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Grünroggen trotzt der Trockenheit - Ergebnisse der Grünroggenversuche 2019

Im zweiten zu trockenen Jahr infolge herrscht in vielen Betrieben Grundfutterknappheit. Der Anbau von Grünroggen als Winterzwischenfrucht kann dazu beitragen, die Versorgungslücken wieder zu füllen. In Kombination mit z.B. nachfolgendem Mais kann der Gesamtertrag pro Fläche erhöht werden, vorausgesetzt die Wasserdefizite der Böden werden ausgeglichen.

 

Grünschnittroggen ist nicht nur ein wichtiges Substrat für Biogasanlagen. Auch in der Rindviehration kann er eine sehr gute Ergänzung sein.

Die Ergebnisse der diesjährigen Sortenversuche zeigen das hohe Ertragspotential der speziell gezüchteten Grünroggen-Sorten. Versuchsergebnisse mit direktem Vergleich belegen eindeutig die Ertragsvorteile der Grünschnittroggensorten gegenüber den üblichen Roggensorten.

Diese unterscheiden sich von den Körnernutzungssorten durch eine wesentlich frühere, höhere Massenbildung nach Vegetationsbeginn im Frühjahr und auch ein früheres Ährenschieben (Bild). Damit ist eine frühe Ernte Mitte April - Anfang Mai möglich, wobei der Erntezeitpunkt sinnvollerweise in Abhängigkeit des Aussaatzeitpunktes der Folgefrucht, i.d.R. Mais, gewählt wird. Bei kalten Frühjahren, so wie in diesem Jahr, kann der Roggen die Vegetationszeit im April noch wesentlich besser zur Ertragsbildung nutzen, als der nachfolgende Mais. Problematisch für die Folgekultur wird es allerdings dann, wenn das Wasser fehlt, so wie es in den letzten beiden Frühjahren der Fall war. Mit Beginn des Ährenschiebens steigen die Rohfasergehalte des Grünroggens, womit die Qualität insgesamt stark absinkt.

Anspruchslose Kultur

Der Grünroggen ist ausgesprochen anspruchslos, winterhart und kann durch seine schnelle Wüchsigkeit sehr gut den evtl. im Boden noch vorhandenen Stickstoff verwerten. Eine Anbaufolge mit z.B. Mais braucht Standorte mit ausreichender Wasserversorgung, da der Grünroggen bedingt durch das hohe Massenwachstum auch einiges an Wasser verbraucht. Die normalerweise ausreichend vorhandene Winterfeuchtigkeit kann der Grünroggen optimal nutzen. Es bleibt zu hoffen, dass die Herbst- und Winterniederschläge die Böden in diesem Jahr allerorts wieder auffüllen.

Eine N-Düngung im Herbst in Höhe von max. 30-40 kg N/ha ist nur noch möglich, wenn der Grünroggen nach Getreide und bis zum 15.9. bestellt wird und der Boden weder langjährig organisch gedüngt (> 13 mg P/100g Boden) noch humusreich ist. Dies dürfte insgesamt ein eher seltenes Szenario sein. Ausführliche Informationen dazu enthält z.B. der Beitrag „Herbstdüngung ist komplexer geworden“ in der Land & Forst, Ausgabe 28.

Das Anbaumanagement des Grünroggens ist unkompliziert. Hinsichtlich der Pflanzenschutzintensität ist ein deutlich geringerer Aufwand im Vergleich zum Körnerroggen notwendig. Es ist maximal eine einmalige Herbizidmaßnahme (im Herbst), wenn überhaupt eine Fungizidmaßnahme in der Schossphase und (eventuell damit kombiniert) eine wachstumsregulatorische Maßnahme einzuplanen. Oftmals ist auch gar keine Pflanzenschutz - Maßnahme erforderlich.

Entwicklungsbedingungen 2018/19

In die niedersächsische Auswertung der Grünroggenprüfung fließen der Standort Obershagen im Landkreis Hannover und der emsländische Standort Werlte ein.

In Obershagen konnte der Versuch am 27.9 termingerecht bei guten Bodenverhältnissen gedrillt werden. In Werlte wurde etwas später, am 10.10. unter trockenen Bodenverhältnissen gedrillt. Zur Aussaat kamen jeweils 350 Kö./m², wie für spätere Termine üblich bei den Grünschnittroggen – Populationssorten.

Durch den milden Winter war eine zügige Entwicklung gewährleistet.

Die Sorten Turbogreen und Higreen hatten in Obershagen bereits Ende Februar eine Pflanzenlänge von 20 bis 25 cm bei sehr guter Massenbildung erreicht. Dadurch bedingt, verursachte leichter Schneefall Mitte Februar in diesen Sorten Lager.

Zur Ernte konnten sich diese Sorten aber teilweise wiederaufrichten. Blattkrankheiten traten nicht auf.

Die Ernte erfolgte in Obershagen am 02.05. und in Werlte am 13.05.19. Trotz relativ geringer Niederschlagsmengen konnten sehr gute Ergebnisse erzielt werden.

Die absoluten Trockenmasseerträge lagen mit im Mittel knapp 80 dt TM/ha in Obershagen und im Mittel über 100 dt TM/ha in Werlte weit über denen des Vorjahres und stellten das sehr hohe Ertragspotential des Grünroggens unter Beweis.

Versuchsergebnisse und Sortenempfehlung

Mittlerweile gibt es 13 speziell für die Nutzungsrichtung Winterzwischenfruchtanbau zugelassene Grünschnittroggensorten.

Neben einem hohen Trockenmasseertrag sollte die Standfestigkeit ein weiteres Kriterium für die Sortenwahl beim Grünroggen sein. In Tabelle 1 sind die Ergebnisse der Jahre 2018 und 2019 über die Standorte Obershagen und Werlte zusammengefasst. Tabelle 2 zeigt die diesjährigen in unseren Versuchen erhobenen Bonituren in den Merkmalen Pflanzenlänge und Lager, ergänzt um die entsprechende Einstufung der Lagerneigung durch das Bundessortenamt.

Im Rahmen der Wertprüfung mit länderübergreifendem integriertem gemeinsamen Anhangssortiment wurden in 2019 zehn zugelassene Grünroggen - Sorten geprüft. Ergänzt wurde das Sortiment in Niedersachsen noch durch die Hybridsorte KWS Progas, die als GPS-Sorte zum Vergleich mitlaufen sollte und die Mischung aus den Sorten Protector und Terogrün, die aufgrund des höheren Rohproteingehaltes insbesondere für Fütterungszwecke interessant ist.

Die Sorte Vitallo, die bereits mehrjährig stabile Erträge liefert, günstige agronomische Eigenschaften aufweist und damit auch uneingeschränkt für den Anbau empfohlen werden könnte, wird leider nicht mehr vermarktet.

Die Sorten Protector, Turbogreen und Traktor zählen zu den mehrjährig geprüften Sorten, die sich unter niedersächsischen Bedingungen als sehr ertragsstark erwiesen haben und daher uneingeschränkte  Anbauempfehlung finden. Die Sorte Spedogreen zeigt ebenfalls mehrjährig stabile Ertragsleistungen, auch in der bundesweiten Auswertung. Sie wird gleichfalls für den Anbau empfohlen. Auch die Sorte Lunator wies besonders in diesem Jahr gute Ertragsleistungen auf und ist für den Probeanbau empfohlen.

Der Versuch wird in den nächsten Jahren fortgeführt.

Fazit

  • Mit dem Anbau von Grünroggen steht im Frühjahr ein zeitig zu erntendes Grünfutter zur Verfügung. Er ist daher vor dem Hintergrund der erneuten Futterknappheit und der zu erwartenden guten Erträge eine besonders interessante Winterzwischenfrucht. Der Anbau ist unkompliziert und das Futter vielseitig entweder zur Rinder- oder Biogasfütterung verwendbar. Grünroggen eignet sich gut für ein Zweinutzungssystem mit Mais. Dies setzt jedoch ein ausreichendes Auffüllen der Böden mit Niederschlägen über Winter und eine einigermaßen gesicherte Wasserversorgung voraus.
  • Bei der Sortenwahl sollten die speziell geprüften Grünschnittsorten gewählt werden, denn nur diese lassen das maximale züchterische Potential im Hinblick auf den früh im Jahr erzielbaren Ertrag nutzen.

 

 


Kontakt:
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Beraterin Energiepflanzen
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Beraterin Grünland, mehrj. Ackerfutterbau und Futterkonservierung
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Stand: 29.07.2019



PDF: 32288 - 274.721679688 KB   Grünschnittroggen Tabellen   - 275 KB