Webcode: 01034875

Düngungsstrategien für das Grünland 2019

Mit der Ausbringung von Wirtschaftsdünger beginnt in den meisten Grünlandbetrieben das die Saison in der Aussenwirtschaft. Grünlandbetriebe müssen daher schon ab Februar die Düngebedarfswerte für Stickstoff und Phosphor auf Einzelschlagebene dokumentieren, denn die Düngeverordnung verpflichtet sie dazu schon vor der ersten Düngung.

 

Die Möglichkeiten, die Qualität und Entwicklung von Grünlandbeständen durch gezielte Düngungsmaßnahmen zu steuern, wurden mit den Regeln zur Stickstoff-Düngebedarfsermittlung auf organisch geprägten Standorten (Moore) deutlich eingeschränkt. Dennoch ist die Aufteilung der Düngergaben zu den einzelnen Grünlandaufwüchsen von Bedeutung und lässt Spielräume für die Düngeberatung zu.

Grunddüngung

Hohe Futtererträge und gute Futterqualität setzen eine ausreichende Versorgung mit den Grundnährstoffen Phosphor (P2O5), Kalium (K2O), Magnesium (Mg), Calcium (CaO) und Schwefel (S) voraus. Zudem ist auf die Versorgung mit Spuren­elementen zu achten. Bei reduzierter N-Düngung kann eine gezielte Grundnährstoffversorgung umso wichtiger werden. Die Gehalte der Wirtschaftsdünger sind voll anzurechnen. Kalium ist im Grünland neben Stickstoff das entscheidende Element für die Ertragsbildung der Gräser. Eine gezielte mineralische Ergänzung der Kaliumdüngung ist auch deshalb sinnvoll, weil in der Rindergülle seit einigen Jahren zunehmend weniger Kalium enthalten ist, als dies in den Richtwerten angegeben wird. Mit 170 kg N aus der Rindergülle werden etwa 85 kg P2O5 und nur 200 kg K2O gedüngt. Während der Phosphorbedarf für 4-5 Schnitte damit gedeckt wird, besteht beim Kalium ein deutlicher Ergänzungsbedarf (vgl. Nährstoffbedarf).

Je nach Versorgungsstufe und Kaliumdüngeempfehlung für das Vegetationsjahr ist eine Aufteilung der Kaliumgabe sinnvoll, wenn der Kaliumergänzungsbedarf 150 kg K2O/ha übersteigt oder wenn bereits mehr als 100 kg K2O /ha (ca. 20 m3) mit der organischen Düngung im 1. Aufwuchs gedüngt wurden. Der pflanzliche Luxuskonsum von Kalium ist zu vermeiden und die empfohlenen Werte sollten eingehalten werden.

Die Magnesiumversorgung ist besonders bei jungem, eiweißreichem Weidegras von Bedeutung, um der Tetaniegefahr bei Weidehaltung vorzubeugen. Da Magnesium in einigen Mineraldüngern (z.B. KAS) sowieso enthalten ist, liegen jedoch häufig sehr hohe Versorgungsstufen (D bis E) in den Grünlandschlägen vor, die eine gezielte Düngung erübrigen.

Schwefeldüngung ist im Grünland nur dort gezielt zu empfehlen, wo ein hohes Intensitätsniveau (> 240 kg N/ha) zur Erreichung von überdurchschnittlichen TM-Erträgen (> 110 dt TM/ha) angestrebt wird. Besonders leichte und humusarme Böden können unter diesen Bedingungen eine Schwefelzufuhr in Höhe von 20 - 30 kg S/ha lohnen.

Spurennährstoffe sind auf Grünland im Allgemeinen selten im Mangel, so dass entsprechende Düngungsmaßnahmen nicht erforderlich sind. Die Versorgung der Tiere wird in der Regel durch Mineralfutter (Leckschalen) sichergestellt.

Kalk düngt den Boden

Kalkgaben dienen insbesondere der Verbesserung des Futterwertes. Dies geschieht einerseits direkt über eine Erhöhung des Calciumgehaltes im Futter, andererseits indirekt über eine verbesserte Bestandszusammensetzung. Mittlere und schwere Lehmböden sollten regelmäßig, auch im Hinblick auf eine günstige Bodenstruktur, gekalkt werden. Die erforderliche Kalkmenge weist der Bodenuntersuchungsbefund bzw. die korrespondierende Düngeempfehlung aus. Einzelgaben von maximal 20 dt/ha CaO im Herbst bzw. 10 dt/ha CaO im Frühjahr sollten nicht überschritten werden, um eine Verkrustung des oberflächig aufgebrachten Düngekalkes zu vermeiden. Umso wichtiger ist eine regelmäßige, dem Bedarf angepasste Kalkung auf dem Grünland. Vorsicht auf Moorböden, da diese bei pH-4,0-4,5 optimales Wachstum ermöglichen mit konzentriertem Kalk torfzersetzende Mineralisierungsprozesse begünstigt würden.

Wirtschaftsdünger effizienter nutzen

Oberstes Ziel einer zeitgemäßen Düngung muss neben der Pflanzenernährung eine möglichst hohe Nährstoffeffizienz sein. Dies gilt insbesondere für die Stickstoffdüngung. In intensiv viehhaltenden Betrieben kommt der N-Effizienz aus Wirtschaftsdüngern dabei eine hohe Bedeutung zu. Aus Rindergülle sind nach Vorgaben der Düngeverordnung mindestens 50 % des mit der Gülle gedüngten Stickstoffs im Jahr der Ausbringung und zusätzlich 10 % davon im Folgejahr, insgesamt also 60% zu berücksichtigen. Für die innerbetriebliche Düngeplanung sollte das Ziel eine mindestens 70 %ige N-Wirksamkeit (vgl. N-orgwirksam) sein, denn für den Bilanzwert der plausibilisierten Feld-Stall Bilanz ist bei Gülle und Gärresten ebenfalls eine Nährstoffverwertung für Stickstoff aus der Tierhaltung von 70 % (Rindergülle) vorgesehen.

Neben der Ausbringungsart (Technik) und der Witterung beeinflusst vor allem der Ausbringungszeitpunkt die N-Effizienz der Wirtschaftdünger wesentlich. Der Schwerpunkt der Güllegaben sollte zum ersten Schnitt bzw. im Frühsommer liegen, damit die max. Wirkung organischer Stickstoffverbindungen möglichst noch in den Folgeaufwüchsen genutzt werden kann. Die höchste Ausnutzung des Güllestickstoffs kann bei Frühjahrsdüngung erzielt werden, wenn die erste Gabe vor oder zu Beginn des Graswachstums ausgebracht wird. Versuchsergebnisse belegen, dass mit einer frühen Güllegabe direkt nach Ende der Sperrfrist auf schweren Böden eine höhere N-Wirkung erzielt wird. Bei leichteren Standorten empfiehlt sich die Gülledüngung vorzugsweise kurz vor Vegetationsbeginn. Durch eine frühjahrsbetonte organische (Gülle-) Düngung lässt sich die N-Effizienz also insgesamt optimieren (Tabelle 2). Bei hoher Intensität mit 5 bzw. 6 Schnittnutzung kann anstatt Mineraldünger auch eine 3. Güllegabe erfolgen. Hierdurch wird auf diesem Einzelschlag die 170 kg N-Grenze überschritten. Dies ist nur möglich, wenn im Durchschnitt des Betriebes diese Grenze eingehalten wird. Ebenfalls ist auf die Phosphordüngung zu achten. Hier ist nur bei Erträgen oberhalb von 100 dt TM/ha eine mineralische P-Ergänzungsdüngung erforderlich. Voraussetzung für hohe N-Effizienz ist, dass die Gülle günstige Fließeigenschaften aufweist und bei geringer Sonneneinstrahlung rasch in den aufnahmefähigen Oberboden einsickern kann. Nur so können hohe Ammoniakverluste vermieden werden. Unter diesen Voraussetzungen sind 70-75 % N-Wirksamkeit wahrscheinlich, so dass Handelsdünger eingespart werden kann.

N-Frühjahrsdüngung

Für die Terminierung der Stickstoffdüngung zum Vegetationsbeginn kann das Modell der korrigierten „Temperatursumme“ (200 °C) als Richtwert für die erste Mineral-N-Gabe genutzt werden. Die mineralische N-Ergänzungsdüngung zum ersten und zweiten Schnitt sollte sich jeweils an einer 50 % N-Ertragswirksamkeit aus der vorausgegangenen Gülledüngung orientieren, da dies dem sofort verfügbaren NH4-Anteil in der Gülle entspricht. Die erwünschte Nachwirkung von 20-25 % des Gesamtstickstoff sollte auf den späteren Aufwüchsen zu Gute kommen. So können die Vorgaben, besonders hinsichtlich der Nährstoffsalden eingehalten werden, ohne auf Ertragspotenzial in den wichtigen ersten Schnitten im Mai und Juni zu verzichten. Als geeignete N-Düngeformen für die mineralische Stickstoffergänzungsdüngung auf Moorstandorten sind im ersten Aufwuchs schnell verfügbare Stickstoffformen zu bevorzugen. Harnstoff- und amidhaltige Düngemittel ermöglichen in Kombination mit hoher organischer Düngung nicht die notwendige Sofortwirkung. Auf mineralischen Grünlandstandorten sind N-Düngemittel mit verzögerter Stickstoffwirkung durchaus einsetzbar, um bei hoher Nutzungsintensität und Düngung (5-6 Schnitte) Verlustrisiken durch Auswaschung zu reduzieren.

Aufteilung der N-Düngung

Die Aufteilung des Stickstoff-Düngebedarfs soll sich an dem jeweils aktuellen Bedarf des Aufwuchses (Vegetation) und der Menge des aus anderen Quellen (Leguminosen, Bodenvorrat) mineralisch verfügbaren Stickstoff orientieren. Dieses Gleichgewicht ist eine wesentliche Voraussetzung um Nitratauswaschung in das Grundwasser zu vermeiden und Erträge zu sichern. Da die Nmin-Methode für Dauergrünland nicht geeignet ist, wurde das standortbezogene N-Nachlieferungsvermögen aus dem Bodenvorrat in der Düngeverordnung als pauschaler Richtwert für Mineralböden (In Abhängigkeit vom Anteil der organischen Substanz) sowie für Niedermoor- und Hochmoorstandorte definiert. Dementsprechend sind Abschläge vom N-Düngebedarf einzuplanen.

Die Tabellen (N-Mineral;  N-Hochmoor; N-Niedermoor) zeigen Beispiele für standortbezogene Aufteilung der N-Düngung innerhalb dieser Grenzen. Die hier empfohlene Aufteilung berücksichtigt, dass mit abnehmender Wachstumskraft der Vegetation und zunehmender Mineralisationsrate der organischen Bodenbestandteile (Gülle, Humus, Torf) die Düngergaben im Sommer reduziert werden sollten. Außerdem wurden die Vorgaben der Düngeverordnung zur Anrechnung von 10% der org. N-Zufuhr des Vorjahres in die Düngebedarfsplanung integriert, so dass sich aufgrund dieser Annahmen jeweils ungerade Düngebedarfswerte ergeben. Im Durchschnitt werden bei aktuell 50% plus überjährig 10% Anrechnung des organischen Stickstoffs aus der Rindergülle bis zu 102 kg N aus 170 kg N-Zufuhr berücksichtigt. Der Termin der Gülledüngung ist betriebsindividuell und in Abhängigkeit der Witterung, der Möglichkeiten zur Gülleseparation sowie dem Gülleanfall zu wählen. Die empfohlene Konzentration der organischen Düngung in den ersten zwei Aufwüchsen erfordert bis zu 9 Monate (Mai bis Februar) Lagerraum, was eher selten ist. Deshalb ist eine weitere organische Düngung in den meisten Betrieben zwingend erforderlich. Die organische Gabe zum 2. Schnitt kann schadlos auch zu einem weiteren Folgeschnitt gegeben werden, wenn die Rahmenbedingungen (Witterung, etc.) passen. Die mineralische Ergänzungsdüngung in den einzelnen Aufwüchsen muss entsprechend angepasst werden.    

Herausforderung der Moorstandorte

Durch mit der Düngung zugeführte Mineralien kann es im oberen Krumenbereich (< 1-2 cm) von Hoch- und Niedermoorgrünland zu erhöhten Nährstoffkonzentrationen kommen, weshalb bei der empfohlenen Einstichtiefe von 10 cm für die Bodenprobenahme im Dauergrünland das Analyseergebnis dahingehend beeinflusst werden kann, dass die Bodenversorgung überschätzt wird. Für die Bodenprobenahme haben sich außerdem etwas größere Einstichzylinder bewährt, da mit den üblichen Grünlandprobenahme-Stechzylindern (mit nur etwa 1 cm Durchmesser) der weiche Moorboden beim Einstechen leicht zusammengedrückt und nach unten verdrängt wird. Das kann unter Umständen zum Verlust der unteren 1-2 cm Boden im Stechzylinder führen und das Ergebnis zusätzlich beeinflussen.

Moorstandorte erwärmen sich aufgrund ihres hohen Wasserspeichervermögens im Frühjahr verzögert und sind zum Vegetationsbeginn biologisch träge. Die Befahrbarkeit der weichen Moorböden ist aufgrund hoher Wassersättigung in dieser Zeit eingeschränkt, so dass sich auch die Feldarbeiten verzögern können. Für die Gülledüngung sind auf diesen Standorten eher leichtere Fahrzeuge und Güllewagen sowie besondere Bereifung (Luftdruck, Zwillingsräder) notwendig, um die Düngung zum Vegetationsbeginn bis etwa Ende März erledigen zu können. Die Hälfte des Stickstoffbedarfs im ersten Aufwuchs sollte mit schnell wirksamen Mineraldüngern erfolgen, um das Ertragsvermögen frühzeitig mit Beginn der Vegetation auszuschöpfen.

Die mit der Bundes-Düngeverordnung pauschal festgelegten, niedrigeren Düngebedarfe für organische Standorte (-50 kg N/ha auf Hochmoor bzw. -80 kg N/ha auf Niedermoor) bedingt, ist der Stickstoffanteil aus Wirtschaftsdüngern bei der Grünlanddüngung in Milchviehbetrieben bei Auslastung der 170 kg N/ha deutlich höher. Der Spielraum, den Pflanzenbestand gezielt mineralisch zu unterstützen wird dadurch deutlich geringer.

Die Düngung des Grünlands auf Moorstandorten ist für Futterbaubetriebe in Niedersachsen eine besondere Herausforderung. Die Düngebedarfsermittlung nach den Vorgaben der Bundes-Düngeverordnung ist als Modell für den Düngebedarf des Jahres standortbezogen anzuwenden. In der Düngepraxis auf dem Grünland müssen die Stellschrauben durch die zeitliche Verteilung der Wirtschaftsdünger sowie der mineralischen Ergänzungsdüngung optimiert werden. Auf einzelbetrieblicher Ebene können technische Lösungen (Lagerraum, Separation, Ausbringung) die Düngepraxis verbessern helfen, um Grünlanderträge und Futterqualitäten abzusichern.


Kontakt:
Gerd Lange
Berater Grünland und Naturschutzprogramme
Telefon: 04271 945-224
Telefax: 04271 945-222
E-Mail:
Meike Backes
Leiterin Fachbereich Grünland und Futterbau
Telefon: 0511 3665-4453
Telefax: 0511 3665 4508
E-Mail:


Stand: 22.02.2019



PDF: 31529 - 70.4833984375 KB   Nährstoffbedarf   - 70 KB  
PDF: 31530 - 152.202148438 KB   N-Hochmoor   - 152 KB  
PDF: 31531 - 140.857421875 KB   N-Mineral   - 141 KB  
PDF: 31532 - 152.8203125 KB   N-Niedermoor   - 153 KB  
PDF: 31533 - 62.9150390625 KB   N-orgwirksam   - 63 KB