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Welche Siliermittel zur Grassilagebereitung?

Der Zusatz an Siliermitteln darf als lohnenswerte Möglichkeit zur Verbesserung der Silagequalität, der Schmackhaftigkeit und damit auch der Futteraufnahme betrachtet werden. Ob der Siliermitteleinsatz sinnvoll ist, welche Produkte vorzugsweise für Gras zu verwenden sind und ob sich die Investition überhaupt lohnt, lesen Sie im Folgenden.

 

Ob der Siliermitteleinsatz sinnvoll ist, welche Produkte vorzugsweise für Gras zu verwenden sind und ob sich die Investition überhaupt lohnt, sind sehr häufig gestellte Fragen aus der Praxis. Mit diesem Beitrag soll speziell auf diese Fragen eingegangen und aus Erfahrungen der praktischen Versuchs- und Beratungsarbeit berichtet werden.

Wie wirken die Produkte?

Siliermittel beeinflussen auf verschiedene Art und Weise den Gärprozess. So wird beispielsweise mit gezieltem Zusatz von Milchsäurebakterien die Anzahl der gewünschten Mikroorganismen im Siliergut erhöht und dadurch die Konkurrenzsituation gegenüber allen anderen Schaderregern verbessert. Beachten Sie vor der Anwendung die Unterschiede zwischen homo- und heterofermentativen Milchsäurebakterien.

Die homofermentativen Milchsäurebakterien nutzen den Zucker, um vorrangig Milchsäure zu bilden. Aufgrund der Milchsäure betonten Gärung im TM-Bereich zwischen 30 – maximal 40 % TM kommt es zu einer raschen pH-Abnahme. Je schneller und tiefer der pH-Wert sinkt, desto besser werden Fehlgärungen durch Buttersäurebildner unterbunden.  

Heterofermentative Milchsäurebakterien vergären hingegen Zucker oder auch Anteile der Milchsäure vorrangig zu Essigsäure. Es kommt bevorzugt zu einer Mischgärung mit relativ hohen Anteilen an Essigsäure neben der Milchsäure. Durch die Essigsäure werden vor allem die Hefen als verantwortliche Startkeime für die Nacherwärmung gehemmt. Für dieses Wirkprinzip ist gleichfalls der TM-Gehalt bedeutsam, denn die Effekte schwächen sich bei zu hohen Welkgraden oberhalb von 40 % ab.

Die beiden Beispiele der biologischen Impfkulturen machen die unterschiedliche Wirkungsweise deutlich: homofermentative Kulturen nehmen Einfluss auf die Gärqualität (Wirkungsrichtung 1) und heterofermentative Kulturen verbessern die Haltbarkeit der Silage unter Lufteinfluss (Wirkungsrichtung 2).

In dem Zusammenhang spricht man auch im Rahmen der Wirkungsrichtung 1 von anaerober Haltbarkeit, also der Lagerstabilität im geschlossenen Futterstock unter Luftabschluss. Unter der Wirkungsrichtung 2 versteht man die aerobe Haltbarkeit. Hiermit ist die Lagerstabilität bei Anwesenheit von Luft gemeint, also während des Verfütterungszeitraumes.

Eine gleiche Unterscheidung im Hinblick auf die beiden oben aufgeführten, primären Wirkungsrichtungen ist bei den chemischen Siliermitteln zu treffen. Je nach Zusammensetzung der Produkte gibt es entweder Siliermittel, die gezielt auf den Gärverlauf wirken oder auf die Haltbarkeit während des Verfütterungszeitraumes. Tabelle 1 gibt einen Überblick über die Wirkungsweise der Produktgruppen unter Berücksichtigung der zwei primären Wirkungsrichtungen.

Erste Voraussetzung für den Erwerb eines Produktes besteht folglich darin, zu wissen, welches vorrangige Ziel mit dem Siliermittelzusatz angestrebt werden soll. Sind Fehlgärungen zu erwarten, weil das Grünfutter wenig Zucker enthält oder nur schwach angewelkt werden kann? Hier sind Siliermittel mit der Wirkungsrichtung 1 a oder 1b einzusetzen. Oder sind die Gärbedingungen gut, aber in den zurückliegenden Jahren trat immer wieder das Problem der Nacherwärmung auf? Derartige Schäden lassen sich mit Siliermitteln der Wirkungsrichtung 2 mindern, vorausgesetzt, dass ansonsten wenige Mängel in der Güte der praktizierten Silier- und Fütterungstechnik bestehen.

DLG-Gütezeichen vereinfacht Produktauswahl

Das DLG-Gütezeichen bietet dem Praktiker die Möglichkeit, eine Aussage zur Wirkung des Produktes zu bekommen. Prinzipiell ist mit der Gütezeichenangabe die nachgewiesene Leistung aufgeführt, welche in abgekürzter Form mit Ziffern und Buchstaben ausgewiesen ist. Für die richtige Anwendung des Siliermittels ist somit die Kenntnis über die Bedeutung der Ziffern und Buchstaben des DLG-Gütezeichens grundlegend.

Für die Vergabe des DLG-Gütezeichens werden die Siliermittel im Auftrag der Herstellerfirmen von unabhängigen Untersuchungseinrichtungen geprüft. Die Ergebnisse wertet die DLG aus und entscheidet, ob das Siliermittel wesentlich bessere Wirkungen erzielte als die unbehandelte Silage. Je nach Prüfkriterien kann bei nachgewiesener, positiver Leistung eine Gütezeichenvergabe in die im Kasten benannten Kategorien erfolgen. Wie dem Kasten unten zu entnehmen ist, wird die Wirkungsrichtung 1 (Verbesserung des Gärverlaufes) in drei weitere Anwendungsbereiche unterteilt, welche die Silierbarkeit des Futters berücksichtigen. Die Kriterien zur Einordnung des Siliergutes als schwer-, mittelschwer- oder leicht silierbar sind in Tabelle 2 aufgeführt.

Ist der Einsatz sinnvoll?

Diese Frage wird im Beratungsgespräch immer wieder gestellt. Gelingt es mit dem Siliermittel entweder den Gärverlauf oder die aerobe Stabilität zu verbessern, werden in beiden Fällen Verluste reduziert. Je geringer die Trockenmasseverluste sind, desto mehr Nährstoffe können bis zum Tier gelangen und umso besser sind entweder die Milch- oder Mastleistung. Neben der Verlustminimierung ist zudem der Arbeitszeitgewinn anzurechnen, wenn keine fehlvergorenen oder verschimmelten Partien täglich aus dem Futterstock zu selektieren sind.

In Versuchen auf Laborebene kann sehr gut nachgewiesen werden, dass es bei richtiger Auswahl und Anwendung der Siliermittel gelingt, durch eine gezielte Steuerung des Gärverlaufes positiv auf das Verlustgeschehen der Silagen einzuwirken.

Der lohnenswerte Einsatz von Siliermitteln lässt sich gleichfalls anhand der Ergebnisse im Rahmen des Silagewettbewerbes nachweisen. Zu den Preisträgern gehören fast ausschließlich Landwirte, die Siliermittel als einen zusätzlichen und festen Bestandteil in ihrem Siliermanagement nutzen. Ihr Erfolgsrezept basiert auf einem hochwertigen Gräserbestand, kurzen Feldliegezeiten, einem intensiv zerkleinerten Siliergut (Häcksel- oder Schnittlängen unter 4 cm), einer gezielten Auswahl des Siliermittels unter Berücksichtigung der gewünschten Wirkungsrichtung, der gleichmäßigen Verteilung im Gutstrom und Einhaltung der Dosiervorgaben durch Verwendung geeigneter Dosiergeräte.

Vor dem Hintergrund wird deutlich, dass dem erfolgreichen Siliermitteleinsatz immer gewisse Voraussetzungen pflanzenbaulicher und siliertechnischer Art zugrunde liegen.

Welche Siliermittel für den Notfall?

Das Jahr 2017 hat gezeigt, dass man den Schlechtwettersituationen nicht unvorbereitet begegnen sollte. Bevor das Erntegut mehr als zwei Tage auf dem Feld verbleibt und dennoch kein entsprechender Anwelkgrad von mindestens 28 % erreicht wird, ist der Einsatz von Siliermittel in der Wirkungsrichtung 1a zu empfehlen. Hierbei handelt es sich insbesondere um chemische Siliermittel. Wie aus Tabelle 3 hervorgeht, kann eine Auswahl aus Siliersalzen, Siliersäuren oder einer biologisch-chemischen Kombination getroffen werden. Alle chemischen Siliermittel erfordern im Vergleich zu den biologischen Präparaten deutlich höhere Aufwandmengen von 3 – 6 l/t FM. Folglich müssen die Dosiergeräte höhere Pumpleistungen erbringen. Größere Tanks am Erntegerät sind ebenfalls ratsam, um die Nachfüllzyklen und damit Standzeiten zu reduzieren. Sowohl die Produktauswahl als auch die Dosierung erfordern eine entsprechende Vorbereitung. Sich auf Situationen von ungünstigen Silierbedingungen einzustellen, kann im Hinblick auf die zunehmenden Wetterkapriolen der letzten Jahre nur empfohlen werden.

Rechnet sich die Anwendung?

Anerkannte Betriebswirtschaftler haben sich mit dieser Frage schon häufig auseinandergesetzt, was u.a. in dem DLG-Praxishandbuch „Futter- und Substratkonservierung“ nachzulesen ist. Unabhängig der Autorenteams dieser Fachbeiträge lassen sich die Ergebnisse wie folgt zusammenfassen: Wenn der Siliermitteleinsatz lediglich das Ziel hat, die Verluste zu reduzieren, so ist ihr Einsatz nur bei sehr ungünstigen Silierbedingungen ökonomisch zu rechtfertigen. Das heißt aber auch: in Notfallsituationen lohnt sich der Einsatz der relativ teuren chemischen Siliermittel, denn es können damit erhebliche Verluste im Vergleich zur unbehandelten Silage reduziert werden.

Im Allgemeinen verbessert sich die Wirtschaftlichkeit von Siliermitteln bei zunehmend ungünstigen Silierbedingungen.

Je besser die Silierbedingungen werden, desto wichtiger ist, dass weitere Wirkungen des Siliermittels hinzukommen, um ihre Anwendung rentabel zu gestalten. Zu zusätzlichen Siliermitteleffekten gehören beispielsweise die Verbesserung der Verdaulichkeit der Silage oder die Leistungssteigerung der Tiere im Stall. Betrachtet man den Siliermitteleinsatz unter den Optionen von mehreren Siliermitteleffekten, so ist ihr Einsatz immer mit einem wirtschaftlichen Gewinn verbunden. Es lohnt sich daher auch bei der Wahl des Siliermittels auf weitere DLG-Gütezeichen, insbesondere der Wirkungsrichtung 4 zu achten.

Waren die Verluste in der Vergangenheit vorzugsweise im oberen Bereich der Silage angesiedelt, so kann sich die Siliermittelanwendung auf das obere Drittel des Silos beschränken und damit Kosten reduzieren. Es gilt auch hier, das Siliermittel mit Dosiergeräten homogen in das Siliergut einzubringen, wenn es maximale Wirkung erlangen soll.

Wir fassen zusammen:

Prinzipiell gilt: Chemische Siliermittel haben die höchste Wirksamkeit, sind aber teurer als biologische Produkte und die zu applizierende Aufwandmenge ist höher im Vergleich zu biologischen Produkten. Der Mehraufwand rentiert sich jedoch bei schweren Gärbedingungen, zumal die Wirkungssicherheit von biologischen Produkten in diesen Fällen unsicher wird.

Im Grenzbereich zwischen schwer und mittelschwer vergärbarem Erntegut sollten möglichst homofermentative Milchsäurebakterien ohne weitere Integration von heterofermentativen Milchsäurebakterien verwendet werden. Es gilt, den wenigen Zucker des Siliergutes konsequent zur Milchsäurebildung zu nutzen.

Die gleichzeitige Anwendung von homo- und heterofermentativen Milchsäurebakterien ist bei besseren Silierbedingungen anzuraten, also dort, wo ein Anwelkgrad oberhalb von 28 % im ansonsten (Weidel-)Gras dominanten Siliergut vorliegt.

Alle Siliermittel mit DLG-Gütezeichen auf einem Blick finden Sie in der Tabelle 4.

 

Vergabe von DLG-Gütezeichen untersetzt nach Wirkungsrichtungen und Anwendungsbereichen (AWB)
Wirkungsrichtung AWB Beschreibung des Wirkungspotentiales von Siliermitteln
1 A Verbesserung des Gärverlaufes in schwer silierbarem Futter
1 B

Verbesserung des Gärverlaufes in mittelschwer silierbarem Futter

1 C

Verbesserung des Gärverlaufes in leicht silierbarem Futter

1 D

Verbesserung des Gärverlaufes in leicht silierbarem, zuckerhaltigem Futter

2   Verbesserung der aeroben Stabilität
3   Reduzierung des Gärsaftanfalles
4 a verbessern zudem die Futteraufnahme
4 b verbessern die Verdaulichkeit
4 b verbessern die Leistung (Milch oder Mast)
5   Sonderwirkung (z.B. zur Verhinderung von Clostridien)
6 a Verbesserung des Methanerzeugungswertes : Verlustsenkung
6 b Verbesserung des Methanerzeugungswertes : Vermeidung Nacherwärmung
6 c Verbesserung des Methanerzeugungswertes : Sondereffekte

 

 

 

 

 

 


Kontakt:
Dr. Christine Kalzendorf
Beraterin Grünland, mehrj. Ackerfutterbau und Futterkonservierung
Telefon: 0441 801-428
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:
Meike Backes
Leiterin Fachbereich Grünland und Futterbau
Telefon: 0511 3665-4453
Telefax: 0511 3665 4508
E-Mail:


Stand: 15.04.2019



PDF: 31866 - 224.9140625 KB   Tabellen 1 bis 3   - 225 KB  
PDF: 31865 - 463.92578125 KB   Tabelle 4   - 464 KB