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Grünland und die Änderungen der DüV 2020

Es ist ein umfangreiches Maßnahmenpaket zur weiteren Verschärfung der Düngeverordnung für das Jahr 2020 geplant. Im Folgenden sind die wesentlichsten Punkte und deren Auswirkungen für Futterbaubetriebe dargestellt.

 

Die 170 kg N-Grenze

Bei der 170 kg N-Grenze wird es voraussichtlich keine Änderungen geben. Im Grünland bleibt es dabei. Auf Ackerland allerdings sollen die Bundesländer die Option auf Reduzierung dieser Grenze von 170 auf 130 kg N je ha in den roten Gebieten erhalten. Dies würde, insbesondere in den intensiven Veredlungsregionen, zu deutlich höheren Gülleabgabemengen führen bzw. zu massiven Reduzierungen der Tierbestände.

Nährstoffvergleich: Die Plausibilisierte Feld-Stall Bilanz

Bei dieser Bilanz gilt die Fläche als Bezugsebene. Hier wird alles berücksichtigt, was auf der Fläche gedüngt und geerntet bzw. beweidet wird. Abgesehen vom Mineraldünger beruhen die meisten hier zugrunde gelegten Werte auf Tabellen der Düngeverordnung. Die plausibilisierte Feld – Stallbilanz und alle damit verbundenen Regeln sollen komplett entfallen.

Die Stoffstrombilanz

Die Planung war es, diese Bilanz in 2023 verpflichten für alle Betriebe einzuführen. Dieser Termin soll vorverlegt werden. Im Gegensatz zur Feld – Stallbilanz werden hier ausschließlich Werte herangezogen, die belegbar sind. Bezugsebene ist hierbei der gesamte Betrieb. Dies führt zwangsläufig zu deutlich höheren Werten als in der Feld – Stallbilanz.

Beispiel Phosphor: In der Milchviehhaltung liegt der Überschuss einer Kuh häufig schon bei 20 kg P2O5 pro Jahr. Wird dann noch mineralischer Unterfußdünger beim Mais gegeben, kann ein P-Saldo schnell oberhalb von 40 kg P2O5 je ha und Jahr liegen. Der Gesetzgeber muss erst noch entsprechende Bewertungsmaßstäbe für die Stoffstrombilanz schaffen. Es wird mit Sicherheit aber so sein, dass auch Futterbaubetriebe die P-Salden die zukünftigen Grenzen teilweise deutlich überschreiten werden.

Die Düngebedarfsermittlung für Grünland

Zur Ermittlung des Düngebedarfs werden vom gesamten Stickstoffbedarf der Pflanzen entsprechende Abzüge vorgenommen. Der Stickstoffbedarf lt. Düngeverordnung entspricht im Grünland der Abfuhr. Somit berücksichtigt der Stickstoffbedarf nicht die Pflanzenbestandteile, die nicht geerntet werden, wie z. B. die Wurzelmasse. Diese Vorgehensweise, in Verbindung mit den teilweise recht hohen Abzügen (80 kg N – Niedermoor), stehen massiv in der Kritik. Vor diesem Hintergrund hat die Landwirtschaftskammer Niedersachsen neue Grünlandversuche zur Ableitung des N -Düngebedarfs angelegt. Hierzu wurden insgesamt 7 Standorte im nördlichen Niedersachsen, vorwiegend auf Moor, ausgewählt. Die Ergebnisse sollen die schon vorhandenen Daten aus älteren Versuchsvorhaben ergänzen und die fachliche Grundlage für eine Diskussion über die Grünlanddüngebedarfsermittlung bilden.

Rote Gebiete

Die meisten Einschnitte der Maßnahmen in den roten Gebieten sind durch die pauschale Reduzierung des Düngebedarfs um 20 % zu erwarten.  Futterbaubetriebe sind hiervon in erster Linie auf den Grünlandflächen betroffen. Die ohnehin schon eingeschränkte Düngung wird so nochmals stark reduziert. Dies kann z. B. auf einer Niedermoorfläche mit entsprechender Gülledüngung dazu führen, dass kaum noch eine mineralische Düngung möglich sein wird. Da aber gerade die Grünlandflächen weniger Probleme mit Sickerwasserbelastungen haben, werden diese Betriebe unverhältnismäßig hart getroffen. Es sollte hier zumindest über eine Differenzierung nach Kulturen nachgedacht werden.

Anpassungsmöglichkeiten

In Bezug auf die Bilanzen gilt es mehr denn je, die Nährstoffeffizienz des Betriebes auf allen Pfaden zu steigern. Dazu gehören beim Wirtschaftsdünger in erster Linie die verlustarme Ausbringtechnik und die termingerechte Ausbringung, welche mit hoher Schlagkraft und ausreichendem Lagerraum verbunden ist. Beim Grundfutter gilt es, geringe Silierverluste und gute Qualitäten anzustreben. Somit sind hohe Grundfutteraufnahmen und gute Grundfutterleistungen zu erreichen. Beim Zukauffutter sollte auf N und P - Reduzierung geachtet werden, dies allerdings nicht ohne gute Fütterungsberatung. Insgesamt muss das Ziel sein, bei gleichbleibender Produktionsmenge weniger Nährstoffe in den Betrieb einzukaufen.

Beim Düngebedarf bleiben dem Betrieb, außer guter Ausbringtechnik und optimierter Termine, allerdings keine weiteren Möglichkeiten, um auf die geplanten Einschränkungen zu reagieren. Die Einhaltung des Düngebedarfs ist Bußgeld bewährt. Somit wird eine weitere deutliche Reduzierung des Düngebedarfs mittelfristig zu reduzierten Ertrage führen.

 

 


Kontakt:
Frerich Wilken
Nährstoffeffizienz im Futterbau
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Meike Backes
Leiterin Fachbereich Grünland und Futterbau
Telefon: 0511 3665-4453
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Stand: 16.04.2019