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Nitrose Gase bei Grassilagebereitung – Gefahr für Mensch und Tier

Die gute Wetterlage wird hier und da schon für eine sehr frühe Ernte des Ackergrases genutzt. Bei der Silierung von sehr jung entwickelten Futterpflanzen ist mit noch hohen Nitratgehalten zu rechnen. Bei der Silierung wird ein großer Teil des Nitrats abgebaut. Die Umbauprozesse hemmen dabei Buttersäurebakterien, was zunächst gut ist. Allerdings sind die stickstoffhaltigen Gase beim Entweichen aus dem Futterstapel gesundheitsgefährdend. Verätzungs-  aber auch Erstickungsgefahren drohen. Lesen Sie mehr, was es zu beachten gilt.

 

In einigen Futterbaubetrieben wird das Silieren des Ackergrases in den nächsten Tagen und damit zum Teil schon in einem sehr frühen Stadium geplant. Zum einen möchte man die aktuelle gute Wetterlage für ein rasches Welken und ein Silieren ohne Sickersaftbildung nutzen. Zum anderen soll die noch vorhandene Bodenfeuchte nicht zu stark von der Zwischenfrucht in Anspruch genommen werden. Mit Blick auf die Folgefrucht ist die Überlegung zum wassereffizienten Umgang gut nachvollziehbar.

Gemäß den Untersuchungen aus der Reifeprüfung ist das Feldgras aktuell durch hohe Proteingehalte charakterisiert. Das gilt es auch bei der Silierung zu berücksichtigen.

Bereits im letzten Jahr wurde bei der frühen Maisernte von braunen Gasen berichtet, die aus den Silo sichtbar herausströmten.

Hierbei handelt es sich um stickstoffhaltige Gase (nitrose Gase), die immer dann in größeren Mengen entstehen, wenn die Pflanze noch hinreichend Nitrat enthält.

In jungen Gras- oder Grünroggenbeständen kann von hohen Nitratgehalten ausgegangen werden.

Bei der Silierung wird Nitrat enzymatisch oder mikrobiell über mehrere Stufen abgebaut. Hierbei entsteht zeitweise auch Nitrit, von welchem eine hemmende Wirkung auf Buttersäurebakterien bekannt ist. Die Endstufe der Umbauvorgänge von Nitrat sind stickstoffhaltige Gase (nitrose Gase), die aus dem Futterstapel entweichen.

Die geschilderten Vorgänge sind typisch für die Silagebereitung innerhalb der ersten beiden Gärwochen und stellen keine Qualitätsbeeinträchtigung für das Futter selbst dar.

Allerdings ist das zeitlich begrenzte Auftreten von nitrosen Gasen gefährlich, denn die Gase haben tödliche Wirkung. Das Gas führt zu Verätzungen und beim Einatmen schlimmstenfalls zum Erstickungstod. Während die Anfangssymptome sich nur in leichtem Reizhusten äußern, kann es nach einigen Stunden zu einer schweren Lungenschädigung (Lungenödem) kommen. Dann stellen sich Krankheitsgefühl, Unruhe und Atemnot ein. Als Maßnahme der Ersten Hilfe in diesem Zusammenhang kommt es vor allem darauf an, für Frischluft zu sorgen und sicherheitshalber einen Arzt zu benachrichtigen.

Wenn das Entweichen der Gase so bewußt beobachtet wird, wie oben beschrieben, ist die Nähe zum Silo in dem Zeitraum zu meiden. Kinder sind auf diese Gefahren nicht nur hinzuweisen, sondern prinzipiell von den Siloanlagen fern zu halten. Das gilt nicht nur bei Ausströmen der nitrosen Gase, sondern generell bei Gärgasbildung. Das Hochnehmen der Siloplane innerhalb der ersten Siliertage ist aus jenem Blickwinkel genauso kritisch zu bewerten wie das Probenehmen aus dem noch nicht vollständig durchsilierten Futterstapel. 

 


Wir fassen zusammen

Nitrose Gase entstehen natürlicherweise bei der Silagebereitung innerhalb der ersten beiden Gärwochen. Das Ausmaß der Gasbildung hängt vom Nitrat- und Trockenmassegehalt der Pflanzen ab. Der Prozess ist siliertechnisch nicht beeinflussbar und hat keine Auswirkungen auf den Futterwert.

Entweichen die Gase aus dem Silo, so stellen sie beim Einatmen eine ernsthafte Gefahr für Mensch und Tier dar.


 

 

 


Kontakt:
Dr. Christine Kalzendorf
Beraterin Grünland, mehrj. Ackerfutterbau und Futterkonservierung
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Meike Backes
Leiterin Fachbereich Grünland und Futterbau
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Stand: 18.04.2019