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Pferdeweide nicht nur als Auslauf nutzen

Die eigentliche Weidesaison beginnt für die Pferde, wenn der Grünlandaufwuchs als Futtergrundlage genutzt werden kann. Es sind damit auch Risiken für die Gesundheit der Pferde verbunden, die aber bei guter Weideplanung vermieden werden können.

 

Auch wenn nicht jedes Vegetationsjahr so trocken ist wie das vergangene, so ist doch eines sicher: der erste Grünlandaufwuchs ist der beste. Die eigentliche Weidesaison beginnt für die Pferde, wenn der Grünlandaufwuchs als Futtergrundlage genutzt werden kann. Es sind damit auch Risiken für die Gesundheit der Pferde verbunden, die aber bei guter Weideplanung vermieden werden können.

Risiko Weide

Aufmerksamkeit ist zu Beginn der Weidesaison auf einen langsamen Übergang von der Stallfütterung auf die mehrstündige Tages- oder Nachtweide zu richten. Bei der Umstellung vom Boxenstall mit reiner Heu und Strohfütterung auf Weidegras muss der Weidegang einige Tage bis zu einer Woche deutlich begrenzt bleiben, damit der Verdauungstrakt sich langsam auf die rohfaser- und strukturarme sowie eiweißreiche Kost umstellen kann.

Auch bei Offenstallhaltung mit ständigem Zugang zu Weideflächen, ist bei neu zugeteilten Weideflächen zunächst eine Verknappung des Weidezugangs anzuraten, um Luxuskonsum der Pferde, von noch sehr jungem, saftigen Gras, zu verhindern. Neben der Gefahr von Koliken, wegen zu geringer Rohfasergehalte, bestehen Risiken für den Stoffwechsel durch stark erhöhte Rohprotein- und Nitratgehalte sowie Kohlehydratverbindungen. Hierzu zählen auch die Fruktane, eine spezifische Zuckerfraktion der Gräser, die besonders in sehr sonnenreichen, aber noch kalten Tagen im April und Mai hohe bis sehr hohe Konzentrationen im Weidegras aufweisen können. Fruktane sind eine wesentliche Ursache für die auf Frühjahrsweiden auftretende, fütterungsbedingte Hufrehe beim Pferd. Zu berücksichtigen ist, dass eine Hufreheprophylaxe bei anfälligen Tieren immer mit einem strengen Fütterungs- und Weidereglement bis hin zum totalen Weideverbot im Frühjahr einhergehen soll.

Weidesysteme

Das System der Weidenutzung entscheidet in der Pferdehaltung über die mögliche Futtermenge und Qualität von der Weide, aber auch über Aspekte des Tierwohls.

Standweide

Unsere Freizeit- und Sportpferde sind durch ihre evolutionäre Herkunft als Flucht- und Lauftiere in Steppenlandschaften geprägt. Verhältnismäßig große und langgestreckte Weideflächen mit ständiger Beweidung kommen diesem Verhaltensanspruch sehr nahe. Die damit umschriebene Standweide hat jedoch auch Nachteile für die Grünlandnutzung, denn das selektive Fraß- und Abkotverhalten der Pferde zeichnet sich deutlich in der Grünlandvegetation von Standweiden ab. Durch den sehr tiefen Verbiß der Pferde werden wertvolle Grasarten regelrecht „verbissen“ und durch ertragsschwache Pioniergräser oder Platzräuber wie z.B. Breitwegerich und Ferkelkraut ersetzt. Außerdem wird durch den Effekt der Überweidung und der damit einhergehenden Lückenbesiedlung auch dem Jakobskreuzkraut und anderen giftigen bzw. gemiedenen Kräutern (vgl. Tabelle 1) eine Bühne geboten. In den ständigen Abkotbereichen setzen sich nährstoffliebende Obergräser mit geringem Futterwert durch, oftmals die Gewöhnliche Quecke. Weil diese Bereiche nicht abgefressen werden, kommt es zur Nährstoffüberfrachtung.

Ein weiteres Problem ist im Zusammenhang mit Standweidenutzung der unterschiedliche Graszuwachs im Verlauf der Weidesaison von April bis Oktober. Dauerstandweiden sind daher insgesamt eher kritisch zu bewerten, auch wenn sie aufgrund des größeren Weideflächenbedarfs sehr tiergerecht sind.

Mähweide

Eine deutliche Verbesserung der Situation kann durch ein geregeltes Weidemanagement erreicht werden. Bereits durch die kombinierte Nutzung als Mähstandweide mit einem Heuschnitt auf 50-70 % der Gesamtfläche wird eine bessere Futterausnutzung erreicht. Nur ein Drittel bis die Hälfte der Gesamtfläche wird (je nach Wüchsigkeit) ab Ende April geweidet, während der übrige Anteil gesperrt bleibt und erst zwei bis drei Wochen nach einer frühen Heu-Schnittnutzung für die Beweidung zugeteilt wird. Weitere Vorteile der Mähweidenutzung bestehen in der verbesserten Weidehygiene (Parasiten) sowie der günstigeren Bestandsentwicklung (Vegetation) durch den Wechsel von Schnitt und Weidewirkung.

Koppelweide ist eine mehrwöchige, ganz- oder halbtägige Weidehaltung, die den Weidetieren ermöglicht, sich in kleiner Herde auf relativ großer Fläche zu bewegen. Der Selektionsdruck innerhalb der Weidefläche wird bei der Koppelweide durch Weidepausen von 2 bis 4 Wochen im Vergleich zur Standweide deutlich verringert. Die Ausnutzung des Weideaufwuchses ist im Gegensatz zur Standweide (30-50 %) ebenfalls deutlich besser. Die Futterverluste in der Koppelweide werden auf etwa 20-25 % geschätzt.

Umtriebsweiden sind im Gegensatz zu den klassischen großen Koppelweiden durch hohe Besatzdichte und eine kurze Weidedauer je Nutzung von nur wenigen Tagen bis etwa einer Woche gekennzeichnet. Für diese Form der Weidenutzung ist neben einer guten Grundnährstoffversorgung eine regelmäßige Stickstoffzufuhr erforderlich (vgl. Tabelle 3 in `Pferdeweide-Düngung´).

Nach jeder Nutzung erfolgt eine geringe Stickstoffgabe, sodass insgesamt bis zu 110 kg N/ha gedüngt werden können. Vorteilhaft bei der Umtriebsweide ist der wesentlich geringere Weideverlust im Vergleich zum System der Koppelweide. Zwischen den kurzen Intervallen der Weidenutzung sind Ruhezeiten von mehreren Wochen für den Wiederaustrieb einzuplanen. Dieses Weidesystem ist für kleine Herden ungeeignet, weil der erforderliche Weidedruck (Tiere je Fläche) mindestens sechs bis acht relativ kleinere Flächen erfordert, die möglichst einen zentralen Zugangsweg benötigen und alle mit festen, pferdegerechten Zäunen ausgestattet sein müssen. Außerdem kann es durch den häufigen Umtrieb bei empfindlichen Tieren zu Irritationen im Verdauungstrakt kommen, wenn die Inhaltsstoffe der Aufwüchse von Parzelle zu Parzelle stark schwanken.

Rationsweide, mit täglicher Zuteilung der Futterration durch einen Steckzaun, ist die effizienteste Form der Weidenutzung. Dieses Weidesystem wird nur in wenigen pferdehaltenden Betrieben angewandt und kommt nur unter bestimmten Umständen in Betracht. Mit der Rationsweide können auch höhere Aufwüchse, die sich bereits in der späten Weidereife oder in der frühen Heureife befinden, noch effektiv genutzt werden, weil der selektive Verbiss der Weidetiere durch den Steckzaun verhindert wird. Diese Form der Weidenutzung erfordert allerdings täglich zusätzlichen Aufwand durch die Zaunbetreuung.

Düngung der Pferdeweiden

Der Düngebedarf für die Grundnährstoffversorgung der Weideflächen sollte auf Basis von Bodenproben ermittelt werden. Akkreditierte Labore geben Düngeempfehlungen für Phosphor, Kalium und ggf. Kalk auf Grundlage der Bedarfsempfehlungen der Landwirtschaftskammern. Die Stickstoffdüngung der Pferdeweiden richtet sich nach dem Nutzungsregime und der Nutzungsintensität des Grünlandes. Bei intensiver Weidenutzung, mit dem in Tabelle 1 (Weideplaner) genannten Tierbesatz, können auf Pferdeweiden etwa 30 kg N/ha in zwei bis drei Einzelgaben empfohlen werden. Für die Schnittnutzung in einer Mähstandweide wird eine deutlich höhere Stickstoffgabe von 60 kg N/ha empfohlen (vgl. Tabelle 3).

In Standweiden und Koppelweiden ist Kalkstickstoff als N-Düngemittel im zeitigen Frühjahr empfehlenswert. Die für eine antiparasitäre und herbizide Wirkung notwendige Mindestgabe von 3 dt Kalkstickstoff ersetzt die in Tabelle 3 empfohlenen ersten zwei N-Gaben mit schnellwirksamem Stickstoff. Die Weidehaltung ist für Pferdehalter eine wesentliche Voraussetzung für gesunde und zufriedene Tiere. Die Ansprüche der Pferde an die Weide als Futtergrundlage können nur erfüllt werden, wenn ein angepasstes Bewirtschaftungs- und Weidemanagement erfolgt.

 


Kontakt:
Gerd Lange
Berater Grünland und Naturschutzprogramme
Telefon: 04271 945-224
Telefax: 04271 945-222
E-Mail:
Meike Backes
Leiterin Fachbereich Grünland und Futterbau
Telefon: 0511 3665-4453
Telefax: 0511 3665 4508
E-Mail:


Stand: 29.04.2019



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