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Silierstart 2019 mit Winterzwischenfrüchten

Aufgrund der geringen Erntemengen in 2018 wurden zur Aufstockung des Futtervorrates vielerorts Winterzwischenfrüchte oder auch Wintergetreide zur Nutzung als Ganzpflanzensilage angebaut. In Kürze steht das Silieren für diese Kulturen an. Erfahren Sie mehr, was es für gute Qualitäten hinsichtlich Futterwert und Gärqualität zu beachten gilt.

 

Im Allgemeinen kommt die Entwicklung dieser Kulturen nach dem bisherigen milden Winter gut voran. Ausgehend von dem zeitigen Vegetationsbeginn und der bisherigen Witterung könnte die Ernte von den als Winterzwischenfrucht angebauten Kulturen wie Welschem Weidelgras, Grünroggen und Landsberger Gemenge rechtzeitig in der zweiten Aprilhälfte anfallen. Es bietet sich damit die erste Chance in 2019, wieder dringend benötigtes Grundfutter zu gewinnen. Was für die Ernte und Silierung zu beachten ist, um hierbei hohe Futterqualität und geringe Verluste anzustreben, lesen Sie im Folgenden.

Grünroggen

Als Winterzwischenfrucht kommt vorrangig Grünroggen von den Getreidearten in Betracht. Prinzipiell ist die Entwicklung der Futterqualität von Grüngetreide im vegetativen Stadium mit den Gräsern gleichzusetzen. Das anfänglich rohproteinreiche und strukturarme Futter verändert sich mit dem Übergang zur generativen Phase. Ab dem Zeitpunkt nimmt der Rohproteingehalt ab, während der Rohfaser- und im gewissen Maße auch Zuckergehalt ansteigen.

Optimal ist die Ernte aus Sicht der höchsten Energiekonzentration im Zeitraum kurz vor dem Grannenspitzen bis zu Beginn des Ährenschiebens (BBCH 45 - 51). Hierbei sind die Grannen noch nicht sichtbar und die Ähre in der geschwollenen Blattscheide lediglich fühlbar. Innerhalb von zwei bis drei Tagen kann die Ähre vollständig geschoben sein, was mit einem Rückgang an Energie verbunden ist. Vor dem Hintergrund sollte bei passender Wetterlage so nah wie möglich zum optimalen Reifezeitpunkt gemäht und der Entwicklungsabschnitt regelmäßig kontrolliert werden.

So kann das genetische Potential der Winterroggensorten, die speziell für die Grünnutzung gezüchtet wurden, am besten ausgeschöpft werden. Das Ertragspotential liegt in Abhängigkeit vom Saattermin, Standort und Wuchsbedingungen zwischen 50 – 80 dt TM/ha. Die massewüchsigen Populationssorten sind durch ein früh einsetzendes Massewachstum und größere Wuchslänge charakterisiert, aber auch durch eine geringere Standfestigkeit und einen niedrigen Kornertrag.  Mit zu späten Ernteterminen droht die Lagerneigung, was es zu vermeiden gilt.

Das Grüngetreide zeichnet sich im Zeitraum des optimalen Mahdzeitpunktes durch ein günstiges Verhältnis an Rohprotein und Zucker aus. Für eine fehlgärungsfreie Silierung ist ein Anwelken auf Trockenmassegehalte von mindestens 28 % unbedingt erforderlich. Diese Empfehlung ist in der praktischen Umsetzung gar nicht so einfach, denn ersten fällt viel Masse an und zweitens liegt der Trockenmassegehalt im frischen Zustand zwischen 16 – 20 %. Eigentlich müssten nach der Breitablage, ein Wendevorgang und das Schwaden erfolgen. Doch jeder Arbeitsgang kann bei der lockeren Narbe zur Futterverschmutzung führen. Deshalb wird Grünroggen in der Regel mit einem Schneidwerk geerntet und direkt gehäckselt oder im Schwad abgelegt und nach kurzem „oberflächigem abtrocknen“ gehäckselt. Beides führt zu mehr oder weniger Sickersaftaustritt. Vor dem Hintergrund sind im Falle der Silierung von Zwischenfrüchten besondere Vorsorgemaßnahmen für das Auffangen und sachgerechte Entsorgen von Gärsaft zu treffen.

Die Schnitthöhe sollte mindestens bei 8 cm liegen. Bei Langstrohtypen darf die Schnitthöhe auch höher gewählt werden, vor allem, wenn der Fokus auf den Energiegehalt des Futters liegt. Ein zu tiefer Schnitt birgt die Gefahr der Futterverschmutzung sowohl bei der Mahd selbst als auch durch alle nachfolgenden Arbeitsgänge der Futterwerbung. Darauf ist insbesondere bei lückigem Stand des Grünroggens zu achten.

Auch wenn alle siliertechnischen Rahmenbedingungen im Hinblick auf eine gute Zerkleinerung des Grünroggens, der Walzarbeit und Abdeckung bestens umgesetzt werden sowie die Witterungsbedingungen passen, empfiehlt sich ein Siliermittelzusatz mit dem Ziel, Fehlgärungen zu verhindern. Biologische Produkte mit homofermentativen Milchsäurebakterien (DLG Gütezeichen mit der Wirkungsrichtung 1b) sind für diesen Fall bei guten Welkbedingungen ausreichend (s. auch Kapitel unten).

Welsches Weidelgras

Mit dem Welschen Weidelgras steht in 2019 die erste Grasernte an. Über die Reifeentwicklung wird zur gegebenen Zeit mit den Einzelbeiträgen zur Grünlandreifeprüfung berichtet. Legt man die Daten der letzten fünf Jahre aus der Reifeprüfung zum optimalen Schnittzeitpunkt (Rohfasergehalt zwischen 21-23 % TM) zugrunde, so lagen die Trockenmasseerträge im Durchschnitt bei 37 dt TM/ha, die Energiekonzentration bei 6,7 MJ NEL/kg TM und der Rohproteingehalt bei 18,5 % TM. Die hier aufgeführte hohe Futterqualität ist nur bei frühem Schnitt zu erreichen.

Im Allgemeinen zeichnen sich Weidelgräser durch höhere Zuckergehalte im Vergleich zu anderen Gräsern aus. Auch wenn der Zuckergehalt jahreszeitlichen Schwankungen unterliegt, so kann bei der Silierung von Weidelgras in aller Regel von einer guten Vergärbarkeit ausgegangen werden. Dennoch ist ein schnelles und damit effizientes Anwelken auf TM-Gehalte oberhalb von 28 % für gute Gärqualitäten gleichfalls unerlässlich.

Landsberger Gemenge

Als Winterzwischenfrucht wurde auf einigen Flächen auch das Landsberger Gemenge angebaut. Unter Landsberger Gemenge versteht man die Mischung aus Zottelwicke (21 kg/ha), Inkarnatklee (9 kg/ha) und Welschem Weidelgras (30 kg/ha). Die Zusammensetzung verdeutlicht, dass es sich um ein ertragreiches, hochwertiges und proteinreiches Futter handeln kann. Es setzt allerdings voraus, dass sich die Leguminosen im Bestand gut etabliert haben, was im trockenen Herbst des letzten Jahres nicht immer gelang.

Der Schnittzeitpunkt richtet sich nach den Hauptbestandesbildnern. Überwiegen die Grasanteile, so fällt die Ernte vergleichbar früh an wie das Welsche Weidelgras. Haben die Leguminosen nennenswerte Anteile erreicht, so darf sich der Schnittzeitpunkt an der Entwicklung des Inkarnatklees orientieren. Er sollte sich günstigenfalls noch im Knospenstadium befinden. Im Allgemeinen räumt die Frucht dann erst Anfang bis Mitte Mai.

Die Silierbarkeit des Gemenges wird erwartungsgemäß von den Leguminosenanteilen beeinflusst. Ist viel Wicke und Inkarnatklee im Bestand vertreten, ist das futterbaulich wegen des guten Rohproteinertrages positiv zu werten, auch wenn sich die Siliereignung damit verschlechtert. Vor dem Hintergrund ist es empfehlenswert, Siliermittel zur Verbesserung der Gärqualität in der Wirkungsrichtung 1a oder 1b prophylaktisch einzuplanen. Gleichfalls gilt es, die grobstängeligen Wicken gut zu zerkleinern, damit eine hinreichende Verdichtungsarbeit gesichert ist.

Siliermittel

Für die Silierung von Zwischenfrüchten ist ein Siliermittelzusatz zur Verbesserung der Gärqualität stets anzuraten. Bei guten Welkbedingungen wären biologische Produkte auf der Basis homofermentativer Milchsäurebakterien ausreichend, wie es oben schon beschrieben wurde. Die Wettersituation zum Zeitpunkt der Ernte ist jedoch immer ungewiss. Bei zu hohen Welkgraden kann es sinnvoll sein, wenn das Bakterienpräparat zusätzlich auch heterofermentative Milchsäurebakterien enthält. Im Falle von Schlechtwetterlagen wird in aller Regel ein hinreichendes Anwelken in der empfohlenen Feldliegezeit von 24 Stunden nicht erreicht. Für diese schwierigen Gärbedingungen sind chemische Siliermittel (Siliersalze in der Wirkungsrichtung 1a) aufgrund ihrer sicheren Wirksamkeit zu bevorzugen. Besprechen Sie die unterschiedlichen Siliersituationen mit Ihrem Siliermittelvertreter bzw. Lohnunternehmer. Wenn man sich nur auf ein Produkt im Voraus festlegt, schränkt es das flexible Handeln ein mit dem Risiko, dass es im falschen Anwendungsbereich zum Einsatz kommt.

Zur Auswahlentscheidung zu Siliermitteln mit DLG-Gütezeichen für die unterschiedlichen Grundfuttermittel und Siliersituationen laden Sie das pdf-Dokument „Entscheidungshilfe-Siliermittel-Auswahl-Einsatzbedingungen“ auf dieser Seite herunter, welches in Abstimmungsarbeit des Bundesarbeitskreises Futterkonservierung unter Federführung von Frau Jilg entwickelt wurde. Es steht in diesem Jahr erstmalig zur Erprobung zur Verfügung. Es soll nicht nur Landwirten, sondern auch Lohnunternehmern, Maschinenringen und Beratern zur unabhängigen Entscheidung geeigneter Siliermittel helfen.

Fazit

Mit der Silierung von Winterzwischenfrüchten steht in diesem Jahr die erste Silierung an. Um hierbei nicht nur Masse, sondern auch beste Futterqualitäten zu erzielen, sollte die Reifeentwicklung der Kulturen gut beobachtet werden. Ein gutes Siliermanagement inklusiv dem Zusatz eines geeigneten Siliermittels ist für eine bewusste Steuerung der gewünschten Gärvorgänge Voraussetzung, um das Futter so verlustarm wie möglich zu bergen.

 


Durch Beerntung der Grasuntersaaten weitere Futterreserven nutzen

Grasuntersaaten im Mais dienen dem Wasser- und Erosionsschutz. Die diesjährigen Grasuntersaaten haben sich nach der Maisernte 2018 zum Teil sehr gut entwickelt, so dass einige dieser Grasbestände auch zur Silierung in Frage kommen. Das gelingt dort problemlos, wo nach der Maisernte auch noch eine entsprechend flache, möglichst nur zerkleinernde Stoppelbearbeitung (Zünslerbekämpfung) erfolgte. Wurde aber auf diese Stoppelbearbeitung verzichtet, ist bei der Silierung dieser Grasuntersaaten zwangsläufig mit dem Eintrag der Maisstoppel und damit mit einem hohen Anteil von Verderbkeimen zu rechnen. Das wirkt sich nicht nur auf den Futterwert, sondern auch auf die Silierung und die aerobe Stabilität nachteilig aus. Vor dem Hintergrund ist die Silierung dieser Grasbestände nur dann in Erwägung zu ziehen, wenn die Futterknappheit extrem groß ist. Chemische Siliermittel der Wirkungsrichtung 2 sind für dieses keimbelastete Erntegut bei gutem Anwelkgrad im Vergleich zu biologischen Produkten wirkungssicherer. Günstigenfalls sollte das Erntegut nicht gemeinsam mit den anderen Winterzwischenfrüchten siliert werden. Eine getrennte Lagerung ist zu bevorzugen, beispielsweise in Rundballen. Auf eine sehr gute Zerkleinerung des Erntegutes sollte wegen der Maisstoppelanteile besonders geachtet werden. Es besteht aktuell mit einem Walzgang in Mahdrichtung die Möglichkeit, die Stoppel zum Umknicken und damit zum Andrücken auf den Boden zu bringen. Achten Sie dann bei der Mahd auf die Schnitthöhe, die nicht unter 7 cm liegen sollte. So lässt sich der Stoppelanteil zumindest reduzieren.


Schnellen Futterbedarf decken durch Silierung von Grüngetreide anstatt Getreide-GPS-Nutzung

Wo die Futternot sehr groß ist und bis zur Ernte der Getreideganzpflanze nicht mehr gewartet werden kann, bietet es sich auch an, Triticale, Winterroggen (Druschsorten) oder Winterweizen als Grüngetreide zu silieren. Für die Silierung gilt das Gleiche wie oben für den Futterroggen beschrieben. Nach der Ernte des Wintergetreides Ende April/ Mitte Mai kann beispielsweise Mais gedrillt werden, was bei normalen Witterungsverhältnissen wiederum hohe Futtermengen im Herbst verspricht. Vor dem Hintergrund der nachfolgenden Frucht und der Wartezeiten sind Pflanzenschutzmaßnahmen bei der Umnutzung von Drusch- zu Grüngetreide entsprechend anzupassen, falls sie überhaupt erforderlich sind.


 


Kontakt:
Dr. Christine Kalzendorf
Beraterin Grünland, mehrj. Ackerfutterbau und Futterkonservierung
Telefon: 0441 801-428
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:
Meike Backes
Leiterin Fachbereich Grünland und Futterbau
Telefon: 0511 3665-4453
Telefax: 0511 3665 4508
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Stand: 25.03.2019