahr auf allen Flächen realisieren, denn die Befahrbarkeit von vielen schweren Böden und von Moorstandorten ist immer noch grenzwertig.

Neben dem abgestorbenen Pflanzenmaterial sind Fehlstellen sowie Maulwurfshaufen Quellen für eine mögliche ungünstige Keimbelastung.

Auf diesen Flächen müssen die siliertechnischen Regeln zur Futterwerbung und Schwadbearbeitung und hierbei besonders die richtige Geräteeinstellung beachtet werden. Wenn möglich, sollten die Problemflächen zuerst geborgen werden, um sie so gut wie möglich zu verdichten. Je ungünstiger sich die Gesamtsituation darstellt, desto ratsamer ist zusätzlich die Nutzung von Siliermitteln in den Wirkungsrichtungen 1b, 1c und 2.

Der unten aufgeführte Textkasten gibt einen Überblick über wesentliche Regeln für das Silieren.


Wesentlichen Verfahrensregeln für die Silierung:

  • Mahd zum optimalen Schnittzeitpunkt vornehmen, wenn sich die Hauptbestandesbildner zu Beginn des Ährenschiebens befinden.
  • nicht zu tief mähen (für Grünland nicht unter 5 cm; für Ackergras nicht unter 7 cm)
  • kurz und effizient anwelken
  • 24-Stunden-Silagen und TM-Gehalte im Bereich von 30 – 40 % anstreben
  • auf hohe Lagerungsdichte achten
  • langsam fahren (max. 3 bis 4 km/h),
  • schwere Walzschlepper für das Verdichten wählen (Radachslast von mindestens 2 t plus weitere Beschwerung des Schleppers)
  • für hohen Punktdruck der Walzschlepper sorgen (wenn möglich: Verzicht auf Zwillingsbereifung und Reifeninnendruck von 2 bar)
  • für dünne Schichtdicke des Futters von unter 20 cm, besser noch 15 cm sorgen, durch:
  • entsprechende Silolänge (an Futtervorschub angepasste Silogeometrie)
  • Abstimmung der Erntekette auf Verdichtungsarbeit
  • Walzschlepper mit Horizontalverteiler
  • Erntewagen mit Dosierwalzen ausrüsten
  • sofortige Siloabdeckung mit zwei Folienschichten
  • engmaschiges Auslegen des Silofußes mit Kiessäcken
  • Mindestverschlusszeit des Silos von 6 – 8 Wochen einhalten

 


 


Kontakt:
Dr. Christine Kalzendorf
Beraterin Grünland, mehrj. Ackerfutterbau und Futterkonservierung
Telefon: 0441 801-428
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:
Beraterin Grünland, mehrj. Ackerfutterbau und Futterkonservierung
Telefon: 0441 801-428
Telefax: 0441 801-432
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Stand: 16.04.2019