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Grundlagen für Qualitätsgrassilagen schaffen

Die Dürreereignisse des vergangenen Jahres haben z. T. dramatisch an den Grundfuttervorräten vieler Betriebe gezehrt. Umso wichtiger wird es bei der demnächst anstehenden Grünlandernte sein, das Futter verlustarm und in bestmöglicher Qualität zu konservieren. Hier lesen Sie alles zu wesentlichen Maßnahmen von der Grünlandpflege, dem Grasbestand und der Güte der Silierarbeit. Nutzen Sie das Wissen für Ihre praktische Vorbereitung. Es gilt, den ersten Grasschnitt so gut wie möglich zu bergen.

 

Die Dürreereignisse des vergangenen Jahres haben z. T. dramatisch an den Grundfuttervorräten vieler Betriebe gezehrt. Umso wichtiger wird es bei der nun anstehenden Grünlandernte sein, das Futter verlustarm und in bestmöglicher Qualität zu konservieren.

Einige Voraussetzungen für eine gute Silage werden weit im Vorfeld der Ernte geschaffen und lassen sich nicht immer kurzfristig korrigieren. Dazu zählen vor allem die Pflege des Bestandes und die Artenzusammensetzung. Für eine erfolgreiche Vergärung des Futters braucht es ausreichend Zucker, damit dieser von den Bakterien zu Milch- und Essigsäure umgesetzt werden kann. Der Gehalt an Zuckerverbindungen lässt sich durch den Schnittzeitpunkt bedingt beeinflussen. Viel bedeutsamer ist jedoch der natürliche Zuckergehalt in den Futterpflanzen. Hier gibt es grundsätzliche Unterschiede. So geht aus Tabelle 1 hervor, dass der Zuckergehalt zwischen den Grasarten bereits um 100 g/kg TM variieren kann. Für die Silierfähigkeit ist der Zuckergehalt jedoch nicht der alleinige Indikator. Der Anteil puffernd wirkender Substanzen ist ebenfalls relevant und damit der Z/PK-Quotient.

Der Z/PK-Quotient zeigt das Säuerungspotential auf, indem Zucker (g/kg TM) und Pufferkapazität (Milchsäure in g/kg TM, die für eine Absenkung des pH-Wertes auf 4,0 benötigt wird) gegenübergestellt werden. Siliergut mit einem Z/PK-Quotienten von unter 2,0 gilt als schwerer vergärbar. Weidelgräser enthalten natürlicherweise viel Zucker und sollten daher im Bestand Anteile von über 50 % ausmachen. Striegeln oder Schleppen sind geeignete Pflegemaßnahmen, mit denen sich eine Nachsaat gut kombinieren lässt und hierbei das ertragreiche und konkurrenzstarke Deutsche Weidelgras zur Bestandesaufwertung regelmäßig ausgedrillt werden sollte. Dies unterstützt zudem das Schließen lückiger Narben und vermindert den Schmutzeintrag ins Futter durch das Einebnen von Maulwurfshügeln. Die Aussaatstärke sollte bei mehrmaligen Übersaaten mind. 10 kg/ha und bei Direktsaaten 15 – 20 kg/ha betragen, damit deutliche Erfolge durch die Nachsaat erzielt werden. Ein anschließender Arbeitsgang mit einer Glattwalze wirkt sich positiv auf den Aufgang aus. Zudem werden Unebenheiten vermindert und erhalten aufgefrorene Grasnaben einen verbesserten Bodenschluss.

Neben den allgemein bekannten, aber wichtigen Grünlandpflegemaßnahmen im Frühjahr hat der Schnittzeitpunkt einen erheblichen Einfluss auf die spätere Silagequalität. Welches Erntestadium des Aufwuchses als optimal angesehen werden kann, hängt jedoch von den späteren Fütterungsansprüchen ab. Mit frühen Schnitten lassen sich hohe Rohproteingehalte (XP) im Futter realisieren, welche jedoch die Silierbarkeit durch ihre puffernde Wirkung vermindern. Dieser Kompromiss ist zum Zwecke der hohen Futterqualität zu akzeptieren und sollte bei der Silierung und allen siliertechnischen Maßnahmen berücksichtigt werden. Im Vegetationsverlauf nimmt der Rohfasergehalt (XF) zu, der Proteingehalt jedoch allmählich ab. Ähnlich verhält es sich mit der Energiekonzentration, da durch zunehmende Rohfaseranteile der Ligningehalt des Futters ansteigt und es somit schwerer verdaulich wird. Ein geeigneter Erntezeitpunkt ist daher stets ein Kompromiss zwischen den Ansprüchen an Energie und Proteinqualität einerseits sowie dem Rohfasergehalt und Maximalertrag andererseits. Der XF-Gehalt hat sich in der Praxis als geeigneter Indikator zur Reifebeurteilung etabliert. Für die Fütterung von Milchvieh und Rindern hat sich die Ernte im Bereich zwischen 21 bis 23 % in der Gesamttrockenmasse bewährt. Ein Zeichen für das Erreichen dieses Stadiums kann das Ährenschieben der Hauptbestandsbildner sein. Die Grünlandreifeprüfung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen kann wertvolle Orientierungshilfe sein. Ebenso ist die individuelle Untersuchung einer eigenen Aufwuchsprobe im Labor ein guter Indikator. Dies ist vor allem für die Rohrschwingelbestände zu empfehlen, die im Allgemeinen sehr früh Rohfaser einlagern. Dominiert der Rohrschwingel im Bestand, sollte der Schnitt bereits beim Rispenschwellen erfolgen, um noch einen akzeptablen Futterwert zu erzielen.

Bei der Schnitthöhe ist darauf zu achten, dass der Vegetationskegel der Hauptbestandsbildner nicht zerstört wird, denn in ihm werden Reservestoffe eingelagert. Ihn abzutrennen hätte einen verzögerten Austrieb des Folgeaufwuchses aber auch Fehlstellen zur Folge. Bei schnittbetont genutzten Flächen mit Weidelgräsern als Hauptbestandesbildnern sind Schnitthöhen ab 7 - 8 cm in der Regel passend. Die Einstellung des Mähwerks sollte jedoch vor Ort dem individuellen Bestand angepasst und Lückenanteile sowie Unebenheiten berücksichtigt werden.

Bedingt durch den natürlichen Photosyntheseprozess werden unter Lichteinwirkung energiereiche organische Verbindungen am Tage auf- und nachts wieder abgebaut. Obwohl die höchste Zuckereinlagerung am Nachmittag zu verzeichnen ist, sollte der Mahdzeitpunkt so gelegt werden, dass sich möglichst 24-Stunden Silagen produzieren lassen. Wird nach dem Morgentau gemäht und dadurch eine Silierung am Nachmittag möglich, reduziert das erheblich die Atmungsverluste auf dem Feld und der Zucker steht für die Silierung zur Verfügung.

Das geschnittene Material sollte idealerweise innerhalb von 24 Stunden bis in einen Bereich zwischen 30 % und maximal 40 % TM angewelkt werden. Ein schneller Trocknungsprozess reduziert ein weiteres Mal Atmungsverluste und hemmt die Aktivität von Buttersäurebakterien, welche empfindlich auf Wasserentzug reagieren. Der Abstimmung der Ernte-Kette zur Einhaltung des Ziel-TM-Bereichs ist größte Aufmerksamkeit zu schenken! Niedrigere TM-Gehalte erhöhen das Risiko einer ungewünschten Buttersäuregärung, insbesondere bei gleichzeitig niedrigem Z/PK-Quotienten. Zu hohe TM-Gehalte wiederum wirken der Verdichtbarkeit des Häckselmaterials entgegen. So verbleiben größere Mengen Restsauerstoff im Futterstapel und ein schnelleres Eindringen von Luft während der Futterentnahme ist die Folge. Beides wirkt sich negativ auf die aerobe Stabilität des späteren Futters aus.

Die richtige Häcksellänge ist der Trockenmasse anzupassen und stellt stets einen Kompromiss zwischen den Anforderungen der Wiederkäuferfütterung und der Futterkonservierung dar. „So lang wie möglich für die Tiere, so kurz wie nötig für eine sichere Verdichtbarkeit“ – zwischen diesen Bestrebungen gilt es unter Berücksichtigung betrieblicher Rahmenbedingungen einen geeigneten Mittelweg zu finden. Empfehlungen für den Variationsbereich bewegen sich zwischen 2 cm bei extrem trockenem Material und 5 cm bei sehr nassem Futter.

Um die bereits mehrfach angesprochene Verdichtung zu gewährleisten, sind die Walzkapazitäten und die stündliche Siliergutanfuhr aufeinander abzustimmen. Eine Faustregel besagt, dass ein Viertel der stündlich angefahrenen Frischmasse als Walzgewicht auf dem Silostock vorzuhalten ist. Nicht der Feldhäcksler, sondern die Walzschlepper geben das Tempo der Ernte vor! Mit hohen Reifendrücken lässt sich die Aufstandsfläche verringern und somit eine bessere Tiefenwirkung beim Verdichten erzielen. Zwillingsbereifungen geben Sicherheit an kritischen Schrägungen, vermindern jedoch die Verdichtungsintensität. Einseitige Zwillingsbereifungen sind ein gängiger Kompromiss. Eine Aufgabenteilung zwischen Schleppern zur reinen Verdichtungsarbeit (schwer ballastiert, keine Zwillingsräder) und Schleppern mit Zwillingen zur Futterverteilung sowie zur Verdichtung steiler Kanten ist vorteilhaft. Ein unterbrechungsfreies Fahren der Walzfahrzeuge während der Wagenentleerung und dünne Schichten unter 25 cm wirken sich zudem positiv auf den Verdichtungserfolg aus. Zielwerte der Dichtlagerung sind oberhalb von 200 kg TM/m³ anzustreben.

Nach Beendigung der Erntearbeiten ist das Silo schnellstmöglich gasdicht abzuschließen. Bis in die Nacht andauernde Erntearbeiten führen oft dazu, dass die Verschlussarbeiten erst am Vormittag des nächsten Tages erfolgen. Dies ist mit Blick auf die Arbeitsbelastung nachvollziehbar, sollte jedoch, wenn nur irgend möglich durch eine angepasste Planung vermieden werden. Zum einen kann eine effiziente Ansäuerung durch Milchsäurebakterien erst gelingen, wenn kein Sauerstoff mehr im Silostock vorhanden ist. Zum anderen können sauerstoffliebende Hefen und Pilze diese Phase zu ihrer massiven Vermehrung nutzen. Sollte es auch nicht direkt zu Nacherwärmungen führen, wirken sich die erhöhten Besatzstärken mit Schaderregern negativ auf die aerobe Stabilität des Futters über die gesamte Nutzungsdauer des Silos aus. Daher ist das Silo unmittelbar nach der Walzarbeit gasdicht zu verschließen. Zur Schaffung sauerstofffreier Bedingungen im Silo hat sich neben der klassischen Silofolie, vorab das Auflegen der Unterziehfolie bewährt oder auch das System der 2-in-1-Folien. Der Einsatz von Siliermitteln setzt beste siliertechnische Bedingungen und einen gut vergärbaren Bestand voraus. Die Effekte durch Einhaltung der guten fachlichen Praxis (Bestandesführung, Anwelken, Verdichtung, Abdeckung) gehören zu den so genannten „Basics“ für eine gute Silagequalität.

Schnell gelesen: Wichtig sind…

  • Gute Bestandespflege
  • Wahl u. Planung des Silierverfahrens
  • Kontrolle der Erntearbeiten
  • Angepasste Silogeometrie
  • Verdichtung des Futters
  • Abdeckung

Kontakt:
Dr. Christine Kalzendorf
Beraterin Grünland, mehrj. Ackerfutterbau und Futterkonservierung
Telefon: 0441 801-428
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:
Meike Backes
Leiterin Fachbereich Grünland und Futterbau
Telefon: 0511 3665-4453
Telefax: 0511 3665 4508
E-Mail:


Stand: 17.04.2019