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Wo und wie Luzerneanbau gelingen kann

Luzerne gilt mit ihrem tiefen Wurzelsystem als trockenheitstolerante Futterpflanze.  Damit dieser Effekt aber auch zum Tragen kommt, bedarf es einer guten Etablierung dieser Leguminose. Nicht auf jedem Ackerstandort in Niedersachsen kann das gut gelingen. Zu den Ansprüchen der Luzerne lesen Sie im Folgenden mehr.

 

Witterungskapriolen häufen sich und hierbei auch Trockenheits- und Hitzephasen. Ganz offensichtlich hinterlässt der Klimawandel Spuren, was sich in der landwirtschaftlichen Produktion auch unter unseren nordwestdeutschen Bedingungen negativ auswirkt.

Eine dringende Frage ist, wie der Futterknappheit künftig mit mehr Nachdruck, vor allem auf den leichteren Standorten entgegengewirkt werden kann. Immer mehr wird nach trockenheitsresistenteren Futterpflanzen nachgefragt. Die Luzerne findet hierbei von den Praktikern ein besonderes Interesse. Doch gelingt der Luzerneanbau unter nordwestdeutschen Bedingungen? Wo sind ihre Anbaugrenzen?

Die Luzerne wird oft als Königin der Futterpflanzen bezeichnet. Doch damit sie mit hohen Jahreserträgen von mindestens 90 bis etwa 150 dt TM/ha bei drei bis vier Aufwüchsen und Rohproteingehalte oberhalb von 20 % punkten kann, möchte sie auch königlich behandelt werden. Das umfasst sowohl den Bereich der Standortansprüche als auch die Art und Weise der Nutzung.

Im Hinblick auf Standortansprüche ist für ihr Gedeihen vor allem der Boden-pH-Wert sowie ein gartenähnliches, unkrautfreies, gut angewalztes Saatbett von wesentlicher Bedeutung. Auf Sandstandorten sollte der pH-Wert oberhalb von 5,8 liegen. Höhere Boden-pH-Werte sind für Lehmböden mit 6,8 und für Tonböden mit 7,2 erforderlich. Bei pH-Werten im sauren Bereich, bleibt die Luzerne sowohl im Wachstumsverhalten als auch mit ihren Ertragsanteilen stark zurück. Darüber hinaus sind tiefgründige, durchlässige und damit leicht erwärmbare Böden mit guter Kalk-, Phosphor- und Kaliversorgung für den erfolgreichen Luzerneanbau wesentlich.

Im Rahmen der Versuchsarbeiten auf unseren niedersächsischen Prüfstandorten schnitt der Rotklee im Vergleich zur Luzerne hinsichtlich der Etablierung und des Ertragsergebnisses immer besser ab.  Viele unserer Standorte sind aus den oben genannten Gründen nicht prädestiniert für die Luzerne.

Die Aussichten für den erfolgreichen Luzerneanbau verbessern sich aber in Anbauregionen des östlichen Niedersachsens und dem Raum Hannover-Braunschweig.

In beiden Regionen waren die Auswirkungen der Trockenheit in 2018 aufgrund der leichten Böden besonders für Grünland- und Ackerbaustandorte gravierend.  Ein Grund mehr, über alternative Kulturen für den Futterbau nachzudenken.

Saat

Wer jetzt noch Luzerne anbauen möchte, darf keine weitere Zeit für die Saatbettvorbereitung und Aussaat verlieren.

Prinzipiell kann Luzerne im Zeitraum von April bis Anfang August gedrillt werden. Aufgrund ihrer langsamen Entwicklung sind Saattermine im Frühjahr und hierbei günstigenfalls unter Deckfrucht zu bevorzugen. Mit diesem Saatverfahren ist das Anbaurisiko am geringsten. Zudem erbringt die Deckfrucht bereits im Frühsommer einen Ertragsschnitt zur Futterproduktion.

Der Erfolg für Reinsaaten der Luzerne im Zeitraum Juli bis Mitte August mit Saatstärken von 20 bis 25 kg/ha hängt stark von der Witterung, hierbei den Niederschlägen und in der Folge den Keimbedingungen ab. Es gilt, eine ausreichende Vorwinterentwicklung für die Winterhärte der jungen Pflanzen trotz der langsamen Anfangsentwicklung sicherzustellen und das Überwachsen von Unkräutern zu verhindern. Vor dem Hintergrund wird sowohl eine intensive Unkrautbereinigung bei der Saatbettbereitung empfohlen als auch eine möglichst frühe Saat.

Düngung

Vergleichbar mit der Saatbettbereitung, ist eine gute Planungsarbeit auch für die Düngungsmaßnahmen beim Luzerneanbau anzuraten. In aller Regel sollte die notwendige Grunddüngung vor der Saat stattfinden.

Prinzipiell sind die oben genannten Boden-pH-Werte für die Keimung und Jugendentwicklung der Luzerne wesentlich.

Für die Nährstoffe Phosphor, Kalium und Magnesium kann auf Basis der Bodenuntersuchung dem Entzug entsprechend gedüngt werden (Tabelle 1). Da Luzernekeimlinge empfindlich auf Kalisalze reagieren, sollten Kalidünger mindestens drei Wochen vor der Saat ausgebracht und eingearbeitet werden. In trockenen Lagen gilt das Gleiche für PK-Dünger.

Im Rahmen der Mikronährstoffversorgung sind Bor und Molybdän für die Luzerne bedeutsam, denn diese fördern die Tätigkeiten der Knöllchenbakterien.

Eine N-Düngung, die auch organisch erfolgen kann, beschränkt sich auf eine Startgabe zur Saat im Bereich von 30 bis 50 kg N/ha, um das Auflaufen zu fördern.

Die N-Düngung für Luzernegras sollte gleichfalls in gemäßigter Höhe und in Abhängigkeit der Leguminosenanteile erfolgen. Luzerne wird durch N-Gaben leicht verdrängt und das Gras zu stark gefördert. Geben Sie daher der Luzerne vor allem im ersten Nutzungsjahr die Chance, sich im Bestand etablieren zu können.

Sortenwahl

Wo Luzerne noch nie angebaut wurde bzw. Anbaupausen von 5 bis 10 Jahren bestehen, ist die Anwendung von beimpftem Saatgut zu bevorzugen. In unseren Versuchen brachte die Beimpfung mit Knöllchenbakterien immer bessere Ergebnisse im Hinblick auf die Bestandesentwicklung und den Ertrag im Vergleich zu unbehandeltem Saatgut. In Deutschland sind aktuell 15 Sorten zugelassen. Bei der Sortenwahl ist stets dann Augenmerk auf eine gute Resistenz gegenüber der Luzernewelke zu legen, wenn sie über zwei Jahre genutzt werden soll.

Bei den erfahrenen und erfolgreichen Luzerneanbauern spricht nichts dagegen, nur eine Sorte für die Saat zu verwenden und sich hierbei noch gezielter auf Merkmale wie den Blühbeginn und den Rohproteingehalt zu achten.

Die allgemeinen Anbaurisiken für den Luzerneanbau lassen sich des Weiteren mindern, indem entweder die Ackerfuttermischung A8 als Luzernemischung oder A9 als Luzernegrasmischung gewählt wird (siehe Kasten).  

Nutzung

Die richtige Nutzung des Luzernebestandes ist zugleich die beste Pflege. Gelingt die Aussaat und anschließend eine rasche Entwicklung, so bleibt auch der Fremdbesatz gering.

Richtwerte zu den empfohlenen Bestandesdichten in Abhängigkeit der Nutzungsdauer zeigt Tabelle 2. Jede Beschädigung und jeder Ausfall einer Pflanze führt zu einem Rückgang der Bestandesdichte. Wird der oberirdische Wurzelkopf verletzt, verzögert das den Wiederaustrieb. Vor dem Hintergrund ist Augenmerk sowohl auf die Schnitthöhe als auch auf das Befahren der Fläche zu legen. Bei ebenen Flächen sind Schnitthöhen von 8 cm akzeptabel, bei unebenen Flächen ist eine höhere Einstellung von etwa 10 cm zu wählen. Häufige Überfahrten und vor allem das Befahren nach Niederschlägen führen zu Ausfällen von Pflanzen. Daher sind Fahrspursysteme auch bei Erntemaßnahmen von Vorteil.

Im Ansaatjahr sowie in den Folgejahren wird zwischen dem vorletzten und dem letzten Schnitt eine Pause von 50 Tagen empfohlen, wenn im Folgejahr eine weitere Nutzung erfolgen soll. Dieser Zeitraum dient der Luzerne zur Reservestoffeinlagerung und trägt zur besseren Leistungsfähigkeit der Bestände bei. Bei dem letzten Nutzungstermin im Herbst ist darauf zu achten, dass noch entsprechend Zeit für ein gewisses Nachwachsen der Pflanzen vor Winterbeginn gesichert ist. Ansonsten könnte sich das auf die Winterhärte des Bestandes nachteilig auswirken.

Schnittzeitpunkt

Der optimale Mahdzeitpunkt orientiert sich entweder am Vegetationsstadium oder an der Wuchshöhe.

Der Schnittzeitpunkt hat entscheidenden Einfluss auf den Nährstoff- und Energiegehalt des Futters. Je später der Schnitt nach der Knospe erfolgt, desto mehr Rohfaser wird eingelagert zu Lasten von Rohprotein und Energie.

Liegt der Fokus auf hohe Energie- und Rohproteinwerte muss eine intensive Nutzung mit vier bis fünf Schnitten erfolgen. Diese intensive Nutzungsweise geht zu Lasten der Ausdauerfähigkeit der Luzerne und begrenzt damit die Nutzungsdauer auf zwei Jahre. Soll mit dem Luzerneanbau vorzugsweise ein hochwertiges Strukturfutter erzeugt werden, reduziert sich die Schnitthäufigkeit auf eine drei bis viermalige Mahd. Diese mittelintensive Nutzung gewährleistet eine dreijährige Nutzungsdauer und in aller Regel zugleich die höchsten Trockenmasseerträge.

Im Ansaatjahr sollte die Luzerne frühestens nach 75 Tagen oder zu Beginn der Blüte erstmalig geschnitten werden. Schröpfschnitte zur Unkrauteindämmung wirken sich nachteilig auf die Leistung und Ausdauer aus.

Wir fassen zusammen

Für den erfolgreichen Luzerneanbau ist vor allem der Boden-pH-Wert maßgebend. Viele Böden sind daher in Niedersachsen für diese Futterpflanze nicht geeignet. Das Beimpfen des Saatgutes, eine gute Saatbettvorbereitung und eine Nutzung mit Augenmaß gehören zu grundsätzlichen, agronomischen Maßnahmen für produktive Luzernebestände.


Luzerne- und Luzernegrasmischungen

Die Ackerfuttermischung A8 ist eine Luzernesaatmischung für den zwei- bis mehrjährigen Anbau zur Schnittnutzung. Sie muss aus mindestens zwei Sorten bestehen, was zu einer besseren Ertragssicherheit beiträgt.

Unter der Bezeichnung A9 sind Luzernegrasmischungen mit jeweils 17 % Wiesenschwingel und Wiesenlieschgras sowie 66 % Luzerne deklariert. Durch die Graskomponente ist diese Mischung besser zur Silagegewinnung geeignet als die Luzernereinsaat (A8) und sie mindert das Anbaurisiko für den Fall, dass die Luzerne nicht gut gedeiht. Die Gräser tragen zudem zu einer dichteren Narbe bei, ohne die Luzerne zu verdrängen. In Trockenperioden ist auch eine kurzfristige Beweidung der Mischung in Portionsbeweidung (nicht über mehrere Tage als Kurzrasenweide!) möglich.


 

 


Kontakt:
Dr. Christine Kalzendorf
Beraterin Grünland, mehrj. Ackerfutterbau und Futterkonservierung
Telefon: 0441 801-428
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:
Meike Backes
Leiterin Fachbereich Grünland und Futterbau
Telefon: 0511 3665-4453
Telefax: 0511 3665-4508
E-Mail:


Stand: 23.07.2019



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