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Heute silieren und bald davon füttern

 

Die Silierperiode hat begonnen. Das Gärfutter wird dringend benötigt, denn die Futterreserven aus dem Vorjahr sind knapp bzw. nicht mehr vorhanden. Wie schnell das Silo wieder geöffnet werden kann und was es zu beachten gilt, lesen Sie nachfolgend.

 

Endlich werden die ersten Silos wieder mit Futter gefüllt. Grassilage als hochwertiges Grundfutter wird für die Futterration dringend benötigt. Vor dem Hintergrund sind auch die Fragen aus der Praxis zu verstehen, ab wann das Silo wieder geöffnet werden darf und ob man den Gärprozess mit geeigneten Silierzusätzen  forcieren kann.

Zunächst zur Frage des Öffnungszeitpunktes. Im Allgemeinen sollte das Silo mindestens sechs, besser noch acht Wochen geschlossen bleiben. Je länger der Verschlusszeitraum, desto sicherer kann man sein, dass nicht nur der Hauptgärprozess abgeschlossen ist, sondern auch weitere hartnäckige Schimmelpilze ausgeschaltet werden. So reagiert zum Beispiel der Blauschimmelpilz Penicillium roqueforti erst auf eine lange Verschlusszeit und der dauerhaften Kohlendioxidphase empfindlich.

Die Hauptgärphase hängt zudem entscheidend von dem Trockensubstanzgehalt sowie der Siliereignung des Siliergutes ab. Das Anwelken oberhalb von 35 % TM schränkt die Gärgeschwindigkeit ein. Ein intensives und zügiges Durchsilieren ist im TM-Bereich bis zu 35 % gegeben. Kräftige Gärgashauben sind deshalb in erster Linie bei noch etwas feuchterem Siliergut zu beobachten. In aller Regel kann in der zweiten Woche nach dem Siloverschluss das Nachlassen der Gärgashaube beobachtet werden. Das ist zugleich Beleg dafür, dass die Gärprozesse nachlassen. Doch ob damit bereits ein Durchsilieren gegeben ist, kann nicht allein von der Gärgashaube abgeleitet werden. Entscheidend ist das Erreichen eines gewissen, ausreichend tiefen pH-Wertes.

Durch die pH-Abnahme kommt der konservierende Effekt bei der Silierung zustande. Welcher pH-Wert mindestens zu erreichen ist, hängt hierbei wiederum vom TM-Gehalt ab. Im Allgemeinen ist ein pH-Wert unterhalb von 4,5 anzustreben, um wesentliche Störkeime sicher zu unterdrücken. Vor dem Hintergrund muss der einzusilierende Grasbestand selbst eine gute Silierbarkeit mit sich bringen. In dem Zusammenhang kommt es vor allem auf einen hohen Z/PK-Quotienten an.

 

 

Diesen erzielt man durch:

viel Weidelgras im Grasbestand,

eine Ernte zum optimalen Schnittzeitpunkt

eine schmutzarme Mahd.

Ziehen wir aus diesen Grundlagenkenntnissen ein Zwischenfazit:

Ein Durchsilieren innerhalb von mindestens zwei bis drei Wochen ist auch in der Praxis möglich, wenn der Anwelkgrad den TM-Bereich von 35% nicht übersteigt, sehr gute Siliereigenschaften vorliegen und ein nahezu hermetischer Siloverschluss bei hoher Verdichtung des Futterstapels vorgenommen wird.

Das rasche Senken des pH-Wertes kann mit Anwendung von homofermentativen Milchsäurebakterien unterstützt werden. Abbildung 1 zeigt ein typisches Beispiel von zahlreichen Silierversuchen. Die applizierten homofermentativen Milchsäurebakterien werden sehr schnell aktiv und sie wandeln den Pflanzenzucker bevorzugt zu Milchsäure um. Gegenüber den anderen Gärsäuren zeichnet sich die Milchsäure durch eine hohe Azidität aus. Im Klartext heißt das: nur von ihr wird der pH-Wert effizient in den sauren Bereich gebracht.

Trotz einer durchsilierten Silage kann ein Nacherwärmen auftreten, denn Hefen werden mit tiefen pH-Werten nicht ausgeschaltet. Für die Praxis ist daher Weiteres zu beachten:

Das Silo sollte sehr schmal angelegt werden. Im Sommer ist ein wöchentlicher Futtervorschub von mindestens 2,50 m, besser noch deutlich höher zu empfehlen. Da viele Silos aktuell leer sind, darf auch Futter getrennt in zwei Silos parallel eingelagert werden. Die Einlagerungsmengen je Silo sind so zu planen, dass von dem kleineren Futterstapel nach kurzer Verschlusszeit entnommen wird. Das große Silo kann auf diese Art und Weise mindestens 6 bis 8 Wochen verschlossen bleiben.


Wir fassen zusammen

Die Hauptgärphase einer Silage ist erst dann abgeschlossen, wenn ein stabiler und ausreichend tiefer pH-Wert erreicht ist. Je nach TM-Gehalt und Silierbarkeit ist von einem eher dreiwöchigen Zeitraum auszugehen. Welken Sie bis zu maximal 35 % TM an. Homofermentative Milchsäurebakterien tragen für eine beschleunigte Anfangsgärphase bei.

Um das Nacherwärmen des Futters zu verhindern, muss die Silogeometrie passen. Für den Sommerfütterungszeitraum ist ein wöchentlicher Mindestvorschub von 2,50 m als absolut unterer Bereich anzusehen. Je höher der Futtervorschub, desto stabiler bleibt das jung silierte Futter.

 


Kontakt:
Dr. Christine Kalzendorf
Beraterin Grünland, mehrj. Ackerfutterbau und Futterkonservierung
Telefon: 0441 801-428
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:
Meike Backes
Leiterin Fachbereich Grünland und Futterbau
Telefon: 0511 3665-4453
Telefax: 0511 3665 4508
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Stand: 13.05.2019