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Ackergras deutlich vor dem Grünland

Der richtige Zeitpunkt zur Grünlandnutzung für Milchvieh ist abhängig vom Entwicklungsstand der bestandsbildenden Gräser, also in der Hauptsache vom Reifegrad des Weidelgrases. Die Weidereife im Grünland ist nun an den meisten Standorten erreicht.

 

Wöchentliche Probeschnitte von intensiv für die Milchviehfütterung genutzten Praxis-Grünlandflächen ermöglichen in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Wetterdienst in Braunschweig (DWD) eine Vorhersage der Ertrags- sowie der Rohfaser- und Rohproteinbildung für die jeweils aktuelle Woche. Die Ergebnisse der Futterwertanalysen durch die LUFA Nord-West und die Prognose der Ertrags- und Qualitätsentwicklung werden wöchentlich ab montags im Internet und am Donnerstag in der Land und Forst erscheinen.

Für die Verwertung in grasbetonten Milchviehrationen wird empfohlen, die Grünlandbestände einem Bereich zwischen 21% und bis 24 % Rohfaser (XF % i.TM) sowie bei mindestens 15% Rohprotein (XP % i.TM) in der Trockenmasse möglichst schmutzfrei zu ernten, um in der Grassilage hohe Energiegehalte (> 6,3 MJ NEL/kg TM) für die Milcherzeugung zu erreichen.

Stand der Grünlandvegetation

Viele Grünlandbestände hatten im Vorjahr sehr unter der Trockenheit gelitten, so dass vielfach Reparaturmaßnahmen durchgeführt wurden. Verkrautung durch Löwenzahn sowie einjährige Lückenbesiedler (Vogelmiere, Hirtentäschel) hat allgemein deutlich zugenommen. In unseren Prognoseflächen konnten sich die Grünlandnarben aufgrund des milden Winters und der bislang günstigen Niederschlagsverteilung in den letzten Wochen und Monaten gut erholen, auch weil regelmäßig Nachsaaten schon seit Jahren erfolgen.

Erste Ergebnisse vom Grünland

Bei Aufwuchshöhen um 10-20 cm wurden in den vergleichsweise dichten Grünlandnarben der Probeflächen am 16. April zwischen 11 bis 21 dt TM/ha ermittelt. In den Klimaregionen Nordöstliches Niedersachsen (Region III) wurde nur ein intensiv geführter, weidelgrasreicher Grünlandbestand untersucht. In den weiteren Klimaregionen sind entsprechend der dort größeren Bedeutung des Intensivgrünlandes jeweils zwei bis fünf Standorte vertreten (vgl. Standortkarte).

Die Reifeentwicklung ist mit Rohfasergehalten von 15,0 bis 16,4% XF i.T. noch sehr einheitlich und weist auf junge Bestände hin. Der Energiegehalt lag Mitte April bei >7,2 bis 7,5 MJ NEL und kann mit Milchvieh bereits sehr gut für eine Weidemilcherzeugung genutzt werden. Entsprechend hoch sind die Rohproteinwerte mit 23, 1 bis 25% XP i.T., wovon ein nicht unwesentlicher Anteil als NPN Verbindung vorliegen dürfte. Die hohen Rohproteingehalte sollten bei der Weidehaltung durch entsprechende strukturreiches Zufutter abgepuffert werden.

Ernteprognose für das Dauergrünland

Der Deutsche Wetterdienst hat für die aktuelle Woche mittlere Tagestemperaturen von 13-15°C bei sonniger Witterung angekündigt. Darauf basiert auch die aktuelle Prognose für das Grünland bis zum 24. April 2019. Zur Einordnung der Prognose ist folgendes zu beachten: bei unseren ersten Probeschnitten ergibt sich aufgrund der geringen Stoppelhöhe bei hohem Blattmasseanteil eine tendenziell eher geringe Schnitthöhe von etwa 4 cm. Die in der Praxis anzustrebende Schnitthöhe liegt in der Regel über diesem Niveau, so dass die hier angegebenen Werte für die aktuelle Woche bei normaler Schnitthöhe (6-8 cm) auch ein paar Tage später als angegeben noch erreicht werden. Bei täglichen Ertragszuwächsen von 1,2 bis 1,6 dt TM/ha in den Regionen wird nun von einer Zunahme des Rohfasergehaltes um 0,15 -0,2 % (XF %i.TM) ausgegangen. Bis 24. April liegen die Rohfasergehalte in den Regionen bei 16,3 bis 17,5% XF i.T. Trotz der fehlenden Niederschläge wird seitens des DWD eine weiterhin günstige Ertragsentwicklung mit 23,2 bis 32,9 dt TM/ha zum 24. April prognostiziert. Aktuell befinden sich die Grünlandbestände in der Weidereife, Das Silieren von Grünlandbeständen für das Milchvieh ist erst im Verlauf der folgenden zwei bis drei Wochen zu erwarten.


Kontakt:
Gerd Lange
Berater Grünland und Naturschutzprogramme
Telefon: 04271 945-224
Telefax: 04271 945-222
E-Mail:
Meike Backes
Leiterin Fachbereich Grünland und Futterbau
Telefon: 0511 3665-4453
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Stand: 24.04.2019