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Futterwert von Grünroggen – Maximum an Ertrag versus Maximum an Futterqualität

Der optimale Schnittzeitpunkt stellt immer einen Kompromiss zwischen Ertrag einerseits und Futterqualität andererseits dar. Lesen Sie nachfolgend mehr über das Für und Wider eines frühen Schnittes und den möglichen Futterqualitäten zum Grünroggen.

 

Welchen Futterwert hat Grünroggen? Diese Frage war im Frühjahr des Jahres öfter zu hören, denn die Frucht wurde im letzten Jahr vermehrt mit dem Ziel einer frühzeitigen Grünfutterente angebaut.

Im Rahmen einer Sortenprüfung in Obershagen (LK Hannover) wurden in 2019 sieben Grünroggensorten auf ihre Inhaltsstoffe zu einem frühen Erntetermin (Fahnenblatt voll entwickelt) und zum üblichen Erntetermin (Beginn Ährenschieben) untersucht.

Die wesentlichen Ergebnisse lassen sich wie folgt zusammenfassen.

Bereits im EC-Stadium 39 (Fahnenblatt voll entwickelt) hatten die Sorten eine Wuchshöhe von durchschnittlich 77 cm bei einer Streubreite von 60 bis 85 cm erreicht. Es handelte sich daher um gut entwickelte und massereiche Bestände. In diesem Entwicklungsstadium lag die Energiekonzentration bei 6,8 MJ NEL/kg TM. Mit Rohfasergehalt von 25 % wies das Futter schon eine beachtliche Struktur auf, die sich zu 51 % aus der gut verdaulichen Hemicellulose zusammensetzte. Die ausgewiesene und überdurchschnittliche hohe Verdaulichkeit von 59 ml/200 mg TM erklärt sich aber nicht nur vor diesem Hintergrund, sondern auch aufgrund des hohen Rohproteingehaltes von 16 % und des Zuckergehaltes von 18 %. Mit einem nutzbaren Rohproteingehalt von 148 g/kg TM wurde in dem sehr frühen Erntestadium ein qualitativ hochwertiges Futter produziert.

Der optimale Schnittzeitpunkt für Gräser und Grüngetreide wird normalerweise zu Beginn des Ährenschiebens empfohlen. Das ging nach unseren einjährigen Untersuchungen sehr zu Lasten des Futterwertes und einem deutlichen Rückgang an Rohprotein (12 % i.d.TM) und Energie (5,8 MJ NEL/kg TM). Die Energiekonzentration fiel gegenüber dem frühen Erntezeitpunkt um 1,1 MJ NEL/kg TM ab und erreichte in keiner der sieben untersuchten Sorten einen Wert oberhalb von 5,5 MJ NEL/kg TM. Sowohl der Lignifizierungsgrad hatten zugenommen als auch der Rohfasergehalt, welcher bereits ein Niveau von 29 % i.d.TM erreicht hatte.

Es bleibt festzuhalten, dass der Futterwert des Grünroggens stark vom Entwicklungsstadium beeinflusst wird. Liegt der Fokus auf Futterqualität muss früh und zwar noch vor Beginn des Ährenschiebens geerntet und auf das Erreichen des Maximalertrages verzichtet werden.

Die Mahd zu Beginn des Ährenschiebens bedeutet im Umkehrschluss einen Verzicht auf Futterqualität zu Gunsten des Ertrages. Beide Optionen sind abzuwägen und letztendlich einzelbetriebliche Entscheidungen.

Zwei Aspekte gilt es bei sehr früher Grünroggenernte zu bedenken:

  1. Vor dem Ährenschieben zeichnet sich das Futter einerseits durch viel Energie und hohe Nährstoffgehalte aus, andererseits sind die Trockenmassegehalte noch gering. Das erschwert die Silierung und trägt zur Sickersaftbildung bei. Das Anwelken ist für den Grünroggen im Allgemeinen nicht üblich und erbringt im April auch nur bei besten Witterungsbedingungen den gewünschten Welkeffekt oberhalb von 28 % Trockenmasse.
  2. Eine frühe Räumung der Zwischenfrucht kann für die Nachfolgefrucht wiederum von Vorteil sein.

Für den Anbau des Grünroggens zur Futtergewinnung gibt es viele gute Argumente, wie auch der Beitrag „Roggen trotzt der Trockenheit“ zeigt. Mit einer leistungsfähigen Sorte und dem passenden Schnittzeitpunkt lässt sich hochwertiges Futter produzieren.

 


Kontakt:
Dr. Christine Kalzendorf
Beraterin Grünland, mehrj. Ackerfutterbau und Futterkonservierung
Telefon: 0441 801-428
Telefax: 0441 801-432
E-Mail:
Thekla-Karina Niehoff
Beraterin Energiepflanzen
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Stand: 23.07.2019